Buchtipps

Ratgeber für Patchworkfamilien und Kinderbücher über Patchworkfamilien

urbia-Autorin Maja Roedenbeck hat sich einige Ratgeber und Kinderbücher zum Thema "Patchwork-Familie" angesehen. Hier ihre Tipps und Favoriten.

Autor: Maja Roedenbeck
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Familie Patchwork
Foto: © Kerle Verlag

 

 

 

 

 

 

 

 

Für Kinder und Jugendliche:

  • „Familie Patchwork – Nils und seine neue Familie“ von Brigitte Endres, Kerle Verlag Freiburg (ab 4 Jahren), 12,90 Euro

    Nils und seine Mama haben seit einiger Zeit alleine gelebt, als Emma und ihr Papa bei ihnen einziehen, weil Mama ihn so sehr mag. Nils ist wütend und Emma ist traurig, doch das ändert sich bald. Dieses Hardcover-Bilderbuch mit den knallbunten, freundlichen Zeichnungen und den authentischen Dialogen eignet sich gut, um mit Kindern über das Thema Patchworkfamilie ins Gespräch zu kommen. Die Geschichte wirkt zwar etwas pädagogisch wertvoll konstruiert (natürlich kommt eine Patchworkdecke darin vor) und führt etwas unrealistisch gleich nach dem ersten gemeinsamen Tag zum Happy End, aber den Kindern wird’s nicht auffallen. Die Altersempfehlung sollte man berücksichtigen, denn der durchaus längere Text greift rasch hintereinander viele verschiedene Aspekte des Patchworklebens und viele verschiedene Emotionen der Beteiligten auf, was bei den kleinen Lesern einiges an Erklärungsbedarf nach sich zieht.

  • „Mamas neuer Freund“ von Anke Wagner, Sauerländer Verlag (ab 4 Jahren), 13,90 Euro

    Mamas neuer Freund Werner kommt zum ersten Mal zu Besuch und Karli wartet die ganze Zeit darauf, dass er was Blödes sagt, sich in Streitsituationen auf Mamas Seite schlägt oder sich von Karlis frechem Verhalten provozieren lässt. Aber nichts dergleichen passiert, auch nicht in den nächsten Wochen. Werner bleibt freundlich und zurückhaltend, bis Karli sich traut zu fragen, ob sie zusammen ins Fußballstadion gehen wollen. Da kommt Werner tatsächlich mit und das Eis ist gebrochen. In dieser einfach gehaltenen Geschichte (nur der Exkurs zu den Zweitpapas von Karlis Freunden gleich am Anfang ist etwas verwirrend) bekommt die Beziehung zwischen Zweitpapa und Stiefkind Zeit zu wachsen. Die Illustrationen sind mit lustigen Details gespickt (Karli versteckt sich hinterm Vorhang, Karli hängt eine Plastikspinne am Faden in die Lampe). Die Sprache klingt trotz kurzer Sätze sehr natürlich und der Text ist nicht allzu lang, sodass sich das Buch auch für die ganz kleinen Patchwork-Einsteiger eignet.

  • „Mama, Papa und die Neuen: Die Geschichte einer Patchwork-Familie“ von Bettina Obrecht, cbj Verlag (ab 9 Jahren), 6,95 Euro

Für Erwachsene:

  • Favorit 1: „Unsere Patchwork-Familie: Mit gemeinsamen Übungen fürs neue Familienglück“ von Stefanie Glaschke (12,95 Euro, Urania Verlag)

    Dieser Ratgeber ist zu empfehlen, weil er sich konsequent auf die Patchwork-Familie konzentriert und nicht wie viele andere erst mal ausführlich über die Trennung und das Dasein als alleinerziehendes Elternteil auslässt (dazu gibt es schließlich eigene Ratgeber). So ist Raum genug, um die verschiedenen Aspekte des Patchworklebens im Detail zu besprechen – von der Wohnsituation über die Expartner bis hin zu Festtagsritualen. Ein besonderes Merkmal des Ratgebers sind auch die schon im Titel angekündigten Familienübungen, hinter denen sich zum Teil VHS-Kurs-taugliche Gruppenspielchen verbergen (Wollknäuel zuwerfen, bis ein Netz entsteht, und dabei in Ich-Form formulieren, was einen stört), zum Teil aber auch sehr gut umsetzbare Ideen für die Startphase der Patchworkfamilie: So schlägt die Autorin so genannte „Wunschtage“ vor, an denen reihum jedes Mitglied der neuen Familie mal bestimmen darf, wie der Tag gestaltet werden soll. Dabei lernt jeder die Gewohnheiten und Vorlieben der anderen kennen und fühlt sich mit seinen eigenen Bedürfnissen respektiert. Fazit: Patchwork sollte nicht in einen Kompromiss ausarten, mit dem am Ende keiner der Betroffenen so richtig glücklich ist. An diesem Ratgeber stört nur eins: der Ton, denn er besteht aus einer Aneinanderreihung von belehrenden Aufforderungen („Machen Sie dies! Machen Sie jenes! Unterschätzen Sie nicht! Verlangen Sie bloß nicht!“), die man auch freundlicher in Form von Vorschlägen und Gedankenanregungen hätte formulieren können.

  • Favorit 2: „Moderne Familienformen. Navigationshilfe für Alleinerziehende und Patchwork-Familien“ von Barbara Link (8,90 Euro, humboldt Verlag)

    Kleinformatiges, sehr übersichtlich gestaltetes Büchlein zum einmal komplett Lesen und dann immer Dabeihaben und Nachschlagen, wenn die Situation einem akut über den Kopf wächst: Wie gehe ich noch mal am besten auf ein Kind ein, das sich auch nach längerer Gewöhnungsphase weigert, den neuen Partner zu akzeptieren? Welche zentralen „Aufgaben für die Patchwork-Familie“ wurden in der Liste auf Seite 116 zusammengefasst, die ich mir dick angekreuzt hatte, um im Kleinklein des Alltags nicht das Gesamtziel zu vergessen? Die Autorin wählt für ihren Ratgeber einen sachlichen und doch auch persönlichen Ansatz – so werden zahlreiche interessante Experten und Studien zitiert (ein Drittel aller Stiefeltern hat sich vor dem Zusammenziehen keine Gedanken über die Probleme gemacht, die in der Patchworkfamilie auf sie zukommen werden!), aber auch Betroffene kommen in kurzen Erfahrungsberichten zu Wort. Allerdings befassen sich rund 100 der 150 Seiten mit der Verarbeitung der Trennung und dem Dasein als alleinerziehendes Elternteil, bevor es dann erst im letzten Teil um die eigentliche Patchworkfamilie geht. Doch auf engstem Raum sind viele praktische Tipps und einleuchtende Hinweise versammelt. Fazit des Ratgebers: Es dauert fünf Jahre, bis eine Patchworkfamilie zusammengewachsen ist, und der Schlüssel zum Erfolg sind das Bewusstsein für die besondere Situation und – Geduld.

  • „Glückliche Patchwork-Kinder – Zu Hause in mehreren Familien“ von Dorothee Döring (14,95 Euro, Kreuz Verlag)

    Dieser etwas altmodisch wirkende Ratgeber ist aus der Perspektive der Kinder geschrieben, ihre Befindlichkeiten stehen im Vordergrund. Ratschläge an die Patchworkeltern (z.B. Zeit für die Partnerschaft ist wichtig!) treten immer in Verbindung mit dem Hinweis auf, wie dieses oder jenes Verhalten die Kinder beeinflusst (hier: Das Wohlbefinden der Eltern führt zu einem gesunden Familienklima, und nur darin können Kinder glücklich sein.) Nach fünfzig Seiten Einführung über die Entstehung von Patchworkfamilien und über den Patchworkalltag samt verbreiteter Probleme kommt die Autorin zu dem ermutigenden Teil, den der Titel verspricht. Es geht um die Erziehung von Patchworkkindern (typische Falle dabei: noch einmal ganz von vorn anfangen und diesmal alles richtig machen wollen, was nicht möglich ist), besondere Herausforderungen für die Patchworkfamilie (Urlaub, Weihnachten) und im letzten Kapitel schließlich ganz kurz um „Das Geheimnis glücklicher Patchworkfamilien“, und zwar wieder aus der Perspektive des Nachwuchses. Glückliche Patchworkkinder erzählen davon, wie sie auch in der zweiten Familie Geborgenheit fanden und wie sie es genossen, wenn an Geburtstagen beide Elternteile mit neuen Partnern und allen Geschwistern friedlich an einem Tisch saßen. In zehn Regeln fasst die Autorin noch einmal die Voraussetzungen für den Erfolg des Projekts Patchwork zusammen: u.a. Zeit füreinander haben, miteinander reden, Rituale schaffen, Optimismus bewahren. Fazit: Ein Neubeginn ist möglich, wenn auch anders, als man sich ihn vorgestellt hatte. Außergewöhnlichen Situationen begegnet man am besten mit kreativen Ideen.

  • „Patchworks - das Familienleben getrennter Eltern und ihrer Kinder“ von Reinhard Sieder (29,90 Euro, Klett-Cotta)

    Laut Vorwort richtet sich dieses Buch trotz seines aus der Distanz heraus analysierenden Ansatzes nicht nur an Psychotherapeuten, Soziologen und andere Leute „vom Fach“, die sich wissenschaftlich oder beratend mit Patchworkfamilien befassen, sondern auch an Betroffene. Und tatsächlich sind die sechs authentischen Fallbeispiele von Patchworkfamilien, die der Autor im Mittelteil ausführlich schildert, hochinteressant zu lesen. Da ist zum Beispiel die charakterlich dominante Bankerin, die ihrem neuen Partner dauerhaft den Besucherstatus zuschreibt, obwohl er sich zum echten Patchworkleben bereiterklärt hat. Und da ist der pragmatische Witwer, der die ehemalige Nachbarin heiratet, um mit ihr die Erziehungsfehler auszumerzen, die seine erste Frau an den gemeinsamen Söhnen begangen hat. Durch das Beobachten und Analysieren der Lebensgeschichten dieser fremden Menschen werden dem Leser die Augen für die Logik hinter den Irrungen und Wirrungen des eigenen Lebens geöffnet. Aber der intellektuelle, sachliche Stil, der das Buch doch vorrangig zur wissenschaftlichen Abhandlung macht, ist ohne psychologisches Vorwissen bzw. Interesse an der Psychologie schwer zu lesen. Patchworker, die in einer akuten Konfliktsituation schnelle, praktische Hilfe suchen, werden hier nicht fündig, denn es geht mehr ums „Große Ganze“.

  • „Die Patchworkfamilie: Vom Beziehungschaos zur intakten Lebensgemeinschaft“ von Monika Kiel-Hinrichsen, (11,90 Euro, Urachhaus Verlag)

    An diesem Buch dürften sich die Geister scheiden, denn es geht das Projekt Patchworkfamilie spirituell-esoterisch an. Ein Minuspunkt dafür, dass man das weder am Titel, noch an der Aufmachung, noch am Klappentext erkennt. Wer einen gewöhnlichen Ratgeber mit einem Mix aus handfesten Expertenerkenntnissen und alltagsnahen Tipps erwartet, wird enttäuscht und völlig unvorbereitet überfallen mit Begriffen wie „Reinkarnation“ und „Lebensverarbeitung“, „Anthroposophie“ und „Karma“, deren Zusammenhang mit dem Thema Patchworkfamilie nur teilweise, erst später im Verlauf der Lektüre und für den Nicht-Eingeweihten viel zu kurz erklärt wird. Die Patchworkfamilie als schicksalhafte Vorbestimmung, die aus einem früheren Leben resultiert? Insgesamt ein inhaltlich buntes Werk: Da wird Goethe zitiert, eine Ruhemeditation zelebriert und eine Fürbitte aufnotiert, da fließen die eigenen Erfahrungen der Autorin in langen Situationsbeschreibungen ein und ein Co-Autor ergänzt märchenhafte Texte vom „Töchterlein“, das nach der Trennung seiner Eltern beginnt, eine Patchworkdecke zu nähen. Mit den enthaltenen Erfahrungsberichten wie dem von Traute dürften sich auf Anhieb die wenigsten durchschnittlichen Betroffenen identifizieren können, denn Traute nennt als Erfolgsrezept für das Funktionieren ihrer Patchworkfamilie ihren Glauben an „das Mitwirken unserer Engel“: „Ich glaube, dass wir ohne den spirituellen Weg, das Hinwenden an den Engel der Kinder, wahrscheinlich nicht genügend Durchhaltekraft gehabt hätten.“ Ein sehr spezieller Ratgeber mit einem sehr speziellen Ansatz für ein ausgewähltes Publikum.


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