Vater-(Vor)-Freuden

Vom Papa werden

Vater zu werden bringt zwar auch Sorgen, Zweifel und Strapazen mit sich. Aber die meisten Männer freuen sich wie die Schneekönige auf ihr Kind. Zwei Väter erzählen kurz vorm Geburtstermin von ihrem Stolz und ihrer Vorfreude auf ein neues Leben, vom Spielzeug-Shoppen und Nicht-mehr-Rauchen, von Nestbauten und Frauenarztbesuchen.

Autor: Sven Heitkamp
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Familienkombi statt Nobel-Limousine

Vorfreude Vaterschaft
Foto: © iStockphoto.com/ cunfek

Es könnte viele gute Gründe gegen eine Schwangerschaft geben: Der Frau ist ständig übel, im Bett herrscht tote Hose. Zum Dank wird mir ein Baby bald den Schlaf stehlen. Und wenn's schief läuft, zahle ich dafür noch 20 Jahre Unterhalt. Wer will das schon? Fast alle! Laut einer Studie des Deutschen Jugendinstituts (DJI)* sagen rund 93 Prozent der kinderlosen jungen Männer Ja zum eigenem Nachwuchs, Ja zum Papa werden. Viele freuen sich sogar darauf.

Einer von ihnen ist Mike aus Mainz, 39, man könnte auch sagen: „Kreditkarten-Mike". Er ist seit Monaten im Kaufrausch. Im Februar soll seine erste Tochter auf die Welt kommen, eine Clara, am liebsten soll sie blondgelockt sein. Aber letztlich ist das ganz egal. „Ich bin einfach nur glücklich", sagt Mike, der für einen Verlag das Onlinegeschäft betreut. Seit ihm seine Frau im Frühjahr verkündete, dass sie schwanger sei, stürzt er sich euphorisch in die Vorarbeiten. Er kauft Strampler und Spielzeug, Kuscheltiere und Klamotten. Als Erstes gab's das gleiche karierte Hemd fürs Baby, das auch er trägt. Den Kinderwagen, einen City-Jogger, hat er günstig in den USA besorgt. Das Kinderzimmer ist gerichtet, Wickelkommode und Wiege stehen bereit. Vor ein paar Tagen haben sie noch einen Eimer rosa Farbe besorgt.

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Die Einkäufe basieren natürlich auf gründlicher Vorbereitung. Mike liest, was er zum Thema finden kann: Babybücher, Vater-Ratgeber und den Schnellkurs: „Papa to go". Stundenlang recherchiert er im Internet, auch eine Elternzeitschrift hat er schon abonniert. „Als wir einen Kindersitz fürs Auto gekauft haben, hab ich meiner Frau alle Marken und Modelle erklärt." Und das ist nicht alles. Der Mann stellt sein ganzes Leben um, fast wie im Klischee: Die Nobel-Limousine hat er gegen einen großen Volvo-Kombi getauscht. Er fährt höchstens noch Tempo 140, hat das Rauchen aufgehört und geht nicht mehr Bergsteigen. „Das Verantwortungsgefühl wächst enorm", sagt Mike. Natürlich hat er ein paar Kilo zugenommen, mittlerweile gibt's deshalb Zuhause mehr Gemüse als Pizza. Immerhin wird Mike mit 39 Jahren nicht gerade der jüngste Vater.

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Glücksgefühle: Eine Art Ur-Instinkt

Das optimale Alter für eine Vaterschaft sehen die meisten Herren der Schöpfung laut den Befragungen des DJI schon bei 25 Jahren. Wenn sie das erste Baby auf dem Arm halten, sind die Männer im Durchschnitt allerdings schon 29. Diese Diskrepanz liege nicht so sehr an mangelnder Motivation – sondern an den als ungünstig empfundenen Lebensbedingungen, gerade jetzt ein Kind in die Welt zu setzen. Fast vierzig Prozent der Männer zwischen 15 und 42 Jahren sagen laut Studie: Eine Vaterschaft zum jetzigen Zeitpunkt sei „sehr unangenehm" oder sogar „eine Katastrophe". Den richtigen Moment im Leben gibt es also selten. Und doch passiert's ständig.

Woher aber kommen die unglaublichen Glücksgefühle eines werdenden Vaters? Bei Mike muss es eine Art Ur-Instinkt sein. Spätestens, seit er Clara das erste Mal beim Ultraschall in 3D gesehen hat, kam ein enormer Stolz auf das eigene Kind dazu. Vaterschaft als gelungene Fortpflanzung, als fantastischer Akt der Erzeugung, als intime Verbindung zu einem Menschen, die einem keiner nehmen kann. „Wenn Clara tritt und ich meine Hand auf den Bauch meiner Frau lege, wird sie wieder ruhig", erzählt er.

Für Sven aus Leipzig ist Alltag mit Kindern längst Routine – und doch freut er sich jetzt auf sein erstes Kind. Als der 35-Jährige vor vier Jahren seine Freundin kennenlernt, bringt sie zwei Mädchen mit. Die sind gerade mal 4 Jahre und 18 Monate alt. Doch im Januar erwarten die Eltern nun Kind Nummer 3 – und damit Svens erstes Baby. „Die Mädchen sind mir vom ersten Moment an ans Herz gewachsen. Aber die Schwangerschaft und die ersten anderthalb Jahre habe ich verpasst. Das will ich unbedingt hautnah und bewusst erleben", sagt er. „Ich freu mich riesig - sogar auf die Nächte, in denen ich wach sein muss."

Dass sie zusammen noch ein Kind bekommen würden, war die Voraussetzung dafür, dass er sich auf das ungewöhnliche Familienabenteuer überhaupt einließ. Und seine Freundin war einverstanden. „Es hat nichts mit den beiden Mädchen zu tun. Vielleicht ist es einfach das Ego eines Mannes, dass man sich auch ein eigenes Kind wünscht." Das Paar ist seither nochmal enger zusammen gewachsen. Sven ist bei jedem Frauenarzttermin dabei, auch die Geburt will er miterleben. Die Wohnung ist seit Wochen hergerichtet – das Kind hätte schon im siebten Monat kommen können. Ob es ein Junge oder ein Mädchen wird, soll eine Überraschung bis zur Entbindung bleiben. „Die Wünsche schwanken hin und her - also ist es mir im Grunde egal", sagt Sven. Er freut sich darauf, dass das Baby auf seinem Bauch liegen wird, dass es krabbelt, Laufen lernt, die ersten Worte spricht. Eine große Umstellung dürfte der Einzug des fünften Familienmitglieds nicht werden. „Aber das Gefühl", glaubt Sven, „wird sicher nochmal anders sein."

Vaterschaft als pädagogische Aufgabe

Bei Mike ist es auch seine Herkunftsfamilie, die seinen Kinderwunsch prägt. Er wächst mit zwei jüngeren Brüdern auf, passt oft auf die Kleinen auf. Die Beziehung zu einer Frau mit Tochter wird zum nächsten Schlüsselerlebnis. „Dieses strahlende Lachen, als ich dem Mädchen das Radfahren beigebracht habe, hat sich mir für immer eingebrannt", erzählt Mike. Der erste Versuch der eigenen Familiengründung scheitert allerdings. Gerade, als er mit seiner damaligen Freundin ein altes Haus von auf Grund auf saniert hat, präsentiert sie ihm einen anderen Mann. Doch nach einer Krise findet der Gehörnte endgültig die Richtige. Es folgen Hochzeit, Umzug, Schwangerschaft.

Blauäugig erwartet aber auch Mike die Vaterschaft nicht. Werden sie ihren Lebensstandard halten können, wenn seine Frau nicht mehr arbeiten mag? Wird er seine guten alten, aber kinderlosen Freunde verlieren? Doch die Vorfreude wiegt die Bedenken locker auf. „Ein Kind ist das, was mein Leben rund macht", sagt er. „Ich weiß jetzt, wofür ich täglich buckele." Neben der unfassbar starken Liebe möchte er zudem etwas an die nächste Generation weitergeben: Das Wertesystem, das ihm schon seine Eltern vermittelt haben. Anderen Menschen mit Anstand zu begegnen, Respekt zu üben, auch vor Tieren, vor Älteren, vor fremdem Eigentum. Vaterschaft als pädagogische Aufgabe. „Darauf", sagt Mike, „freu ich mich ganz besonders."

* Claudia Zerle, Isabelle Krok: Null Bock auf Familie? Der schwierige Weg junger Männer in die Vaterschaft. Erschienen 2008. Durchführung: Deutsches Jugendinstitut e.V., München, Auftraggeber: Bertelsmann Stiftung, Gütersloh 


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