Familie

Familie im Wandel der Zeit

Kinder sind die Krönung der Liebe zweier Menschen und machen für viele aus einem Paar erst eine Familie. Aber ganz gleich, aus welchen Mitgliedern eine Familie besteht, sie gibt Halt und Geborgenheit, fördert und ermutigt. Eltern, Geschwister und andere Verwandte sind immer füreinander da – so die Idealvorstellung. Letztlich versteht aber heute wohl jeder Mensch etwas anderes unter dem Begriff „Familie“.

Das Konzept der Familie hat sich im Laufe der Jahrhunderte stark gewandelt. Heute handelt es sich dabei vor allem um ein sehr emotional geprägtes Beziehungsgefüge, das Zusammenhalt und Geborgenheit bieten soll. Durch den Wandel der Gesellschaft spielen neben der reinen Blutsverwandtschaft und dem Ehegelöbnis auch andere Faktoren wie die emotionale Bindung und das gemeinsame Erleben und Zusammenleben eine wichtige Rolle. Aus diesem Grund können auch enge Freunde Teil der familiären Gemeinschaft sein. Für viele Haustierbesitzer erweitert sich der Familienbegriff zusätzlich durch den tierischen Begleiter, der über viele Jahre den Alltag mitgestaltet.

Die moderne Familie ist ein verhältnismäßig offenes System, das sich stets im Wandel befindet und weiterentwickelt. Der Fokus auf Zusammenhalt und Geborgenheit hat sich über einen langen Zeitraum entwickelt und beschreibt in vielen Fällen eher eine Sehnsuchtserwartung als tatsächlich vorhandene, familiäre Strukturen. Dies zeigt aber umso deutlicher, welchen Stellenwert die Familie als Solidaritätsgefüge – finanziell wie emotional – für viele Menschen einnimmt.

Politik, Wirtschaft und Familie – ein Kommentar

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Änderung des Familienzyklus

Auch der Zyklus aus Heirat, Familiengründung durch das erste Kind, Familienerweiterung durch Geschwister und dem Auszug der Kinder hat sich stark verändert und wurde in den letzten Jahrzehnten zunehmend durch kinderlose Ehen, unverheiratete Elternpaare, Trennungen und neue Eheschließungen aufgebrochen. Die Zeiträume, in denen die verschiedenen Phasen eingeläutet werden, lassen sich inzwischen ebenso wenig verallgemeinern. Während in den älteren Generationen Heirat und Familiengründung in der Regel im Alter zwischen 20 und 30 Jahren erfolgten, verzögern sich diese Lebensschritte beispielsweise unter Akademikern heute nicht selten um zirka zehn Jahre. Durch solche und ähnliche Verschiebungen der Elternschaft entstehen neue Familienkonzepte, während alte zunehmend an Bedeutung verlieren. Ein Mehrgenerationenhaushalt etwa ist nur bei vergleichsweise geringen Altersunterschieden zwischen Eltern und Kindern über mehrere Generationen möglich.

Was ist Familie im öffentlichen Leben?

„Ehe und Familie stehen unter dem besonderen Schutze der staatlichen Ordnung.“, so beginnt Artikel 6 des deutschen Grundgesetzes. Aus welchen Mitgliedern sich die Familie im Einzelnen zusammensetzt, ist dort nicht definiert. Als Richtwert können jedoch mindestens zwei Generationen beziehungsweise ein Eltern-Kind-Gefüge dienen. Weiter heißt es: „Pflege und Erziehung der Kinder sind das natürliche Recht der Eltern und die zuvörderst ihnen obliegende Pflicht.“ Folglich machen also nicht nur Eltern und Nachwuchs die Familie aus, sondern vor allem auch das Recht und die Verpflichtung zur Fürsorge.

Das Statistische Bundesamt muss für seine Erhebungen eine Definition von Familie festlegen und die zahlreichen Familienformen sinnvoll kategorisieren. Derzeit gilt auch hier die Eltern-Kind-Achse als Richtwert. Nur so können Veränderungen und Tendenzen nachvollzogen und aussagekräftig aufgearbeitet werden. Dabei spielen viele Fragen eine Rolle: Sind Eltern- und Kindrolle besetzt? Leben die Familienmitglieder zusammen in einem Haushalt? Sind die Elternteile verheiratet? Solche und ähnliche Unterscheidungen liefern ein aktuelleres Bild über die verschiedenen Familienkonzepte der Moderne. Das ist besonders dann wichtig, wenn die Gesetzgebung an den gesellschaftlichen Wandel angepasst werden muss.

Ergebnisse der Familien-Umfrage

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Welche Rolle spielen Pflege und Erziehung?

Wie im Grundgesetz verankert, sind  Erziehung und Fürsorge das Recht und die Pflicht einer Familie. Andernfalls übernimmt die Gemeinschaft diese Aufgabe. Förderung und gemeinsame Stunden sollten im Alltag jedoch entspannt mit der Freude am Hier und Jetzt verbracht werden, damit die Familienzeit auch Freizeit ist. Studien haben ergeben, dass allzu sehr umsorgte Kinder in späteren Jahren vermehrt unter der Abhängigkeit von ihren Eltern leiden und ein Gefühl von Inkompetenz entwickeln. Erziehung bedeutet also nicht nur die Ausbildung kognitiver und sozialer Fähigkeiten, sondern vor allem die vertrauensvolle Begleitung eines jungen Menschen auf seinem Weg zu einem selbstsicheren und gefestigten Individuum.

Die neuen Formen: Ein-Kind-Familie, Ein-Eltern-Familie, Patchwork-Familie

Auch heute spielt die Familie als harmonische Vater-Mutter-Kind-Gemeinschaft für die meisten eine wichtige Rolle. Gerade Menschen im jüngeren und mittleren Alter, die noch bei der Familienplanung sind, halten an dieser Familienform fest. Dennoch kommen in statistischen Erhebungen zunehmend abgewandelte Konzepte zum Vorschein.

Dem klassischen Familienbild am ähnlichsten ist die Form der Ein-Kind-Familie. Sie kommt heute immer häufiger vor, auch wenn bei einem Großteil der Deutschen der Wunsch zur Familienerweiterung besteht. Gründe dafür gibt es viele. Eltern entscheiden sich in den meisten Industrienationen aus emotionalen Gründen für die Familiengründung – und nicht aus gesellschaftlichem oder finanziellem Druck. Um dem Nachwuchs so viel Aufmerksamkeit wie möglich zukommen zu lassen, belassen sie es bei einem Einzelkind. Zudem steigen die Kosten für den Unterhalt stetig und auch das veränderte Rollenbild führt dazu, dass der Kinderwunsch in starker  Konkurrenz mit den Anforderungen des beruflichen Alltags steht. Dennoch: Laut der Bundeszentrale für politische Bildung entspricht die Zwei-Kind-Familie heute der Idealvorstellung westlicher Industrienationen.

Der Kinderwunsch vieler Menschen ist zugleich mit einer weit verbreiteten Angst verbunden: dem Leben als alleinerziehender Elternteil. Scheidungen oder Trennungen unverheirateter Eltern gehören heute zur Normalität. Selbst Frauen, die bereits während der Schwangerschaft  alleinerziehend sind, stellen keine Ausnahme mehr dar. Diese Entwicklung führt zu einem weiteren, ganz eigenen Familienmodell, das sowohl das Zusammenleben als auch die Erziehung und die Rolle der Elternteile neu definiert. Grund für die Angst vor dieser Lebensform sind die mögliche Einsamkeit, die fehlende Unterstützung bei Erziehungsfragen sowie die finanziellen Nachteile.

Auch die Anzahl der Patchwork-Familien steigt stetig. Das inzwischen weit verbreitete Phänomen stillt die Sehnsucht nach einer harmonischen, eingeschworenen Gemeinschaft jenseits von vorgefertigten Familienbildern. Damit eine solche bunt zusammengewürfelte Familie, die sich oft erst noch finden muss, von Anfang an funktioniert, raten Experten Patchwork-Familien, die klassischen Rollen wie Vater oder Mutter erstmal beiseite zu lassen und sich stattdessen stärker auf das gemeinsame und respektvolle Miteinander zu konzentrieren. Zeit und Verständnis spielen hierbei eine größere Rolle als ein klar definiertes Mutter-Vater-Kind-Gefüge. So werden – wie auch in der Idealvorstellung vieler Menschen – Vertrauen und gemeinsame Erinnerungen geschaffen und die neuen Stiefkinder bzw. -eltern als sogenannte  „Bonuskinder" und „Bonuseltern" empfunden.


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