Mehr Selbstbewusstsein

Was Mütter alles können

Abgeschnitten vom beruflichen Alltag geraten viele Mütter in eine Selbstbewusstseinskrise. Dabei ist der Familienalltag die beste Schule, um Schlüsselqualifikationen zu erwerben.

Autor: Petra Fleckenstein
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Raus aus dem Selbstbewusstseinstief

Mutter Multitasking
Foto: © panthermedia.net/ Arne Trautmann

Gehörst auch du zu den Frauen, die einmal dachten, sie hätten alles im Griff? Eine Berufsausbildung in der Tasche, vielleicht sogar ein Studium. Schon einiges an Erfahrungen gesammelt, Erfolge verbucht? Eine Beziehung aufgebaut. Bis das kleine Wesen in das Leben einbrach und alles wieder durcheinander wirbelte?

Plötzlich sehen sich Frauen in den häuslichen Bereich zurückgeworfen, während der Partner oft weiterhin seiner gewohnten Arbeit nachgeht. Anstatt eines geregelten Tagesablaufs – gemütlich frühstücken, zur Arbeit, abends vielleicht eine Runde joggen gehen und anschließend ins Kino –bestimmen plötzlich unberechenbare, schwer verständliche und nicht leicht zu erfüllende Bedürfnisse des Babys den Alltag. Und das rund um die Uhr, sieben Tage die Woche.

Viele Mütter geraten daraufhin in ein Selbstbewusstseins-Tief: "Ich kann nix, weiß nix und schaffe längst nicht so viel wie meine Geschlechtsgenossinnen", sagt die innere Stimme. Kein Wunder. Der Kontakt zum Berufsleben ist oft erst einmal gekappt und ein Baby, das sich mehrmals täglich durch anhaltendes Schreien äußert , versorgt nicht eben mit der Anerkennung, die man bei der Bewältigung einer derart neuen und großen Aufgabe benötigt. Aber keine Sorge, es ist nicht aller Tage Abend.

Zauberwort "Schlüsselqualifikationen"

Hast du schon einmal von den so genannten Schlüsselqualifikationen gehört – den Fähigkeiten, die über die im Studium oder der Ausbildung erworbenen Kenntnisse hinausgehen? So etwas wie Einsatzbereitschaft, Entscheidungsstärke, Führungsfähigkeit, Initiative, Kommunikationsfähigkeit, Kooperationsbereitschaft, die Fähigkeit, Probleme zu lösen und die Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen.

Auf dem Arbeitsmarkt – und überhaupt im Leben – spielen diese Fähigkeiten eine immer größere Rolle. Und was, bitteschön, hat das mit dem Dasein von Müttern zu tun? Eine ganze Menge: Denn die Mutterrolle ist geradezu der goldene Schlüssel zu den viel gepriesenen Schlüsselqualifikationen.

Einsatzbereitschaft rund um die Uhr

Selbst wer bisher eher zu den trägeren Naturen gehörte, die sich auch gerne mal drücken: In der Mutterrolle heißt es umlernen. Allzeit einsatzbereit lautet jetzt die Devise. Nachts aus dem Tiefschlaf gerissen werden und es nicht übel nehmen. Statt dessen aufstehen, das Baby stillen – geduldig erst die eine, dann die andere Brust – danach vielleicht wickeln. Eine halbe Stunde später wieder aufstehen und das Kleine rumtragen, weil es nun Blähungen hat. Morgens vollkommen zerschlagen stillen, wickeln, herumtragen, bis es vielleicht für eine halbe Stunde einschläft. In dieser Zeit duschen oder Frühstück für das größere Kind machen, das sich nebenbei auch noch nicht alleine anziehen kann. Aber da schreit auch schon wieder das Kleine...

Ausreden wie keine Lust, zu müde, krank, keine Zeit sind im Dasein einer Mutter tabu. Spätestens nach drei Jahren ist sie durch die härteste Schule gegangen und weiß nun, was es bedeutet, sich wirklich mit Haut und Haaren für etwas einzusetzen. Und sie hat gelernt, es allen Widrigkeiten und persönlichen Problemen zum Trotz zu tun.


Initiative und Entscheidungsstärke

Was ziehe ich meinem Kind an, damit es weder friert noch schwitzt? Gehe ich bei 39 Fieber mit ihm zum Kinderarzt oder nicht? Wie reagiere ich, wenn es einem anderen Kind mit der Schaufel eins auf die Rübe gibt? Stille ich nach fünf oder sieben Monaten ab? Welche Windel, welche Nahrung, welche Getränke für mein Kind? Impfen, ja oder nein? Und befolge ich den Rat einer Freundin, das Kleine ruhig mal schreien zu lassen? Oder besser nicht, oder doch? Und wie gestalte ich meinen Tag mit dem Kind? Unternehmen wir viel, sind wir viel zu Hause?

Dies ist ein Bruchteil der Entscheidungen, die Mütter täglich in ihrer Verantwortung für ihr Kind zu fällen haben. Wenn da nicht Initiative und Entscheidungsstärke geschult, ja förmlich perfektioniert werden...

Führungsqualitäten

Schon mal vier erwartungsvolle Kinderaugen auf sich ruhen gesehen, als Sie mit dem Auto auf irgendeiner Landstraße eine Panne hatten oder als der jüngste Spross sein Traubensaftglas in die Computertastatur verschüttete? Was tun, wie reagieren, wie das Problem lösen?

Auch wenn sie es vorher nicht gewohnt waren: Mit Kindern können Frauen lernen, was es heißt, Führungskraft zu sein. Sie geben die Richtung vor, sie treffen schnell wichtige Entscheidungen, sie lassen sich etwas einfallen, sie übernehmen Verantwortung, dass das Unternehmen Familie funktioniert.

Sie lernen, zehn Dinge gleichzeitig zu tun, Ruhe in Stresssituationen zu bewahren, ihre Tätigkeit zu organisieren und zu strukturieren. Sie entwickeln Lösungsideen für Probleme und haben stets die Interessen aller ihnen anvertrauten Personen im Blick. Wenn das nicht hilfreich ist, um sich später im Job zu bewähren...

Kommunikationsfähigkeit und Kooperationsbereitschaft

Stelle dir vor, du befindest dich mit deinen beiden Kindern an einer Straßenkreuzung: Der ältere Spross strebt schnell nach Hause, weil er dort mit Lego bauen möchte. Der Jüngste dagegen will partout auf den Spielplatz und tut seine Forderung lauthals kund. Und du: Du brauchst eigentlich unbedingt noch Brot vom Bäcker um die Ecke. Du versuchst es mit plumper Autorität: "Du kommst jetzt mit", woraufhin sich dein Kind brüllend mitten auf der Kreuzung auf den Boden schmeißt. So geht es also nicht. Dein Kommunikationstalent ist gefragt.

Nun wird ja Frauen ohnehin schon die bessere Gesprächsfähigkeit bescheinigt. Doch die Mutterrolle gibt Gelegenheit, auch diese Eigenschaft zu perfektionieren. Wer eine Familie organisiert, muss ständig unterschiedlichste Interessen auf einen Nenner bringen. Schweigend geht das sicher nicht. Nein, eine klare Sprache ist von Nöten, Gespräche über Ansprüche und Bedürfnisse müssen geführt und moderiert werden, Lösungen für Konflikte, Ideen zu Kompromissen müssen gefunden und besprochen werden. Und dies ohne Vorwurfshaltung, unsachgemäße Kritik und ungerechte Forderungen.

Drei Jahre einer derartigen Schule dürften genügen, um jeden Personalchef von der eigenen Team- und Kommunikationsfähigkeit zu überzeugen. Klar setzen Mütter beruflich oft aus oder treten kürzer. Dafür gehen sie jedoch durch eine Schule, die sie am Ende zu den am besten organisierten, zielstrebigsten, führungsstarken und teamfähigsten Mitarbeitern macht. Ein unschätzbares Kapital für die Berufswelt. Und Grund genug, um mit Selbstbewusstsein ins Arbeitsleben zurück zu streben.

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