Schneller, höher, besser
Konkurrenz unter Müttern
Welches Baby wächst am schnellsten? Welche Frau fliegt noch im neunten Monat in den Himalaya? Welcher Spross fährt als Erster Fahrrad? In diesen und anderen Disziplinen liefern sich Mütter heute einen erbitterten Wettbewerb.
Ein Wettbewerb in vielen Disziplinen
Genau genommen beginnt es schon in der Schwangerschaft: Welche Frau schafft auch mit dickem Bauch einen Tausendmeterlauf, wer fliegt im neunten Monat noch in den Himalaya und welche werdende Mutter ist so toll, dass sie die natürlichste Hausgeburt garantiert ohne jede Schmerzlinderung aufs Parkett legt? Kaum ist der Embryo zum ersten Mal per Ultraschall vermessen, beginnt ein Wettbewerb, der fortan in hundert Disziplinen tobt.
Erste Disziplin: Wer ist die tollste Schwangere?
Es scheinen nur noch Ausnahmeschwangere die Geburtsvorbereitungskurse zu bevölkern. Gewichtszunahme nicht über zehn Kilo und niemals Sorgen, dass das Baby nicht gut wachsen könnte – überströmender Optimismus ist angesagt. Und schlapp sind die neuen Turbo-Mamas schon gar nicht. Stattdessen sieht man sie im Fitness-Studio noch im 9. Monat, gehüllt in hippe Umstandsfummel und auch zwei Tage vor dem errechneten Geburtstermin noch ekstatisch tanzend auf dem U2-Konzert. Zumindest tut frau so. Denn wer möchte sich schon belehren lassen: "Lass Dich nur mal nicht so hängen. Schwangerschaft ist keine Krankheit."
Zweite Disziplin: Welches Kind wiegt mehr?
Selig und mit verträumtem Blick verlässt eine werdende Mutter die Gynäkologen-Praxis: Das Baby hat sich kräftig bewegt und misst schon stolze acht Zentimeter. Wenig davon beeindruckt zeigt sich die ebenfalls in guter Hoffnung stehende Busenfreundin. Sensibel wie ein Stachelschwein lässt sie vernehmen: "Toll, aber meins ist schon zwölf Zentimeter groß und hat bei der letzten Untersuchung fünf Purzelbäume geschlagen."
Pfunde zu vergleichen bleibt noch lange ein beliebtes Spiel unter Müttern. Sei es die Gewichtszunahme des properen Babys während der Stillzeit, die Kilos, die das Kleinkind bei einer U-Untersuchung auf die Wage bringt oder umgekehrt die überschüssigen Speck-Rollen an Mutters Hüfte. Ungezügelter Wettkampfgeist macht sich breit, wo gemessen und gewogen wird. So gleichen zahlreiche vordergründig mitfühlende Gespräche unter Müttern einem subtilen verbalen Schlagabtausch unter die Gürtellinie: "Was, Niko ist erst einen Meter groß? Das war Daniel schon vor sechs Monaten!"
Dritte Disziplin: Welches Kind schläft am besten?
Regiert in anderen Disziplinen vielleicht noch ein Rest von Fair-Play, so wird beim Thema Schlafgewohnheiten der lieben Kleinen mit harten Bandagen gekämpft. Hier kennen scheinbar sanfte Mütter mit ihren Mitstreiterinnen kein Pardon. Schütten fahle und abgemagerte Kreaturen nach Monaten massiv gestörter Nächte verzweifelt ihr Herz aus, ernten sie Sätze wie: "Komisch, mein Anton schläft schon seit der ersten Nacht durch!" Und gestresste Mütter von notorischen Kurzschläfern, die es nie über einen 30-Minuten-Mittagsschlaf hinausbringen, werden von der vermeintlichen Freundin mit der Information gestärkt, dass deren zweifellos gelungenerer Spross jeden Nachmittag drei Stunden selig schlummert.




