Umwelt-Psychologie: Natur senkt Stress bei Kindern

Auf Bäume klettern macht glücklich!

Faul wie ein Koala auf einem dicken Ast liegen, Bäume erklettern, einen Bach stauen, Mandalas aus Steinen legen: Spielen in der Natur macht Kinder kreativ und entspannt!

Autor: Gabriele Möller
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Wo ein Kind noch ungezähmt sein darf

Kinder Entspannung Natur
Foto: © colourbox

Kinder verbringen die meiste Zeit des Tages in künstlichen Lebensräumen: in der Wohnung, im Kiga, im Klassenraum. Dass Kinder zu wenig Gelegenheit haben, in Wald oder Feld zu spielen, sehen Wissenschaftler als eine der Ursachen von gesteigerter Unruhe, Schlafproblemen oder auch häufigen Bauch- und Kopfweh an. Umgekehrt zeigen Studien aus der Umwelt-Psychologie: Lernen, Motorik, Sozialverhalten, emotionale Entwicklung und sogar die Stimmung von Kindern verbessern sich beim Kontakt mit der Natur.

Was dabei überrascht: Die Natur beeinflusst Kinder nicht (nur) deshalb so positiv, weil es dort Blumen oder Krabbeltiere zu entdecken gäbe, sagen Soziologen. Sondern vor allem, weil sie Kindern ein Verhalten ermöglicht, das den üblichen Regeln im Alltag entgegengesetzt ist: Hier dürfen sie laut sein, wild rennen, sich schmutzig machen, alles anfassen, in Pfützen platschen - kurz: Sie sind vom "guten Benehmen" vorübergehend befreit. Und das entlastet und tut gut.

Die Natur ist ungefährlicher als jeder Spielplatz

Doch viele Kinder haben bereits Schwellenängste in Sachen Natur, wie Waldpädagogen beobachten. Der (wichtige) Respekt gegenüber der Umwelt, den sie in Kiga und Schule vermittelt bekommen, lässt sie die Natur manchmal als eine Art "Kranken" betrachten, den man schonen müsse. Nicht wenige Kinder fürchten zum Beispiel, es schade Bäumen, wenn man an ihnen hochklettert, oder man dürfe nicht in eine Pfütze spucken. Und auch Eltern müssen manchmal das Fremdeln gegenüber der Natur wieder überwinden. Denn nicht wenige Mütter und Väter halten das Spielen in Wald und Feld für riskant. Experten können aber beruhigen: Das Erklettern von Bäumen oder das Toben auf Wiesen ist weniger unfallträchtig, als das Spielen auf Spielplätzen und ihren Klettergerüsten.

Bach und Tümpel: Wasserspielplatz mit Fun-Faktor

An einem Bach oder Teich kann der Nachwuchs das Wasser mit Zweigen und Lehm stauen, es umleiten, mit selbst gebauten Blätterschiffchen befahren, oder mit etwas Glück Wasserläufer und kleine Fische entdecken. Flache Ufersteine werden, der Größe nach aufgestapelt, zu archaischen "Steinmännern". In Tümpeln können Kinder oft Molche, Frösche, Kaulquappen, Wasserläufer oder Stichlinge (kleine Fische) beobachten - was "live" viel spannender ist, als wenn man es nur in einem Bilderbuch gesehen hat.

Auf dem Kies eines Flussufers (oder auf einer steinernen Grillstelle an einem Wander-Rastplatz) lässt sich auch ein Lagerfeuer entfachen, in dessen Glut am Schluss Kartoffeln (30 Minuten) oder Maiskolben (10 Minuten) in Alufolie gegart werden. Schmeckt Kindern besser als jedes Gericht vom heimischen Herd.

Geo-Caching: moderne Schatzsuche

Wer gerne wandert, das Kind aber bisher nicht recht dafür erwärmen konnte, für den ist Geo-Caching ideal. Denn diese moderne Form der "Schatzsuche" ist ein tolles Erlebnis auch für Kinder. Mit einem GPS-Gerät oder einer Geocaching-App einen Cache auswählen, der als "leicht" gekennzeichnet ist, damit das Erfolgserlebnis sicher ist. Eine kleine Süßigkeit oder ein Mini-Geschenk belohnt den jungen Cache-Jäger (und will durch etwas Mitgebrachtes auch wieder aufgefüllt werden).

Wiesen: Feenhaus und Grashalm-Flöte

Eine ungemähte Wiese bietet oft mehr Spielmöglichkeiten als ein noch so gut ausgerüsteter Spielplatz. Kinder können sich im Gras liegend entlang rollen, Radschlag und Purzelbäume üben oder Fangen spielen. Hat sich der Nachwuchs ausgetobt, können Eltern von zu Hause mitgebrachte Spielfiguren zücken, so dass ein Feenhaus aus Zweigen und Gras oder ein Ritter-Kampfplatz aus Steinen und Erde entstehen kann.

So mitten im Grasmeer bietet sich auch die beste Gelegenheit, das Pfeifen auf einem Grashalm auszuprobieren (flachen Halm senkrecht in die Lücke zwischen beide aneinander gelegte Daumen spannen und pusten), eine Blumenkette zu knüpfen (Stiel mit dem Fingernagel spalten, jeweils nächsten Blütenstiel hindurch ziehen), sich im Pusteblumen-Weitpusten zu üben, ein vierblättriges Kleeblatt zu suchen oder Wolkenbilder zu deuten. Zur Ausrüstung gehört auch eine Lupe für Aha-Erlebnisse mit Blüten oder Käfern.

Versteinerte Urwelten - Fossilien suchen

Doch nicht nur die belebte Natur bietet viel Futter für die mitgebrachte Lupe. Auch die Urzeit ist an vielen Stellen in Deutschland noch gegenwärtig und lebendig. Sie versteckt sich lediglich, und zwar meist in unscheinbar wirkenden Steinen. Schon ein mitgebrachter Hammer genügt, um Millionen Jahre alte Seelilien, Schachtelhalme oder gewundene Ammoniten wieder ans Licht zu bringen. Fundstellen für Fossilien gibt es in fast jeder Region (Übersicht unter: www.mineralienatlas.de).


Abenteuer Wald: ab auf den Baum

Die meisten Erwachsenen kennen es noch aus der eigenen Kindheit: das Laufen an Mamas oder Papas Hand über einen "Holzpolter" (Stapel von gesägtem Holz entlang der Wege), ein Klassiker, der Kinder nach wie vor begeistert. Beliebt ist auch das Balancieren auf (fest liegenden) gefällten Baumstämmen, das zugleich die Motorik trainiert - denn Ergotherapeuten beobachten, dass viele Kinder kaum noch balancieren können.

Auch das Klettern auf einen Baum ist viel authentischer als der Besuch eines künstlichen Klettergartens. Am besten sind Laubbäume mit niedrigen, festen Ästen geeignet. Fast jedes Kind kraxelt hier erfolgreich hinauf - und genießt stolz den Ausblick aus diesem ganz neuen Blickwinkel. Es kann sich auch mal mit dem Bauch auf einen dicken Ast legen und entspannt alle Viere baumeln lassen, wie ein Leopard, der gerade Mittagspause macht.

Kinder-Kunst im Forst

Der Wald bietet aber auch ein großes Sortiment an Naturspielzeug. Aus einem biegsamen Ast können Eltern mit dem Kind Pfeil und Bogen herstellen: die Enden des Astes rundherum einkerben, an einem Ende eine Kordel befestigen, den Bogen in Form ziehen, Biegung mit Kordel am anderen Ende fixieren. Aus möglichst geraden Ästen einige Pfeile schnitzen, indem man die Enden etwas einkerbt (für die Bogensehne), die Spitze lässt man stumpf.

Aus Zweigen, Tannenzapfen, Blättern, Eicheln und Steinen lassen sich runde Mandalas, Gesichter oder Figuren legen. Vielen Kindern macht es auch Spaß, mit einem Kinder-Taschenmesser frische Äste zu schälen, bis sie ganz glatt und hell sind.

Die schönsten Spiele im Grünen

  • Welcher Baum war das? Die Rinde eines Baums mit verbundenen Augen erfühlen und abtasten. Sich danach ein paarmal um sich selbst drehen, die Augenbinde abnehmen und versuchen, den richtigen Baum mit den Augen wiederzuerkennen.
  • Zapfen-Boccia: Jeder hat drei Tannenzapfen und versucht von einer markierten Linie aus, einen Baumstumpf oder -stamm zu treffen. Wer am häufigsten trifft oder wessen Zapfen am nächsten zum Stamm liegen bleibt, hat gewonnen.
  • Wald-Mikado: möglichst gerade, dünne Äste sammeln, auf einem flachen Baumstumpf nach Art von Mikado-Stäben ausbreiten. Jeder versucht, vorsichtig einen Ast nach dem Anderen hochzunehmen, ohne dass sich die anderen Äste dabei bewegen. Wackelt ein Zweig, ist der nächste Spieler dran. Der Spieler, der am Schluss die meisten Äste ergattert hat, ist Sieger.
  • Natur-Memory: Gegenstände (Schneckenhäuser, Tannenzapfen, Steine, gleichartige Blätter oder Blüten) paarweise sammeln, auf einer Picknick-Decke, einem großen Baumstumpf oder dem Boden ausbreiten und mischen. Das Kind muss versuchen, die Paare zu finden (Kinder bis drei Jahre).
  • Welcher Gegenstand ist das? Die Augen werden geschlossen. Ein Mitspieler legt dem anderen einen Gegenstand aus der Natur (Kastanie, Eichel, Buchecker, Moos, Zapfen) in die Hände, der nun ertastet und benannt werden muss - gar nicht so leicht, wie man vielleicht glaubt!

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