Das fühlt sich schön an!

Mit Kindern genießen lernen

Genuss ist vielseitig, Kinder genießen ihn auf unterschiedliche Weise und sie lernen dadurch ganz wichtige Dinge. Das Genießen können Eltern ihren Kindern beibringen, wenn sie selbst zur Ruhe kommen und Vorbild sind.

Autor: Juliane Schmitz
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Was ist Genuss?

Mit Kindern genießen
Foto: © colourbox

„Und nach dem Mittagessen gibt es heute deinen Lieblingsnachtisch: Schokopudding!“, sagt Mama zum fünfjährigen Leon und Oma fragt: „Ich wusste gar nicht, dass du Schokopudding so gerne isst, dann wirst du deinen Nachtisch heute wohl sehr genießen?!“

Genießen bedeutet etwas auskosten, sich vergnügen, schwelgen, sich amüsieren. Der Genuss ist die Lust verwandte angenehme Empfindung. Der Ästhetik nach ist Genuss die Reaktion auf die Begegnung mit Schönem. Den Genuss genießen ist aber nur möglich, wenn innere Ruhe vorhanden und für einen entsprechenden Rahmen gesorgt ist.

Genuss ist vielseitig

Viele Kinder genießen das Kuscheln mit der Oma, das Springen in die Pfütze, andere das Ausmalen eines Bildes, das Naschen von  Süßigkeiten.

Viele Erwachsene genießen den Fernsehabend, die Zweisamkeit mit dem Ehepartner, Andere  das Abendessen mit Freuden, das Feierabendbier, das Bad in der Sonne. Wenn Menschen genießen, dann werden sie oft ganz ruhig, atmen tief durch oder aber lachen laut.

Kinder lernen viel durchs Genießen

Für die kindliche Entwicklung ist das Genießen ein wichtiger Aspekt: Kinder spüren dadurch, was ihrem Körper, ihrer Seele gut tut. „Wenn du mich massierst, dann fühlt sich mein Rücken plötzlich so gut an. Das ist voll schön!“, sagt Antonia, 6 Jahre, zu ihrer Mama.

Beim Genießen erleben sie oft ein Zur-Ruhe-Kommen. Sie finden heraus, was ihnen gut tut, weil sie etwas als schön empfinden. Es ist für sie wie eine Oase für Körper, Seele und Geist, durch die sie neue Kraft tanken.

Zum Beispiel kann man beim Abendessen am Familientisch, in ruhiger Atmosphäre, den Duft des Brotes wahrnehmen und die feine Nussnote aus dem selbstgebackenen Brot schmecken, verschiedene Gemüsesorten blind durch den Geschmackstest erraten, neue Teesorten testen. Anders und reicher an Genuss ist so ein Abendessen als eine Dönertasche auf der Hand zu essen, auf dem Heimweg, nach einem Shoppingnachmittag in der Stadt, wobei die Soße aus dem Brot läuft, weil gleichzeitig noch die Einkaufstüten getragen werden müssen.

Wenn Kinder genießen und das mit anderen tun, dann lernen sie dabei, Ihre Empfindungen wahrzunehmen, einzuordnen und auszudrücken, ganz mit ihren eigenen Worten:

 „Das Flötenspiel war voll schön.“, „Mein Herz ist irgendwie mit gehüpft, als wir über die Wiese gesprungen sind.“

Emotionen wahrnehmen und ausdrücken ist ein unabdingbarer Baustein für die emotionale Entwicklung von Kindern, denn wenn Kinder wissen, was ihnen gut tut, was sie mögen und dies formulieren können, sind sie auch in der Lage „nein“, zu sagen und zu spüren, wenn etwas nicht in Ordnung ist.

Was den Genuss stört

Den Genuss zu genießen wird häufig gestört, z.B. durch Hektik und Stress oder Eifersucht. „Du kannst noch schnell den Kakao trinken, dann müssen wir aber los.“; „Ich will jetzt aber auch mal das blaue Auto haben, das hat der André schon die ganze Zeit.“

Max kann gar nicht zur Ruhe kommen beim Kakaotrinken und die feine Schokonote schmecken, wenn sein Vater währenddessen schon die Taschen packt und hektisch auf die Uhr schaut. André wird sich nicht mehr so sehr am Spiel mit dem blauen Auto erfreuen, wenn er Sarahs Eifersucht im Rücken spürt.

Kindern das Genießen beibringen

Durch Störung des Genusses geht Genuss oft verloren. Eltern können Kindern aber Genuss beibringen. Seinem Sohn Max sollte der Vater keinen zeitlichen Druck machen, sondern sich zu ihm setzen und wenn es nur für eine ruhige Minute ist oder das Kakaotrinken ganz verschieben, wenn mehr Zeit dafür übrig ist. Sarah kann in einem einfühlsamen Gespräch nahe gebracht werden, wie schön es für André jetzt ist, mit dem Auto zu spielen und dass sie sich mit ihm zusammen darüber freuen kann.

Kindern aufzuzeigen, dass andere genießen, setzt voraus, dass sie selbst erspürt haben, wie es ist zu genießen. Kommen Sie mit den Kindern ins Gespräch, fragen Sie nach und seien Sie Vorbilder, „Schmeckt dir der Kakao?“; „Ich werde ganz ruhig, wenn ich die Augen schließe und mal nur auf das Vogelgezwitscher höre.“ „Mal dein Bild in Ruhe zu Ende, dann können wir immer noch Einkaufen gehen.“ Und vor allem: Stören Sie Kinder nicht im Genuss!

Sensibel für besondere Momente

Machen Sie sich selbst und Ihre Kinder sensibel für die Momente oder Zeiten, in denen andere genießen, denn es sind besondere Momente. Erziehen Sie Ihren Kindern an, dass sie respektvoll damit umgehen. „Jetzt stör die Laura mal nicht, ich glaub, sie genießt das gerade sehr, allein im Kinderzimmer zu spielen.“„Bitte sei leise, der Opa macht gerade sein Schläfchen, der genießt die Mittagsruhe.“

Um Kindern das Genießen beizubringen braucht man Geduld, Feingefühl, ein hohes Maß an Engagement und Priorität im Familienalltagsleben. Wenn Kinder genießen, die Schokopuddingschüssel auszukratzen, dann bedarf es wahrscheinlich danach eines sauberen Pullovers und mehr Nachtischzeit. Wenn die Familie die ersten Frühlingssonnenstrahlen genießen will und den Weg zum Einkaufen zu Fuß macht, anstatt wie gewöhnlich mit dem Auto, dann dauert der Einkauf länger.

Wenn das Baby es genießt, die Zeitung Blatt für Blatt auseinander zu nehmen, dann bedarf es danach einer kleinen zusätzlichen Aufräumaktion.

Zeit für Genuss als neue Priorität im Familienleben unterzubringen heißt auch, dass im Familienalltag Freiräume bleiben, um Wünschen spontan nachzukommen: „Können wir heute noch mal auf die Wiese gehen und die Pferde streicheln, die sind immer so weich!?“; „Oma kocht immer die leckere Suppe mit dem Rindfleisch, kochst du die mal nach?“

Genießen Sie gemeinsam das Leben, des Genusses und der vielen positiven Entwicklungsschritte wegen.

Was ohne Genuss verloren gehen würde

Kinder, die nicht genießen, kommen nicht zur Ruhe, spüren nicht, was ihnen gut tut, und was nicht, probieren nicht aus zu sagen, was sie fühlen und können sich auch nicht in andere hineinversetzen, sie werden immer wieder wie ein Elefant im Porzellanladen in die Gefühlswelten der anderen trampeln.

Wenn Kinder und Eltern miteinander teilen, was sie genießen und sich gegenseitig berichten, wann sie Genuss erlebt haben, dann sind sie auf besondere Weise ganz eng miteinander verbunden, kennen sich und die Bedürfnisse der anderen genau. Daraus wächst ein schönes respektvolles Zusammenleben, bei dem der Genuss in vollen Zügen seinen Ausdruck findet.

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