Familien und Mobilität

Abwesende Väter: Papa nimmt das Flugzeug ins Büro

Leben in Berlin, arbeiten in New York? Heute keine Seltenheit mehr. Berufspendler gab es zwar schon immer, aber nie zuvor waren Menschen so weltumspannend mobil wie heute. Für Familien eine Zerreißprobe. Wir haben uns zwei Familien mit häufig aus Berufsgründen abwesenden Vätern angesehen.

von Maja Roedenbeck
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abwesender Vater Heimkehr
Foto: © Panthermedia.net / Ron Chapple

Ohne Flexibilität läuft gar nichts

Berufspendler sind schon immer ein Teil der arbeitenden Bevölkerung gewesen, aber noch nie gab es so viele verschiedene Lebensentwürfe wie heute, bei denen der Familienernährer nicht dort die Brötchen verdient, wo die Familie lebt. Gemeinsame und getrennte Zeiten wechseln sich dabei längst nicht mehr in verlässlicher Regelmäßigkeit ab, und so ist der moderne Familienalltag für viele Betroffene ein nie endender Anpassungsprozess an die „berufliche Mobilität“. Experten interessieren sich inzwischen nicht mehr nur für die Auswirkungen eines solchen Lebens auf die Partnerschaft, sondern auch auf die ganze Familie. Denn natürlich geht es auch an den Kindern nicht spurlos vorüber, wenn sie in teils unvorhersehbarer Weise immer wieder für längere Zeit auf ein Elternteil verzichten müssen.

Papa ganz weg oder ganz da

Thomas Pape* (38), Vater zweier Söhne, ist selbstständiger Unternehmensberater und arbeitet für wechselnde Kunden in Deutschland und im europäischen Ausland. Oft kann er einen ganzen Monat lang nur samstags und sonntags bei seiner Familie sein. Genauso gibt es aber auch Phasen, in denen er nur die halbe Woche unterwegs oder zwischen zwei Aufträgen ganz zu Hause ist. Unter noch extremeren Bedingungen arbeitet Oliver Großmann (35), Vater eines Vierjährigen: Als Kameramann beim Film ist er etwa 25 Wochen im Jahr zu Dreharbeiten unterwegs. Die Saison geht von April bis Oktober und erlaubt ihm nicht mehr als eine oder zwei Wochen Pause zwischen den mehrwöchigen Arbeitseinsätzen. Den Winter verbringt er dafür komplett bei seiner Familie.

Thomas und Oliver sind keine Einzelfälle. Laut der laufenden Studie „Job Mobilities and Family Lives in Europe“, die die Umstände beruflicher Mobilität in mehreren Ländern Europas untersucht und von der Universität Mainz koordiniert wird, ist derzeit jeder fünfte deutsche Vollzeiterwerbstätige aus beruflichen Gründen mobil: Er oder sie pendelt täglich (Fernpendler), kommt nur  am Wochenende nach Hause (Shuttle), ist für den Job in eine weit entfernte Stadt gezogen (Umzugsmobiler) oder übernachtet unregelmäßig an verschiedenen Arbeitsorten (Varimobiler). Bei 36 Prozent der mobilen Deutschen leben Kinder im Haushalt. Tendenz: steigend, und daran zeigt sich, dass dieses Lebensmodell ein sehr modernes ist: Immer mehr Familien probieren es freiwillig oder unfreiwillig aus, weil neue Arbeitsplätze vor allem im Dienstleistungs- und Informationssektor entstehen. Und ob Tourismus- oder IT-Branche, Freiberufler- oder Beratertätigkeit: ohne Flexibilität (trotz Familie) läuft hier gar nichts.

* (alle Namen der vorgestellten Familien geändert)