Gespräch gut vorbereiten
Trennung – wie sagen wir es unserem Kind?
Etwa 200 000 Ehen werden in Deutschland jährlich geschieden, 150 000 Kinder sind involviert. Betroffene Kinder unverheirateter Paare werden statistisch gar nicht erfasst. Dass Trennungen alltäglich sind, macht es aber für Kinder nicht leichter. Wie erklärt man seinem Kind, dass Mama und Papa getrennter Wege gehen?
Getrennte Eltern - fürs Kind nicht vorstellbar
Wenn die Eltern auseinandergehen, bricht für ein Kind zunächst eine Welt zusammen. Kleine Kinder verlieren vorübergehend ebenso den Boden unter den Füßen wie ältere. „Ein Kind erlebt sich und seine Eltern als eine Einheit, die Drei gehören ganz einfach zusammen“, erläutert der Schweizer Entwicklungsforscher Prof. Dr. Remo Largo. Etwas Anderes sei „nicht Teil der kindlichen Logik, und deshalb kann man es ihm auch nicht verständlich machen“, so der Autor des Buches „Glückliche Scheidungskinder“. Daher kämen elterliche Erklärungen zu den Trennungsgründen beim Kind auch kaum an: „Sagt man zum Beispiel, dass Mama und Papa sich nicht mehr verstehen, nur noch streiten und deshalb auseinandergehen wollen, denkt ein Kind: ‚Aber ich streite mich doch auch mit meinem kleinen Bruder – und wir bleiben trotzdem zusammen’".
Zu plötzliche Trennung ist ein Schock für Kinder
Um die Überforderung des Kindes nicht noch zu steigern, ist es wichtig, dass die Entscheidung der Eltern es nicht völlig unvorbereitet trifft. Eine Langzeitstudie aus dem USA hat gezeigt, dass Kinder die Trennung der Eltern besser verkraften, wenn sie bereits mitbekommen haben, dass seit längerer Zeit etwas nicht stimmt. Die Trennung sollte also möglichst nicht so laufen, wie bei Berit H. (36)*: „Ich hatte seit einigen Monaten bemerkt, dass mein Mann innerlich oft abwesend war. Er sagte aber, dies sei nur der Stress. Sonst war alles wie immer, wir stritten auch nicht mehr als jedes andere Paar. Es war deshalb ein Schock, als er eines Abends nach Hause kam, eine Reisetasche packte und in dürren Worten ankündigte, er werde von jetzt an nicht mehr bei uns wohnen“.
Ihre jüngere Tochter war zu diesem Zeitpunkt erst ein halbes Jahr alt, die ältere war drei. „Ich fragte ihn nach den Gründen, aber er gab keine Erklärung. Nur, dass er jemanden kennengelernt habe.“ Erst nach und nach erfuhr sie Näheres. „Was mir damals unheimlich gefehlt hat war, seinen Entscheidungsprozess, der für ihn ja über einige Monate ging, mitzubekommen. Dann hätte ich mich an den Gedanken gewöhnen können, dass er ausziehen würde und auch unsere ältere Tochter vorbereiten können.“ So fehlten ihr fast die Worte, als es darum ging, der Dreijährigen vom Trennungswunsch ihres Papas zu erzählen. „Ich habe das selbst nicht verstanden, deshalb konnte ich es ihr auch kaum verständlich machen.“
Nur gut vorbereitet ins Gespräch
Mutter oder Vater sollten also nicht im Alleingang entscheiden, sich vom Partner zu trennen, um dem Rest der Familie dann eine üble Überraschung zu bereiten. Doch auch eine Trennungsankündigung im Affekt, wenn Wut und Enttäuschung gerade übermächtig sind, ist Gift für Kinderseelen. „Eltern sollten mit ihren Kindern über dieses Thema nur sprechen, wenn sie wirklich fest beschlossen haben, dass sie diesen Schritt tun wollen“, erklärt die Bremer Familientherapeutin Elke Wardin. „Aber sie sollten das Gespräch dann auch keinesfalls herauszögern, da die Kinder die atmosphärische Störung in der Familie ohnehin wahrnehmen. Es verunsichert sie sehr, wenn das, was sie fühlen, nicht mit dem zusammenpasst, was ihnen gesagt wird“.
Vorab den neuen Alltag planen
Trotzdem ist es wichtig, dass die Eltern das Gespräch in Ruhe vorbereiten. Sie können bereits untereinander abklären, wie es ganz konkret für den Nachwuchs weitergeht. So sollte möglichst schon klar sein, wo das Elternteil, das auszieht, in Zukunft (allein oder mit den Kindern) wohnen wird. Ist noch keine Wohnung gefunden, kann man mit dem Gespräch noch etwas warten. Gut ist es in jedem Fall, wenn ein Umzug fürs Kind vermieden werden kann. Auch sonst ist Kontinuität jetzt oberstes Gebot. Die Betreuung sollte deshalb möglichst stabil bleiben (z. B. gleicher Kindergarten, weiterhin regelmäßige Großeltern- oder Tagesmutterbetreuung).
Vor allem aber in der Eltern-Kind-Beziehung ist es umso beruhigender fürs Kind, je weniger sich hier verändert. Auch der wegziehende Elternteil sollte deshalb einige seiner angestammten Aufgaben weiterhin übernehmen, wenn er nicht zu weit weg wohnt. Zum Beispiel kann der Vater an zwei Abenden pro Woche hereinschauen und dem Kind seine Gutenacht-Geschichte vorlesen, wenn dies früher seine Aufgabe war. Oder er holt sein Kind morgens ab und bringt es zum Kindergarten/zur Schule, während die Mutter mittags fürs Abholen zuständig ist. Werden viele solcher Alltagsrituale erhalten, spürt das Kind: Mama und Papa sind weiterhin für mich da, sorgen beide für mich, nehmen sich Zeit für mich.
Nötig ist für die anstehende Unterredung mit dem Kind auch eine ruhige Atmosphäre, ein Tür-und-Angel-Gespräch wäre jetzt fehl am Platz. Auch wenn also gerade alles drunter und drüber geht, weil für einen der Partner ein Umzug ansteht, sollten die Eltern sich Zeit nehmen. Wichtig ist dabei, dass Mutter und Vater gemeinsam mit dem Kind sprechen, darauf hat ein Kind ein Anrecht. Es würde die Abwesenheit von Mama oder Papa bei einer so einschneidenden Nachricht als Desinteresse deuten und sich von diesem Elternteil verlassen fühlen.

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