Platzwunde, Spritzen, Zahnspange

9 brenzlige Situationen, durch die (fast) jeder durch muss

Der gebrochene Arm beim Inliner-Fahren, die Platzwunde auf dem Spielplatz, der unangenehme Piekser beim Impfen oder die Zahnspange. Es gibt ein paar Situationen, da müssen (fast) alle Kinder und Eltern einmal durch. Wir geben Hilfestellungen.

Autor: Gabriele Möller
Seitenanfang
Junge Gipsbein
Foto: © fotolia.com/ ia_64

1. Fieser Pieks beim Arzt

Die Krise: Ist eine Impfung noch recht schnell überstanden, treibt eine Blutabnahme oft allen Beteiligten den Schweiß auf die Stirn. Denn hier schalten viele Kinder auf Alarmstufe rot: Sie schreien und halten nicht still.

Der Autsch-Faktor: mittelhoch. Schlimmer als der unangenehme Pieks ist die Angst davor - und natürlich der wenig beruhigende Anblick der Nadel. 

Erste Hilfe: Oft kann ein erfahrener Kinderarzt auch ängstliche "Kundschaft" beruhigen. Es versteht sich von selbst, dass Mama oder Papa dem Kind bei der Prozedur die Hand halten. Auch die Aussicht auf eine Belohnung kann den Anschubs geben, sich doch zu trauen.

Lösung: Wenn gar nichts geht: zeitnah wiederkommen und einen anderen Verwandten mit dem Kind hingehen lassen - Kinder verhalten sich oft anders, wenn eine andere Begleitperson dabei ist. Manchmal ist die letzte Rettung ein (vorübergehender) Wechsel des Arztes: Ein neuer Mediziner erzeugt auch eine neue "Chemie".

2. Gehirnerschütterung

Die Krise: Ein Sturz vom Spielgerüst - und schon ist sie passiert. Typisch ist eine kurze Bewusstlosigkeit oder auch nur eine kurze Pause, bevor das Kind anfängt zu weinen. Es können Erbrechen und Schläfrigkeit auftreten, manchmal auch Sprachstörungen oder Erinnerungslücken.

Autsch-Faktor: hoch. Zum Kopfweh kommt oft Übelkeit und Krankheitsgefühl hinzu.

Erste Hilfe: den Kopf abtasten (Beule, Platzwunde?), das Kind beruhigen, ihm Fragen stellen (erinnert es sich an den Sturz?). Bei Verwirrtheit oder anfänglicher Ohnmacht den Krankenwagen rufen. Oft treten Symptome erst nach Stunden auf (Erbrechen, Müdigkeit), dann eine Klinikambulanz aufsuchen. Auch wenn keine Übelkeit da ist, das Kopfweh aber heftig ist, zum Arzt gehen.

Lösung: Je nach Stärke der Gehirnerschütterung muss das Kind einige Tage im Krankenhaus bleiben. Bei leichter Erschütterung reicht es oft, ein paar Tage zu Hause zu bleiben.

3. Bäh, die Medizin schmeckt nicht!

Die Krise: Hat der Nachwuchs eine bakterielle Ohren- oder Mandelentzündung, können  Antibiotika ein Segen sein. Doch die schmecken oft mies - kein Wunder, dass Babys und Kleinkinder davon manchmal würgen und die Medizin ausspucken.

Autsch-Faktor: mittel. Bittere Medizin tut zwar nicht weh, kann aber das Schlucken blockieren oder Brechreiz auslösen.

Erste Hilfe: Das Kind in eine aufrechte Position bringen. Das Antibiotikum in einer Spritze ohne Nadel aufziehen. Die Spritze seitlich in der Backentasche und dort relativ weit hinten in kleinen Portionen ausdrücken (dies umgeht die Geschmackspapillen der Zunge).

Lösung: Würgt das Kind die Medizin dennoch heraus, steht ein zweiter Gang zum Kinderarzt (am Wochenende in eine Kinderklinik-Ambulanz) an. Dasselbe Mittel eines anderen Herstellers schmeckt oft besser, es kann aber auch ein Antibiotikum aus einer anderen Stoffgruppe verschrieben werden.

4. Das "Loch" im Kopf: die Platzwunde

Die Krise: Sie passiert oft durch einen Sturz oder einen Steinwurf. Der Volksmund gibt ihr zwar einen drastischen Namen, doch in der Regel ist sie eher harmlos.

Autsch-Faktor: mittelhoch. Vor allem die Ursache der Wunde tut weh. Hinzu kommt der Schreck, weil Platzwunden am Kopf meist stark bluten. 

Erste-Hilfe: Ein nasser Waschlappen kühlt und stillt die Blutung, ohne mit der Wunde zu verkleben. Unterwegs kann auch ein Packen Papiertaschentücher oder ein Kleidungsstück auf die Wunde gedrückt werden. Später eine sterile Kompresse aufdrücken und mit Mullbinden befestigen. 

Lösung: Zum Kinderarzt oder in die Klinikambulanz fahren, um die Wunde kleben, klammern oder nähen zu lassen. Kleine Platzwunden (bis ca. 1,5 cm), die nicht im Gesicht sind, kaum bluten und nicht auseinander klaffen, müssen nicht immer vom Arzt behandelt werden (selbst desinfizieren, pflastern, kühlen). 

5. "Aua, der Zahn tut weh!"

Die Krise: Wird ein Kariesloch entdeckt, besteht Handlungsbedarf. Leider sehen das viele Kinder ganz anders: Bohren tut doch bestimmt weh, oder?

Autsch-Faktor: beträchtlich, denn zum Zahnweh (vor allem bei Kälte oder Süßem) kommt oft die Angst vor dem sirrenden Bohrer oder der Betäubungsspritze hinzu.

Erste Hilfe: Eile mit Weile! Zunächst zu einer Lagebesprechung zum Zahnarzt gehen. Der sollte jetzt die Angst nehmen: indem er alles erklärt oder das Kind vielleicht den rotierenden Bohrkopf auf der Haut fühlen lässt (tut nicht weh). Erst beim zweiten oder dritten Besuch wird der Zahn repariert (nur möglich, wenn er nicht schmerzt).

Lösung: Mangelt es dem Zahnarzt dazu an Geduld, ist eine Kinder-Zahnarztpraxis ideal: Dort werden junge Bedenkenträger mit Erfahrung und psychologischem Geschick von der Behandlung überzeugt (ein bis zwei vorbereitende Besuche einplanen).

6. Angst vor der Operation

Die Krise: Ob die Mandeln raus müssen oder Paukenröhrchen eingesetzt werden - viele Operationen bei Kindern sind Routine. Nicht aber für den Nachwuchs, dem die Klinikatmosphäre, die fremden Menschen und die Operation zu schaffen machen.

Autsch-Faktor: mittelhoch.Zwar ist es nicht der Körper, der weht tut, aber der Angststress kann groß sein.

Erste Hilfe: Die Zeit bis zur OP zur Vorbereitung nutzen. Ein Arztkoffer, mit dem Familienmitglieder oder auch das Kuscheltier "behandelt" werden, aber auch Bücher zum Thema Krankenhaus nehmen ein bisschen die Angst vor dem Unvertrauten.

Lösung: Alles ist erträglicher, solange Mama oder Papa da sind.Muss ein Kleinkind stationär bleiben, eine Klinik wählen, in der man rund um die Uhr dabei sein darf. Vielerorts ist das bei kleinen Kindern Routine, abends wird für ein Elternteil ein Bett bereit gestellt. Ältere Kinder wünschen sich täglich Besuch, gern auch zweimal. 

7. Schraubstock-Alarm bei Zahnspange 

Die Krise: Viele in der "Crew" haben schon eine feste Spange, und endlich gehört man auch dazu. Doch ein paar Stunden nach Einsetzen der Klammer ist die Freude schon vorbei, denn sie tut arg weh.

Autsch-Faktor: ganz schön groß. Die Schmerzen können dem Nachwuchs das Kauen für einige Tage fast unmöglich machen oder ihn sogar am Schlafen hindern. 

Erste Hilfe: Für die Nacht ein Schmerzmittel (z. B. Nurofen) vorrätig haben. Für die ersten Tage die Mahlzeiten klammerfreundlich planen: Angesagt ist Weiches.

Die Lösung: Die feste Zahnspange darf anfangs weh tun, es sollte aber erträglich sein. Wird das Essen oder Schlafen unmöglich: nochmal zum Kieferorthopäden gehen. Er kann den Anfangsdruck verringern. 

8.  Ausgeschlagener Zahn 

Die Krise: ein Sturz auf die Lenkstange, und schon ist der Schneidezahn weg. Ist es ein Milchzahn, pflanzt ihn der Zahnarzt etwa bis zum Alter von vier Jahren wieder ein (bei älteren Kindern werden die Wurzeln bereits zurückgebildet). Ist es ein bleibender Zahn, wird die Rettung unbedingt versucht.

Autsch-Faktor: ziemlich hoch. Die Wunde blutet und tut weh, dazu kommt der Schrecken.

Erste-Hilfe: den Zahn in H-Milch (oder eine Zahnrettungsbox aus der Apotheke) einlegen. Ist nichts vorhanden, können Mutter oder Vater den Zahn einfach in die eigene Backentasche nehmen. Sofort mit dem Kind zum Zahnarzt fahren.

Lösung: Milchzähne bei Kindern bis vier Jahre sowie bleibende Zähne wachsen oft gut wieder an - aber nur, wenn die Wurzel beim Transport feucht gehalten wurde. 

9.  Knochenbruch - leicht zu übersehen!

Die Krise: Brüche sind bei Kindern nicht selten, das bringen Spiel und Sport mit sich. Sie sind nicht immer zu erkennen, weil es sich bei Kindern manchmal um sogenannte "Grünholzfrakturen" handelt: Der Knochen bricht unvollständig wie ein frischer Zweig.

Autsch-Faktor: hoch. Ein Knochenbruch tut sofort und anhaltend weh.

Erste Hilfe bei äußerlich sichtbarem Bruch von Arm oder Bein: das Kind hinlegen, warm halten und beruhigen, den Krankenwagen rufen.

Lösung: Wenn nichts zu sehen ist: bei Verdacht trotzdem zum Arzt fahren. Kann das Kind sich normal bewegen, schont aber auch noch am nächsten Tag Arm oder Bein: an eine Grünholzfraktur denken und röntgen lassen (Schonhaltung ist es auch, wenn ein Kleinkind wieder krabbelt, obwohl es längst läuft).

Foren zum Thema

Unsere Partner
  • SteriPharm Folio
  • Pampers
  • Nestle Bebe
  • Eltern Grußkarten
  • Vorname.com
  • Schöner Wohnen Shop