Buchtipp

Vater und Sohn allein zu Haus

Der Stern-Redakteur Jan Christoph Wiechmann hat für ein Jahr seinen Redaktionsschreibtisch gegen den Wickeltisch eingetauscht. Seine Erfahrungen als Fulltime-Vater schildert er jetzt in einem Buch.

Autor: Jan Christoph Wiechmann
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Vater Sohn allein zu Haus

Buchtipp
Von Petra Fleckenstein
Taschenbuch / 7,50 €

Exoten am Wickeltisch

Väter, die sich dafür entscheiden, "aus der Rolle zu fallen" und statt am Schreibtisch zu sitzen lieber am Wickeltisch stehen, werden hierzulande noch immer als Exoten betrachtet. Die Reaktionen ihrer Umwelt reichen von Entsetzen und Amüsement bis hin zu Bewunderung oder gar Verehrung. Letzteres insbesondere durch Mütter, die sich wünschten, dass sich ihr Bernd, Jan oder Marcel auch so emanzipiert gebärdete. Da nicht jedermann (und dessen weibliches Pendant) ein derart hippes Exemplar im Bekanntenkreis hat, aber doch viele neugierig sind, wie denn eigentlich Väter mit Kind und Küche so klarkommen, kann ein neu erschienenes Buch nun Abhilfe schaffen.

Befreiendes Lachen

Jan Christoph Wiechmann, "Stern"-Redakteur und Vater eines Sohnes, hat seinen Redaktionsschreibtisch für ein Jahr geräumt und sich für eine Tätigkeit entschieden, die er so beschreibt: "Nachts-Aufstehen, Kotze-Aufwischen, Bad-Feudeln, Pastinaken-Brei-Kochen, Spinat-aus-dem-Haar-Kämmen, Nasentropfen-Reinzwängen." Eine schon reichlich desillusionierte Job-Beschreibung. Bekanntlich ist aber geteiltes Leid halbes Leid und jede Form von Unbill durch ein befreiendes Lachen leichter zu ertragen. Und das stellt sich bei der Lektüre von Wiechmanns Schilderungen auf jeden Fall ein.

Der Super-Gau

Zum Beispiel, wenn er vom "Supergau" erzählt, einem Tag, wie ihn alle Mütter und Full-time-Väter kennen: Nach einer ruhigen Nacht, während der sein Sohn Joshua nur drei- statt zehnmal aufgewacht ist, gönnt der fürsorgliche Vater dem Kleinen einen windelfreien Vormittag – des angeblichen Hitzestaus in den Windeln wegen. Lange beschäftigt sich der Sprössling still in seinem Zimmer, was beim Vater stolze Fantasien weckt: "Ein glückliches Kind, das sich mit sich selbst beschäftigen kann, dachte ich. Ein ausgeglichenes Kind. Ein Entdecker. Ein Prachtkerl. Mein Sohn."

Doch da taucht Joshua auf, Spuren brauner Ausscheidungen im Gesicht, an den Händen und an den Füßen. Hinter sich eine deutlich sichtbare Spur, die über den grauen Veloursteppich zum Haufen führt. "Genau in dem Moment kochte auf dem Herd die Bananenmilch über, im Wohnzimmer klingelte das Telefon und mein Sohn zog weiter seines Weges." Während der Vater die Milch vom Herd reißt, provisorisch das Übergekochte aufwischt und anschließend eine Sekunde zu spät zum Telefon spurtet, hat sein Sohn Zeit, seinen Haufen mit dem Bobbycar platt zu fahren und in alle Ecken zu verteilen. Nach einem Anruf bei seiner Frau, die für sein Unglück nur Gelächter übrig hat, hält Wiechmann inne: "Es war zehn Uhr morgens, und da saß ich: a lonesome cowboy in der beschissenen Weite seiner sanierten Altbauwohnung, auf dem Arm sein verschmierter Sohn, in seinem Kopf Leere."

Für Väter und Mütter spannend

Wiechmanns Sicht der Dinge, wenn er zum Beispiel die nächtlichen Störungen durch seinen Sohn - den "Schlafbeendigungsaufseher" - schildert, liest sich ebenso unterhaltsam wie spannend: für Väter, die sich vielleicht mit dem Gedanken tragen, ebenfalls den Schritt zum Vollzeitvater zu wagen. Für Mütter, die herausfinden können, dass es Vätern in vielem ähnlich (schwer) und in manchem überraschend anders ergeht als ihnen.

Ein prima Geschenk für werdende und frisch gebackene Väter!

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