Buchtipp
Drei Zwillingsratgeber im urbia-Check
Gerade, wenn eine Frau Zwillinge erwartet, wird sie einmal mehr wissen wollen, was nach der Geburt auf sie zukommt. urbia-Autorin hat sich drei Ratgeber zum Thema angesehen. Hier ihre Besprechungen.
Vorweg muss gesagt werden, dass viele werdende Zwillingsmütter von sämtlichen Zwillingsratgebern enttäuscht sind, weil sie ihrer Meinung nach allzu problemorientiert über den Alltag mit zwei Babys berichten und entmutigend wirken. Doch erfahrene Zwillingsmütter bestätigen: Die Beschreibungen sind nicht negativ, sondern realistisch, und man tut gut daran, sich auf das vorzubereiten, was auf einen zukommt. Für die definitiv auch zu erwartenden Glücksmomente mit den Zwillingen braucht man schließlich keinen Ratgeber, die wird man ohne Anleitung zu genießen wissen!
- Lydia Hauenschild: „Zwillinge, die doppelt süße Last“
(10,90 Euro – BuchVerlag für die Frau)
Dieser recht schmale, schnell zu lesende Ratgeber taugt sehr gut als Einstiegslektüre, denn er gibt einen allerersten Überblick über die wichtigsten Themen für werdende Zwillingseltern. Über die Hälfte der Seiten beschäftigen sich mit der Zwillingsschwangerschaft, -geburt und –erstausstattung. Aufbereitet im unterhaltsamen Zeitschriftenstil werden dabei viele Stichworte aufgegriffen, jedoch oft recht kurz abgehandelt. Der interessantere, aber kleinere zweite Teil widmet sich den praktischen Alltagstipps für Zwillingseltern und liefert ein anschauliches Bild vom Leben mit zwei Babys. Manche Ratschläge (wie: Kaufen Sie second hand, denn Babys wachsen schnell aus ihren Klamotten heraus! Nehmen Sie einen Sauger mit größerem Loch, dann geht das Füttern schneller!) sind zwar nicht besonders zwillingsspezifisch, aber trotzdem gut. Neben den Standardinfos (Wie viele Strampelanzüge brauche ich für zwei Babys?) lassen sich auf jeden Fall auch viele interessante Anregungen aus erster Zwillingselternhand herausfiltern, die sonst nicht gerade an der Litfasssäule angeschlagen stehen. Wie soll eine werdende Zwillingsmama zum Beispiel ahnen, dass Zwillingswagen mit gegenüberliegenden Sitzen im Winter Schwierigkeiten bereiten, weil die gefütterten Fußsäcke sich ins Gehege kommen? Die ermutigendste Passage bei Hauenschild lautet übrigens: „Allen von mir getroffenen Zwillingseltern war gemeinsam, dass sie die ersten vier Monate als die anstrengendste Zeit einstuften. Danach entspannt sich die Situation etwas, Eltern und Kinder haben zu ihrem Rhythmus gefunden, und auch die Nächte werden ruhiger.“ Vier Monate Ausnahmesituation – das müsste zu schaffen sein, oder?
- Angela Grigelat: „Auf einmal zwei: Leben mit Zwillingen“
(17,95 Euro – Goldmann Taschenbuch)Da die Autorin nicht nur Zwillingsmutter, sondern auch Psychologin und Wissenschaftsjournalistin ist, nähert sie sich dem Thema Zwillinge nicht nur als Betroffene, die praktische Alltagstipps teilen möchte, sondern auch mit dem Anspruch, wirklich Wissen zu vermitteln. So zieht sie in ihrem ausführlichen, über 300 Seiten starken Ratgeber eine Vielzahl von Studien heran und erklärt die neusten Erkenntnisse aus der Zwillingsforschung. Aber auch Gedanken zum Seelenzustand der Mutter oder zur Entwicklung der Mann-Frau-Beziehung in der neuen Familiensituation fließen in die Betrachtungen mit ein. So werden auch „fortgeschrittene“ Zwillingseltern, die bereits andere Ratgeber gelesen oder sogar schon die ersten Monate „Double Trouble“ überstanden haben, in diesem Buch noch viele neue Gedankenanstöße finden. Dabei geht es der Autorin nicht hauptsächlich darum, konkrete Vorzuschläge zu machen, wie zwei brüllende Babys denn nun gleichzeitig beruhigt werden können (obwohl sie auch das tut: „Manchmal helfen Körperhaltungen, die den Kontakt zu beiden Kindern ermöglichen, wie etwa das eine Baby mit dem Gesicht nach hinten auf dem Arm zu tragen und währenddessen dem anderen ins Gesicht zu sehen und ihm das Herz auszuschütten.“). Vor allem rät sie jedoch, im Alltagsstress das übergeordnete Ziel nicht aus den Augen zu verlieren, nämlich: zu einer Familie zusammen zu wachsen, in der sich jeder auf den anderen verlassen kann, in der aber auch jeder seine Freiräume hat. Und dazu tragen auch die Kinder ihren Teil bei: „Zwilling sein heißt unter anderem auch, Kompromisse schließen zu müssen: Wir sind zu zweit, das ist wunderbar, aber wir müssen uns ein klein wenig zusammenreißen, damit Mama und Papa auch leben können.“ Fazit: Ein sehr empfehlenswerter, anspruchsvoller Ratgeber.
- Susanne Holst und Sabine Klonk: „Hoppla - Zwillinge!“
(14,95 Euro – Trias Verlag)Dieses kleinformatige Büchlein kommt in sehr modernem Layout daher – wenig Haupttext auf den einzelnen Seiten, dafür lieber hier ein Infokästchen, dort ein aufmunterndes Sprichwort, zwischendurch persönliche Erfahrungsberichte in hellblau unterlegt und all das abgerundet durch viele niedliche, farbige Bilder. Dem einen Leser gefällt’s in diesem aufgelockerten Magazinstil, dem anderen fällt es schwer, sich inmitten des Durcheinanders auf’s Wesentliche zu konzentrieren. Immerhin widmet dieser Ratgeber im Gegensatz zu anderen, die sich lange bei Schwangerschaft und Babyausstattung aufhalten, ganze zwei Drittel seiner Seiten dem Alltag mit Zwillingen. Werdende Eltern, die sich ungern von allzu realistischen Beschreibungen einschüchtern lassen, werden begeistert über die optimistische Ansprechhaltung dieser Autorinnen sein, die für jedes beschriebene Problem gleich im nächsten Satz eine Lösung parat haben („Vielleicht spielen Ihre Gefühle jetzt ein wenig verrückt. Doch das ist ganz normal. Gönnen Sie sich eine wohltuende Dusche oder hören Sie Ihre Lieblingsmusik.“).
Bloß keine schlechte Stimmung aufkommen lassen, immer schön positiv denken – dieses gut gemeinte Motto dürfte zwar die Schwangere in Sicherheit wiegen, jedoch leider nicht dazu führen, dass sich die frischgebackene Mutter, bei der nun tatsächlich die Gefühle verrückt spielen und das Chaos ausgebrochen ist, verstanden fühlt. Doch da für Zwillingseltern jeder einzelne Tipp, der den Alltag einfacher macht, Gold wert ist, lohnt es sich, auch diesen Ratgeber sorgfältig zu durchforsten. Treffer zum Beispiel auf Seite 75: „Wenn beide auf einmal auf den Arm wollen und dabei weinend und jammernd meine Knie umklammern, sodass ich weder vor noch zurück kann, gibt es nur eines: Ab auf den Boden! Also hinsetzen und so für beide Kinder erreichbar sein. Erfahrungsgemäß sind beide nach ein paar Minuten des ‚Andockens’ wieder zufrieden und spielbereit.“ Oder auf Seite 125: „Was tun, wenn Sie die Fläschchen vorbereitet in der Hand haben und nun beide Kinder aus der Küche wieder ins Kinderzimmer transportieren wollen? Ziehen Sie Ihre Kleinen doch einfach auf einer Decke hinter sich her oder schaffen Sie für den Wohnbereich einen Bollerwagen an.“ Unkonventionelle Lösungen sind für Zwillingseltern sowieso meist die besten!

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