Mehr als nur Meer

Familienurlaub im Süden Hollands

Neben endlosen Stränden lockt Zeeland im Südwesten der Niederlande Familien auch mit zahlreichen Attraktionen für Kinder und ihre Eltern. urbia-Redakteurin Monika Maruschka hat mit ihrer Familie einige der Freizeitparks und Sehenswürdigkeiten besucht.

Autor: Monika Maruschka
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Strände oder Spielspaß im Freizeitpark? Zeeland kann beides

Zeeland Strand Mutter Kinder
Foto: © NBTC

Endlos lange Strände für Millionen von Sandburgen, immer Wind zum Drachen-steigen-Lassen, Muscheln zum Sammeln, alte Windmühlen und moderne Windkraftanlagen zum Bestaunen. Die Provinz Zeeland im Südwesten der Niederlande ist ein Reiseziel, das gerade für Familien gut geeignet ist. Wer sich in der Nähe der Strände zwischen Vlissingen und dem Brouwersdam einquartiert, hat für den Urlaub eigentlich schon ausgesorgt. Die Natur bietet erholungsbedürftigen Eltern und Kindern fast schon genug an Entspannung und Programm, doch es gibt natürlich auch hier diverse Familienattraktionen zwischen Achterbahn und Zoobesuch. In sieben Tagen Zeeland haben wir mit unseren drei Kindern (Anna (5), Bea (4) und Chris (2)*) fünf dieser Attraktionen besucht. Ein Erlebnisbericht – von Kindern kommentiert.

Anna: „Jetzt bin ich das erste Mal in meinem Leben Achterbahn gefahren!“

Begeistert steigt die fünfjährige Anna aus der Bahn mit dem freundlichen Lokomotive-Thomas-Gesicht. Mini Mundisteht heute auf dem Programm. Beschreiben kann man das als Indoor-Spielplatz mit Mini-Vergnügungspark mit Lokalkolorit. Fahrgeschäfte und der Spielplatz begeistern die Kinder, für Eltern bleibt die Entspannung durch beschäftigte Kinder.

Chris: „Feuerwehr Wasser spritzt!“

Das Besondere an dieser Anlage vor den Toren der Provinzhauptstadt Middelburg ist allerdings das sogenannte Mini-Walcheren. Walcheren, ein Teil der Provinz Zeeland, hat neben den bekannten Städten Domburg oder Vlissingen viele kleine, hübsche Städtchen zu bieten. Diese sind hier in Miniatur-Form zu sehen, meist mit einem Knopf, der in die dargestellte Szene Bewegung bringt. Unser zweijähriger Sohn wird nicht müde, ein Haus in Brand zu setzen und der Feuerwehr in Playmobil-Größe beim Löschen zuzusehen, während Bea per Knopfdruck auf einem Open Air-Konzert in Vlissingen für Stimmung sorgt.

50 Euro (11,50 für Kinder, 13,50 für Erwachsene) für eine vierköpfige Familie sind allerdings ein stolzer Preis für diese Attraktion, die sich eigentlich nur bei gutem Wetter lohnt, da sonst die Karusselle oder eben auch die kleine Achterbahn auf dem Außengelände stillstehen.

Bea: „Warum ist das hier alles orange?“

Quer über den Parkplatz des kleinen Gewerbegebietes geht es weiter zur Voetbal-Experience. Fußball-Erlebnisse warten also auf uns. Als hätten die Niederländer schon 2009 geahnt, dass sie Vizeweltmeister werden, ist hier seinerzeit ein knallorange gehaltenes Erlebnis-Museum entstanden. Neben Ausstellungsstücken zu den Erfolgen der Oranje messen Besucher unter anderem die Wucht ihres eigenen Elfmeters oder kicken natürlich selbst auf kleinen Plätzen, per Computer oder am Tischfußball.

Anna: „Was reden die?“ Bea: „Ist das Jogi Löw?“

Der Film im Fußball-Kino ist leider ohne Untertitel und widmet sich ausschließlich der Niederländischen Mannschaft. Der deutschen Nationalelf ist ein eigener Gang gewidmet. Für einen Eintrittspreis von 15 Euro pro Person ab vier Jahren (Kombitickets mit Mini Mundi möglich), ist die Voetbal-Experience eher etwas für eingefleischte Fußball-Fans.



Entlang der Dämme: Freizeitpark am Sturmflutwehr und ein historischer Zug

Bea: „Hier kann man aber viel machen.“

Der Freizeitpark Neeltje Jans liegt auf einer kleinen Insel am beeindruckenden Oosterschelde-Sturmflutwehr, der Teil der sogenannten Deltawerke ist. Ein Schutzsystem, das nach der Sturmflut 1953 gebaut wurde, um eine weitere Naturkatastrophe zu verhindern. Der Sturmflut und den Schutzdämmen sind zwei Ausstellungen gewidmet. Vom Außengelände aus kann man außerdem das Sturmflutwehr besichtigen und in einem Orkansimulator mit Schutzbrillen ausgerüstet die Kraft des Windes bei über 130 Stundenkilometern spüren.

Anna: „Schau mal, ich bin in einer Muschel drin!“

Eine weitere Ausstellung informiert über Muscheln…

Chris: „Großer Fisch, reingehn!“

… eine andere, außen am Wasser gelegen, zeigt die Welt der Wale in einem Ausstellungsraum, der Form und Ausmaße eines echten Wals hat.

Bea: „Ich will nochmal mit dem Zug fahren.“

Besonders gefällt den Kindern der kleine Zug, der in einer Endlosschleife um das Gelände fährt. Spontan wird beim Spielplatz, den Seehunden oder dem Aquarium, dem weiteren Wasserspielplatz oder der Wasserrutsche ausgestiegen, gestaunt, gespielt und bei der nächsten oder übernächsten Runde weitergefahren.

Der Preis mit 80 Euro (dazu kommen weitere 6,50 Euro für das Parken) für eine vierköpfige Familie lohnt sich, wenn man den ganzen Tag für einen Besuch einplant. Wechselkleidung nicht vergessen.

Chris: „Zug, Zug! Noch mehr Zug!“

Diesmal kommt der zweijährige Chris ganz auf seine Kosten. Ein Kleinod liegt in den Dünen in der Nähe des Ortes Ouddorp: das Eisenbahn-Museum RTM Ouddorp mit Rundfahrten entlang des Brouwerdam. Von der Aufmachung eher spartanisch, zeigt das Museum Ausstellungsstücke der „Rotterdam Tramweg Maatschappij“, die bis 1966 Rotterdam mit den südlichen Inseln verband. Geduldig wartet Schaffner Ton Tigge bis Chris‘ Windel gewechselt ist, dann geht es mit der historischen Dampflokomotive in Wagen mit Holzbänken sieben Kilometer entlang des Damms nach Middelplaat Haven. In gemütlichem Tempo bestaunen wir bei rauem Wind die Surfer. Wer will, kann dort auch zu manchen Zeiten aufs Schiff umsteigen oder in Port Zélande einkehren und später weiterfahren.

Anna: „Wieso knippst der schon wieder, der kennt uns doch?“

Die ehrenamtlichen Schaffner und Betreiber des Museums sind begeisterte Eisenbahnfans, die während der etwa 30-minütigen Fahrt nicht nur die Fahrscheine verkaufen und noch stilecht bei Hin-und Rückfahrt entwerten, sondern auch gerne mit den Gästen über die Bahnstrecken dieser Welt fachsimpeln. Die Familienkarte ist mit 20 Euro vergleichsweise günstig. Für einen Euro gibt es drei Postkarten zum Selbstausmalen im Mini-Museumsshop, während sich Mama und Papa im (ebenfalls ehrenamtlich betriebenen) Café im Lokschuppen inmitten der historischen Wagen eine Pause gönnen.

Großstadtluft in Rotterdam, Kleinstadtluft in Middelburg schnuppern

Bea: „Warum ist das Haus so schief?“

Wer genug Strände, Meer und Deiche gesehen hat, ist von Middelburg in eineinhalb, von Zieriksee aus in etwa einer Stunde in Rotterdam, der zweitgrößten Stadt der Niederlande mit dem drittgrößten Hafen der Welt. Schon aus weiter Ferne zählen die Kinder die Kräne für die Entladung der Containerschiffe. Hafenrundfahrten können z.B. bei Spido direkt an der Erasmusbrücke angetreten werden. Die Stadt selbst zeichnet sich durch viele architektonisch interessante Bauwerke aus, die auch die Kinder in Erstaunen versetzen. Oder habe Sie schon einmal ein Gebäude gesehen, das aussieht wie ein Bleistift, wie schräg ineinander verschachtelte Würfel oder ein Hochhaus, das eine ebenso schiefe Fassade wie der Turm von Pisa hat? Wer Rotterdam (umsonst) zu Fuß erkunden will, kann sich z.B. einfach ab dem nördlichen Brückenkopf der Erasmusbrücke an den Rundweg-Wegweisern orientieren.

Chris: „Bus platsch macht“, Anna: „Mir ist das ein bisschen unheimlich!“

Eine Rundfahrt – um genau zu sein Rund(schiff-)fahrt der etwas anderen Art bietet „Splashtours“: Mit dem quietschgelben Bus besichtigt man nicht nur Rotterdams Attraktionen, man befindet sich selbst in einer – wundern Sie sich nicht, wenn Sie von Passanten fotografiert werden. Das Gefährt ist nämlich ein Amphibienfahrzeug, kann also an Land und im Wasser fahren. Etwas kitschig, aber durchaus beeindruckend „platscht“ der Bus nach einer halben Stunde auf den Straßen Rotterdams zu den Klängen von „Also sprach Zarathustra“ ins Wasser und setzt die Besichtigungstour dort fort. Familien mit kleineren Kindern sei eine Fahrt am Vormittag empfohlen. Das durchdringende Dröhnen des Motors im Wasser und ein langer Stau im Berufsverkehr bescherten uns (Tour um 15.30 Uhr) zwei schlafende Kinder auf dem Weg ins Trockene. Tickets müssen vorab online oder bei der Touristeninfo gekauft werden (Erwachsene 19,50 Euro, Kinder ab drei Jahren 14,50). Der Abfahrtspunkt ist (nicht leicht zu erkennen) an der Nordseite des „Maritime Museum“.

Bea: „Siebenundzwanzig, neunundzwanzig… Mama, was kommt dann?“

207 Stufen geht es in der mittelalterlichen Provinzhauptstadt Middelburg den achteckigen Turm ‚Lange Jan‘ der Klosteranlage hinauf. Ein toller Blick bis zum Meer belohnt für den Aufstieg im sehr engen Treppenhaus. Es liegen sogar Ferngläser für genauere Entdeckungen aus.

Anna: „Da unten sehe ich Papa, Chris schläft. Jetzt können wir in Ruhe Kaffee trinken.“

Wo sie recht hat, hat sie recht. In den zahlreichen Cafés rund um den Middelburger Marktplatz locken leckere Waffeln mit Zucker, Eis, Kirschen, Sahne oder gleich allem zusammen, der Klassiker ist außerdem das „Appelgebak met Kofje“, also Apfelkuchen mit Kaffee.

Bea: „Das ist schön hier in Holland“

Das Schöne an Zeeland ist, dass es all diese Attraktionen zwar bietet, aber gar nicht unbedingt nötig hat. Wer es sich leisten will, kann in Zeeland mit seinen Kindern allerhand „Familientypisches“ erleben und besuchen und wird mit Sicherheit mit glücklichen Kindern belohnt werden. Für etwas kleinere Budgets bieten ein toller Strand, ein im Supermarkt erstandener Drache und ein paar geliehene Fahrräder mit Kindersitz sicher ebenfalls tolle Ferientage. Wenn man so will, ein Luxus-Ferienziel also, das sich mit Kindern jeden Alters lohnt.

*Namen der Kinder geändert


Service

Übernachtungsmöglichkeiten gibt es in Holland sprichwörtlich wie Sand am Meer. Neben den typischen Parks mit Ferienhäusern, meist mit Schwimmbädern, Kinderanimation usw. (z.B. Landal, Roompot) gibt es auch viele private Unterkünfte oder Campingplätze.

Touristeninformation:

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