Ein Vater in Elternzeit

„Eine bereichernde Erfahrung"

Dr. Christoph Weinberg hat als Arzt eine Auszeit genommen: Erziehungsurlaub. Sein Fazit nach der Pause: „Es ist eine bereichernde Erfahrung für mich."

Autor: Petra Fleckenstein
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Drohung mit beruflichen Nachteilen

bereichernde Erfahrung
Foto: © Colourbox

Dr. Christoph Weinberg* war als Assistenzarzt an der Uniklinik Bonn tätig, als seine Frau noch vor der Geburt ihres Kindes ein reizvolles Job-Angebot erhielt. Trotz deutlicher finanzieller Einbußen durch das dann geringere Gehalt, entschloss sich das Paar zum Rollentausch.

Was hast du dir vom Rollentausch versprochen?
Einen befristeten Ausstieg aus dem streng geregelten Arbeitsalltag und eine bereichernde Lebenserfahrung.

Welche Bedenken hattest du?
Sorgen machten mir die ablehnende Haltung meiner Vorgesetzten und Nachteile bei meinem beruflichen Wiedereinstieg.

Wie war die Reaktion deines Arbeitgebers?
Starke Ablehnung und Unverständnis. Mein Chef fragte wiederholt, ob ich mir das wirklich gut überlegt hätte. Als ich bei meiner Entscheidung blieb, meinte er, damit sei meine wissenschaftliche Karriere beendet.

Wie haben deine Freunde reagiert?
Meine Umwelt reagierte sehr verständnisvoll, teilweise sogar neidisch.

Meinem Sohn viel näher gekommen

Wie habt ihr euch auf den Wechsel vorbereitet?
Durch eine zweiwöchige Übergangszeit, während der meine Frau und ich beide zu
Hause waren.

Wie hast du die erste Zeit als Hausmann erlebt?
Als eine merkwürdige Mischung aus Unterforderung und anders gelagerter Anstrengung als ich das im beruflichen Alltag gewohnt war.

Wie fühlte es sich an, wenn deine Frau morgens ging?
Nicht viel anders als sonst, wenn ich mit meinem Sohn einmal allein zu Hause blieb.

Wie hast du die Tage mit deinem Kind gestaltet?
Die Vormittage habe ich mit meinem Sohn zu zweit mit Hausarbeit, Spielen und handwerklichen Arbeiten (wir waren zu der Zeit gerade in eine neue Wohnung umgezogen) verbracht. Nachmittags traf ich Bekannte und deren Kinder, ging auf Spielplätze oder machte mit meinem Sohn kleine Ausflüge (Zoo, Großeltern).

Was hast du anders gemacht als deine Frau?
Ich habe mehr mit meinem Sohn unternommen.

Was hast du gemacht, wenn deine Frau abends heimkam?
Ich machte das Abendessen, während sich meine Frau auf unseren Sohn stürzte und mit ihm spielte.

Wie hat sich dein Verhältnis zu deinem Kind entwickelt?

Ich bin ihm sehr viel näher gekommen, konnte seine Botschaften besser entschlüsseln und habe ihn in seiner Individualität besser wahrgenommen.

Als Mann mit Kind ein Außenseiter

Hat sich deine Frau in dieser Zeit verändert? Hast du an ihr neue Seiten entdeckt?
Ich habe keine durchgängige Veränderung an ihr bemerkt.

Hast du dich als Mann anders gefühlt als zuvor?
Ja, ich fühlte mich einsamer und unsicherer. Als Mann mit einem Kind ist man vormittags mit einem Kind in der Stadt ein Außenseiter.

Welche Probleme gab es?

Siehe Antwort auf die vorherige Frage.

Hat sich durch den Rollentausch dauerhaft etwas verändert?
Ich fühle mich seither stärker für die Familie als ganzes verantwortlich.

Wie beurteilst du deinen Erziehungsurlaub im Nachhinein?
Eine bereichernde Erfahrung.

Die Fragen stellte Petra Fleckenstein

*Name geändert


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