Hilfe nach der Adoption

Wir sind keine Rabeneltern!

Eltern, die ihre Kinder zur Adoption geben, werden meist als Rabeneltern abgestempelt. Der Verein "Netzwerk Herkunfteltern" bietet diesen Eltern Hilfe.

von Gabriele Möller
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Paar auf Bank Sonnenuntergang iStock dszabi
Foto: © iStockphoto.com/ dszabi

Die leiblichen Eltern von Adoptivkindern werden schnell verurteilt

Wenn über das heikle Thema Adoption geredet wird, geht es nie ohne Emotionen ab. Welche Rolle dabei den abgebenden Müttern und Vätern zukommt, ist oft allzu schnell klar: Sie werden ruckzuck in die Schublade für schlechte Eltern gesteckt und fertig. Doch ganz so einfach ist es nicht. Vielfältig und kompliziert wie das Leben selbst sind die Gründe, die Eltern - und hier insbesondere die Mütter – dazu bewegen, ihr Kind zur Adoption freizugeben.

Keine Mutter gibt ihr Kind leichtfertig ab und die meisten beschäftigen sich gedanklich ein Leben lang mit diesem Kind, das nun bei anderen Menschen lebt und groß wird. Die Mütter und Väter, die aus einer persönlichen Notlage, aus einer Überforderungssituation oder aus einer scheinbar ausweglosen Krise heraus ihr Kind abgeben, werden jedoch oft vergessen und allein gelassen. Damit sie in Öffentlichkeit und Politik eine Stimme bekommen und Unterstützung erhalten, hat sich 1998 der Verein "Netzwerk Herkunftseltern" gegründet.

Warum Mütter ihre Kinder abgeben

"Viele Adoptionen würden sicher überflüssig, wenn die Schwangeren und Eltern, die ihr Kind abgeben möchten, wirklich begleitet und beraten würden", so Marlies Born vom Vorstand des Vereins, der aus einer Selbsthilfegruppe hervorgegangen ist. Natürlich nehmen nicht alle Herkunftseltern Hilfe an, manche wollen sich, so die Erfahrung von Marlies Born, auch nur aussprechen. "Doch ob Hilfe nun angenommen wird oder nicht, das Wichtigste ist, dass wir eine Menge Ideen dazu haben und anbieten, wie geholfen werden kann."

Die Gründe, warum Mütter ihr Kind abgeben, sind vielfältig: Da ist die ungewollte Schwangerschaft, die nicht mehr beendet werden kann, weil die Dreimonatsfrist des § 218 bereits abgelaufen ist. Vielleicht wohnt die Frau oder das Mädchen noch bei ihren Eltern, die von einem unehelichen oder zu frühen Enkelkind nichts wissen wollen. Vielleicht hat die Mutter aber auch den Kindsvater zum Teufel geschickt oder dieser hat sich unvorhergesehen aus dem Staub gemacht und sie fühlt sich nicht stark genug, die Verantwortung für ihr Kind allein zu übernehmen. Auch schwere Überschuldung oder familiäre Schicksalsschläge können dazu führen, dass Eltern sich nicht mehr in der Lage fühlen, für ihre Kinder zu sorgen und diese abgeben. Manchen Eltern werden die Kinder wegen des Verdachts der Misshandlung oder des Missbrauchs entzogen und später zur Adoption freigegeben, wenn die Eltern kein Interesse mehr an den Kindern zeigen.

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