Meine Grenzen und ich
Burn-out: Mütter in der Erschöpfungsfalle
Irgendwann geht es einfach nicht mehr weiter. Wenn die Anforderungen von Haushalt, Job und Kindern zu groß und Mütter kraftlos und krank werden, leiden sie am Burn-out-Syndrom. Hier das Protokoll einer Mutter, die lernen musste, ihre Grenzen zu akzeptieren.
Burnout: Bis hierher und nicht weiter
Vor allem berufstätige Mütter burn-out-gefährdet
Erst hieß es, Burn-out sei eine reine Manager-Krankheit, doch inzwischen ist unter Experten die Erkenntnis durchgedrungen: Auch berufstätige Mütter sind besonders gefährdet, in diesen Zustand des Ausgebranntseins zu geraten. Manchmal geht das schleichend vor sich, doch gerade bei engagierten, perfektionistischen Frauen gibt der Körper oft auch mit aus heiterem Himmel auftretenden Beschwerden das Signal: Bis hierher und nicht weiter! Nicht umsonst hat sich der moderne Begriff „Familienmanagerin“ etabliert, denn die Aufgaben einer (berufstätigen) Mutter sind genauso komplex und der Zeitdruck, unter dem sie steht, ist genauso hoch wie in einer Führungsposition.
Protokoll einer Krise
Kein Wunder, dass verschiedene Studien zeigen: Über zehn Prozent aller Krankheitsstände bei Frauen haben psychische Ursachen. Jede fünfte Mutter ist von Burn-out betroffen. Sich Hilfe zu holen, kann in keinem Fall schaden. Doch spätestens, wenn körperliche Symptome wie Herzrasen, andauernde Kopfschmerzen und Schlafstörungen ins Spiel kommen, ist es Zeit, seinen Lebensstil zu ändern. urbia-Autorin Maja Roedenbeck hat das Protokoll einer Mutter aufgezeichnet, die an diesem Punkt in ihrem Leben angekommen war:
Ich glaubte nicht an Panikattacken
Erst 32 Jahre alt und schon am Ziel ihrer Träume, so hätte sich Sonja Homberg* bis vor gar nicht allzu langer Zeit noch gut gelaunt beschrieben. Mutter von zwei Töchtern im Kindergartenalter, intakte Ehe, selbständige Grafikerin, tolle Altbauwohnung in ihrer Wahlheimat und bis auf Kleinigkeiten zufrieden mit ihrem Leben. „Fünf Jahre nach der ersten Geburt war mir die Mutterrolle längst auf den Leib gewachsen und ich fühlte mich wohl damit. Ein Jahr nach der Existenzgründung hatte ich schon die ersten großen Aufträge bearbeitet“, erzählt die Hamburgerin. Über Frauen, die sich wegen Alltagsstress, Kopfschmerzen oder seelischer Unausgeglichenheit beklagten, lächelte sie. „Ich war der Typ Mensch, der nicht an Diagnosen wie Panikattacke, Burn-out oder psychosomatische Beschwerden glaubt. Jeder hat Stress, dachte ich, und ganz sicher jede berufstätige Mutter. Aber wo kommen wir denn da hin, wenn plötzlich jede von uns meint, sie bräuchte dringend eine Kur und Zeit für den Yogakurs, nur weil die Kinder sich ständig streiten und Chef oder Kunden kein Verständnis für das Kind-Karriere-Dilemma haben?“, erklärt Sonja ihre damalige Lebenseinstellung.
Herzrasen und ein tauber Arm
Dementsprechend überraschend kam eines Nachts das „Bis hierher und nicht weiter!“-Kommando ihres Körpers: Todmüde wie immer um 23 Uhr lag Sonja im Bett, nur dass sie diesmal nicht umgehend in den dringend nötigen Tiefschlaf fiel. Ihr Herz klopfte so komisch. Rasend schnell und im ganzen Körper. Es brannte irgendwie innerlich und verkrampfte sich ein ums andere Mal. Sonjas Oberschenkelmuskeln begannen, unkontrolliert zu zucken. Ihr wurde schwindelig, übel und kalt. „Mein einziger Gedanke war: Ich muss morgen früh unbedingt wieder fit sein, unbedingt! Die Kinder müssen in den Kindergarten und danach zum Ballett und die Flyer für das Musiktheater müssen fertig werden!“, erinnert sich Sonja. Ausgerechnet heute waren ihre Eltern nach einem zweiwöchigen Babysitting-Besuch in Hamburg wieder abgereist. In solchen Momenten fühlte sie sich oft einsam und überfordert und fragte sich: "Wie soll ich das alles jetzt wieder alleine schaffen?“, erzählt die 32jährige, „Aber normalerweise verging dieses Gefühl nach ein paar Stunden, ich riss mich zusammen und übernahm wieder die Regie in meinem perfekt durchorganisierten Alltag.“ Diesmal nicht. In dieser Nacht lag Sonja noch lange wach und lauschte verängstigt auf das seltsame, unbekannte Theater, das ihr Körper aufführte, um ihr zu zeigen, dass sein Akku leer war. Am nächsten Morgen waren Herzrasen und -krämpfe sowie Muskelzucken, Schwindel und Schüttelfrost immer noch da. Und dazu ein tauber, nicht mehr einsatzfähiger linker Arm sowie eine taube linke Wange.







