Regenbogenfamilien

Gleichgeschlechtliche Paare mit Kind

Zwischen 16.000 und 35.000 Kinder wachsen in Deutschland in gleichgeschlechtlichen Beziehungen auf. Viele Menschen begegnen diesen „Regenbogenfamilien“ skeptisch. Wie ist es für die Kinder, ein homosexuelles Elternpaar zu haben? Wie geht das rechtlich? Und wie sieht der Alltag dieser Familien aus?

von Gabriele Möller
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Zwei Mütter, zwei Kinder
Foto: © panthermedia.net/ Pavel Losevsky

Regenbogenkinder gedeihen genauso gut

Bunt wie ein Regenbogen sind die Familienvarianten, in denen gleichgeschlechtliche Paare mit Kind(ern) zusammenleben: Meistens stammen die Kinder noch aus einer vorherigen heterosexuellen Beziehung. Manchmal entstehen Kinder – dies geht natürlich nur in einer lesbischen Beziehung – auch durch künstliche Befruchtung oder durch die Hilfe eines außen stehenden Mannes. Hier und da wird aber auch ein fremdes Kind von einem der Partner adoptiert. Eigentlich stammt das Wort Regenbogenfamilie jedoch von der Regenbogenflagge, die das Symbol selbstbewusster Lesben, Schwuler und Bisexueller ist.

Zwischen 16.000 und 35.000 Kinder wachsen in Deutschland in gleichgeschlechtlichen Beziehungen auf, so die Schätzungen von Familienforschern. Gleichgeschlechtliche Paare mit Kind stoßen in ihrer Umgebung fast immer auch auf Skepsis oder gar Ablehnung. Außenstehende fragen sich: Ist es denn für Kinder nicht von Nachteil, wenn ein Vater bzw. eine Mutter fehlt, und es das andere Elternteil sozusagen doppelt gibt? Werden diese Kinder nicht vielleicht zu einseitig weiblich oder männlich geprägt und lernen die Eigenschaften des jeweils anderen Geschlechts kaum kennen? Und was ist mit der späteren Sexualität der Regenbogenkinder? Werden diese durch das "Vorbild" der Eltern nicht auch mit höherer Wahrscheinlichkeit selbst schwul oder lesbisch?

Entscheidend ist auch hier die Eltern-Kind-Beziehung

Solche Befürchtungen konnten Wissenschaftler längst entkräften. Eine vom Bundesjustizministerium initiierte Studie an der Universität Bamberg ergab 2009: Das Kindeswohl ist in Regenbogenfamilien genauso gewahrt wie in anderen Familienformen. Gleichgeschlechtliche Paare sind genauso gute Eltern wie andere liebevolle und zugewandte Eltern. Die Persönlichkeitsentwicklung, aber auch die schulische und berufliche Entwicklung der Kinder verlaufen positiv. Für die gute Entwicklung eines Kindes ist es nicht erforderlich, dass die Erziehung von verschiedenen Geschlechtern übernommen wird. Maßgeblicher ist nach der Studie eine gute Eltern-Kind-Beziehung.

Kritiker befürchten aber, dass das Selbstbild eines Kindes als Mädchen oder Junge verwässert werden könnte, wenn es nur bei Männern oder nur bei Frauen aufwächst. Marina Rupp, Leiterin der Bamberger Studie, stellte aber fest: „Im Vergleich zu anderen Kindern verhalten sich die Kinder aus gleichgeschlechtlichen Partnerschaften sogar noch eindeutiger jungen- bzw. mädchenhaft“. Grund hierfür sei die - durchaus von den Kindern bemerkte - Sonderrolle in der Gesellschaft. Diese führe dazu, dass in Regenbogenfamilien früh Fragen der Identität thematisiert würden. Daraus erwachse ein starkes Bewusstsein für die eigene Identität als Junge oder Mädchen. Diese Erfahrung machte auch Renate Egelkraut: „Unsere ältere Tochter (5) orientiert sich sehr an heterosexuellen Rollenmustern. Sie ist zum Beispiel der Meinung, dass Männer lieber kurze und Frauen lange Haare haben sollten“, so die Hebamme, die mit einer Frau in einer eingetragenen Lebenspartnerschaft („Homo-Ehe“) lebt.

Regenbogenkinder werden nicht automatisch homosexuell

Auch das Vorurteil, dass Regenbogenkinder später ebenfalls eher homosexuell werden könnten, ist widerlegt: Kinder homosexueller Eltern sind später genauso oft heterosexuell orientiert wie die gegengeschlechtlicher Eltern. Dies ergab eine Auswertung von 21 US-amerikanischen Studien zu diesem Thema durch die Soziologen Judith Stacey und ­Timothy J. Biblarz. Ebenso wie bei der Bamberger Studie lautet auch das Fazit der beiden US-Wissenschaftler: Kinder von Homosexuellen ­entwickeln sich emotional, sozial, seelisch und sexuell ebenso gut wie solche aus traditionellen Familien.