Vaterschaftstest

Vaterschaftstest – wenn der Partner nicht mit dem eigenen Kind verwandt ist

Das alte römische Sprichwort „pater semper incertus, mater certa“ („Der Vater ist immer unsicher, die Mutter sicher“) gilt heute nicht mehr. Die Molekularbiologie macht es möglich, das biologische Verwandtschaftsverhältnis zwischen zwei Personen per DNA-Analyse wissenschaftlich zu klären. Das Ergebnis ist das Abstammungsgutachten, allgemein als Vaterschaftstest bekannt. urbia informiert über die rechtlichen Grundlagen in Deutschland und über das medizinische Verfahren des Vaterschaftstests.

Väterstudie
Foto: © mauritius images/ fancy
Was Müttern nur durch die Vertauschung ihrer Babys im Krankenhaus passieren kann, ist für viele Väter bittere Realität – Zweifel über das Verwandtschaftsverhältnis zum eigenen Nachwuchs. Ebenso schwer fällt es Müttern, die sich nicht sicher sind, ob der Partner der leibliche Vater ihres Kindes ist, mit den Zweifeln zu leben – von denen, die wissen, dass er es nicht ist, ganz zu schweigen. Manchmal merken auch die betroffenen Kinder selbst, dass sie keinerlei Ähnlichkeit zu ihrem Vater aufweisen und fangen an, Fragen zu stellen. Ein solcher Verdacht kann eine Familie schnell zermürben. Rational betrachtet sollte zwar immer zum Wohle des Kindes gehandelt werden, doch für viele Eltern ist das nicht einfach, da sie emotional stark beteiligt sind. Die bestehende UN-Kinderrechtskonvention dient jedoch dem Schutz des Kindes, indem sie ihm bestimmte Rechte zusichert – hierunter fällt auch das Recht, zu wissen, wer die leiblichen Eltern sind. Ein Vaterschaftstest bringt die gewünschte Klarheit.

Rechtliche Grundlagen bei Vaterschaftstests

Rechtlich betrachtet ist eine Vaterschaft komplizierter als eine Mutterschaft. Eine Mutterschaft entsteht durch Geburt oder Adoption eines Kindes. Ein rechtlicher Vater hingegen ist, wer bei der Geburt des Kindes mit der Mutter verheiratet ist, die Vaterschaft anerkennt oder diese durch ein Gericht zugesprochen bekommt. Ebenso wie bei der Mutterschaft kann eine Vaterschaft außerdem durch eine Adoption entstehen.

Ein Vaterschaftstest ist dazu da, die biologische Vaterschaft zu überprüfen. Bei den Vaterschaftstests wird zwischen gerichtlichen und privaten Tests unterschieden. Ein privat durchgeführter Vaterschaftstest ist legal, sofern alle beteiligten Parteien einem solchen Test zustimmen. Ist das betreffende Kind noch minderjährig, entscheidet sein gesetzlicher Vormund oder das Jugendamt stellvertretend für das Kind. Geregelt ist dies in § 1598a BGB, der das Recht eines jeden Menschen auf Kenntnis der eigenen Abstammung anerkennt. Dieses Gesetz besagt auch, dass die DNA-Probe für den Vaterschaftstest den anerkannten wissenschaftlichen Richtlinien entsprechend entnommen werden muss. Willigt eine der Parteien nicht ein, entscheidet ein Familiengericht über die Durchführung des Tests. Verboten sind hingegen heimlich durchgeführte Vaterschaftstests. Wird dem Ehemann vorsätzlich verschwiegen, dass er nicht der biologische Vater des Kindes ist, kann auf die Mutter eine Schadensersatzklage im Sinne einer sittenwidrigen vorsätzlichen Schädigung nach § 826 BGB oder einer Personenstandsfälschung gemäß § 169 StGB zukommen.

Eine gerichtliche Vaterschaftsfeststellung kommt dann zustande, wenn der vermeintlich biologische Vater gerichtlich zu einem Vaterschaftstest bzw. juristisch korrekt zu einer Abstammungsbegutachtung verpflichtet wird. Der Unterschied zwischen einem privaten Vaterschaftstest und einem gerichtlichen Abstammungsgutachten besteht im Wesentlichen aus Folgendem:

  • Privater Vaterschaftstest: Ein privater Vaterschaftstest kann mit Einwilligung aller Beteiligten oder deren gesetzlichem Vertreter durchgeführt werden. Hierbei gibt es die Methode, die DNA-Proben selbst zu entnehmen und an ein Labor zu schicken. Oft schickt das jeweilige Labor die Utensilien zur Entnahme im Voraus zu. Die zweite Möglichkeit besteht darin, persönlich ein Labor aufzusuchen und die Entnahme der DNA vom dortigen Fachpersonal vornehmen zu lassen. Es empfiehlt sich, die Entnahme nicht selbst vorzunehmen, sondern dies in einem zertifizierten Labor machen zu lassen, so sinkt das Risiko von Verwechslungen. Das Ergebnis eines privaten Vaterschaftstests hat vor Gericht keine Bedeutung und kann somit nicht für Unterhalts- und Erbansprüche herangezogen werden. Ein privater Vaterschaftstest verursacht Kosten von 100 Euro an aufwärts.
  • Gerichtliches Abstammungsgutachten: Ein solches wird durchgeführt, um etwaige Ansprüche bezüglich Unterhalt oder Erbschaft zu klären. Solche Gutachten werden zumeist gerichtlich in Auftrag gegeben und von akkreditierten Laboren, zertifiziert nach ISO EN DIN/IEC 17025, durchgeführt. Diese Art von Test darf nur unter Aufsicht eines Gutachters erfolgen, damit er nicht verfälscht werden kann. Bei der Analyse werden Blutproben oder Abstriche aller Beteiligten abgegeben. Damit ist eine 99,9-prozentige Sicherheit garantiert, da hierbei oft doppelt so viele DNA-Abschnitte überprüft werden wie beim privaten Vaterschaftstest. Ein solcher Vaterschaftstest kostet in der Regel auch doppelt so viel. Das Gendiagnostikgesetz, geregelt von der gleichnamigen Kommission am Berliner Robert-Koch-Institut, definiert seit 2010 die rechtlichen Grundlagen für den Vaterschaftstest.

Vaterschaftstest-Verfahren

Private Vaterschaftstests werden im einfachsten Fall von Laboren durch DNA-Proben, die Erbgut enthalten, durchgeführt. Bei diesen kann es sich um Haare, Speichel oder auch Blut handeln. Für gerichtliche Gutachten werden zumeist Blutproben verwendet. Bei einer verstorbenen Person können deren Knochen für einen solchen Test herangezogen werden. Bei einem Vaterschaftstest wird das Erbgut analysiert und ausgewertet. Erbgut befindet sich in sämtlichen menschlichen Zellen – abgesehen von roten Blutkörperchen und Blutplättchen – und zwar auf dem Zellkern, der als Gen auf den Chromosomen liegt. Jeder Mensch besitzt einen Satz von 46 Chromosomen, von denen jeweils die eine Hälfte von der Mutter und die andere Hälfte vom Vater stammen. Somit müssen alle Merkmale, die nicht mit denen der Mutter übereinstimmen, mit denen des Vaters übereinstimmen.

Die einfachste Methode ist oft der Mundschleimhautabstrich, bei dem mit einem Wattestäbchen Schleimhautzellen aus dem Mund entnommen werden. Für eine ausreichende Information reichen schon kleine DNA-Abschnitte, die sich im Labor mit Hilfe einer Polymerase-Kettenreaktion (PCR) vervielfältigen und so entschlüsseln lassen. Ein Vaterschaftstest wird immer in Wahrscheinlichkeiten angegeben. Das Alter des betreffenden Kindes ist bei einem solchen Test unerheblich. Das deutsche Gendiagnostikgesetz empfiehlt auch bei privaten Vaterschaftstests die DNA-Probe durch das jeweilige Labor entnehmen zu lassen, damit eine einwandfreie Qualität der Proben gewährleistet ist.

Pränataler Vaterschaftstest

Es besteht zudem die Möglichkeit, einen Vaterschaftstest bereits in der Schwangerschaft durchzuführen. Dies funktioniert üblicherweise durch einen invasiven Eingriff in den Körper der schwangeren Frau. Mittels einer Chorionzottenbiopsie, die zwischen der 10. und der 12. Schwangerschaftswoche durchgeführt wird, entnimmt man dabei Proben der Chorionzotten, die sich um den Fötus herum befinden. Dies kann entweder mittels eines Stifts erfolgen, der durch die Bauchdecke hindurch eingeführt wird, oder durch einen Schlauch, der durch die Scheide und die Gebärmutter in die Plazenta geschoben wird. Bei der Chorionzottenbiopsie besteht ein geringes Fehlgeburtsrisiko. Ab der 15. Schwangerschaftswoche ist ein Vaterschaftstest durch Fruchtwasserentnahme möglich. Hier wird das Fruchtwasser auf das väterliche Erbgut untersucht. Auch diese Untersuchungsmethode birgt ein geringes Fehlgeburtsrisiko.

Beide Methoden sind nicht ausschließlich dazu da, um die Frage der Vaterschaft zu klären, sondern in erster Linie, um eine Diagnose bezüglich möglicher Anomalien beim ungeborenen Kind zu erstellen. Eine neue, nicht-invasive Methode zur Bestimmung der Vaterschaft erfolgt anhand einer einfachen Blutabnahme und -analyse bei der schwangeren Frau. Dieser Test ist bereits ab der 9. Schwangerschaftswoche möglich und birgt keinerlei Risiko einer Fehlgeburt. Allerdings darf er in Deutschland nur zur Klärung einer Straftat vorgenommen werden, wie beispielsweise einer Vergewaltigung, und nicht aus rein privatem Interesse. In Österreich und den Niederlanden ist jedoch auch eine private Durchführung erlaubt.

Wie viel Sicherheit gibt ein Vaterschaftstest?

Liegt ein Testergebnis mit einer Vaterschaftswahrscheinlichkeit von 99,999 Prozent vor, dann handelt es sich bei dem Spender der Probe um den leiblichen Vater des Kindes. Ein positiver Vaterschaftstest kann niemals zu 100 Prozent sicher sein, da es sich bei einer Weltbevölkerung von mehreren Milliarden Menschen niemals ausschließen lässt, dass es, abgesehen von eineiigen Zwillingen, nicht auch andere Personen mit der gleichen Erbinformation gibt. Diese Restwahrscheinlichkeit ergibt sich aus der Tatsache, dass keine vollständige DNA-Datenbank auf der Welt existiert. Demgegenüber kann aber ein negativer Vaterschaftstest zu 100 Prozent negativ sein, denn eine ausgeschlossene Vaterschaft ist zu 100 Prozent sicher. Daran ändert auch ein genetischer Zwilling nichts.

Liegt das Ergebnis eines Vaterschaftstests vor, und der Partner ist nicht der Vater, müssen alle Beteiligten zum Wohle des Kindes lernen, damit umzugehen. Daher empfiehlt es sich, bei Unklarheiten möglichst frühzeitig zu klären, wer der Vater eines Kindes ist und gegebenenfalls die Hilfe eines Familientherapeuten in Anspruch zu nehmen.


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