Glosse aus dem Familienleben

Hilfe! Ich soll mein Kind aufklären

Theorie und Praxis liegen im Elterndasein oft weit auseinander. Man kann sich theoretisch vornehmen, die Aufklärung der Kinder natürlich und entspannt anzugehen. Praktisch erwischen Kinder dann aber gerne einen unnatürlichen und angespannten Moment. Und dann? Protokoll eines missglückten Aufklärungsgesprächs bei Tempo 100.

Autor: Monika Maruschka
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Wenn man ein Baby will, wie geht das denn?

Mädchen Auto Fenster
Foto: © iStockphoto/ sundikova

Eigentlich war ich nur auf dem Weg zum Augenarzt mit meinen Kindern – über die Autobahn, was in Köln manchmal schneller geht, als durch die Stadt. Doch kaum hatte ich mich auf die A3 eingefädelt (hätte mich die Warnung "Zuflussregelung" hier schon stutzig machen sollen?), beschlichen mich Zweifel, ob das der schnellste Weg war. Welche Abfahrt? A3 nach Frankfurt? A59 zum Flughafen? A4 nach Aachen? Während in meinem Kopf der Stadtplan von Köln immer schemenhaftere Formen annahm, hörte ich auf einmal Folgendes:

„Mama, wenn man ein Baby will, wie geht das denn? Sagt man dann einfach, ich will jetzt ein Baby haben und dann wächst das im Bauch?“, fragt die noch ahnungslose Anna* (5) auf der Rückbank.
Wirklich die A3?

„Äh, was? Ja, also…“ Mist, ich hatte doch so viel über das gelungene Aufklärungsgespräch gelesen: Locker bleiben, das ist was ganz Natürliches und das Kind nicht überfordern.
Aber kommt auf der A3 vor Lohmar überhaupt eine Abfahrt?

Außerdem sitzt da hinten ja auch noch Bea*, und die ist vier und die hat ja gar nicht gefragt. Was also antworte ich jetzt, damit die Kleine nicht völlig überfordert ist?
Aber Richtung Flughafen komm ich doch auch nicht runter… Vingst wäre gut und dann von hinten an die Praxis ran? Die A59 geht doch auch nach Deutz, oder?

Während ich über einer Antwort brüte und mir klar wird, dass ich jetzt sowieso schon zu lange gewartet habe, um noch natürlich und locker rüberzukommen, antwortet einfach Bea für mich: „Die Babys kommen aus der Scheide“, erklärt sie stolz der großen Schwester.
Die A3 geht nach links ab, das geht schon mal nicht.

Dankbar für diesen Anknüpfungspunkt jubele ich: „Ja, und da kommen sie auch irgendwie rein!“, um gleichzeitig zu merken, dass mich das weder lockerer und natürlicher macht, noch irgendwie einer kindgerechten Antwort näherbringt. Sicher kommt jetzt gleich eine Nachfrage.
Gut: A59 oder A4, ich bleibe in dieser Spur, noch geht beides.

Das reicht Anna als Antwort überhaupt nicht: „Aber WIE kommen die da rein?“, hakt sie erwartungsgemäß gleich nach. Äh, was? Ja, also...
Nein, die 59 ist Quatsch!

Wo waren wir? Genau: Die Babys kommen da rein. Und hinten sitzt eine Vierjährige, die keine Fragen hat, und eine Fünfjährige, die Antworten verdient hat.
Oh, für die A4 muss ich ja doch in die ganz rechte Spur. Blinker an.

"Ja, also, da sind so Eier im Bauch..." Hilfe, nein, so wird das nichts.
Schulterblick!

"Jaha, aber wie kommen DIE da rein?", insistiert Anna.
Kann der Penner mich vielleicht mal reinlassen?

"Die sind da schon immer drin."
Prima, jetzt hat er’s kapiert. Einordnen.

"Auch bei mir, Mama?" "Jaaaaa…" Geschafft, automäßig bin ich auf der richtigen Spur - aufklärungsmäßig überhaupt nicht.
Ah, da vorne ist ja schon die richtige Ausfahrt.

Ich gebe auf, locker und natürlich ist das hier schon lange nicht mehr. „Anna, ich erkläre Dir das gerne in Ruhe, aber nicht hier auf der Autobahn.“
So, jetzt hier raus!
„Ok!“, sagt Anna.

Es ist Abend über Köln, der Verkehr hat sich beruhigt. Bea schläft, ich habe mich zur bald nicht mehr so ahnungslosen Anna ins Bett gekuschelt:
„Du hast mich doch gefragt, wie das ist mit den Babys im Bauch…“

*Namen der Kinder geändert

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