Was ist das und was kann das (nicht)?

Geburtshoroskope für Kinder

Zu was für einem Menschen wird mein Kind heranwachsen? In Ländern wie Indien befragen Eltern dazu traditionell das Geburtshoroskop. Laut Astrologie ist dieses ein Mittel, den Menschen besser zu verstehen. Was steht drin, was kann man davon erwarten – und was nicht?

Autor: Kathrin Wittwer
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Es wird schon was dran sein. Oder?

Baby Geburtshoroskop
Foto: © iStockphoto.com/ Edin

Eigentlich glaube sie nicht dran, schreibt eine urbianerin, „aber ich gebe zu, ich habe schon geguckt welches Sternzeichen der Krümel wäre und habe mir alles dazu durchgelesen. Danach war ich etwas beruhigt. Also ich kann jetzt auch nicht sagen, das ich es zu 100% nicht glaube. Irgendetwas wird schon dran sein.“ Vielen Eltern geht das so: Zu gern würden sie mehr wissen über das kleine Menschlein, das nun zur Familie gehört, wer das ist, was braucht es, um glücklich zu werden. Und fragen sich, wie weit sein Sternzeichen – auch Tierkreiszeichen oder Sonnenzeichen genannt, weil es das Sternbild anzeigt, in dem die Sonne zur Geburt stand – darauf Antworten geben kann.

Das Geburtshoroskop: ein komplexes Himmelsbild

Das kann es nur bedingt, meint Helen Fritsch, Astrologin und Astrologie-Ausbilderin sowie Heilpraktikerin für Psychotherapie in Hamburg: „Das Tierkreiszeichen sagt nicht sehr viel. Wenn das so aussagekräftig wäre, wäre ja die ganze Menschheit in nur zwölf Charaktere eingeteilt.“ Ist man ernsthaft interessiert daran, per Astrologie mehr über sein Kind zu erfahren, dann braucht es Geburtshoroskope. „Diese Himmelskarte ist ein sehr komplexes Gebilde mit sehr sehr vielen Nuancen“, erklärt die Astrologin. Auf Basis von Geburtsdatum, -zeit und –ort stellt die bunte Grafik sicht- und unsichtbare Himmelskonstellationen zum Geburtszeitpunkt dar. Die Sternzeichen gehören natürlich dazu, darüber hinaus ein Faktor namens Aszendent, 12 Häuser, Sonne, Mond und die Planeten sowie geheimnisvolle Elemente wie Mondknoten und Himmelsmitte. Sie alle haben symbolische Funktionen, versinnbildlichen Eigenschaften, Lebensbereiche, Einflüsse. Ihr Platz am Himmel und ihre Beziehungen zueinander stehen für verschiedene Kräfte und Energien, die zum Beispiel als Stärken und Schwächen, Spannungen und Harmonien übersetzt werden.

Erfahrungen, Beobachtungen, Symbole: Astrologie ist Interpretationssache

Entwickelt hat sich dieses Modell in Jahrtausenden aus astronomischen Beobachtungen von Himmelsbewegungen und ihren Bezügen zu dem, was auf der Erde geschah. Es basiert – so einer der größten Kritikpunkte von Naturwissenschaftlern – also rein auf Erfahrungen. Sein Sinn: Antworten auf die Frage nach dem „Wer sind wir?“ zu finden. „Nach dem uralten Prinzip ‚wie oben, so unten’ sieht die Astrologie den Menschen in sinnvoller Weise in der Natur eingebettet, ja als Teil des kosmischen Geschehens“, erläutert Helen Fritsch. Das Horoskop als Schnittstelle zwischen Mensch und Kosmos soll solche Verbindungen offenlegen und als Instrument der Selbsterkenntnis dienen. Abhängig von Kulturen und Traditionen beziehungsweise Schulen gibt es viele Arten, ein Horoskop zu berechnen, seine Bausteine zu benennen und seine Aussagen zu deuten. Bei Kinderhoroskopen werden zudem andere Schwerpunkte gesetzt als bei Erwachsenen „Darüber hinaus spielt auch die Persönlichkeit des Astrologen eine große Rolle. Das ist ein bisschen wie wenn man ein Gedicht interpretiert, viel hängt davon ab, wer das macht“, erklärt Fritsch.

Kein vorgegebenes Schicksal, sondern ein Lebensvorschlag

Erwartungen, dass Horoskope eine in Stein gemeißelte Zukunft verraten oder sich hier der Charakter eines Menschen in Gänze offenbart, hält die psychologische Astrologin für unrealistisch: „Ein Horoskop macht lediglich einen Lebensvorschlag, es zeigt Möglichkeiten und Potentiale. Es sagt aber nicht, ein Mensch ist exakt so oder so, und ebenso wenig, wie der Mensch in einer Situation reagiert. Hier besteht eine Aussagegrenze, denn jeder Mensch ist vielen anderen Einflüssen ausgesetzt, wie seinem Milieu, seiner Erziehung. Das spielt natürlich alles eine große Rolle. Das Horoskop ist nur ein Teil davon, es zeigt Ressourcen, bringt Anregungen. Ob die jemand wirklich entwickelt und nutzt, ist eine andere Sache.“

Kinderastrologie: Vorsicht vor Festlegungen

Gerade bei Kindern, die noch so viel Entwicklung vor sich haben, könnten konkrete Vorhersagen, die als unabänderlich empfunden und für bare Münze genommen werden, sogar mehr Schaden anrichten als nutzen: wenn Eltern dadurch zu große Erwartungen oder enge Vorstellungen über ihr Kind aufbauen, die zu selbsterfüllenden Prophezeiungen mutieren. Das zu vermeiden ist für Helen Fritsch eine hohe Verantwortung. Auch aus einem grundsätzlichen Beratungsprinzip: „Es geht immer darum, dass jeder die Lenkung seines Lebens in den eigenen Händen belässt. Lebenshilfe ist nicht, wenn man Menschen vorschreibt, wie sie handeln sollen.“ 

Im Interesse des Kindes: Impulse zur Potentialentwicklung

Was sie letztlich aus einem Kinderhoroskop bespricht, gilt es also für die Astrologin stets gewissenhaft abzuwägen. Ihr Anliegen ist es vor allem, die Aufmerksamkeit der Eltern auf Aspekte zu richten, die einem Kind helfen können, seine Potentiale zu entwickeln: „Ich gebe einen kleinen Überblick und Impulse, welche Möglichkeiten ich im Horoskop wahrnehme, die förderlich sind für ein Kind.“ Als absolut formuliert sie diese nicht: „Wenn ich sehe, dass ein Kind sportlich begabt ist, dann sage ich das so, dass die Eltern nicht gleich denken, aus ihm wird ein Profi, sondern dass ich mir vorstellen könnte, dass das Kind Spaß an Sport hat.“ Etwaige Schwächen und Schwierigkeiten lässt Helen Fritsch außen vor: „Das macht keinen Sinn. Ich bespreche höchstens, wenn ich zum Beispiel den Eindruck habe, ein Kind braucht sehr stark die Mutter und sollte vielleicht besser nicht zu früh in den Kindergarten gehen oder wird Hilfe brauchen, Kontakte zu knüpfen. Das muss aber immer vorsichtig geschehen und konstruktiv sein und kein Anlass zur Sorge.“ Fachwissen geht für sie hierbei Hand in Hand mit psychologischer Beratungskompetenz.

Was steckt hinter der elterlichen Neugier?

Anregungen geben dafür, einem Kind bei der Entwicklung seiner Persönlichkeit zu helfen, ohne seine Selbstbestimmung in Frage zu stellen: So könnte man das Grundanliegen eines Kinderhoroskops beschreiben. Helen Fritsch hinterfragt aber bei jeder Beratung, warum Eltern sich eigentlich über ihr Kind informieren wollen, schaut dafür zusätzlich in die Horoskope von Mama oder Papa. „Normalerweise bespreche ich keine fremden Horoskope, sondern berate den, der zu mir kommt“, erklärt sie. „Bei Kindern ist das etwas anders. Trotzdem sind es die Eltern, die fragen, es geht um ihre Unsicherheiten, um ihre Perspektive aufs Kind.“ Kombinierte Eltern-Kind-Horoskope vermitteln ihr überdies einen Eindruck davon, „wie wer auf wen wirkt, wie die Energien zusammen passen, wo es Ergänzungen gibt und wo vielleicht Reibung.“ Beziehungen ließen sich so besser verstehen und gestalten. 

Wie kommt man an ein Geburtshoroskop?

Haben Eltern Interesse an einem Geburtshoroskop, ist die Grundlage, die Himmelskarte, recht schnell erstellt: Im Internet stößt man unter dem Stichwort „kostenloses Geburtshoroskop“ auf viele Seiten, die eine solche Grafik generieren. Etliche liefern – ebenso wie diverse Software – auch die Deutung verschiedener Faktoren gleich mit. Solche starren, stets für sich allein stehenden Textbausteine sind allerdings in ihrer Aussagekraft recht eingeschränkt: Abgesehen davon, dass sie kaum die speziellen Regeln für Kinderhoroskope beachten, fügen sie sich nicht zu einem individuellen Gesamtbild, so wie beim Kochen jede einzelne Zutat für sich etwas ganz anderes ist als die komponierte Mahlzeit. Für eine fachgerechte Beratung rät Helen Fritsch, sich an einen Astrologen zu wenden, der nach mindestens drei Jahren Studium eine staatlich anerkannte Prüfung nach Kriterien des Deutschen Astrologenverbandes (DAV) abgelegt hat. Die Kosten für eine solche Konsultation variieren sehr stark: „Ich denke, Eltern müssten etwa zwischen 50 und 80 Euro einplanen. Es gibt aber auch Astrologen wie mich, die solche Informationen in einer ohnehin laufenden Beratung, zum Beispiel der Mutter, zusätzlich geben, ohne mehr dafür zu berechnen.“ 

Zum Weiterlesen

  • Julia und Derek Parker: Astrologie. Dorling Kindersley. 2008. 
    ISBN-13: 978-3831013050. 19,95 Euro.
  • Daniela Weise, Klemens Ludwig: Das große Handbuch der Astrologie.
    Astrologie von A – Z. Königsfurt-Urania Verlag. 2008.
    ISBN-13: 978-3868263503. (aktuell nur gebraucht)

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