(Grenz)-Erfahrungen in der Eifel

Familienurlaub einmal anders: All inclusive in der Jugendherberge

Ein Trip an den Amazonas scheint zu weit? Warum dann nicht mit der ganzen Familie zum Survival-Urlaub in die Eifel - in eine Jugendherberge? urbia-Mitarbeiterin Andrea Lützenkirchen hat es mit ihren Söhnen ausprobiert.

Autor: Andrea Lützenkirchen
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Spiele ohne Grenzen

Jugendherberge Rurberg DJH
Foto: © DJH

Family survival light

Und da sitzen wir nach unserem ersten Abendessen in der Eifel-Jugendherberge Rurberg (ca. 60 Kilometer westlich von Bonn) inmitten einer Runde von abenteuerlustigen Familien und harren der Dinge, die da kommen sollen. 51 Teilnehmer zählen wir, Erwachsene und Kinder von sieben an aufwärts und gleichermaßen verteilt: eine Riesengruppe also. Neugierige Blicke machen die Runde, schließlich sollen wir eine volle Woche miteinander verbringen. Gemeinsam mit meinen beiden Jungs (13 und 10) hatte ich mich zum Programm „Family survival light“ angemeldet – Jugendherbergsferien all inclusive. All inclusive bedeutet hier nicht nur Unterkunft und Vollpension, sondern viele Outdoor-Aktionen wie Klettern, Paddeln, Survivaltechniken, Floßbau und mehr, um in der Natur Notsituationen zu überstehen. Nun, nicht jeder erlebt einen Flugzeugabsturz und muss mitten in der Wildnis um sein Überleben kämpfen, aber wer weiß? Spannend und anstrengend klingt das Programm, das unsere vier Trainer, zwei Frauen und zwei Männer, nun vorstellen. Ob wir uns dennoch erholen werden bei dem straffen Tagesablauf? Immerhin soll das Ganze ja auch Urlaub sein.

Mit der Seilrutsche in die Tiefe

Am nächsten Morgen geht es dann richtig los. Bevor wir uns in den Hochseilgarten wagen, sollen sich Vertrauensübungen positiv auf die Gruppendynamik auswirken. Nachdem wir - aufgeteilt in Eltern- und Kindergruppen - jeder für sich eine drei Meter hohe schwankende Leiter erklommen haben, die die anderen Teammitglieder aufrecht in die Luft halten, ist das Eis gebrochen - bzw. weggeschwitzt. Wir sind sicher, in dieser Woche eine Menge Spaß zu haben.

Erste Grenzerfahrungen verspricht der Nachmittag im herbergseigenen Hochseilgarten. Kletterunerfahren suche ich mir die Seilrutsche aus, das klingt nach einem einfachen kindlichen Vergnügen. Bis ich sehe, aus welcher Höhe wir uns, natürlich gesichert, in die Tiefe stürzen sollen. Was für die Kinder reiner Spaß ist, kostet mich doch ein bisschen Überwindung. Aber einmal von der winzigen Plattform hoch im Baum fallengelassen, ist der Rest ein Leichtes. Die nächste Station, die ich mir ausgesucht habe, ist die Seilchenbrücke: Hier heißt es, in sechs Meter Höhe über ein dünnes Drahtseil zu balancieren, auch dies eine von den leichteren Aufgaben. Riesenleiter und Chaplins-Walk kann ich mir ja noch für das nächste Mal aufheben.

Anders als in den populären Klettergärten sind die einzelnen Stationen nicht verbunden, sondern getrennt im Wald aufgebaut. Und statt des dort üblichen Selbstsicherungssystems sollen wir uns hier gegenseitig absichern. Kinder sichern Kinder, Erwachsene Erwachsene. Es ist schon ein besonderes Gefühl, für das Leben eines Menschen verantwortlich zu sein, der sechs bis acht Meter über uns in der Luft hängt, und sensibel jede seiner Bewegungen zu verfolgen. Sicherheit geben aber unsere Trainer, deren Argusaugen keine falsche Bewegung der Sicherungsleute zulassen. Auch erklären sie uns beruhigend, dass hier noch nie etwas passiert sei.

Die Erlebnisse des Tages wollen verarbeitet werden und nach dem Abendessen sitzen wir Eltern an den Biertischen vor der Herberge zusammen. Die Kinder haben sich in ihren Altersgruppen zusammengefunden und tollen ums Haus, während die Teenies einen ersten Ausflug zum Rursee unternehmen.

Ein "richtiges" Abenteuer

„Das ist die Eifel“

Der nächste Tag vergeht mit Biwakbau und einem schweißtreibenden Geländespiel. Jetzt sind wir für das Überleben in der Natur schon so fit, dass als ein Höhepunkt der Woche eine Übernachtung im Wald geplant ist. Um zu unserem Lagerplatz zu gelangen, teilen wir uns wieder in Gruppen auf, erhalten Karte, Kompass und eine Kurzeinweisung zum Gebrauch dieser Orientierung versprechenden Gegenstände. Unterwegs sind noch weitere Aufgaben zu bewältigen. So erhalten wir bei einem Posten ein Ei mit der Weisung, dieses heil zu unserem Lagerplatz zu bringen und dort so mit Naturmaterialien zu verpacken, dass es das Fallenlassen aus 2,50 Meter Höhe unbeschadet übersteht.

Im Lager angekommen, werden die Erwachsenen zusammengerufen. Mit ernstem Gesicht erzählt unser Teamer Marc, der als Posten im Wald saß und die Gruppen erwartete, von einer Begegnung mit einem Mann, der eine Pistole an der Seite trug. Marc wurde nicht bedroht, aber uns allen fährt doch der Schreck in die Glieder. Die herbeigerufene Polizei begibt sich zwar auf die Suche nach dem Pistolenhelden, reagiert insgesamt aber so gelassen wie unser Herbergsvater, der lakonisch meint. „Das ist die Eifel.“ Wir beschließen, ungeachtet des vielleicht noch im Wald weilenden Eifelcowboys, vor Ort zu übernachten. Nichts passiert, außer dass die meisten während der Nacht in ihren Schlafsäcken den Hang ein bisschen herabrutschen. Vielleicht haben die Schutzgeistmasken, die wir aus Ton geformt an die Biwakbäume gedrückt haben, für unseren sicheren Schlaf gesorgt?

Mit dem Floß über den Rursee

In den letzen beiden Tagen sind noch weitere Abenteuer zu bestehen. Aus dicken blauen Kunststofftonnen und Balken bauen wir Flöße und testen die Haltbarkeit unserer Gefährte bei einem Wettfahren über den Rursee. Nicht alle Flöße tragen ihre Besatzung sicher zurück ans Ufer ... Aber die Julisonne scheint warm, so dass wir uns über einen Kontakt mit dem Wasser freuen. Die Fahrt im Kanadier am letzten Tag über den, naja, beinahe sturmgepeitschten Rursee, lässt uns von weiteren Paddelausflügen träumen.

Am Abend erwartet uns dann noch eine letzte Mutprobe: Wer traut sich, die über dem Feuer gerösteten Mehlwürmer zu probieren? „Sie schmecken wie Popkorn“, verspricht unsere Trainerin Anne. Naja, ist doch alles eine Kopfsache, sehr groß kann der Unterschied zwischen Garnelen (mag ich sehr gern) und Mehlwürmern ja nicht sein, dachte ich und kaue. Es schmeckt weniger eklig, als ich gedacht hatte, aber kein Ersatz für Krabben.

Unsere Abenteuer-Woche ist zu Ende. Wir tauschen Adressen aus und besonders die Kinder sind traurig, sich von ihren neuen Freunden verabschieden zu müssen. Wir haben viel erlebt, viel gelacht und ich glaube, niemand kehrt mit unzufriedenen Gedanken heim. Erholt haben wir uns übrigens auch.

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