Multikulturell

Mehrsprachige Erziehung

Wir leben im Zeitalter von Flugverkehr und Internet. Und so nimmt es nicht Wunder, dass internationale Beziehungen auch Einzug in unsere Kinderzimmer halten.

Autor: Hannelore Grisko-Kelley
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Mehrsprachige Erziehung - wie geht das?

Familie mehrsprachige Erziehung
Foto: © iStockphoto.com/ digitalskillet

Die Welt ist irgendwie zusammengerückt. Nicht nur, dass wir mit dem Euro zahlen, über den Atlantik oder Pazifik in Urlaub jetten und online mit Freunden in Südafrika chatten - auch unsere Kinder sollen natürlich in diesem globalen Dorf zurecht kommen. Da hört man immer häufiger von Englisch im Kindergarten, von zweisprachigen Programmen in der Grundschule und von einsprachigen Eltern, die ihren Kleinen das oft zitierte Geschenk der Mehrsprachigkeit in die Wiege legen möchten. Aber ist das wirklich eine so gute Idee? Und wenn ja, was genau können sie dann ihren Kindern im Bereich Mehrsprachigkeit mitgeben?

Zwei oder drei Sprachen natürlich, wenn Sie zu den "klassisch" gemischten, eingewanderten oder ausgesiedelten Familien zählen, d.h. wenn Sie oder Ihr Ehepartner eine andere Muttersprache als Deutsch sprechen oder bei Ihnen zu Hause etwas anderes als Deutsch gesprochen wird. Oder auch, wenn Ihr Beruf Sie für längere Zeit mit Familie ins Ausland führt.

Die gemischte Familie

Christie ist Kanadierin, mit einem Deutschen verheiratet und lebt in der Nähe von Hannover. Mit ihren beiden Söhnen, 4 und 7 Jahre alt, spricht Christie von Geburt an nur Englisch, ihr Mann Deutsch. Die Eltern untereinander sprechen ebenfalls Deutsch. Da beide Eltern die jeweils andere Sprache können, gibt es keine Probleme. Die Kinder sprechen auch Englisch, wenn sie zusammen spielen, worüber Christie sehr glücklich ist. "Spielsprache ist oft die Umgebungssprache und schwächt dann die ausländische Muttersprache - bei uns zum Glück nicht", berichtet sie. Sie freut sich auch, dass es in der Grundschule ihres Sohnes nun Englischunterricht gibt, und wird seine Lehrerin unterstützen. "Der Schulbeginn drängt nämlich oft die zweite Sprache ab."

Etwas anders sieht es bei Uschi aus, die mit ihrem französischen Mann und dem kleinen Sohn in Bayern lebt. "Wir sprechen zwar oft Französisch, das ich nach mehreren Jahren Berufstätigkeit im Land auch perfekt beherrsche - aber Philippe (3) ist einfach faul. Er versteht alles auf Französisch, antwortet aber immer auf Deutsch. Außerdem ist mein Mann leider oft beruflich unterwegs, und ich finde es dann blöd, mit Philippe französisch zu sprechen. Außerdem habe ich gehört, dass jeder Elternteil bei seiner Sprache bleiben soll."Warum gibt es diese Unterschiede zwischen aktiv und passiv zweisprachigen Kindern - solchen, die die zweite Sprache ( Zielsprache ) verstehen, aber nur die stärkere Sprache ( meist die Sprache der Umgebung ) sprechen? Sicher deshalb, weil wir Menschen sehr logisch und effizient funktionieren, aber auch gefühlsgeleitet.

Fragen und Grundlagen

Braucht das Kind die Zielsprache, um zu kommunizieren? Hat es eine klare Verbindung von Person und Sprache oder Sprache und Situation aufbauen können? Ein ganz wichtiges Prinzip der mehrsprachigen Erziehung ist die Sprachentrennung - etwa, indem zu Hause nur Französisch und außer Haus nur Deutsch gesprochen wird, oder mit Mama nur Englisch und mit Papa nur Deutsch.

Lernt das Kind etwa gleich viel in beiden Sprachen, so dass es sich altersgerecht ausdrücken kann? Dies ist das Prinzip der Ausgewogenheit. Was wir in den wichtigen ersten Jahren versäumt haben, lässt sich später nur schwer oder gar nicht aufholen.

Sind alle Kinder gleich? Natürlich nicht! Besonders schüchterne Kinder tun sich oft schwer mit ihrer zweiten Sprache. Und Sprachbegabung gibt es ebenso wie das Gegenteil.

Was verbindet das Kind mit der Zielsprache? Mag das Kind die Person(en), mit der es in der jeweiligen Sprache sprechen soll? Eine liebe Omi oder gute Freunde in einem anderen Land, die man besuchen kann, können Wunder für die Aktivierung einer Sprache wirken. Umgekehrt kann ein unterschwelliger Konflikt das Kind davon abbringen, positive Gefühle einer Sprache gegenüber zu entwickeln.

Befindet sich das Kind in einer Entwicklungsphase, die den Spracherwerb begünstigt oder erschwert? Bis zum Alter von drei Jahren erwirbt ein Kind die Muttersprache ganz natürlich, indem es Laute nachahmt ( es lallt und plappert z.B. ) und Regelmäßigkeiten in seinem Gehirn speichert. Und mit etwa zehn Jahren sind die sprachlichen Grundlagen auch für die Schriftsprache gelegt.

Internationale Beispiele

Die Einwanderer-Familie

Familie Kossko ist ist aus der ehemaligen Sowjetunion in die Bundesrepublik ausgesiedelt. Beide Eltern haben mit viel Mühe Deutsch gelernt und können sich inzwischen gut verständigen, aber keineswegs flüssig und akzentfrei Deutsch sprechen. Zuhause spricht die ganze Familie natürlich Russisch. Die Kinder besuchen die Grund- und Hauptschule und sprechen beim Spielen jetzt immer öfter Deutsch. "Manchmal wollen sie sogar mit mir Deutsch sprechen", sagt Raissa. "Vor allem, wenn wir einkaufen oder deutsche Bekannte in der Nähe sind, ist es meinem Großen furchtbar peinlich, dass ich russisch rede. Ich hätte nie gedacht, dass ich nicht nur meine Heimat, sondern auch meine Sprache verlieren würde." Zusätzlich hat Raissa nun von der Lehrerin gehört, dass ihr Kleiner in der Schule besser sein könnte, wenn er mehr Deutsch üben würde. "Ich möchte, dass unsere Kinder beide Sprachen gleich gut können. Aber ich möchte natürlich auch, dass sie hier ein gutes Leben aufbauen. Versteht das denn niemand?" Am besten wäre es für diese Kinder, wenn sie von den Eltern immer gutes Russisch und ansonsten immer gutes Deutsch hören würden, damit sie beide Sprachen richtig lernen. Und wenn sie zusätzlich Nachhilfeunterricht in Deutsch hätten, um ihr Selbstbewusstsein zu stärken.

Türkisch ist als Minoritätensprache in Deutschland schon länger etabliert. Da bietet es sich an, von Haus aus zweisprachigen Kindern nicht nur die Landessprache Deutsch, sondern auch ihre "Muttersprache" richtig beizubringen. Zum Teil wurden deshalb zweisprachige Schulprogramme entwickelt. Wo aber Türkisch nun als Schulfach unterrichtet wird, stellt sich oft heraus, dass die Kinder mit der Hochsprache gar nichts anfangen können, weil es über zwei Generationen zu einer Pidginisierung der Einwanderer-Sprache gekommen ist, die sich mit dem dominanten Deutsch mischte. "Dieses Pidgin-Türkisch ist nur noch für andere Deutsch-Türken verständlich", sagen Eingeweihte. Statt Zweisprachigkeit droht also vielen Kindern insgesamt mangelnde Sprachkompetenz, die sich in Familie, Schule und Gesellschaft negativ auswirken kann.

"Ich kenne niemanden, der zwei Sprachen wirklich perfekt beherrscht - selbst wir zweisprachigen Journalisten haben eine etwas stärkere und eine etwas schwächere Sprache. Aber es ist einfach toll, wenn sich meine Nichten und Neffen sowohl mit den Verwandten in der Türkei als auch mit Deutschen unterhalten und auch die Literatur verstehen können," sagt Suzan Guelfirat, eine junge Deutsch-Türkin. "Klar, dass das nicht von selbst passiert, sondern durch Anerkennung und Förderung beider Sprachen. Wenn die Leute sagen, sie sind für zweisprachige Erziehung, müssen sich alle die kritische Frage stellen, ob wir ein Kind, was Deutsch und Englisch spricht, mehr bewundern als ein Kind, was Deutsch und Türkisch spricht."

International mobile Familien und Mehrsprachigkeit

Wenn es schon schwierig sein kann, Kinder ausgewogen zweisprachig zu erziehen, wie sieht das dann erst mit mehr als zwei Sprachen und wechselnden Kulturen aus? Das hängt ganz vom Alter der Kinder, der Aufenthaltsdauer, vom Land und von der Sprache ab - und natürlich davon, wie stark die Auslandsfamilie in das normale Leben vor Ort integriert ist. Viele junge Eltern freuen sich, wenn ihre Kinder in einem englischsprachigen Land aufwachsen können, weil sie die Sprache selbst einigermaßen beherrschen, sich dementsprechend schnell einleben und Anschluss finden. Und weil klar ist, dass Englisch für die weitere Ausbildung ihrer Kinder Vorteile bringt. Allerdings vergessen kleine Kinder eine nicht gebrauchte Sprache sehr schnell. Und sobald es in der Schule um mehr als die Prinzipien des Lesens, Schreibens und Rechnens geht, wird die Sache richtig kompliziert.

Deutschland / USA und retour

Andrea und Jürgen z.B. haben 1998 den großen Schritt gewagt, als sie einem Auslandseinsatz durch Jürgens deutschen Arbeitgeber zustimmten. Seit zwei Jahren leben sie nun mit ihren Töchtern in Florida, USA. Olivia und Lena, bei der Ausreise 7 und 2 Jahre alt, besuchen die Schule am Ort und sprechen mittlerweile fast lieber englisch als deutsch. Vor der Ausreise wollte Olivia von einem Englischkurs nichts wissen, hat sich aber in der neuen Schule sehr schnell eingelebt und viel individuelle Hilfe in der Schule bekommen. "Die sogenannten ESL-Programme, die eingewanderten Kindern bei der Eingliederung helfen, sind einfach toll," schwärmt Andrea. In etwa einem Jahr werden sie nachhause zurückkehren und erwarten eine problemlose Wiedereingliederung. Obwohl sie derzeit dem Englisch entgegenhalten müssen, überlegen Andrea und Jürgen jetzt schon, was sie tun können, um in Deutschland das Englisch ihrer Mädchen aufrechtzuerhalten. "Wir sprechen natürlich beide fließend Englisch - aber zuhause dann miteinander Englisch zu sprechen, käme mir total künstlich vor," sagt Andrea. "Wir hoffen, dass wir nach ein paar Jahren zuhause noch einmal in ein englischsprachiges Land gehen können."

Deutschland - USA - Dänemark - und dann Internat?

Beatrix und Thorsten sind ebenfalls 1998 für seinen französischen Arbeitgeber in die USA gegangen, aber schon letztes Jahr weiter versetzt worden. Ihre beiden Jungs, jetzt 11 und 8 Jahre alt, konnten in New York eine örtliche Schule besuchen. Den Eltern war es wichtig, dass sie Englisch lernten und Freunde in der Nachbarschaft hatten. Als das Deutsche bei dem nicht so sprachbegabten jüngeren David ein bisschen holprig wurde, hat sich Thorsten in der örtlichen Samstagsschule - einem Deutschprogramm für Deutsch-Amerikaner aller Altersgruppen - engagiert. So war regelmäßiger Deutschunterricht angesagt, ohne den häuslichen Frieden zu stören. "Das hat meinen drei Männern in jeder Hinsicht gut getan!", lacht Beatrix.

In Dänemark sieht die Sache etwas anders aus. Eine dänische Schule kommt nicht in Frage, da niemand in der Familie die Sprache spricht und Thorsten in zwei bis drei Jahren wieder versetzt wird. Die deutsche Schule am Ort ist eine Begegnungsschule, auf der die Kinder zweisprachig auf deutsch und dänisch unterrichtet werden. Für Sven und David wäre die dritte Sprache eine zu große Belastung, fanden die Eltern, und haben die beiden deshalb bei der internationalen Schule angemeldet, wo der Unterricht auf Englisch stattfindet. Mit dieser Entscheidung sind sie nicht allein: Viele deutsche Expatriaten entscheiden sich für internationale Schulen in der Hoffnung, dass die Kinder zuhause noch genug Deutsch lernen. "Die Integration vor Ort ist dadurch natürlich schwieriger. Aber als Manager im Pharma-Bereich muss ich international mobil sein", meint Thorsten. "Beatrix hat im Internet schon mal nach passenden Internaten gesucht - denn das wird für uns aktuell, sobald die Ausbildung der Kinder unter den Umzügen leidet - wahrscheinlich in England."

Deutscher Globetrotter siedelt in Rom

Stefan ist im Rheinland aufgewachsen und spricht außer Deutsch fließend Französisch, Italienisch und Englisch. Er bekleidet ebenfalls eine Manager-Position und lebt nach diversen In- und Auslandsposten zur Zeit in Paris. Jedes Wochenende pendelt er zu seiner Familie nach Rom. Seine italienische Frau Cinzia, die außer Italienisch fließend Deutsch und Englisch spricht, ist nach drei internationalen Umzügen (dem letzten von USA nach England mit zwei Kindern von zwei und fünf und Baby Fabrizio) ganz bewusst aus diesem Leben ausgestiegen, als ihr Ältester mit 5 Jahren Probleme in der Schule bekam."Wenn man merkt, dass die Kinder nicht mehr normal leben können, ist Schluss", sagt sie. "In Korea hätten wir in einem Ausländerghetto gelebt - oder hätten wir vielleicht noch Koreanisch lernen sollen?"

Die Kinder wachsen nun zweisprachig auf und besuchen die deutsche Schule Rom, die ebenfalls eine Begegnungsschule ist. In den Pausen, zuhause und mit den Freunden wird meist Italienisch gesprochen, so dass der Kleine - inzwischen drei - Deutsch zwar versteht, aber kaum spricht. "Das ist wirklich schade, aber was soll ich machen? Stefan muss mehr Deutsch mit den Kindern sprechen, denn es ist schließlich seine Muttersprache. Leider haben wir in Deutschland keine Verwandten, wo die Kinder mal in den Ferien zu Besuch sein können", sagt Cinzia. "Auf der deutschen Schule lernen sie nicht nur Deutsch und Italienisch. Auch der Englischunterricht ab Klasse 5 ist sehr gut, ganz anders als an italienischen Schulen. Und ich möchte vor allem, dass meine Kinder einmal wählen können, wie ihr Leben aussehen soll und wo sie leben möchten."

"Künstliche" Mehrsprachigkeit

Wenn man selbst keine fremde Muttersprache hat - kann man sich die vielleicht ins Haus holen? Klar. Wie wäre es z.B. mit fremdsprachiger Kinderbetreuung? Die Frau eines ausländischen Studenten oder eine türkische Mutter würde sich vielleicht gern etwas verdienen. Oder Sie erweitern ihre Familie um ein Au Pair. Oder die Großtante aus Rumänien. Egal, welche Sprache - Babys können größere generelle Sprachkompetenz erwerben, indem Mehrsprachigkeit angelegt wird. Was, wenn man selbst nahezu perfekt eine Fremdsprache beherrscht? Dann kann man natürlich so tun, als wäre man Muttersprachler, zusätzlich noch die Wahlsprache pflegen und sie auch mit dem Kind sprechen.

"Dazu braucht man in erster Linie ein großes Selbstbewusstsein",, weiß Monika aus Dortmund inzwischen. "Ich traue mich immer noch nicht, mit Daniel öffentlich Englisch zu sprechen, aber zu Hause tue ich es. Wir besuchen auch regelmäßig meine frühere Gastfamilie in England und überlegen, die Jungs hier auf die englische Schule zu schicken. Meine Eltern finden das nicht so toll, aber jetzt, wo der Kleine anfängt beides zu sprechen, sind sie plötzlich doch stolz." Eine internationale Schule ist natürlich eine gute Möglichkeit, mit zunehmendem Alter der Kinder und komplizierteren Sachverhalten zuhause zur "echten" Muttersprache zurückzukehren und der Schule die zweite Sprache zu überlassen. Das kann aber über 10.000 Euro pro Jahr und Kind kosten und durch weite Anfahrten und Verlust der oft sehr mobilen ausländischen Freunde sehr stressig werden.

Was also tun, wenn man weder sehr gut betucht noch ein Fremdsprachenass ist und kein Gästezimmer hat? Man entscheidet sich für eine Sprache, zu der man ein besonderes Verhältnis hat - etwa, weil sie in einem geliebten Urlaubsland oder von einer nahestehenden Person gesprochen wird. Dann nimmt man Medien als Hilfsmittel: Spielsachen, Videos, Bilderbücher, Tonträger und sogar Computerspiele in der Zielsprache statt in Deutsch können einen neuen Sprachraum schaffen, ohne die Eltern in einen Sprachkonflikt zu verwickeln. Am besten funktioniert das, wenn Sie Ihrem Kind diese Sprachbegegnungen regelmäßig ermöglichen und so angenehm wie möglich gestalten: jeden Abend am Abendbrotstisch mit viel Gelächter nur Italienisch sprechen ( immerhin wiederholt sich da vieles! ), spanische Lieder im Auto mitsingen oder französische Gutenachtgeschichten vorlesen. Ihr Kind wird sich bald darauf freuen und vielleicht sogar mit seiner Puppe, die selbstverständlich nur Französisch kann, ein paar "Worte wechseln."

Und später, wenn die Kinder Bilderbücher lächerlich finden und von Schulfranzösisch wenig begeistert sind? Dann bleiben immer noch die Dauerbrenner Sprachferien und Auslandsjahr. In Hamburg lebt eine alte Dame von über 70, die zwar nicht mehrsprachig ist, sich aber auf Schwedisch, Englisch und Französisch gut verständigen kann. Englisch und Französich hat sie während des Kriegs in der Schule gelernt und später auf Reisen immer mal wieder benutzen können - aber Schwedisch, ihre stärkste Fremdsprache, hat sie als junges Mädchen im Schüleraustausch über die Ostsee gelernt. Gleich nach dem Krieg hat sie dann zwei Jahre als Haushilfe und Kindermädchen in Stockholm gearbeitet. Zum 75. Geburtstag hat sie sich selbst eine Reise zu ihrer alten Austauschpartnerin geschenkt - und konnte sofort wieder Schwedisch sprechen. "Das ist ein Teil von mir, den ich nie vergessen habe, weil ich diese Sprache wirklich einmal täglich gebraucht habe."

Das Geheimnis der Motivation

Muss es denn volle Zweisprachigkeit sein, was wir unseren Kindern in die Wiege legen? Die Vorstellung, dass diese sich automatisch ergibt, ist sowieso falsch. Fast alle mehrsprachig erziehenden Familien, und insbesondere die, in denen ein Partner die Sprache des anderen nicht beherrscht, stimmen überein, dass dieses heiß begehrte Erziehungsziel auch sehr konfliktgeladen ist. Wenn Kinder eine Sprache verweigern oder eine Sprachverzögerung auftritt, wenn es Probleme in der Schule gibt, wenn sie Vorlieben für einen Elternteil zeigen: Immer steht die zweite Sprache unter Verdacht. Und es gibt leider auch die reale Gefahr, statt mehrerer Sprachen keine richtig weiterzugeben.

Was wir unseren Kindern aber mitgeben können, ist die Offenheit diesem "anderen" gegenüber. Die Neugier auf eine andere Kultur, die sich in dieser Sprache manifestiert. Die Möglichkeit, etwas zu lieben und zu einem Teil von uns zu machen, was fremd ist. Die Disziplin, Aussprache und Wörter zu üben, und den Humor, darüber zu lachen, wenn man immer noch Fehler macht und Missverständnisse entstehen. Die Bereitschaft, andere Sprachen nicht als Barriere, sondern als Horizonterweiterung zu sehen; einen ausländischen Spielkameraden nicht als Problem, sondern als Chance zu erleben. Wenn wir ihnen das vormachen, indem wir mit ihnen von klein auf andere Sprachen in unserer Welt begrüßen, dann haben wir ihnen die Mehrsprachigkeit in die Wiege gelegt.

Infos und Kontakte

Bücher

Der Klassiker zweisprachiger Erziehung auf Deutsch oder Französisch istBernd Kielhoefers und Sylvie Jonekeits "Zweisprachige Kindererziehung"/ Stauffenburg Verlag (1998) / Education bilingue, Stauffenburg Verlag (1994)

Ein Buch über mehrsprachige Erziehung ist von Elke Burkhardt Montanari: Wie Kinder mehrsprachig aufwachsen/ Brandes & Apel (2000).

Einen guten und aktuellen Praxis-Überblick auf Englisch gibt es von Una Cunningham-Andersson und Staffan Andersson: Growing up with two languages/ Routledge (1999).

Die Website der Berliner Kinderbuchhandlung mundo azul bietet Eltern mehrsprachig aufwachsender Kinder einen Treffpunkt, Informationsportal und Forum zum Erfahrungsaustausch zu den Themen mehrsprachige Kinderbücher, zweisprachige Schulen und Kindergärten und weiteren Themen aus dem Bereich bikultureller Erziehung.

Aktuelle Infos und Kontakte

Spielgruppen, Gleichgesinnte und einen Rundbrief zum Thema finden Sie bei der Interessengemeinschaft mehrsprachiger Familien (ImF e.V.): www.mehrsprachige-familien.de

Ansprechpartner für die Belange gemischt-nationaler Familien ist der Veband bi-nationaler Familien und Partnerschaften (iaf e.V.):www.verband-binationaler.de

Speziell für im Ausland lebende deutschsprachige Familien gibt es die Selbsthilfegruppe Interessengemeinschaft Deutschsprachiger im Ausland (IDA) mit vielen Tipps für mehrsprachige Erziehung: www.imAusland.org

Kurse

Den neuen kindgerechten Englisch-Sprachkurs speziell für Zwerge von 4 bis 10 Jahren gibt´s bei Berlitz kids / Kindersprachschule:www.berlitz.de

Autoren-Info:

Hannelore Grisko-Kelley ist Deutsche, mit einem Amerikaner verheiratet und erzieht ihre vier Kinder (4, 8, 10 und 12) englisch/deutsch und italienisch. Nach Auslandsaufenthalten in USA, Indien und Australien lebt die Familie derzeit in Rom und bereitet die Rückkehr nach Hamburg vor.

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