Wenn einem alles Über den Kopf wächst

Kostenloses Elterntelefon

Alle Eltern kennen diese Zeiten, in denen ihnen alles über den Kopf zu wachsen scheint. In einer solchen Situation kann man sich kostenlos Rat beim bundesweiten Elterntelefon holen.

Autor: Felicitas Römer
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Konflikte als Chance nutzen

ueberforderter Vater am Telefon
Foto: © iStockphoto.com, tomazl

Wer kennt das nicht? Alles wächst einem über den Kopf. Die Kinder schreiben schlechte Noten, der Achtjährige pinkelt ins Bett oder die pubertierende Tochter kommt regelmäßig zu spät nach Hause. Krisenhafte Phasen kommen in jeder Familie vor. Täglich wiederkehrende Konfliktsituationen wie Trotzanfälle beim Zähneputzen oder Geschwisterzank können Eltern den letzten Nerv rauben. Besonders Mütter von Kleinkindern, die Job, Erziehung und Haushalt unter einen Hut bringen müssen, sind häufig schlichtweg erschöpft. Auch ungelöste Probleme in der Partnerschaft können das Klima in der Familie prägen. Da Eltern unter massivem Druck stehen, alles "richtig" machen zu müssen, leiden sie oft unter Schuld- und Versagensgefühlen, wenn alles schief zu laufen scheint.

Wenn uns die Belastungen an den Rand unserer Kräfte bringen, kann ein offenes Gespräch mit einem kompetenten Ansprechpartner kleine Wunder wirken. Sich dem Konflikt zu stellen und daran zu arbeiten, bedeutet, ihn als Chance zu nutzen. Als Chance auf Verbesserung der familiären Beziehungen und der Lebensqualität.

Wer Hilfe sucht, handelt verantwortungsbewusst

Eine in belastenden Situationen hilfreiche Möglichkeit ist der Griff zum Telefon: Beim bundesweit geschalteten Elterntelefon erreicht man direkt und ohne Wartezeit eine geschulte Beraterin, die Zeit und Verständnis hat. "Wir nehmen hier jedes Anliegen ernst. Für uns gibt es kein banales Problem", sagt Silke Boehncke, die seit zwei Jahren beim Elterntelefon in Hamburg tätig ist. Die Kinderkrankenschwester und zweifache Mutter hat sich für dieses Ehrenamt in 100 Unterrichtsstunden ausbilden lassen; Fortbildung und regelmäßige Supervision stehen weiterhin auf ihrem Programm.

Unter dem Dachverband der Bundesarbeitsgemeinschaft Kinder- und Jugendtelefon e.V. organisieren verschiedene Träger das Elterntelefon in derzeit 43 Städten. Seit Schirmherrin Doris Schröder-Köpf 2001 den Startschuss für das Projekt gab, hat sich die Anzahl der Beratungsgespräche verdreifacht: Rund 10.000 waren es bundesweit im Jahr 2003.

Dass immer mehr Menschen das kostenlose Beratungsangebot annehmen, freut Birgit Kärgel, Sozialpädagogin und Leiterin des Hamburger Elterntelefons: "Wir empfinden es als Stärke, wenn jemand Kontakt mit uns aufnimmt. Wer Hilfe sucht, handelt verantwortungsbewusst und ist offen für neue Impulse und Sichtweisen."

Individuelles Gespräch statt Patentrezept

Vorrangiges Ziel eines Beratungsgesprächs ist, die Erziehenden in ihrer Kompetenz zu stärken. "Wir verstehen Eltern als die eigentlichen Experten", sagt Birgit Kärgel, "denn sie kennen ihre Kinder und Lebensumstände am besten." So geben die Beraterinnen keine pauschalen Ratschläge. Sie führen individuelle Gespräche, die sich an den Wünschen des Hilfesuchenden orientieren. Manche Anrufer benötigen Adressen von Institutionen, andere wollen sich aussprechen und wiederum andere möchten konkret an der Lösung eines Problems arbeiten. "Zuerst höre ich den Menschen einfach zu. Durch gezieltes Nachfragen versuche ich zu verstehen, worum es genau geht", so Silke Boehncke. Manchmal empfinden die Ratsuchenden schon Erleichterung, weil sie sich mit ihren Sorgen ernstgenommen und verstanden fühlen.

Abstand gewinnen und neue Perspektiven entwickeln

"Steckt man in einer schwierigen Situation, ist es, als stünde man zu dicht vor einem Bild: Alles verschwimmt vor den Augen. Wir helfen den Menschen, ein bisschen Abstand zu nehmen und den Blick auf ihre Familie wieder zu schärfen", beschreibt Birgit Kärgel den Beratungsvorgang. Dabei rückt auch das Positive wieder stärker ins Licht: Was läuft gut in der Familie, welche Stärken hat mein Kind, wie haben wir andere Krisen schon gemeistert? So entwickeln Ratsuchende im gemeinsam Klärungsprozess meistens selber schon Ideen, wie sie ihre Situation verändern könnten. "Die meisten Anrufer sind nach einem Gespräch erleichtert und dankbar, weil sie sich nicht mehr so ohnmächtig fühlen", resümiert Silke Boehncke.

Bei komplexen Themen vermittelt die Beraterin an spezialisierte Einrichtungen weiter, etwa an Erziehungs- oder Fachberatungsstellen und Therapiezentren. Viele Anrufer zeigen sich nach einem hilfreichen Gespräch bereit, auch weiterführende Unterstützung in Anspruch zu nehmen.

Gut zu wissen: Tipps und Infos

  • Die Nummer des Elterntelefons ist: 0800-1110550
  • Bundesweite Telefonzeiten sind: Montag und Mittwoch von 9.00-11.00 Uhr
    Dienstag und Donnerstag 17.00-19.00 Uhr

    Je nach Standort gibt es allerdings noch zusätzliche Beratungszeiten. Informationen hierzu finden Sie unter www.elterntelefon.org

  • Das Elterntelefon ist ein bundesweites Beratungsangebot, das sich an alle Menschen richtet, die mit Kindern zu tun haben.
  • Es ist anonym und kostenfrei, es fallen also keine Telefongebühren an. Weder auf der Rechnung noch dem Einzelverbindungsnachweis ist ein Anruf beim Elterntelefon aufgeführt.
  • Selbstverständlich gilt das Prinzip der Vertraulichkeit: Inhalte eines Beratungsgesprächs werden nie nach außen getragen.
  • Es ist besser, aus dem Festnetz anzurufen, denn so wird man in der Regel mit dem nächstgelegenen Standort verbunden. Das ist besonders sinnvoll, wenn jemand weiterführende Hilfeangebote in seiner Region benötigt.
  • Männliche Berater sind rar, aber es gibt sie. Erfreulicherweise melden sich immer mehr Väter beim Elterntelefon. Wer lieber mit einem männlichen Berater sprechen möchte, kann sich nach dessen Beratungszeiten erkundigen.

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