Einmaleins der Finanzerziehung

Wie lernen Kinder den Umgang mit Geld?

Das Wissen um den Wert von Geld und Gütern ist Kindern nicht in die Wiege gelegt. Den Umgang damit zu lernen ist jedoch ähnlich wichtig wie Lesen und Schreiben. Mit der "Finanzerziehung" können Eltern gar nicht früh genug beginnen. Denn den Reizen der Konsumwelt erliegen schon Kindergartenkinder.

Autor: Sabine Ostmann
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Geld wächst nicht auf Bäumen!

Maedchen zaehlt Geld
Foto: © iStockphoto.com/ emyerson

Spielzeug, Süßigkeiten, Lilifee-Malstifte, Fußballaufkleber – spätestens im Kindergartenalter entdecken Kids den Spaß am Konsum und wollen haben, haben, haben. Je älter die Sprösslinge werden, desto kostspieliger die Wünsche: Klamotten, Spielkonsolen, Handys – natürlich immer von den aktuellen In-Marken. Nicht umsonst sind Kinder und Jugendliche eine begehrte, mit allen Mitteln umworbene Zielgruppe.

Wenn schon viele Erwachsene den Reizen der bunten Warenwelt erliegen und jede Menge Kram auf Kredit kaufen, wie soll es dann erst Kindern und Jugendlichen gehen, deren Kumpels in der Schule die neuesten Markenjeans tragen und lässig ein iphone aus der Jacke ziehen? Zwar wächst mit den Jahren auch das Bewusstsein, dass Geld weder auf Bäumen wächst noch in unbegrenzter Menge von Automaten ausgespuckt wird, doch wer cool sein will, muss mithalten – koste es was es wolle.

Dagegen hilft nur eines: Kindern frühzeitig den Umgang mit Geld beibringen und sie stark machen gegen die Verlockungen der Konsumgesellschaft. Denn nur, wer sich bewusst ist, was Dinge kosten und wie viel Arbeit dafür geleistet werden muss, weiß, dass er sein Geld nicht einfach für irgendwelchen Kokolores ausgeben kann. Bei der „Finanzerziehung“ gehören also durchaus traditionelle Tugenden zu den Lernzielen: Selbstdisziplin, Voraussicht und im besten Fall auch soziale Mitverantwortung, also die Bereitschaft, das eigene Geld in einem gewissen Maße auch mal für andere auszugeben.

Über Geld spricht man doch

Glaubt man der aktuellen Kids-Verbraucher-Analyse, ist die Finanzkrise auch in den Kinderzimmern angekommen: Die rund 5,7 Millionen Kinder zwischen 6 und 13 Jahren haben 2009 durchschnittlich 21,87 Euro Taschengeld im Monat bekommen – 1,42 Euro weniger als 2008. Dennoch verfügen Kinder in Deutschland über ein beachtliches Vermögen von insgesamt rund 6 Milliarden Euro – das macht pro Kind durchschnittlich 626 Euro.

Über Geld spricht man nicht – falsch. Wenn Kinder einen bewussten, vernünftigen Umgang mit Euro und Cent lernen sollen, ist Offenheit gefragt. Je nach Alter darf der Nachwuchs ruhig wissen, wie es um die Familienfinanzen bestellt ist, wie viel die Eltern für ihr Geld arbeiten müssen, was die Familie sich leisten kann und was passiert, wenn ein Elternteil arbeitslos wird. Wenn die Kinder mitbekommen, dass die Eltern auf eine größere Anschaffung oder den Familienurlaub sparen oder dass sie wegen eines finanziellen Engpasses günstigere Lebensmittel kaufen müssen, kann das die Finanzerziehung sogar unterstützten. Sind die Sprösslinge alt genug, können Eltern ihnen beim Einkaufen anschaulich demonstrieren, dass es sich lohnt, mit einem festen Budget zu planen und Preise zu vergleichen.

 

Sparsame Eltern sind gute Vorbilder

Noch wichtiger als Gespräche übers Geld ist das elterliche Vorbild. Wenn die Mutter Frust mit einem neuen Parfüm ertränkt, wird sie ihren Kindern kaum glaubhaft vermitteln können, dass man sich nicht alle Konsumwünsche erfüllen kann. Und die Spar-Ratschläge eines Vaters, der jedes Jahr ein neues chromblitzendes Statussymbol in die Garage stellt, dürften ebenfalls ins Leere laufen. Haushalten Mutter und Vater jedoch entspannt, aber souverän mit ihrem Budget und stellen sie Konsum nicht in den Mittelpunkt, wird das auch auf die Kinder abfärben – je jünger diese sind, desto mehr.

Taschengeld: der erste Schritt zur Budgetverantwortung

Können Kinder Schulden machen?
Eltern haften für ihre Kinder, heißt es. Doch bei Schulden gilt das nur sehr bedingt. Volljährige Kinder müssen für ihre Schulden selbst gerade stehen. Minderjährige können nach geltendem Recht überhaupt keine Schulden machen, da sie ohne schriftliche elterliche Einwilligung nicht berechtigt sind, Verträge abzuschließen, die zu Schulden führen können. Geben die Eltern ihr schriftliches Einverständnis beispielsweise zu einem Handy-Vertrag, können sie auch für daraus entstandene Schulden in Regress genommen werden. Ohne ihre Unterschrift ist ein solcher Vertrag grundsätzlich nicht rechtens – Schulden können also jederzeit angefochten werden. Handyverträge werden oft von den Eltern oder von volljährigen Freunden abgeschlossen. Die Kids telefonieren wie die Weltmeister, laden Klingeltöne herunter und senden eifrig MMS – und im Nu ist ihnen die Handy-Rechnung über den Kopf gewachsen. Damit es so weit erst gar nicht kommt, sollten Jugendliche nur mit Prepaid-Karte mobil telefonieren.

Die beste Möglichkeit, den Umgang mit den Moneten zu lernen, ist das eigene Taschengeld , das unbedingt regelmäßig zu einem vereinbarten Zeitpunkt ausgezahlt werden sollte. Schon mit Cent-Beträgen lernen Kinder, was ihr Geld wert ist und was sie sich dafür kaufen können. Meist tritt aber erst mal das Gegenteil ein: Die Kids hauen alles für Süßigkeiten und Sammelbildchen auf den Kopf. Doch das ist kein Grund zur Panik, sondern der erste Schritt auf dem Weg zum bewussten Umgang mit Geld. „Wenn ich alles sofort ausgebe, dann bleibt mir für den Rest der Woche nichts“ – erst wenn Kinder diese Erfahrung gemacht haben, lernen sie, dass man sein Budget einteilen muss und sich überlegen sollte, ob nun die Panini-Bildchen wichtiger sind oder das Eis. Oder ob man das Geld vielleicht doch lieber noch etwas aufhebt, um nächste Woche die tolle Dino-Figur kaufen zu können.

Was kostet viel, was wenig? Will ich wirklich so viel für eine Dino-Figur bezahlen? Oder bekomme ich die woanders vielleicht billiger? Um solche Überlegungen anstellen zu können, müssen Kinder erst ein Gefühl für den Wert von Dingen entwickeln – und das gelingt nur durch eigene Erfahrungen. Vorwürfe sind hier ebenso fehl am Platz wie ein Nachschlag zum Taschengeld, wenn vorzeitig alles ausgegeben worden ist. Auch Vorschüsse sind kontraproduktiv, denn dabei lernt das Kind nur, dass es sich prima auf Pump leben lässt. Und das verhindert eine wichtige Erkenntnis: Wer langfristige Ziele verfolgt, muss auf kurzfristige manchmal verzichten. Wenn Eltern in Notfällen dennoch mal einen kleinen Kredit gewähren, sollten sie unbedingt auf Rückzahlung bestehen.

Damit das Taschengeld zu einem souveränen Umgang mit dem finanziellen Budget beiträgt, gilt auch: So wenig elterliche Einmischung wie möglich – und vor allem keine Vorschriften, wofür das Geld ausgegeben werden darf. Grundsätzlich sollen Kinder frei über ihr Taschengeld verfügen dürfen. Dass Taschengeld auch nicht als Belohnung, Strafe oder Druckmittel eingesetzt werden sollte, versteht sich daher von selbst, denn dies würde den Lerneffekt zunichte machen.

Wie viel Taschengeld ist angemessen? Wir haben diese Fragen dem bekannten Erziehungsexperten Jan-Uwe Rogge gestellt. Hier seine Antwort: 

Sparen, aber richtig

Manche Kinder hüten ihr Taschengeld wie Dagobert Duck seinen Geldspeicher. Andere haben ihre Knete schon nach wenigen Tagen verjubelt. Sinnvoll sparen müssen beide erst noch lernen. Zum Beispiel so: Was am Ende des Monats vom Taschengeld noch übrig ist, kommt ins Sparschwein. Da kann man den Sparerfolg klimpern hören – eine wichtige Motivation für jüngere Kinder. Bei älteren hilft meist eine Wunschliste. Am Ende des Jahres wandert das Ersparte zusammen mit Geldgeschenken der Verwandtschaft auf ein Sparkonto. Damit können dann auch größere Wünsche erfüllt werden. Jugendliche ab 13 oder 14 Jahren sollten ihr Geld auf einem Konto verwalten. Banken und Sparkassen bieten für sie spezielle Jugendgirokonten mit kostenloser Kontoführung an. Die Jugendlichen können davon Geld abheben, aber keine Überweisungen tätigen. Vor allem werden die Konten nur auf Guthabenbasis geführt – Überziehen ist also nicht möglich.

Entscheidend: Nicht jeden Wunsch erfüllen

Kinder haben viele Wünsche – und meist übersteigen diese das Budget. In diesen Fällen ist es sinnvoll, erst einmal abzuwarten, ob es wirklich um einen Herzenswunsch geht, oder ob nächste Woche schon wieder ein neues Objekt der Begierde angesagt ist. Ist ein Wunsch wirklich wichtig, kann man ihn dann und wann erfüllen, aber eben nur diesen einen, und nicht auch noch alle anderen Wünsche. Die kommen erst zum Geburtstag oder zu Weihnachten dran – so lernt das Kind Prioritäten zu setzen und Wünsche aufzuschieben.

Dass nicht alle Wünsche erfüllt werden können, ist ein wichtiges Lernziel der Finanzerziehung. Es zu erreichen, kostet Nerven. Gerade deshalb sollten Eltern konsequent eine klare Linie verfolgen – auch wenn’s Tränen gibt. „Alle tragen Markenklamotten. Wenn ich die Jeans nicht bekomme, brauche ich mich gar nicht mehr blicken zu lassen“. Auf solche Erpressungsversuche sollten sie mit Verständnis reagieren, aber dem Markenwahn Grenzen setzen und mit ihrem Nachwuchs darüber sprechen, woher diese Wünsche kommen und ihnen die Mechanismen der Werbung erklären. Wenn Tochter oder Sohn dennoch partout die Jeans mit dem In-Label haben wollen, sollen sie die Differenz zu einer normalen Jeans eben selbst bezahlen. Auf diese Weise lassen sich auch ganz große Wünsche erfüllen: Die Eltern übernehmen einen Teilbetrag, den Rest schießt der Nachwuchs selber aus dem Ersparten zu.

Oder er arbeitet dafür: Beim Rasen mähen oder Zeitungen austragen lernen Jugendliche eine Menge über das Verhältnis von Arbeit und Geld – und dass sie für ihre Wünsche etwas tun müssen. Wichtig ist, dass Eltern mit ihren Kindern eine Vereinbarung darüber treffen, für welche Arbeit es Extra-Geld gibt, denn etwas Mithilfe im Haushalt sollte selbstverständlich und kostenlos sein. Auch gute Zensuren sollten von Eltern nicht „bezahlt“, sondern mit Lob und Aufmerksamkeit bedacht werden.

Geld ist nicht alles

Ohne Moos nichts los, aber Geld ist auch nicht alles. Der Wert eines Menschen bemisst sich nicht danach, was er besitzt, sondern wie er sich gegenüber seinen Mitmenschen verhält. Freundschaft, Liebe, Gesundheit – diese zentralen Dinge im Leben kann man nicht kaufen. Auch dies müssen Eltern ihren Kindern vermitteln. Gerade indem sie manche materiellen Wünsche nicht erfüllen, sondern das Selbstbewusstsein des Kindes fördern und es ermutigen, seine eigene Meinung zu vertreten und seinen eigenen Weg zu gehen.

 

Zum Weiterlesen:

Karin R. Fries, Peter Göbel, Elmar Lange: Teure Jugend. Wie Teenager kompetent mit Geld umgehen. Verlag Barbara Budrich 2007, 12,90 Euro

Barbara Kettl-Römer: So erziehen Sie Ihr Kind im Umgang mit Geld. 2010, FinanzBuch Verlag 2010, 9,95 Euro

Patricia S. Estess, Irving Barocas: Weil Geld nicht auf Bäumen wächst: Kinder lernen den richtigen Umgang mit Geld. Ein Ratgeber für Eltern. Verlag campus concret. 1996, 4,80 Euro.

 

Weiterführende Links:

  • www.eltern-im-netz.de: behandelt die wichtigsten Fragen um Finanzerziehung und gibt Tipps zum Thema Taschengeld.
  • www.taschengeldgangster.com: ein Projekt der Verbraucherzentrale; gefördert durch das Bundesministerium für Verbraucherschutz, Ernährung und Landwirtschaft mit kind- und jugendgerecht aufbereiteten Infos rund um Handygebühren, Finanzfallen und einem Spiel, mit dem Kinder den Umgang mit Einnahmen und Ausgaben trainieren können.
  • www.fit-fuers-geld.de: Angebot für Jugendliche mit umfassenden Informationen zum Thema. Auch für Eltern lesenswert!
  • www.arbeitsgemeinschaft-finanzen.de : das Ratgeberportal ist Herausgeber der Broschüre "Finanzkompetenz für Kinder - Taschengeld, Finanzerziehung und wirtschaftliche Bildung", die hier kostenlos heruntergeladen werden kann.


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