Emotionale Intelligenz entdecken

Spiele für Kopf und Herz

Kontakt aufnehmen, Stimmungen richtig deuten, deutliche Signale aussenden - emotionale Intelligenz ist eine wichtige Grundlage, um im Leben klarzukommen. Und sie kann trainiert werden, zum Beispiel durch Spiele für Kopf und Herz.

Autor: Antje Szillat
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Schulkind: Soziale Kompetenz ist erlernbar

Schueler Sitzkreis Panther Monkeybusiness Images
Foto: © panthermedia, Monkeybusiness Images

Eine ganz alltägliche Situation

Mathea steht in der großen Pause am Schulkiosk an und freut sich auf das Käsebrötchen, das sie gleich kaufen wird. Da kommt eine ältere Mitschülerin an und drängelt sich rücksichtslos vor. „Hey, du doofe Ziege, verzieh dich hier!“, schimpft Mathea. Doch diese Beschimpfung lässt sich die ältere Schülerin nicht bieten und schubst Mathea ruppig zur Seite. Der Konflikt wird zum Kampf und am Ende setzt sich die Ältere durch. Mathea fühlt sich gedemütigt und übergangen.

Eine ganz alltägliche Situation? Leider ja! Doch warum wird das Klima auf Schulhöfen zunehmend rauer? Sind Kinder heute weniger in der Lage , sich friedlich auseinanderzusetzen? Vielleicht. Ein Problem könnte zum Beispiel sein, dass die emotionale Intelligenz von Kindern zu wenig geschult wird. Wie aber geht das eigentlich?

Emotionale Intelligenz bei Kindern spielerisch fördern

Wolfgang Kraus, Lehrer an einer Realschule in der Nähe von Hannover, trainiert mit seinen Schülern das angemessene soziale Verhalten – die emotionale Intelligenz. Wie kann ich die Gefühle anderer besser erkennen und verstehen? Wie drücke ich meine Gefühle aus? Und wie sehen gewaltfreie Konfliktlösungen überhaupt aus?

In seinen Förderstunden lernen die Kinder spielerisch, nicht auf jeden Schubser oder jede verbale Beleidigung mit einer Gegen-Attacke zu reagieren. „Versucht in einer Konfliktsituation eure Gefühle auszudrücken, anstatt euer Gegenüber gleich zu beschimpfen oder zu schlagen“, fordert er die Kinder auf. Zum Beispiel sollen die Schüler der Klasse 5 c Briefe an ihre Mitschüler schreiben, in denen sie ihnen mitteilen, was sie an ihnen mögen und was überhaupt nicht. „Aber bitte keine Beleidigungen“, gibt Wolfgang Kraus zu bedenken. Ziel dieser Übung ist, sich der eigenen Gefühle und des eigenen Verhaltens bewusst zu werden. Sich besser ausdrücken und die Gefühle seines Gegenübers erkennen und verstehen zu können. Beim elfjährigen Leon zeigt diese „Übung“ auch prompt erste Wirkungen. „Ich habe überhaupt nicht gewusst, dass Timo unter meinen kleinen Remplern so leidet“, meint er am Ende der Förderstunde nachdenklich.

So früh wie möglich sollte damit begonnen werden, spielerisch die Grundlagen der emotionalen Intelligenz den Kindern zu vermitteln. Eltern, Erzieher, Lehrer sind heute mehr denn je gefragt, Kindern dabei behilflich zu sein, ihr soziales Gleichgewicht zu finden. Ein gesundes Körperbewusstsein und Selbstwertgefühl zu entwickeln und Wissen über ihre eigene Gefühle und das der anderen zu erlangen, damit sie ihr Verhalten und Handeln den verschiedenen Situationen anpassen können – damit sie emotional intelligent handeln können. Denn, wie der amerikanische Psychologe und Autor Daniel Goleman in seinem Buch „Emotionale Intelligenz“ so trefflich formulierte: „Was nützt ein hoher IQ, wenn man ein emotionaler Trottel ist?“

Spiele zur Förderung der emotionalen Intelligenz

Die folgenden "Herz"-Spiele zur Förderung der emotionalen Intelligenz bei Kindern und Jugendlichen haben sich in der Praxis als nützlich und effektiv bewährt.

Drei Dinge die mir an dir gefallen...

Die Kinder sitzen im Stuhlkreis (oder Fußboden). Der Spielleiter erteilt dem ersten Kind das Wort. Dieses Kind hat nun die Aufgabe ein anderes auszuwählen und drei Dinge zu nennen, die ihm an diesem Kind besonders gut gefallen; das kann eine Charaktereigenschaft sein, z.B. „An dir gefällt mir gut, dass du immer so fröhlich bist“ oder „Ich mag es, dass du so hilfsbereit bist“. Aber auch äußere Kennzeichen sind zugelassen, z.B. „Deine lustigen Sommersprossen mag ich besonders gerne“ oder „Ich mag dein T-Shirt, es passt gut zu deinen blauen Augen.“

Wurden drei Dinge genannt, ist das Kind an der Reihe, das zuvor mit „Komplimenten“ bedacht wurde. Es wählt ein weiteres aus und nennt drei Dinge, die es an diesem mag. So geht das Spiel immer weiter, bis alle Kinder an der Reihe waren.

Tipp: Natürlich eignet sich dieses „Wortspiel“ auch ganz wunderbar für eine Familienspielrunde. Beginnen Sie doch einfach mal den Tag (beispielsweise beim gemeinsamen Frühstück) mit dem Austausch gegenseitiger Komplimente. Sie werden sehen, so starten Ihre Kinder und natürlich auch Sie selbst, ganz anders und viel selbstbewusster in den Tag.

Komplimente tun gut. Sie stärken das Selbstwertgefühl und wirken richtig motivierend. Sie auszusprechen fällt den Kindern und vor allen Dingen den Jugendlichen, allerdings nicht immer ganz leicht. „Du Blödmann“ geht ihnen leichter über die Lippen als „Du bist nett“! Durch dieses Spiel sollen Kinder erleben und lernen, wie schön es ist, mit netten Worten bedacht zu werden und wie gut es sich anfühlen kann, anderen etwas Freundliches zu sagen.

Variante: Die „drei Dinge...“ werden auf einen Zettel geschrieben und dem anderen Kind überreicht. Manchmal fällt es den Kindern wirklich sehr, sehr schwer etwas Nettes zu seinem Gegenüber zu sagen, dann kann diese Variante hilfreich sein.

Sei begrüßt

Der Spielleiter erzählt von verschiedenen Kulturen und Begrüßungsritualen überall auf der Welt, die der Sage nach ganz unterschiedlich sein sollen. Die Kinder sollen nun diese verschiedenen Begrüßungen nachmachen – und Kontakt aufnehmen!

Deutschland: Hände schütteln
Schuhplattlerland: Füße heben und sich zur Begrüßung gegenseitig mit der Fußsohle berühren.
Frankreich: Küsschen rechts und Küsschen links.
In den Ländern, in denen es sehr kalt ist: Nasen aneinander reiben. Da es dort so kalt ist, werden die Hände angeblich nie aus den Jackentaschen genommen.
Amerika: Die Handflächen gegenseitig aneinander klatschen.
England: Zur Begrüßung ein kleines Geschenk überreichen.
China: Gegenseitig voreinander verbeugen.
Afrika: Dort wird zur Begrüßung gemeinsam ein kleines Tänzchen gemacht.
Spanien: Gegenseitig die Stirn aneinander drücken. Die beiden Stirnhöcker bei den Menschen stehen für die Hörner der stolzen Stiere, sagen die Spanier. Durch die Stirn-an-Stirn-Begrüßung, drückt man sein Respekt vor dem anderen aus, so lautet eine alte Legende. Österreich: Gemeinsam jodeln
Italien: Eine Hand heben und winken.
Israel: Gegenseitig leicht am Ohr zupfen

Tipp: Auch dieses Spiel eignet sich toll für Familien. Eine weitere Variante ist das morgendliche wechselnde Begrüßungsritual. Anstatt eines verschlafen gemurmelten „Morgen“ überlegt sich jedes Familienmitglied ein ganz besondere Begrüßung. Neben dem „Schwung“, den dieses lustige Begrüßungsspiel in Ihre Familie bringt, fördert es auch etwas ganz Wichtiges: den Dialog zwischen den einzelenen Familienmitgliedern!

Übrigens: Natürlich handelt es sich teilweise um Phantasiebegrüßungen, was die Kinder auch wissen sollen. Die Kinder können sich selber noch verschiedene Varianten der Begrüßung ausdenken; wie begrüßen sich wohl die Indios oder wird in Texas zur Begrüßung das Lasso geschwungen? Unterschiedliche Länder - unterschiedliche Kulturen - unterschiedliche Menschen!

Dieses Rollenspiel soll in den Kindern mehr Verständnis für die Vielfältigkeit der Menschen - egal welche Farbe, Rasse oder Herkunft - wecken. Alle sind gleich und jeder hat etwas ganz Besonderes – zum Beispiel die Begrüßungen.

Herr Ober, wie ist die Stimmung heute?

Herr Ober, wie ist die Stimmung heute?

Die Kinder sitzen im Kreis oder an einem gedachten Tisch in einem Restaurant. Ein Kind spielt den Ober und verlässt kurz den Raum. Der Spielleiter erklärt diesem Kind, welche Gefühlsstimmung es gleich darstellen soll. Fröhlich, schlechtgelaunt, wütend, traurig, lustig, schüchtern, ängstlich, glücklich ...

Nun rufen die Kinder „am Tisch“ nach dem Ober, um ihre Bestellung aufzugeben. Der Ober nimmt die Bestellung in der abgesprochenen Stimmungslage entgegen. Nachdem alle Bestellungen aufgenommen wurden, berät sich die Gruppe, welche Gefühlstimmung dargestellt wurde. Anschließend wird ein neuer Ober bestimmt und das Spiel fängt von vorne an.

Tipp: Auch dieses Spiel bietet sich ganz wunderbar für „den Familiengebrauch“ an. Lassen Sie doch beispielsweise beim Auftragen des Mittagessen oder Abendessen die anderen Familienmitglieder raten, welche Stimmungslage Sie gerade zum Ausdruck bringen wollen. Natürlich mit Rollentausch. Dieses Spiel eignet sich für viele alltägliche Situationen und lässt sich ganz wunderbar in den „normalen“ Familien-Tagesablauf integrieren.

Die Kinder lernen durch dieses Spiel, die Gefühlslage anderer besser kennen. Und wer die Gefühle seines Gegenübers besser einschätzen und erkennen kann, der ist besser in der Lage, damit umzugehen oder darauf einzugehen. Das gilt natürlich auch - oder sogar ganz besonders - für die Erwachsenen!

Heute wollen wir Pizza backen

Ein Kind legt sich gemütlich auf den Bauch, während sich ein weiteres (oder ein Erwachsener) daneben hockt. Nun beginnt es auf dem Rücken des liegenden Kindes, Pizza zu backen.

Zuerst wird der Teig geknetet: Der Rücken des Kindes wird mit beiden Händen durchgeknetet.

Dann muss der Teig ausgerollt werden: Das Kind sanft hin- und herrollen, mit den Fäusten den Rücken hinauf- und hinunterfahren.

Jetzt wird der Teig schön glatt gestrichen: Mit den Handflächen beider Hände von unten nach oben, von der Mitte nach außen streichen.

Nun kommt der Belag an die Reihe.
Tomaten: Mit den Fäusten Kreise malen
Schinken: Handflächen fest aufdrücken und dabei etwas drehen
Pilze: Leichter Druck mit dem Daumen
Oliven: Alle Fingerspitzen einer Hand zu einer Spitze formen und punktförmig streichen
Zwiebelringe: Mit dem Fingerspitzen Kreise malen
Paprikastreifen: Mit dem Daumen streifenförmig streichen
Käse: Mit den Spitzen der gespreizten Finger klopfen.
Die Pizza in den Ofen schieben: Kräftig an den Rändern des Rückens entlang streichen und der Pizza einen kleinen Schubs geben.
Und schon ist die Pizza fertig.

In der Entwicklung eines Kindes sind Sinneswahrnehmungen durch Berührungen von grundlegender Bedeutung. Das Kind erfährt und begreift durch das Berührt werden und Berühren, Liebe, Zuneigung und nimmt seinen eigenen Körper intensiver wahr.

Spiele für Kopf und Herz ist erschienen im edition zweihorn Verlag und kostet 11,90 Euro (ISBN-13: 978-3-935265-50-8, ISBN-10: 3-935265-50-6).


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