Amt mit Konfliktpotenzial

Taufpate: Wer ist der richtige?

Die Entscheidung, wer der geeignete Taufpate für ihr Kind ist, fällt Eltern nicht immer leicht. Sollte der Kandidat aus der eigenen Familie sein? Welche Aufgaben kommen überhaupt auf einen Paten zu? Und was können Eltern tun, wenn der Pate sich nicht kümmert? In unserem Artikel finden Sie zahlreiche Tipps für Eltern und Paten.

von Sibylle Fünfstück
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Baby Taufe Pate
Foto: © iStockphoto.com/ SilviaJansen

Geschenkelieferant oder Bezugsperson?

Für den einen ist es vor allem eine Pflichtübung mit alljährlichen Geschenken und Geburtstagskarten, für den anderen eine intensiv gepflegte Beziehung. Die Vorstellungen davon, wie ein Pate seine Rolle ausführen soll, gehen weit auseinander. Mehr Einvernehmlichkeit herrscht unter den Müttern und Vätern der Patenkinder. An einen reinen Geschenkelieferanten oder Babysitter denken die wenigsten von ihnen. Viel eher wünschen sie sich für ihren Nachwuchs eine besondere Bezugsperson, die eine aktive Rolle im Leben seines Schützlings spielt und um sein Wohl besorgt ist.

Wie der Blick in die Geschichtsbücher verrät, ist dieser Wunsch keine Modeerscheinung unserer Zeit. Schon vor Hunderten von Jahren machten sich frischgebackene Eltern auf die Suche nach einem vertrauenswürdigen Wegbegleiter für ihren kleinen Weltstürmer. Dabei hat ihnen die Entscheidung für die richtigen Kandidaten vermutlich nicht weniger Kopfzerbrechen bereitet als heutigen Eltern. Schließlich sollen die Paten gewissermaßen Freunde und Eltern in einer Person sein und gut für den Nachwuchs sorgen können, wenn man sich beispielsweise einmal die Zeit für einen romantischen Abend zu zweit freischaufeln will.

Wer ist der beste Kandidat für das verantwortungsvolle Amt?

Den idealen Paten gibt es vermutlich nur im Bilderbuch. Verwandte wie die Großeltern oder Geschwister haben zwar den Vorteil, dass man sie zumeist regelmäßig sieht, doch kann die allzu große Vertrautheit sachliche Diskussionen, zum Beispiel über die richtige Erziehung, gehörig erschweren. Ein offenerer Austausch ist da vielleicht viel eher mit der alten guten Schulfreundin möglich. Oder es ist der gute, langjährige Arbeitskollege, der schlicht den besten Draht zum kleinen Zögling hat und außerdem weiß, wie er seine Stärken und Talente fördern kann.

Genauso schwer lässt sich verallgemeinern, ob ein guter Pate zwangsläufig selbst Kinder haben muss. Kinderlose „Bewerber“ haben den großen Vorteil, dass sie häufig ihre Zeit flexibler einteilen können. Das ist gerade dann toll, wenn sie in der Nachbarschaft wohnen und spontan zum Babysitten vorbeikommen können. Bei Paaren mit Nachwuchs wiederum gibt es nicht nur jede Menge Spielzeug, sondern außerdem einen Spielkameraden zum Herumtollen. Und selbst wenn einige hundert Kilometer zwischen Zögling und Patentante bzw. Patenonkel liegen, so gelingt es Paaren mit Nachwuchs mitunter einfach besser, sich in die Welt eines Kindes einzufühlen.

An der Liste der Vor- und Nachteile kann man beliebig weiterschreiben, ohne der Entscheidung wirklich näher zu kommen. Am besten verstrickt man sich gar nicht erst in solchen Details, sondern fragt sich ehrlich, wem man am ehesten zutraut, eine langfristige Beziehung zum Nachwuchs aufzubauen. Außerdem kann es nur hilfreich sein, wenn man selbst regelmäßig Zeit mit den Paten verbringt, und das nicht nur, weil sie zur Familie gehören.

Welche Pflichten und Aufgaben warten auf den Paten?

Unsere Vorfahren mussten nur die Kirchenordnung befragen, um herauszufinden, welche Pflichten auf einen klassischen Taufpaten zukommen. Seine wohl wichtigste Aufgabe bestand darin, die Eltern bei der religiösen Erziehung zu unterstützen und den kleinen Täufling an die christliche Religion heranzuführen. Dieses traditionelle Verständnis der Paten-Rolle hat mit dem stetigen Wandel der Familien- und Glaubensformen allmählich an Bedeutung verloren.

Heute bestimmen vor allem die Eltern und ihr Spitzenkandidat, welches Päckchen ihr Bewerber fortan zu tragen hat. Da die Patenschaft keine zivilrechtliche Bedeutung hat, sind die dabei ausgehandelten Pflichten jedoch in keiner Weise verbindlich. Auch sind die Zeiten vorbei, in denen der Pate im Todesfall der Eltern automatisch für das Kind sorgen muss. Sollten die Eltern in ihrem Testament oder einer notariellen Verfügung nicht ausdrücklich Pflegeeltern benennen, entscheidet das Jugendamt, bei wem das Kind am besten aufgehoben ist.

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