Glosse über kreischende Karriere-Bremsen

Kinder machen spießig, aber glücklich!

Ist die eigene Kinderschar all den Verzicht wirklich wert? Dass man als Mutter gnadenlos spießig wird, von spontanen Abenden in der Disco keine Rede mehr sein kann und man in seiner "Freizeit" mit verschmierten Jungs auf dem Wohnzimmerboden herumkrabbelt? Hier ist die - mit einem Augenzwinkern geschriebene - Antwort.

von Daniela Egert
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Familie gluecklich Haus Garten
Foto: © panthermedia.net/ Arne Trautmann

Statt mit dem Laptop, Kämpfe mit der dreisten Kindergärtnerin

Achtung, falls Sie jung und dynamisch sein sollten, eine Karriere in der Weltraumtechnik oder dergleichen planen und während Ihrer Mittagspause am liebsten ein Tässchen Espresso beim angesagten Italiener um die Ecke schlürfen! Es könnte sein, dass Sie in diesem schicksalhaften Szenetreff dem Mann Ihres Lebens begegnen, welcher ebenfalls gern Espresso trinkt, auf dem Sprung zum Chefingenieur in seiner Firma ist und sich alsbald unsterblich in Sie und Ihre blauen Augen verlieben wird. Wenn Sie jetzt nicht die Kurve kriegen und den Kaffee künftig alleine woanders bestellen, stehen Sie eventuell zehn Jahre später da, wo ich inzwischen stehe: Im eigenen Häuschen, immerhin, das aber mit seinen 123 Quadratmetern geputzt werden will; mit zwei im Vorgarten tobenden Kindern - das Dritte kommt im Juni -, und jeder Menge geplatzter beruflicher Illusionen. Statt mit dem Laptop und dem Großmaul von Chef kämpfen Sie nun mit der dreisten Kindergärtnerin, die sich schon wieder über Ihren rüpeligen Sohn beschwert hat. Statt Liebesbriefe an den aufstrebenden Jungmanager aus der Espressobar (der im Gegensatz zu Ihnen immer noch aufstrebend ist) verfassen Sie nun seine Steuererklärungen ans Finanzamt. Ihr Mann hat nach seinem Fünfzig-Stunden-Job nämlich keine Lust mehr da drauf. Und Sie sitzen schließlich den ganzen Tag daheim herum!

Früher zum In-Italiener, heute Bio-Pastinaken, selbst gekocht

Also wecken Sie morgens pflichtschuldig die lieben Kleinen auf, schmieren jede Menge Brote für Schule und Kindergarten, und seufzen Ihrer geplatzten Karriere hinterher. Denn einer muss ja wohl wirklich zu Hause bleiben! Besser für die Steuer ist es auch. Warum nur haben Sie damals Koreanisch gelernt, um sich mit den Geschäftspartnern Ihrer Firma in deren Muttersprache unterhalten zu können? Vorbei auch die Studienzeiten, in denen Sie um drei Uhr morgens nicht mehr mitbekamen, neben welchem Typen Sie nach Hause wankten. Dort warteten dann auch keine Windelberge und Kleinkinder in der Trotzphase auf Sie, sondern eine WG mit einer Hausbar, größer als der Kühlschrank. Die coolen Klamotten aus dieser gesegneten Periode haben Sie längst bei einer Altkleidersammlung mitgegeben, nachdem sich der dritte Marmeladenfleck auf dem Gucci-T-Shirt abzeichnete. Inzwischen schlurfen Sie mit Kleidung von „Yessica“ (C § A) durch die Gegend und sehen sich höchstens mal ein paar Laufsteg-Schönheiten auf dem Catwalk bei RTL an. Natürlich erst, wenn abends der Nachwuchs im Bett ist. Und statt Nerze zu tragen (wie Sie es trotz Ihrer Aktivistenphase bei „Greenpeace“ vielleicht mal vorhatten), füttern Sie nun die Kaninchen der Kinder mit den Karottenschalen vom Mittagessen. Sie gehen nicht mehr zum In-Italiener, sondern durchwälzen die aktuellen Elternhefte im Zeitschriftenregal des örtlichen Supermarkts nach den gesündesten Biopastinaken-Rezepten. Zum Supermarkt hat Sie natürlich kein Designerschlitten gebracht, sondern Ihre schon leicht angerostete Familienkutsche mit den brüllenden, sich wie in „Jurassic-Park“ bekriegenden Jungspunden auf dem Rücksitz. Ihr Boss heißt Bosse – oder Tim, Lukas, Mathilda.