Grünes Licht für unterwegs

Kinder fit machen für den Straßenverkehr

Ob zu Fuß oder mit dem Fahrrad – schon kleine Kinder sind täglich im Straßenverkehr unterwegs. Damit sie sicher und unbeschadet durch das hektische Geschehen kommen, müssen sie frühzeitig lernen, Gefahren zu erkennen und Verkehrsregeln einzuhalten. Lesen Sie, was Eltern über Verkehrserziehung wissen müssen.

Autor: Sabine Ostmann
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Straßenverkehr aus Kindersicht

Mutter Kinder Straßenverkehr Ampel
Foto: © iStockphoto.com/ Prebranac

Während Autos dank moderner Technik immer sicherer werden, bleiben die Jüngsten zu Fuß oder auf dem Fahrrad weitgehend ungeschützt. Deshalb sind alle – Autofahrer, Stadt- und Verkehrsplaner, Lehrer, Erzieher und vor allem Eltern – aufgefordert, für mehr Sicherheit zu sorgen. Durch Ihr Vorbild und eine umsichtige, liebevolle und altersgerechte Verkehrserziehung können Sie dazu beitragen, dass Ihre Sprösslinge fitte Verkehrsteilnehmer werden.

Einen Eindruck, wie Kinder das Verkehrsgeschehen erleben, können Sie sich verschaffen, indem Sie einfach mal die Perspektive wechseln: Gehen Sie in die Hocke, bevor sie eine Straße überqueren. Sie werden überrascht sein, wie wenig Sie vom Verkehrsgeschehen mitbekommen und wie eingeschränkt Ihr Sichtfeld ist. Eine kleine Übung, die schnell klar macht, weshalb Kinder Fahrzeuge, die von der Seite kommen, erst viel später sehen als Erwachsene – und sie werden selber kaum von Autofahrern gesehen. Noch ein Perspektivenwechsel: Versuchen Sie mal in der Hocke eine Bordsteinkante zu überwinden – Sie werden sich wundern, wie hoch die auf einmal ist. Kinder haben mit diesen Handicaps dauernd zu kämpfen.

Unfallrisiko kindliche Impulsivität

Ein Ball fliegt auf die Straße. Ein Steppke rennt ohne nach rechts oder links zu schauen hinterher – unberechenbares Verhalten von Kindern ist eine der häufigsten Unfallursachen. Dabei sind Kinder nicht einfach nur leichtsinnig. Ihre Konzentrations- und Wahrnehmungsfähigkeit entwickelt sich erst im Laufe der Zeit. Das macht es für sie so schwierig Verkehrsregeln zu befolgen, selbst wenn sie sie kennen.

Kleinkinder sind oft nicht einmal in der Lage, ein stehendes von einem fahrenden Auto unterscheiden. Jüngere Kinder können pro Sekunde nur ein bis drei Verkehrsobjekte erfassen – bei Erwachsenen sind es doppelt so viele. Bis zum Grundschulalter können sich Kinder meist noch nicht in andere Verkehrsteilnehmer hineinversetzen. Wenn sie ein Auto sehen, gehen sie oft automatisch davon aus, dass der Fahrer sie auch bemerkt. Ab fünf Jahren können Kinder in Verkehrssituationen auf einen Blick sicher erfassen, ob eine Ampel für sie grünes Licht zeigt. Das räumliche Hörvermögen und die Rechts-Links-Umsicht sind erst bei Grundschülern voll ausgeprägt. Erst dann können sie eindeutig heraushören, aus welcher Richtung sich ein Fahrzeug nähert. Geschwindigkeiten und Entfernungen können Kinder sogar erst im Alter von etwa acht bis neun Jahren einschätzen. Verschärfend kommt hinzu, dass immer mehr Kinder unter motorischen Defiziten und Konzentrationsstörungen leiden. So beobachten Experten und Verkehrstrainer immer häufiger, dass viele Zehnjährige nicht richtig Fahrradfahren können und mit Aktionen, die Übersicht und Koordinationsvermögen erfordern, wie beispielsweise das Linksabbiegen, völlig überfordert sind. Risiken so sicher wie ein Erwachsener zu beurteilen, vorausschauend zu handeln und schnell genug auf mögliche Gefahren zu reagieren, kann man so richtig erst von 14-Jährigen erwarten.

Verkehrserziehung: Je früher, desto besser

Was also können Eltern tun, um ihre Kinder fit für das Überleben im Verkehrsdschungel zu machen? Einfach öfter Taxi spielen? Wohl kaum. Denn das Mama-Taxi ist eher ein Sicherheitsrisiko. Abgesehen davon, dass sich vor Schulen und Kindergärten durch die vielen Autos neue Gefahren ergeben, können Kinder, die immer im Auto herumkutschiert werden, nicht lernen wie sie sich unterwegs richtig verhalten. Besser ist es, frühzeitig mit einer altersgerechten Verkehrserziehung zu starten.

Schon die Kleinsten sollten grundsätzliche Verhaltensweisen einüben:

  • Auf dem Gehweg immer die Wandseite benutzen
  • Bei Ein- und Ausfahrten besonders vorsichtig sein, denn hier können plötzlich Autos kommen
  • Niemals zwischen parkenden Autos auf die Straße gehen
  • Eine Straße nur bei Grün oder über den Zebrastreifen überqueren – auf jeden Fall aber zügig, ohne zu trödeln
  • Beim Überqueren einer Straße sicherheitshalber immer Blickkontakt mit den Autofahrern suchen
  • Lieber einen kleinen Umweg in Kauf nehmen, um eine Ampel zu erreichen, als die Straße direkt dort zu überqueren, wo man steht.

Bilderbücher sind bei solchen Unterweisungen eine gute Hilfe, doch am besten lernen Kinder durch Nachahmen. Deshalb sollten Sie sich – zumindest, wenn Kinder dabei sind – konsequent an die Verkehrsregeln halten, korrektes Verhalten vorleben und Ihren Sprösslingen erklären, weshalb Sie nur bei Grün über die Straße gehen und erst mal nach links und rechts schauen. Das lässt sich leicht üben, wenn Sie kleine Besorgungen nicht mit dem Auto, sondern zu Fuß erledigen.

Wenn Sie den Eindruck haben, dass Ihr Kind sich die wichtigsten „Spielregeln“ im Straßenverkehr gut eingeprägt hat, lassen Sie es unterwegs ruhig einmal das Kommando übernehmen. So erkennen Sie, ob Ihr Nachwuchs weiß, wie er eine Straße sicher überquert oder worauf er auf dem Weg zum Kindergarten oder zur Oma aufpassen muss. Wenn das gut klappt, motiviert ein Lob sehr. Wenn noch nicht, braucht es noch ein paar liebevolle Erklärungen und natürlich weitere Übungen.

Machen Sie den Schulwegtest

Schon Erstklässler finden es uncool, wenn Mama immer mit dabei ist. Wenn es möglich ist, dass das Kind seinen Schulweg alleine oder mit Freunden geht, sollten Sie auch dies vorher gemeinsam einüben. Dabei helfen Schulwegpläne, die bei jeder Grundschule erhältlich sind. Beim Schulwegtest sollten Sie Ihrem ABC-Schützen zeigen, wo Gefahren lauern und im Zweifel lieber den sichersten als den kürzesten Weg wählen – und das auch mit Freunden bzw. deren Eltern besprechen. Sprechen Sie mit Ihrem Kind ab, dass es nach einigen Tagen alleine losgehen darf, sie aber in einigem Abstand folgen. Macht es Fehler, greifen Sie zunächst aber besser nicht ein – höchstens im Notfall. Erklären Sie ihm lieber zu Hause in Ruhe, was es falsch gemacht hat.

Verkehrstraining in Kindergarten und Schule

Im Grundschulalter erweitern Kinder ihren Aktionsradius, und auch das Radfahren wird immer beliebter. Auch hierauf sollten Sie einen kritischen Blick haben. Denn häufig können Kinder zwar die Balance recht gut halten, vor allem wenn sie vorher auf dem Laufrad geübt haben, doch mit der Übersicht über das Verkehrsgeschehen und der Koordination der nötigen Handlungen sind sie oft noch überfordert. Deshalb sollte auch das Fahrradfahren gemeinsam geübt werden. Anfangs am besten auf einem Verkehrsübungsplatz oder in einer Gegend mit wenig Verkehr. Wenn das klappt, kann das Kind vorausfahren, sodass Sie es im Blick haben. Wenn Sie den Eindruck haben, dass Ihr Kind hier noch unsicher ist, sollten Sie es zumindest bis zur Fahrradausbildung in der dritten oder vierten Klasse noch nicht ohne Aufsicht herumfahren lassen. Ganz wichtig: Lassen Sie Ihr Kind nie ohne Helm fahren und unterwegs immer – auch wenn es zu Fuß unterwegs ist – helle, gut sichtbare Kleidung tragen, am besten mit Reflektoren.

Sicher radeln will gelernt sein

Unterstützung bei der Verkehrserziehung finden Sie im Kindergarten und in der Schule. Institutionen wie die Deutsche Verkehrswacht, die Verkehrsclubs oder freie Kinder- und Jugendverkehrsschulen veranstalten dort auf Wunsch Informationsabende für Eltern und Spielprogramme für Kinder, geben Tipps und stellen gezielte Übungen vor. Darüber hinaus machen die Kids im Kindergarten Spiele, die die Sinne und die Wahrnehmung schulen und lernen spielerisch einiges über Verkehrsregeln und das richtige Verhalten im Straßenverkehr. Dieses Thema steht auch in den beiden ersten Grundschuljahren im Sachkundeunterricht auf dem Programm. In der dritten und vierten Klasse ist dann Radfahren das große Thema. Unter Anleitung von Verkehrsexperten lernen die Kinder, wie man sicher aufs Rad und wieder absteigt, worauf sie beim Abbiegen achten müssen und wie sie sich verhalten, wenn plötzlich ein Hindernis auf dem Radweg auftaucht. An den meisten Schulen nehmen die Kinder an einer Fahrradausbildung teil, absolvieren eine Prüfung und erhalten am Schluss einen „Fahrradpass“.

Die Verkehrstrainings und Übungen, die Kindergärten, Schulen und andere Einrichtungen für jede Altersstufe anbieten, sind eine hilfreiche Unterstützung bei der Verkehrserziehung. Doch die ist in erster Linie Aufgabe der Eltern. Deshalb ist Ihr gutes Vorbild das Wichtigste, was Sie für die Sicherheit Ihres Kindes tun können. Dazu gehört auch, dass Sie schlechte Vorbilder, die in Gegenwart von Kindern bei Rot über die Straße rennen, freundlich aber bestimmt auf ihren Fehler aufmerksam machen. Zumindest sollten Sie Ihrem Kind erklären, dass ein solches Verhalten falsch, dumm und sehr gefährlich ist.


Zum Weiterlesen

  • Anne Brauner: Meine erste Verkehrsschule: Neue Förderspiele. An Ampel und Zebrastreifen. Erste Verkehrsschilder.
    Carlsen Verlag, 3,90 Euro
  • Bernhard Lins: Der Kleine Riese im Straßenverkehr. Eine Geschichte mit 8 Liedern zur Verkehrssicherheit (CD). Empfohlen vom Kuratorium für Verkehrssicherheit.
    Tyrolia Verlag, 13,99 Euro
  • Susanne Lück: Verkehrserziehungs-Set. So ist mein Kind sicher im Straßenverkehr. Box mit Buch + 50 Übungskarten.
    Naumann & Göbel Verlag, 7,99 Euro
  • Sicher im Straßenverkehr mit Peter Lustig.
    Tandem Verlag, 4,99 Euro
  • Angela Weinhold: Pass auf im Straßenverkehr. Aus der Reihe Wieso? Weshalb? Warum?
    Ravensburger Buchverlag 12,95 Euro
  • Willi will’s wissen. Sicher hin und her im Straßenverkehr!
    Baumhaus Verlag Frankfurt, 6,99 Euro
  • Sabine Willmeroth: Verkehrs- und Mobilitätserziehung: Eine Werkstatt.
    Verlag an der Ruhr GmbH, 19,50 Euro

Links

  • www.moritz-und-luise.de – Informationen, Spiele, ein großer interaktiver Verkehrstest und Geschichten rund um Sicherheit im Straßenverkehr für Kinder und Eltern
  • www.verkehrssicherheitsprogramme.de - Umfassende Informationen zu Verkehrssicherheitstrainings und Aktionen in Deutschland
  • www.verkehrswacht.de – Deutsche Verkehrswacht, eine Initiative für mehr Sicherheit im Straßenverkehr bietet Informationen, Sicherheitstrainings und bildet Schülerlotsen aus

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