Internet-Tagebücher über Küche, Kids und Co

Mütter-Blogs: Familienleben im Web

Problem Privatsphäre

Immerhin bekommen viele bloggende Mütter auf Dauer ein Gespür dafür, womit sie ihre Fangemeinde fesseln können, und versuchen wie richtige Chefredakteurinnen, sich daran zu orientieren: „Die meisten Leser haben wir bei Artikeln über Themen wie Arbeitslosigkeit, Elterngeld und Kinderbetreuung während der Arbeitszeit“, stellt Ramona fest. „Aktionen wie Verlosungen und Wichtelaktionen bringen viele Besucher auf meine Seite“, hat Tanja bemerkt. Die amerikanische Pionierin der Mütterblogs, Dawn Friedman, gibt in der „Washington Times“ den Tipp: „Es hilft, eine Fortsetzungsgeschichte mit richtigem Handlungsstrang zu erzählen. Ich hatte die meisten Leser, als die Adoption unserer Tochter immer näher rückte.“

Wenn Gott und die Welt unser privates Leben googeln kann

Ein wichtiger Punkt ist der Umgang mit der Privatsphäre, denn allzu leicht verschwimmt die Grenze zwischen Wirklichkeit und virtueller Welt. Als Uma Thurman alias Eliza im Film „New York Mom“ online sexuelle Geheimnisse ihrer besten Freundin ausplaudert, gibt es Stunk. Zu Recht! „Mein Mann hatte anfangs Sorge, dass Gott und die Welt unser privatestes Leben googeln kann“, erinnert sich „Mama Miez“, „Doch da ich anonym bleibe, hat er keine Probleme mehr damit. Meinen Sohn nenne ich im Blog ‚den Quietschbeu’. Wenn ich nicht will, wird nicht einmal er selber erfahren, dass er da irgendwo in den Weiten des Internets eine kleine Hauptrolle spielt.“ Tanja hat mit ihrem Mann feste Vereinbarungen darüber getroffen, was ins Blog darf und was nicht. Dabei sollte es immer auch darum gehen, die Privatsphäre der Kinder zu schützen, die schließlich als Zweijährige noch nicht artikulieren können, ob sie es witzig finden, wenn die ganze Welt mitliest, dass sie zum ersten Mal ins Töpfchen gemacht haben. Zwar meint Tanja: „Für unsere Kinder ist das Internet ein ganz normaler Teil des Lebens, so wie Spielplatz, Kindergarten oder Sportverein.“ Dennoch kann es nicht schaden, beim Einrichten des Blogs darauf zu achten, dass es jederzeit wieder deaktiviert oder mit einem Passwort belegt werden kann, sodass es nur noch registrierten Besuchern möglich ist mitzulesen.

Auch Väter bloggen mit

Übrigens: Es gibt auch bloggende Väter. Bei weitem nicht so viele wie bloggende Mütter, aber es gibt sie. Drei Beispiele, um das Spektrum zu verdeutlichen: Im www.vaeterblog.de schreibt der erfahrene Organisationsberater und Vater von drei erwachsenen Kindern Hans-Georg Nelles täglich professionelle Berichte über Väterpolitik, Väter und Karriere, Väterstudien und Co., immer mit der Absicht, „Unternehmen zu ermutigen, die Potenziale aktiver Vaterschaft zu nutzen“. Unter http://ich-werde-papa.blog.de/ formuliert der 38jährige „Bullymuk“ aus Lemgo mit viel Humor ein klassisches Familientagebuch, in dem durchaus auch kotzende Kinder en detail vorkommen und das einen aufschlussreichen Einblick in die Gedankenwelt eines Vaters bietet. Und schließlich mischt auch der kaufmännische Angestellte und Vater von zwei kleinen Kindern, Andreas Lorenz aus Senden-Ottmarsbocholt bei Münster, unter http://www.papa-online.com in der Blogosphäre mit und will mit seinen Erfahrungen zur Profilierung eines neuen Vaterkonzepts beitragen. Wenn Mütter Väterblogs lesen würden und Väter Mütterblogs, könnte das zum besseren gegenseitigen Verständnis führen!