Familienstudie

Wenn Männer Väter werden

Von Vätern wird heute immer häufiger erwartet, dass sie für ihre Kinder mehr als nur der Ernährer sind. Bislang nur frommer Wunsch oder bereits Wirklichkeit?

Autor: Petra Fleckenstein
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Vaterrolle: Wunsch und Wirklichkeit

Vater kuesst Baby
Foto: © panthermedia.net/ Andreas Marinski

Schöne Väter in der Werbung

Die Werbung hat sie längst für sich entdeckt: Großformatige Fotos von muskelstarken Männern, die einen Säugling an ihre behaarte Brust drücken und ihn mit ihrer Manneskraft vor allem Unbill dieser Welt zu schützen scheinen, sind en vogue. Ein Blick auf Deutschlands Straßen scheint das Bild ebenfalls zu bestätigen: Väter, die einen Kinderwagen vor sich her schieben, gehören zum Alltagsbild – noch vor wenigen Generationen eine unmögliche Vorstellung. Auch das Bundesfamilienministerium hat unter anderem mit dem 2007 eingeführten Elterngeld-Gesetz die Männer ins Visier genommen und für mehr Teilnahme an der Vaterschaft geworben.

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Zwar hatten diese Maßnahmen einen Anstieg der Väter in Elternzeit zur Folge: Während noch im Jahr 2000 nur 1,6 Prozent aller Väter sich dafür entschied, zu Gunsten der Familie beruflich kürzer zu treten, liegt der Anteil der Väter, die die sogenannten "Vätermonate" nehmen, derzeit immerhin bei 16 Prozent. Im Vergleich zum Engagement der Mütter bedeutet dies jedoch noch immer ein enormes Ungleichgewicht. Auch ein Teilergebnis der LBS-Familienstudie "Übergang zur Elternschaft" passt zu diesem Befund. Zwar haben sich die Vorstellungen von Vaterschaft rasant geändert: "Das tatsächliche Verhalten der Väter trägt diesen gewandelten Auffassungen häufig nicht Rechnung."

LBS-Studie über Bedingungen väterlichen Engagements

Einen Untersuchungsschwerpunkt der Längsschnittstudie, in deren Rahmen 175 Paare auf dem Weg in und durch die ersten Jahre der Elternschaft begleitet wurden, bildeten die Bedingungen und die Formen väterlichen Engagements. An welchen Tätigkeiten rund ums Kind beteiligen sich Väter eher, an welchen weniger? Welche Bedingungen müssen erfüllt sein, damit Väter ihre Rolle nicht nur als Brotverdiener wahrnehmen? Welche Verhaltensweisen der Mütter und welche Merkmale des Kindes haben Einfluss auf väterliches Engagement?

Wovon es abhängt, dass Väter sich um Kinder kümmern

Was Väter am liebsten tun

Es gibt kaum einen Bereich der Versorgung des Kindes, für den ausschließlich der Vater zuständig ist. Meist kommt ihm eher unterstützende Funktion zu. Am liebsten widmen sich Väter den stärker spiel- und spaßbetonten Aktivitäten mit Kind – wie mit dem Kind zu spielen, es zu baden oder ins Bett zu bringen. Diese Tendenz zeigte sich konstant, sowohl bei der Befragung nach vier Monaten, als auch nach 18 Monaten. Natürlich beteiligen sich Väter, nachdem das Kind abgestillt wurde, stärker am Füttern bzw. Umsorgen des Kindes bei Tisch. Bei anderen Tätigkeiten fällt das väterliche Engagement jedoch von Anfang an und im weiteren Entwicklungsverlauf niedrig aus: Dazu zählen Aufgaben, die nur gelegentlich anfallen und weniger mit direktem Kontakt mit dem Kind verbunden sind – wie der Einkauf von Kindersachen, die Organisation von Kinderbetreuung und Kinderarztbesuche.

Um Wunschkinder kümmern sich Väter mehr

Wenn Männer sich die Schwangerschaft ihrer Partnerin stark gewünscht haben, kümmern sie sich nach der Geburt des Kindes mehr, so ein Ergebnis der Studie. "Diese Abhängigkeit des späteren elterlichen Engagements von der ursprünglichen Haltung zum Kind und zur Elternrolle ist kennzeichnend für die Vaterschaft", heißt es darin. Anders sieht dies bei der Übernahme und Gestaltung der Mutterrolle aus: Die zeigt sich unabhängig von individuellen Einstellungen und Zielen der Frau – ein Zeichen dafür, dass Frauen sich tiefer für das Kind verantwortlich fühlen als Männer dies tun.

Verhalten der Mütter und Eigenschaften des Kindes

Mütter als Weichensteller

Dass beruflich stark eingespannte Väter nur noch wenig Energie und Geduld für ihre Familien aufbringen, ist schon fast eine Binsenweisheit, die durch die Studie erneut bestätigt wurde. Dass väterliches Engagement aber stark vom Verhalten der Mutter abhängt, ist eine Erkenntnis, die Frauen sich zu Herzen nehmen können. So zeigte es sich, dass Männer stark davon profitieren, wenn ihre Partnerin ihnen die kompetente Beschäftigung und Versorgung des Kindes zumindest zutraut oder sie explizit dazu auffordert. In diesen Fällen ist die Beteiligung der Väter an den erzieherischen Aufgaben auffallend höher als in Familien, in denen die Mütter wenig Vertrauen zu den väterlichen Qualitäten ihres Partners haben und anfallende Aufgaben schnell selbst übernehmen. Frauen kommt somit die Funktion der "Türsteherin" oder "Weichenstellerin" für väterliches Engagement zu. Und wie sich zeigte, glaubten Frauen dann, dass ihr Partner ein kompetenter Vater sein werde, wenn sie ihn als "gefühlvoll", "verständnisvoll", "hilfsbereit" und "zärtlich" beschrieben – also Eigenschaften, die gemeinhin eher als feminin angesehen werden.

Schwierige Kinder schrecken Väter ab

Babys zeigen schon früh ihre ganz eigene Persönlichkeit, was sich auch auf die Art auswirkt, wie sie von ihren Eltern wahrgenommen werden. Kinder, die keinen regelmäßigen Schlafrhythmus entwickeln, viel schreien und sich nur schwer trösten lassen, werden als schwierig erlebt. Die vorliegende Familien-Studie zeigte nun, dass sich Väter mit diesen Säuglingen weniger beschäftigen als Väter sogenannter "pflegeleichter" Kinder: "Väter, die ihr Kind als eher schwierig charakterisieren, erleben viel Frustration und wenig Freude in ihrer Vaterrolle und überlassen die Betreuung und Versorgung des Kindes nahezu völlig der Partnerin", heißt es in der Studie. Dieses Verhalten während der ersten Lebensmonate des Kindes scheint sich zudem zu verfestigen. Väter, die sich in den ersten Monaten nicht viel um ihr Baby kümmern, erwerben auch weniger Kompetenz im Umgang mit dem Kind, was frustrierende Erlebnisse fördert. So kann ein Teufelskreis in Gang kommen.
Auf das Pflegeverhalten von Müttern hat die "Schwierigkeit" des Kindes offenbar keinen Einfluss. Die befragten Mütter kümmern sich in gleichem Maße um schwierige wie um pflegeleichte Kinder. Nur in ihrem Befinden zeigten sie sich deutlich davon beeinflusst. Mütter "schwieriger" Babys waren depressiver.

Aktive Väter tun sich selbst und anderen gut

Dass Väter, die sich aktiv an der Erziehung und Betreuung ihrer Kinder beteiligen, ihren Frauen gut gefallen und außerdem die Entwicklung – besonders männlicher – Kinder positiv beeinflussen, ist wiederum ein Studienergebnis, das zu erwarten war. Bemerkenswert scheint jedoch, dass diese väterlichen Väter sich selbst damit offenbar gut tun. Sie zeigten sich deutlich zufriedener als Väter, die sich stärker auf die reine Versorger-Rolle beschränkten.

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Drei Väter erzählen vom ErziehungsurlaubWeitere Ergebnisse der LBS-Familienstudie finden Sie hier


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