Autor fordert Recht auf karrierefreies Leben

Sind Männer arm dran?

Männer machen die Drecksarbeit, sagt Ralf Bönt in seinem "Manifest für den Mann" und fordert für Männer das Recht auf ein karrierefreies Leben. Aber wer will das überhaupt? urbia-Autor Erik Paschen, Vater zweier Kinder, hat sich Bönts Thesen einmal angesehen. Hier seine Antwort.

von Erik Paschen
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Männer Rollenbild
Foto: © iStockphoto.com/ Squaredpixels

Recht auf ein karrierefreies Leben

Weil die Welt so unübersichtlich ist, brauchen wir Schubladen. Zur Orientierung. Damit wir wissen, was gut und böse, richtig und falsch ist. Was Männer und Frauen wollen und wie sie sich unterscheiden. Es werden neue gezimmert und manche bleiben zum Glück schon länger zu. Eine Schublade wurde bisher weder von Frauen, noch von Männern aufgezogen: Männer wollen auch ausschließlich Papa sein dürfen oder anders gesagt: Männer brauchen das Recht auf ein karrierefreies Leben, wie Buch-Autor Ralf Bönt schreibt.

Welche Schubladen habe ich denn kennengelernt? Da war die aus dem Jugendzentrum: Der Mann ist böse, denn er unterdrückt die Frau. Also haben die Jungs mit Auto alle Frauen ohne Auto immer nach Hause gefahren, damit ihnen beim Trampen nichts zustößt. Dann wurde nachgeschoben: Frauen sind grundsätzlich die besseren Menschen. Frauen versöhnen und verstehen, Männer hauen sich die Köpfe ein. Männer, die das verstanden hatten, wurden zu Frauenverstehern.

Jahre später kam plötzlich die Gegenbewegung: Männer sind gar keine richtigen Männer mehr. Wer es allen Frauen recht machen wollte, bekam prompt ein "weinerliches Weichei" hinterhergeworfen. Ein Kabarettist schuf den Spruch: "Frauen hassen die Kämpfe und lieben die Sieger." Der verunsicherte Mann suchte Rat im Bücherregal. "Gute Mädchen kommen in den Himmel, böse überall hin", drohte im Vorbeilaufen die Frauenliteratur. Wenigstens geben sie ihre Strategie zu, dachte der Mann und sehnte sich nach einer männlichen Antwort.

Männer machen die Drecksarbeit

Die findet er nun bei Ralf Bönt. Männer erhebt Euch, schreibt er in seinem Manifest "Das entehrte Geschlecht". Frauen nehmen sich längst, was sie brauchen, Männer machen die Drecksarbeit, ruinieren ihre Gesundheit und lassen sich viel zu bereitwillig zum eigentlich unterdrückten Geschlecht funktionalisieren.

Bönt schreibt als Mann und Vater. So fordert er für die Männer auch das Recht ein, auf Karriere verzichten zu dürfen, wenn sie denn lieber Papa sein wollen. Sollen die Frauen doch das Geld für die ganze Familie verdienen und nicht nur Spaß an der Selbstverwirklichung haben.

Gutes Geld ist doch sexy

Bönt formuliert provokativ, weil auch er die Umfragen und Studien mit folgenden Ergebnissen gelesen hat: Geld verdienen ist zwar supi, aber "frau" will die sauer verdiente Knete bitte alleine ausgeben, haben diese herausgefunden. Gefragt nach den Auswahlkriterien bei der Männerwahl steht auf der Wunschliste ganz oben neben einem großen Herz der dicke Geldbeutel. Selbst die karrierebewusste Frau, die gutes Geld mit nach Hause bringt, sortiert nach dem Motto aus: Ein Mann, der weniger oder sogar gar nichts verdient, ist unsexy. Wissenschaftler, die ja auf alles eine Antwort finden müssen, deuten das als Wunsch nach Sicherheit und nach einem Versorger.

„Einspruch!“, müssten da die Frauen rufen, das haben wir doch längst hinter uns. Ja, dann springen wir doch in die Zeit zurück, als die Frau das noch vor sich hatte. In die Zeit, als Männer Reportern in den Block diktierten, dass man Frauen lieber das Autofahren verbieten sollte und zum Nachrichtenvorlesen im Fernsehen seien sie auch zu doof. Damals erzog die Frau die Kinder, hatte nicht einmal ein Girokonto und am Glückstag drückte der Mann ihr einen Schein in die Hand. „Kauf dir mal was Nettes“. Es hat eine Generation gedauert, bis sich ein emanzipierter Haushalt dadurch auszeichnete, dass die Frau ein „Gehalt“ von ihrem Gatten bekam, mit dem sie selbstbestimmt Haushalt und eigene Bedürfnisse bezahlen konnte. Ja, es gab sogar das Modell heimliche Herrscherin, wo Frauen komplett die Finanzgeschäfte übernahmen. Bei allen Varianten wurde eines nicht in Frage gestellt. Der Verdiener zahlt für den Nichtverdiener mit.

Hauptamtliche Väter - super! Aber nur in der Theorie

Nach dem Ausflug in die 60er zurück zu den Möchtegernpapas. Zunächst mal finden alle Männer und Frauen hauptamtliche Papas klasse, so irgendwie. Nun haben wir aber auch gesehen, dass bei der praktischen Umsetzung Frauen nicht wirklich begeistert über die alleinige Versorgerrolle wären. Aber vielleicht haben die meisten Frauen ja Glück. Denn Bönt beschreibt zwar sehr einfühlend die Glücksmomente, die auch ein Papa mit seinem Kind haben kann. Ob er aber mit seiner Haltung eher alleine dasteht oder eine Heerschar von erziehungswilligen Männern hinter sich weiß, schreibt er nicht. In der aktuellen Studie des Deutschen Jugendinstituts zum Thema Erziehung jedenfalls heißt es unmissverständlich: 95 Prozent der Männer sehen ihre Lebensaufgabe darin, den Unterhalt für die Familie zu verdienen.

Häufig siegt der Kompromiss

Da also weder die Mehrzahl der Männer, noch der Frauen einfach einen kompletten Rollentausch anstrebt, wundert es nicht, wenn es in der Praxis meist auf einen Kompromiss zuläuft. Mütter und Väter teilen Erziehungspflichten und Geldverdienen so auf, dass zum einen genug Geld da ist und zum anderen der Tagesablauf der Kids organisierbar ist. In der Regel hat dann der Mann den besser bezahlten Job und die Frau organisiert ihre Arbeit um die Termine der Kinder herum.

Männer, überprüft Eure Rollen!

Das ist jetzt aber alles andere als neu. Will sich Ralf Bönt einfach nicht der Realität stellen? Nein, will er tatsächlich nicht. Weil er seine Thesen auch als Appell versteht. Männer, überprüft Eure Rollen, die Ihr Euch selber zuschreibt oder die Euch zugewiesen werden. Frauen, kämpft nicht nur für Eure Rechte, sondern gesteht Euch ein, dass es mehr als nur einen Männertyp gibt. Erlaubt den Männern mehr Entfaltungsmöglichkeiten. Dagegen ist nichts zu sagen. Jede Frau, deren Jobaussichten vielsprechend sind, darf von ihrem Mann verlangen, dass dieser seine beruflichen Ambitionen zurücksteckt, Teilzeit statt Aufstieg oder sogar Ausstieg. Jeder Mann, der gerne die Karriere hinten anstellen möchte, um sich ganz der Erziehung seiner Kinder zu widmen, muss von seiner Frau weiter als Mann ernstgenommen werden. Es gibt eben nicht nur eine Schublade.