Süßigkeiten-Depots und Web-Ausflüge
Privatsphäre – Wie viel braucht ein Kind?
Hauptkommissarin Mama – Gespräch oder Verhör?
Manche Eltern (und auch hier betrifft es meist die Mütter) wären am liebsten immer bei ihrem Kind, um es ständig höchstpersönlich unterstützen und bewachen zu können. Die gute Seite dieser Eltern ist, dass sie sich sehr für ihr Kind interessieren, es optimal fördern möchten und sich darum sorgen, dass es ihm gut geht und niemand ihm etwas Böses tut. Die Schattenseite ist, dass sie es damit manchmal übertreiben. So quetschen Mütter ihr Kind beim Mittagessen gern nicht nur darüber aus, wie es heute in der Kita oder der Schule war, sondern auch, welche Noten die anderen Kinder bei einem Test hatten, wer sich wann und mit wem trifft, was die Erzieherin oder Lehrerin genau getan und gesagt hat, oder wer sich wieder daneben benommen hat. Viele Kinder reagieren hierauf mit Wortkargheit („Wie war es denn heute?“ „Okay.“ „Was habt ihr denn gemacht?“ „Weiß nicht.“).
Natürlich möchte man wissen, wie es dem Kind am Vormittag im Kindergarten oder der Schule ergangen ist. Besser (und erfolgreicher) als inquisitiv nachzubohren ist es aber, einfach zu warten, bis vom Kind selbst etwas kommt, und das dann aufzugreifen (und es kommt immer etwas, früher oder später). Daraus ein Gespräch zu spinnen, ist dann nicht mehr schwer. Und ganz nebenbei erfährt man doch noch (fast) alles, was man wissen möchte. Wer einschätzen möchte, wie die Atmosphäre in Gruppe oder Klasse ist oder wie das Kind dort zurechtkommt, kann auch einfach mal hospitieren. Die meisten Kindergärten und viele Grundschulen ermöglichen Eltern das Zuschauen (nach Vereinbarung). Man muss aber trotzdem damit leben, dass man niemals absolut alles vom Kind wissen wird. Von manch peinlicher, seltsamer oder auch lustiger Situation werden wir Eltern schlicht nie erfahren.
Die Durchleuchtung der Freunde
Bei vielen Eltern steigt der Puls auch schnell an beim Thema Freundschaften: Ist dieser Junge nicht ein bissel arg grob? Gab es bei diesem Mädchen nicht irgendwelche Probleme zu Hause? Ist das nicht das Kind, das eine Zeitlang so auffällig war? Statt solche Kontakte direkt oder auch durch Ausweichmanöver zu boykottieren, können Eltern die Freunde erst mal zum Spielen einladen und dabei näher kennen lernen. Wenn jemand dann wirklich ungeeignet scheint, kann man das Kind zunächst fragen, was es an diesem Jungen oder diesem Mädchen besonders mag. Dann kann man sagen: „Ah, von dieser Seite habe ich ihn oder sie noch gar nicht kennen gelernt. Mir ist aber aufgefallen, dass... Und das fand ich nicht so gut. Was meinst du?“
Durch solche Gespräche und durch die Erfahrung lernen Kinder allmählich selbst einzuschätzen, wer zu ihnen passt und wer nicht. Dabei kann „passen“ auch heißen, dass ein Kind eine Zeitlang von kleinen Persönlichkeiten fasziniert ist, die sehr gegensätzlich zu ihm selbst sind. Ein besonders sanfter Junge kann von einem Rabauken zum Beispiel tatsächlich profitieren, weil der ihm zeigt, dass man auch etwas mutiger und energischer an die Welt herangehen kann. Ein schüchternes Mädchen lernt von einer „Göre“, dass es gar nicht gefährlich ist, einfach mal frischweg seine Meinung zu sagen.
Wirklich ungünstige Freundschaften erledigen sich meist mit der Zeit von selbst. Indirekt ein wenig nachhelfen darf man aber schon: Ein ungehobelter, aggressiver oder zu dominanter Freund wird unwichtiger, wenn ein Kind mehr Gelegenheit bekommt, andere Freunde zu finden. Das geht am besten im Kinderchor oder -orchester, im Turnverein, bei Mannschaftssportarten oder auch bei Vereinigungen wie den Pfadfindern oder kirchlichen Kindergruppen, die alle auch Schnupperstunden anbieten.







