Tipps für Eltern

So sind Geschenke wirklich ein Segen

Glänzende Kinderaugen beim Auspacken der Weihnachtsgeschenke, auf diesen Moment freuen sich wohl alle Eltern. Damit der Geschenkesegen nicht zur Geschenkeflut wird, gibt es hier wertvolle Tipps rund ums Schenken für Eltern und einen kleinen Geschenke-Knigge für wohlgemeinte Gaben.

Autor: Christiane Bertelsmann
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Warum wir schenken

Weihnachten-teaser
Foto: © Fotolia / gpointstudio

Jedes Jahr das gleiche Spiel: spätestens, wenn das erste Tannengrün in den Innenstädten auftaucht, zieht es die Menschen in die Läden und Kaufhäuser. Und wir Eltern zermartern uns schon seit Mitte November die Köpfe darüber, was wir unseren Kindern denn dieses Jahr unter den Weihnachtsbaum legen könnten.

Wissenschaftler haben herausgefunden, dass der Ursprung des Schenkens in einem Austausch von Gaben liegt. Viele Kulturen haben ein fein ausgeklügeltes System des Gabenverteilens. Denn durch das Schenken werden soziale Beziehungen verankert. Stichwort Staatsgeschenke: Egal wie arm ein Land ist, kein Politiker geht auf Staatsbesuch, ohne mindestens ein möglichst wuchtiges, repräsentativ wirkendes Präsent im Gepäck zu haben. Und manchmal übergibt der Gastgeber ein Gegengeschenk. Dass diese - sagen wir's ehrlich - völlig nutzlosen Gaben meist den Rest ihrer Tage in Archiven oder städtischen Schatzkammern verdämmern, ist gleichgültig.

Schenken ist ein selbstloser Akt

Bei Geschenken, die im privaten Leben ausgetauscht werden, ist es anders. Der Freiburger Volkskundler Andreas Kuntz meint, dass damit beim Beschenkten die physische Präsenz des Gebers eingepflanzt werde: „Die Gaben stehen wie Totempfähle in den Wohnungen und werden dazu benutzt, um Macht und Erinnerungszwang auszuüben.“

Kennen wir das nicht irgendwoher? Als ich zehn Jahre alt war, bekam ich von meiner Patentante Helga ein grässliches, giftgrünes Halstuch geschenkt. „Grün ist doch deine Lieblingsfarbe“, meinte Tante Helga und band mir das grüne Ding gleich um den Hals. Ich sah schrecklich aus, das grelle Grün machte meine ohnehin schon helle Haut noch blasser. Bei jedem Treffen mit Tante Helga fragte sie nach dem grünen Tuch. Ich musste es jedes Mal tragen – und war todunglücklich.
All dessen war sich Tante Helga wie jeder andere Mensch, der Geschenke macht, natürlich nicht bewusst. Denn eigentlich ist der Akt des Schenkens an sich ein selbstloser, uneigennütziger.

Kinder werden reich beschenkt

Wenn Eltern schenken

Wenn Eltern ihren Kindern Geschenke machen, geschieht das meistens aus einer anderen Motivation heraus: „Geschenke sind für Eltern eine Form der Anerkennung, oft sogar der Liebe und Zuneigung“, sagt die Kieler Psychologin Svenja Lüthge. Bis heute sind Kinder an Weihnachten die Haupt-Geschenkeempfänger. Nach einer US-Studie wird von Eltern erwartet, dass sie ihren Kindern mehrere Päckchen unter den Christbaum legen.

Materiell gleichwertige Gegengeschenke wird jedoch keine Mutter, wird kein Vater verlangen – das gilt auch für erwachsene Töchter und Söhne. Sie geben für eine Gabe an die Eltern weniger Geld aus als umgekehrt. Dieses Ungleichgewicht bleibt bestehen. Denn wir Eltern fühlen uns für die Kinder verantwortlich – ein ganzes Leben lang.

Richtig schenken - fünf Tipps

Das richtige Geschenk für mein Kind.

So gern Eltern Ihren Kindern Geschenke machen, sollten sie gerade zu Weihnachten vor dem Einkaufen kurz innehalten und diese fünf Tipps beachten:

  • Keine Geschenkeflut:
    Allzu viele Geschenke machen Kinder unglücklich. Das weiß jeder, der schon mal ein völlig überfordertes Kleinkind vor einem Geschenkeberg gesehen hat. Kinder wollen ihre Geschenke gleich anschauen, ausprobieren, damit spielen. Und das geht nur, wenn die Menge überschaubar ist. Deshalb: Lieber mal noch ein Geschenk zurückhalten, so kommen die Gaben besser zur Geltung.
  • Eigenes Konsumverhalten überprüfen:
    Gerade ältere Kinder sind in ihren Wünschen oft maßlos. „Für manche sind materielle Geschenke ein Ersatz“, meint Svenja Lüthge. Nicht selten sehen die Wunschzettel wie Bestellscheine aus. „Da sollten die Eltern vielleicht ihr eigenes Konsumverhalten überprüfen.“
  • Das passende Geschenk:
    Lassen Sie sich im Spielzeuggeschäft beraten. Und vertrauen Sie den Altersangaben der Verkäufer. Gerade für sehr kleine Kinder sind große Geschenke am Passendsten, denn die Feinmotorik ist in diesem Alter noch nicht so ausgeprägt. Ein großer Ball, ein großer Teddy – das lieben kleine Krabbler. Später sollte man überlegen, wo die Interessen des Kindes liegen. Ein Sportmuffel wird nur wenig Freude an einem Springseil haben, mehr dagegen an einem Buch.
  • Der Herzenswunsch:
    „Jedes Kind hegt einen Herzenswunsch, und den sollte man, wenn es möglich ist, erfüllen“, rät die Psychologin Svenja Lüthge. Um den Herzenswunsch herauszufinden, muss man sein Kind gut kennen. Nur so weiss man, ob es sich bei dem Wunsch um ein spontanes kurzlebiges Haben-Wollen handelt oder ob er auch noch nach ein paar Wochen Bestand hat.
  • Auch mal nachgeben:
    Was Erwachsenen gefällt, finden Kinder nicht immer toll – und umgekehrt. „Da sollte man genau überlegen, ob man nicht doch mal nachgibt“, sagt Svenja Lüthge. Wenn es denn unbedingt das Plastikmonster sein muss oder die Glitzerbarbie – warum denn nicht. Wenn man aber etwas partout nicht schenken will, so sollte man das vorher klären – auf keinen Fall erst unterm Weihnachtsbaum oder am Geburtstag. Da sind Tränen und Szenen vorprogrammiert.


Kleiner Geschenke-Knigge

Fragen und Antworten rund ums Schenken und beschenkt werden:

  • Sollten Geschenke mit Gegengeschenken beantwortet werden?
    Prinzipiell ja. Denn sonst entsteht leicht ein Ungleichgewicht. Keine materiellen Geschenke zu machen ist auch in Ordnung. Aber man muss drüber sprechen, und zwar möglichst offen. Eine Essenseinladung oder das Angebot, mal auf die Kinder aufzupassen, wären gute Alternativen zum Gegengeschenk. .
  • Müssen Kinder ihren Eltern Geschenke machen?
    Sie müssen nicht. Aber sie sollten lernen, dass es schön ist, anderen eine Freude zu machen eben durch ein kleines Geschenk. Ein selbstgemaltes Bild, selbstgebackene Plätzchen, oder ähnliches. Es muss nichts Teures und Großes, nichts Materielles sein. „Es geht eher um Wertschätzung. Kinder müssen begreifen: Ich werde beschenkt und gebe mir selbst Mühe, mir etwas für die anderen auszudenken“, betont Svenja Lüthge. .
  • Was macht man mit Geschenken, die einem nicht gefallen?
    Vielleicht ist es möglich, das Präsent umzutauschen. Das geht aber nur, wenn man mit sachlichen Gründen argumentieren kann: „Der Pullover ist Celina leider zu klein.“ Oder: „Genau diese Lego-Reihe hat Olli schon.“. Wenn der Geschenkgeber einfach nur den Geschmack nicht getroffen hat, dann hilft nur: Freundlich lächeln, Danke sagen und weiter zur nächsten Frage. .
  • Darf man Geschenke weiterverschenken?
    Ja. Aber bitte diskret. Der Geschenkegeber sollte auf keinen Fall etwas davon merken. Erstmal eine Anstandsfrist von ein paar Wochen verstreichen lassen und genau überlegen, wem man das ungeliebte Präsent geben könnte. Obacht auch bei Unikaten. Und wenn der Geber öfers mal daneben greift, ist ein offenes Gespräch sicher besser und weniger peinlich.
  • Sind Gutscheine eine gute Geschenkidee?
    Für Erwachsene sind Gutscheine sogar DER Geschenke-Renner. Bei Kindern sieht die Sache etwas anders aus. „Was gar nicht geht, sind Geschenke, die versprochen sind, aber dann nicht unterm Baum liegen“, sagt Psychologin Svenja Lüthge. Gutscheine kommen höchstens bei jungen Erwachsenen gut an – und in jedem Fall nur nach vorheriger Absprache. Was hat ein Kind von einem sicher liebevoll gestalteten Gutschein, auf dem dann steht, dass irgendwann eine tolle Ritterburg ins Haus kommt?


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