Musik, die auch Eltern gefällt

Rock, Hip-Hop und Pop für Kinder

Simple Akkorde, sinnentleerte Inhalte und Sänger, die kaum einen Ton treffen: Musik für Kinder ist manchmal einfach unerträglich. Wie gut, das es inzwischen immer mehr professionelle Bands gibt, die coole Rock- und Popmusik für kleine Ohren machen – mit deutschen Texten und intelligentem Witz.

Autor: Heike Byn
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„Deine Freunde“: Hip-Hop-Musik von Youtube-Stars

Rockmusik für Kinder
Foto: © colourbox

So füllt die Hamburger Hip-Hop-Band Deine Freunde inzwischen große Konzerthallen und hat mit ihrem Debüt-Hit „Schokolade“ über 1 Millionen Klicks auf Youtube erreicht. Darin geht es um Omas Schublade voller Süßigkeiten, darunter liegt ein fetter Hip-Hop-Beat. Auch in den darauf folgenden Songs auf den inzwischen drei Alben geht es immer um den Alltag, die Wünsche und Sorgen kleiner Leute: Z.B. handelt „Hausaufgaben" auf der aktuellen Scheibe "Kindsköpfe" vom Konflikt-Klassiker zwischen Eltern und Kindern. Für Elternohren bestimmt ist der Song "Schatz" - ebenfalls auf dem jüngsten Album: Darin erfahren Mütter und Väter, wie doof Kinder es finden, mit dem üblichen "Sei still, ich unterhalte mich doch gerade!" abgekanzelt zu werden. Und in "Schweinehund" rappen die drei Musiker sich durch eine ganze Liste von guten Vorsätzen, die der allseits bekannte innere Schweinehund nur zu gerne zusammenstreicht.

Begonnen hat die Band-Geschichte im Jahr 2010, als Florian Sump, Kindergärtner und ehemaliger Schlagzeuger der Band „Echt“ für seine Kita ein Lied aufnahm. Wegen des großen Erfolgs gründete er mit DJ Marcus Pauli und Tigerentenclub-Moderator Lukas Nimscheck „Deine Freunde“. Zwei Jahre später erschien das erste Album „Ausm Häuschen“, wiederum zwei Jahre später folgte „Heile Welt“.

Hard Rock für Kinder: „Randale"

Tanzen und Toben sind die Standardreaktionen von Kindern, die den Hard Rock, Punk oder Ska der Bielefelder Band „Randale" hören. Der Name ist hier wirklich Programm, denn die Mucke ist schnell, laut und zum Kreischen komisch. „Randale" machen waschechte Rockmusik für Kinder und pünktlich zum 10-jährigen Bandjubiläum haben sie die CD „Randale Rock'n'Roll" herausgebracht – auf dem natürlich auch mal wieder der für sie so typische wilde und laute Sound dominiert. Kindern gefällt's und die Großen fühlen sich an eigene wilde Rocker-Zeiten zurückerinnert.

„Ich hüpfe auf dem Bett und sitze auf dem Schrank. Ich bin nicht immer nett! Ich bin ein Kinderzimmerpunk!" singen Randale und geben dabei ziemlich genau die Stimmung von Tagen wieder, an denen zu Hause miese Stimmung herrscht. Ab und zu reckt sich zwischen den Zeilen aber auch ein klitzekleines pädagogisches Zeigefingerchen in die Lüfte – z.B. beim Song „Biberlied", in dem es um den nachhaltigen Sinn und Effekt des regelmäßigen Zähneputzens geht.

Balladen und Kinderrock von „Pelemele“

Acht Alben hat die Kölner Band „Pelemele“ (französisch für „Mischmasch“) bereits herausgebracht – „Nimm uns mit“ erschien im Jahr 2014. Darin wie auch in den Vorgängerscheiben geht es um kindertypischen Humor im Alltag („Stinkefüße“), die kindliche Vorliebe für Unsinnspoesie („Bumschakalaka“) oder kuriose Lebewesen („Groovehummel“). Die witzigen Texte präsentieren die Musiker als Hip-Hop-Hymne, Rocksong oder gefühlige Ballade wie in „Nach Hause“.

Seit 2001 machen die Kölner Musik für Kinder, sind als Hausband der „Kinderstunksitzung“ im Karneval aktiv, spielen in Live-Sendungen für den WDR und touren überregional durch die Konzertsäle der Republik. Wer sie auf der Bühne erlebt, sieht und hört nicht nur exzellente Live-Musiker, sondern auch echte Entertainer, die mit ihren Mitmachspielen dem jungen Publikum mächtig einheizen.


„Radau“: Rockmusik – garantiert blockflötenfrei

Alles fing 1998 an, als sich ein Trupp befreundeter Hobbymusiker für den Auftritt auf einem Nachbarschaftsfest einen Namen geben wollten: Da die Jungs bis dahin bekannte Kinderlieder spielten, nur schneller und lauter als üblich – war mit „Radau“ schnell ein passender Name gefunden. Seither machen die vier Väter und Musiker von „Radau“ Rockmusik, die Kinder hören wollen – und auch Erwachsene gut finden.

Heraus kommt erdig arrangierter Rock, die Texte erzählen streng aus Kindersicht aus dem Alltag, wie in „Zahnspange“ über den Neid aller Nicht-Zahnspangenträger am eisernen Lächeln der Bracket-Liga, in der „Piraten“-Hymne von den sturmerprobten und mutigen Vorbildern für Jungen oder vom Chaos im Kinderzimmer in der vertonten Eltern-Schimpforgie von „Hempels unterm Sofa“.

„Julianes wilde Bande“: Lieder und Texte für Kleine und Größere

Mitmachlieder für die Kleinen, satter Bandsound und anspruchsvolle Texte für größere Kinder. Dazu eine tolle Bühnenshow mit kleinen Geschichten und einer stets gut aufgelegten Juliane als Frontfrau und Moderatorin: „Julianes wilde Bande“, die Band mit vier jungen Musikern, ist ein Rundum-Erlebnis, das auch auf CD gepresst noch gut funktioniert.

Seit ihrer Gründung im Jahr 2006 hat die Leipziger Band drei CDs herausgebracht – anfangs noch mit Spiel-, Mitmach- und Schüttelliedern für kleinere Kinder, später dann auch mit Songs über Traurigkeit und Liebe für Teenager. Hat sich die Truppe anfangs einen Namen mit der Neuinterpretation von Kinderliederklassikern gemacht, steht sie inzwischen für Songs mit modernen Arrangements im leicht jazzigen Singer-/Songwriterstil. In „Aufräumzeit“, einem rockig-jazzigen Stück singt „Juliane“ ein Loblied auf die beruhigende Wirkung des Zimmeraufräumens (hört, hört!) und in „Geheim geheim geheim“ geht es ums erste Verliebtsein. Da hören auch große Ohren gerne zu.

„Die Blindfische“: Frech-fröhliche Unterhaltung

Blindfische leben in Höhlen im Süden der USA, wo sie sich an das Leben in Dunkelheit angepasst haben: Ihre Augen sind nur rudimentär vorhanden, dafür können sie umso besser hören. Warum sich die Band aus Oldenburg nach diesen seltsamen Wesen benannt hat, ist nicht bekannt: Fest steht aber, dass Zuhörer keineswegs über ein besonders gutes Gehör verfügen müssen, um die fetzig groovige Rockmusik von „Die Blindfische“ genießen zu können – dafür sind die Jungs wirklich laut genug. Bei ihren Konzerten bieten sie eine Mischung aus Musik, Comedy und Theater – verpackt in turbulente Geschichten, die vom Kinderalltag erzählen und auch Erwachsenen Spaß machen. Die Songs sind eingängig, die Texte witzig, die Musik anspruchsvoll.

Dabei interpretieren „Die Blindfische“ seit ihrer Gründung 1993 nicht nur Kinderlieder-Klassiker aufregend neu, sondern machen schon seit langem auch eigene Rockmusik für Kinder. Auf ihrer letzten CD „Muhsik“ geht es gewohnt rockig zur Sache: In „Rhytmousse au Chocolat“ gibt es ein gerapptes Kochrezept zu coolen Hip-Hop-Beats und in „Müssen Hände sauber sein?“ eine nicht ganz ernst gemeinte Aufforderung zum Dreckigsein. 

Rockmusik für Kinder – CD-Tipps:

  • Deine Freunde: Kindsköpfe. Noch Mal!!!/Universal Music 2015, 1 CD, 14,99 €, EAN 00602547258519
  • Randale: Randale Rock'n'Roll. Newtone/Cargo Records 2014, 1 CD, 16,99 €, EAN 4021184811295
  • Pelemele: Rockcircus. Laut Records/Carlton 2011, 1 CD, 19,98 €, EAN 4013127008305
  • Radau: Die Allerbesten 20 Songs für Kinder. Oetinger audio 2013, 1 CD, 12,95 €. EAN 4260173788099
  • Julianes Wilde Bande: Für Größer. Kick the Flame/Broken Silence 2013, 1 CD, 16,99 €. EAN 1898465335
  • Die Blindfische: Muhsik. Knallfrosch Musik 2013, 1 CD, 11,99 €. ISBN/ASIN 334685102

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