urbia-Meinungsbild zur UNICEF-Studie

Kinder stören einfach

Was es Familien in Deutschland besonders schwer macht, ist die von Kindern genervte Grundeinstellung der Mehrheit, so der Tenor der urbia-Kommentare zur UNICEF-Studie über die Situation von Kindern.

Autor: Petra Fleckenstein
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urbia-Nutzer: Hunde sind beliebter als Kinder

Brueder spielen Wiese
Foto: © iStockphoto.com, mammamaart

In einer internationalen Vergleichsstudie hat das Kinderhilfswerk UNICEF die Lage von Kindern in Bezug auf sechs Bereiche verglichen: die materielle Situation, Gesundheit, Bildung, Beziehungen zu Eltern und Gleichaltrigen, Lebensweise und Risiken sowie eigene Einschätzung der Kinder und Jugendlichen. Das Ergebnis fiel für Deutschland sehr ernüchternd aus. Unter den 21 betrachteten Industrienationen erreichte es nur Platz elf. Aus Anlass dieser Studie fragten wir urbia-Nutzer nach ihrer Meinung über die Situation von Kindern in Deutschland und erhielten ein Stimmungsbild mit deutlichem Tenor. Es mag an Betreuungsplätzen fehlen, an familienfreundlichen Arbeitsbedingungen, aber das Schlimmste von allem ist: Kinder werden in Deutschland im alltäglichen Leben als Störung empfunden. Lärm werde eher toleriert, wenn er von Autos oder von Hunden stammt, kaum aber von Kindern.

Hier einige Ausschnitte aus den Kommentaren der urbia-Nutzer zur Situation von Kindern in Deutschland:

Es fehlt an der familienfreundlichen Grundeinstellung

  • "Möglichkeiten Betreuung für Kinder 0 - 3 Jahre: mies
    Möglichkeiten Ganztagsbetreuung: mies
    Flexible Arbeitszeiten für Mütter: ???
    Betreuung am Arbeitsplatz für Kinder wenn das Kind mal mitgenommen werden muss: keine
    Wohin mit den Kindern bei berufstätigen Müttern in den Ferien?
    Wem wird als erstes gekündigt? Einer Mutter
    Wer wird nicht eingestellt, außer für Fußabstreiferarbeiten: eine Mutter
    Wer bekommt keine Wohnung? Familien mit Kindern
    Wer wird geringschätzig angesehen: Nur-Hausfrauen-Mütter
    Finanzielle Unterstützung: Fehlanzeige bzw. ungerecht
    Betreuung für Kinder in Kaufhäusern etc.: Fehlanzeige (Ikea - ist aber schwedisch und wie oft kauft man Möbel)
    Betreuung, wenn Mama krank ist und niemand sonst hat bzw. der Partner nicht Urlaub nehmen kann: Streit mit der Krankenkasse
    Spielplätze, die ordentlich sind: wenige
    Genug Grünflächen für Kinder: wenige
    Familiengerechte Wohnungen: wenige

    Aber am wichtigsten: es fehlt in Deutschland an einer familienfreundlichen Grundeinstellung."

  • "Alles in allem kann ich nur sagen, dass, abseits des Materiellen, Spanien schon wesentlich kinderfreundlicher ist als Deutschland... alle Nas lang ein Spielplatz, in Restaurants sind Familien mit vielen Kindern mehr als gern gesehen... Kleinigkeiten, aber wichtige."
  • "Die Menschen wollen davon (von Kindern) möglichst nichts mitbekommen. Also: keine Verzögerung an der Supermarktkasse wegen Mama mit zwei Kindern, kein Kindergekreische vom Spielplatz an den Wochenenden, keine Kinder, die einem im Schwimmbad auf den Kopf springen, keine Kinder, die über einem wohnen und sich in der Wohnung bewegen und und und. Erstaunlich viele Menschen sind von Kindern erstaunlich genervt. Da frag ich mich immer: Sind die schon so lang geboren worden?"
  • "Kinder werden oft als Krachmacher und Störenfriede angesehen. Ich habe einiges an Verbalinjurien zu hören bekommen, als ich mich erdreistet habe, meinem zweiten Kind das Leben zu schenken. Für mich und die meisten anderen Mütter sind Kinder die schönsten Wesen, aber ich denke auch, unsere Gesellschaft hat sie nicht verdient..."
  • "Viele Menschen in Deutschland sind kinderfeindlich, da wird ein bellender Hund eher akzeptiert, als ein schreiendes Kind.
    Da wird man blöd angeschaut wenn man ein hyperaktives Kind hat, das einen Wutanfall im Supermarkt bekommt. Wenn wir in Italien sind, brauchen wir uns deshalb nie Sorgen machen, dass man blöd angeschaut wird, wenn Kinder laut sind."
  • "Mir ist es selber schon passiert, dass ich mit meinem sehr kleinen Kinderwagen von einem Ladenbesitzer des Geschäfts verwiesen wurde weil er Angst um sein Porzellan hatte."
  • "Kinder haben in unserer Gesellschaft einen niedrigeren Stellenwert als Haustiere oder materieller Besitz."
  • "Kinder stören! So zumindest die Meinung hier in Deutschland! Neulich, steh ich in einem Laden an der Kasse und Milena schreit. Babies schreien nun mal ab und zu! Da hat mich der Mann vor mir nur entsetzt und wütend angeguckt!"
  • "Hier in Deutschland wird es an Geld gemessen, wie freundlich ein Land ist. Viel Kinder- und Erziehungsgeld bedeuten nicht gleich kinderfreundlich. Es ist die Gesellschaft und nicht das Geld, die für Kinder eine liebens- und lebenswerte Umgebung schaffen."
  • "In Deutschland beschwert sich niemand wegen einer lauten Straße, aber es laufen jede Menge Klagen gegen Kindergärten, weil da Kinder zu laut spielen für die lieben Nachbarn...schlimmer geht nimmer!"
  • "Und ob Deutschland hier kinderfeindlich ist. Was wird denn hier großartig für Kinder getan? Die alten Leute beschweren sich laufend über Kinderlärm. Da muss man sich auf einmal anhören, dass das Kind schlecht erzogen wurde."
  • "Letztens wurde ich im Sea Life dumm von der Seite angemacht, weil mein Kleiner (23 Monate) bei einer Vorstellung zu schreien begonnen hatte. Wie ich denn mein kleines Kind hierher mitnehmen könnte. Ja natürlich, nächstes Mal stecke ich ihn in sein Gitterbett, schließ die Tür zu und geh ohne ihn."
  • "Die staatlichen Hilfen sind in Deutschland doch ok!
    Was mir allerdings in Deutschland nicht gefällt, ist die Einstellung der Leute gegenüber Kindern! An Stellen, die für Kinder super zum Spielen geeignet sind, stehen Schilder wie "betreten verboten"! Kinderspielplätze werden zum Hundeklo oder für Größere zur Freiluftkneipe."
  • "Ja, es ist eben einfach die Einstellung der anderen. Kinder sind in Deutschland Störfaktor, das ist schon schade! Außerdem werden Kinder nicht als eine Bereicherung fürs Leben gesehen, die Leute schauen nur danach, was für ein Loch ein Kind doch in die Haushaltskasse frisst und für den Staat sind Kinder zwar eine Bereicherung, aber nur für die Rentenkasse!"
  • "Ist irgendwie komisch hier, ich komme aus Spanien und da sind alle so kinderlieb, ich war letztes Jahr in Urlaub mit Nick dort, alle waren so nett und lieb zu ihm, dass mir schon richtig der Unterschied aufgefallen ist. Dafür liebt man in Deutschland mehr die Tiere als Kinder..."

Was das Leben für Familien außerdem schwer macht

Probleme, Job und Kinder zu vereinbaren oder überhaupt als Mutter Arbeit zu finden

  • "Alle meine Freundinnen haben große Probleme, wieder in den Beruf einzusteigen. Hab zwei aktuelle Beispiele, in denen die Arbeitgeber auf Schichtdienst bestehen - das heißt Arbeitsbeginn 5.45 Uhr ! Da hat wohl auch die tollste Kita - wenn es sie gäbe, noch nicht geöffnet."
  • "Dann geht's ja schon damit los, dass du als Mutter mit Kind schlechter Arbeit findest, als wenn du kein Kind hast. Die Chefs haben einfach im Kopf, dass man als Mutter ja ausfällt, sobald das Kind mal krank ist. Ich hab's auf meiner ehemaligen Arbeit permanent miterlebt, wie Mütter diskriminiert werden."

Zu wenig Kinder-Betreuung

  • "Auch hier bei uns hat man keine Möglichkeit, ein Kind unter drei Jahren betreuen zu lassen, außer von einer Tagesmutter und das kommt für mich persönlich nicht Frage und außerdem sind die Kosten dafür auch sehr hoch. Wir haben keine Busverbindung zum Kindergarten, müssen das dann selbst alles irgendwie managen, mit einem Auto, das mein Mann schließlich für die Arbeit im Schichtdienst benötigt. So gesehen, ist das Angebot, was Kinderbetreuung und Co. betrifft, sehr mau. Auch der Kinderspielplatz ist eine absolute Katastrophe."

Zu wenig Zeit für unsere Kinder

  • "Wenn ich Kinder habe, dann muß ich Zeit für sie haben. Sinnfreie Zeit, also keine, die ich mir von meiner Freizeit oder meinem Job "abknapsen" muß. Eine Verwaltung nach Stundenplan, den die "Familienmanagerin" (früher nannte man das Mutter oder einfach Mama) wochenweise aufstellt, ist sicher organisatorisch ein gutes Mittel. Nur sollte die Zeit für emotionale Bindung und Verantwortung - einfach ein Dasein-Wollen - keinem Plan unterzuordnen sein."
  • "Nicht vergessen zu erwähnen, das mehr als die Hälfte der deutschen Kinder beklagen, das die Eltern keine Zeit für sie haben..."

Gegenstimmen: So schlimm ist es nicht in Deutschland!

  • "'Die Niederlande führen die UNICEF-Tabelle.' Ich lebe in Holland und ich sehe das überhaupt nicht so! Alle drei Monate gibt es (...) Kindergeld! Sonst gibt es gar nichts. In Deutschland gibt es noch Mutterschaftsgeld, Erziehungsgeld etc. Die Mutter muss sechs Wochen nach der Geburt wieder arbeiten gehen. Tut sie es nicht, hat sie später Schwierigkeiten, einen Job wieder zu bekommen! Klar gibt es hier ganz viele Krippen! Die kann sich aber fast kein Mensch leisten! Wir haben vier Kinder im Freundeskreis. Alle Kinder werden bei Freunden, Großeltern, Bekannten etc. untergebracht. Denn wenn sie in der Krippe sind, geht fast der ganze Lohn der Mutter drauf! Spielplätze? Sehe ich ganz selten!"
  • "Also dort, wo ich wohne, sehe ich nirgends brennende Tonnen auf den Straßen und herumlungernde, marodierende Kinderbanden oder abgerissene, ausgemergelte Halbtote die am Wegesrand vor sich hin verwesen.

    Im internationalen Vergleich sieht es sicher nicht so gut aus mit der Kinderbetreuung und den Möglichkeiten, die alleinstehende Mütter haben. Andererseits, alles nur immer dem Staat aufzuhalsen und der "Gesellschaft" als anonyme Masse in die Schuhe zu schieben, ist doch arg billig."

  • "Tut mir leid , bei uns ist das anders. Super Kinderbetreung, Krippenplätze wenn man sich rechtzeitig kümmert. Ich habe einen toleranten Arbeitgeber, supergeile Spielplätze in der Nähe. Wir haben einen kinderlieben Vermieter, der uns immer in Schutz nimmt. Am besten zieh nach Dresden, da ist's gut."
  • "Hallo? Ich weiß ja nicht, wo Du in Deutschland lebst, aber ich denke, uns geht's doch saugut. Dieses ewige Lamentieren, das Glas sei halbleer, ist so eine deutsche Krankheit. Niemand sagt, es sei perfekt, aber wo ist das schon?"
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