Er liest, sie kocht (vor Wut)

Ist Hausarbeit immer noch Frauensache?

Dass selbst voll berufstätige Frauen meist mehr Hausarbeit als ihre Partner leisten, scheint immer noch selbstverständlich zu sein. So zumindest das Ergebnis wissenschaftlicher Untersuchungen.

Autor: Constanze Nieder
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Er liest, sie kocht – vor Wut

Frauenbeine Staubsauger iStock craftvision
Foto: © ©iStockphoto.com/ craftvision

Endlich Feierabend. Nach einem stressigen Arbeitstag mit zahlreichen Telefonaten, Besprechungen und viel Schriftkram hetzt sie zum Auto: Zwar ist der "Hauptjob" für heute beendet, aber zu Hause wartet ein Riesenberg an Bügelwäsche, das Badezimmer muss dringend geputzt werden und gestern haben die langersehnten Sonnenstrahlen mächtig viel Staub im Wohnzimmer ans Tageslicht gebracht.

Ach ja, der Kühlschrank hatte heute morgen auch nicht mehr viel zu bieten. Wie gut, das der Supermarkt auf dem Weg liegt. Geschafft, mit vollen Einkaufstüten steht sie nun in der heimischen Küche. Ein Blick ins Wohnzimmer verschlägt ihr jedoch wieder einmal den Atem: Ihr Gönnergatte liegt auf der Couch und liest. Das schmutzige Geschirr hat er ignoriert, der Mülleimer quillt über und seine Schuhe stehen da, wo er sie ausgezogen hat – vor dem Sofa.

Studie sucht nach Gründen für zufriedene Beziehungen

Von wegen gleichberechtigte Partnerschaft. Ist die Hausarbeit denn eigentlich immer noch Frauensache? Ja, ist sie. Das ist jedenfalls das überraschende und zugleich erschreckende Ergebnis einer breitangelegten Untersuchung der Psychologin Dr. Elke Rohmann. Die wissenschaftliche Assistentin an der Ruhr-Uni-Bochum ist in ihrer Doktorarbeit dem Thema "Gerechtigkeitserleben und Erwartungserfüllung in Partnerschaften" auf den Grund gegangen.

Rund 400 Personen jeden Alters hat sie in insgesamt drei Studien nach ihrem Beziehungsalltag befragt, um herauszufinden, von welchen Kriterien glückliche Partnerschaften abhängen. "Ein Unterpunkt der Untersuchung war auch die Rollenverteilung im Haushalt", erläutert Dr. Elke Rohmann. So wurden 22 Tätigkeitbereiche im Haushalt wie Kochen, Kinderbetreuung, WC putzen oder Blumen gießen abgefragt. Die Interviewten sollten angeben, wer von beiden was häufiger erledigt. Zugleich wurde auch danach gefragt, wer welche Tätigkeiten machen sollte.

Frauen erwarten von sich mehr Leistung

Die Psychologin ist immer noch erstaunt: "Die Frauen gaben an, dies wesentlich häufiger zu tun; die Männer gaben an, dies wesentlich seltener zu tun. Auch bei den Vollberufstätigen traten hier typische Geschlechtseffekte auf." Dieses Ergebnis alleine ist schon verwunderlich, noch überraschender ist aber, dass sich das tatsächliche Verhalten auch mit der Erwartung der Partner deckt: Frauen erwarten, dass sie in einer Beziehung mehr Hausarbeit leisten müssen als der Mann. Die Männer widersprechen dem nicht: Sie erwarten dasselbe, nämlich dass die Frau mehr tut als sie.

Frauen fühlen sich nicht ausgenutzt

Das ist doch ungerecht. Ja, aber – das hat die Umfrage auch ergeben -, die Frauen empfinden diese Ungerechtigkeit nicht als so gravierend, dass ihre Beziehungsqualität darunter leiden würde. "Wenn im Bereich der Hausarbeit keine Gerechtigkeit vorhanden ist, dann sind die Frauen zwar unzufrieden. Der negative Einfluss auf die Partnerschaft ist aber nicht so stark wie er bei Ungleichheiten im emotionalen Bereich wäre", weist Dr. Elke Rohmann auf weitere Ergebnisse ihrer Untersuchung hin.

Demnach ist die Tatsache, dass sich der Partner "für mich interessiert und "mir gegenüber Gefühle zeigen kann", viel entscheidender als der Unmut über die geschlechtsspezifische Rollenverteilung im Haushalt. Wenn aber im emotionalen, dem sehr "partnerschaftsspezifischen" Bereich keine Ausgewogenheit herrscht, dann verschlechtert das die Beziehungsqualität erheblich. Weniger Auswirkungen auf das partnerschaftliche Glück haben Qualitäten, die nur für die Person selbst Vorteile bringen, etwa ihr Aussehen und ihr Sozialstatus.

Nach dieser Studie sind Frauen also bereit, mehr Hausarbeit als ihr Partner zu leisten. Dr. Rohmann kommt zu dem Fazit, dass sich die Hausarbeit – und auch die Kinderbetreuung, die dem gleichen Verhaltensmuster folgt - immer noch nicht von dem tradierten Rollenklischee gelöst hat, während im emotionalen Bereich augenscheinlich eine Gleichberechtigung der Partner existieren muss.

Sozialpsychologie der Haushalte

Zu ähnlichen Ergebnissen waren auch die Grazer Sozialpsychologen Professor Gerold Mikula und Mag. Harald Freudenthaler in ihrer Arbeit zur Sozialpsychologie der Haushalte gekommen, wie das Magazin der Karl-Franzens-Universität Graz in seiner Ausgabe 3/98 berichtet hatte. Die Wissenschaftler fanden in ihren Befragungen heraus, dass die Frauen im Durchschnitt 70 bis 80 Prozent der Hausarbeit erledigen. Zwei Drittel der Frauen empanden diese ungleich verteilte Hausarbeit aber nicht als ungerecht.

Vergleich mit der Müttergeneration

Als einen der Gründe, warum sich die Frauen nicht ausgenutzt vorkommen, nennt Professor Mikula den sozialen Vergleich: "Das heißt, worauf man ein Anrecht zu haben meint, wird wesentlich davon bestimmt, wie dies bei vergleichbaren Personen aussieht. Frauen vergleichen sich bevorzugt mit anderen Frauen und nicht mit Ehepartnern, - und andere Frauen tun gleichviel wie sie; oder sie vergleichen gar mit der Müttergeneration.

Würden hingegen Vergleiche mit den Männern angestellt werden, dann würde dieses Ungleichgewicht wesentlich stärker zum Tragen kommen." Seiner Meinung nach müsste nach Möglichkeiten gesucht werden, wie Männer stärker in die Familienarbeit eingebunden werden können. Denn es sei immer noch so, dass Männerarbeit als wichtiger angesehen werde, als das, was Frauen leisten. Wenn Männer also stärker in den Familien präsent sind, dann werde, glaubt Professor Mikula, auch der Wert der Familienarbeit steigen.


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