Der Natur auf der Spur

Alltagstaugliche Experimente mit Kindern

Weißes Gras im Garten, Treibhauseffekt auf der Fensterbank oder Eierschalen mit Superkräften: Die meisten Naturgesetze lassen sich mit wenig Aufwand auch von kleinen Kindern entdecken. Wir stellen Ihnen eine Reihe einfacher Experimente für Kinder mit verblüffender Wirkung vor.

Autor: Heike Byn
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Experimente: Kinder als neugierige Entdecker

Kinder Natur
Foto: © fotolia.com/ Christian Schwier

Biologie im Garten, Chemie in der Küche, Physik im Wohnzimmer: Kinder brauchen weder Labor, Schulbücher, noch Vorwissen, um Spaß am Experimentieren und damit am Entdecken der Naturwissenschaften und ihrer Gesetzmäßigkeiten zu haben. Denn Kinder sind die geborenen Forscher – wissbegierig, unvoreingenommen und experimentierfreudig. Unsere Sammlung verschiedener Versuche für jeden Tag und jede Jahreszeit lässt sich leicht von Eltern,  Großeltern, Tanten, Onkeln und allen anderen erwachsenen Freunden gemeinsam mit dem neugierigen Nachwuchs, einfachen Mitteln und wenig Zeitaufwand realisieren.

Manche Experimente eignen sich besser für drinnen, andere macht man besser draußen – auf der Wiese oder im Garten. Vielleicht ist ja auch die eine oder andere Anregung dabei, mit der du einen Kindergeburtstag abseits von Topfschlagen oder Blinde Kuh-Spiel aufpeppen kannst? Übrigens: Wir haben bei den Handlungsanweisungen dich als Erwachsene direkt angesprochen. Das heißt aber nicht, dass Kinder Experimente nicht je nach Lust und Geschicklichkeit eigenständig, aber unter Aufsicht der Großen durchführen oder mithelfen können.

Experimente für draußen (und evtl. auch drinnen)

Farbloses Gras (draußen)

Was du dazu brauchst:
Ein Stück Karton, einen großen Stein,  Garten mit Rasen oder frei zugängliche Wiese.

Wie das geht und was dabei passiert:
Lege den Pappkarton auf den Rasen und beschwere ihn mit einem Stein. Nach ein paar Tagen nimm den Stein samt Karton wieder weg. Der Rasen ist unter dem Karton hellgrün, fast weiß geworden.

Warum das so ist:
Den Graspflanzen fehlt Licht, das sie als „Nahrung“ für ihre Zellen brauchen. Ohne Licht fehlt der Pflanze also Energie für Wachstum und Entwicklung. Auch der Blattfarbstoff Chlorophyll, der für die grüne Farbe zuständig ist, lässt sich nur unter Lichteinfluss bilden.

Schichtweise Boden entdecken (draußen/drinnen)

Was du dazu brauchst:
Ein großes Gurken- oder Marmeladenglas, Wasser, Natronpulver (Apotheke oder Lebensmittelladen), Erdboden.

Wie das geht und was dabei passiert:
Fülle das Glas zu zwei Dritteln mit Wasser und gib einen Teelöffel Natronpulver hinein. Das Pulver sorgt dafür, dass das Wasser „weicher“ wird. Dann das Ganze mit ein paar Esslöffeln Erde (keine gekaufte Pflanzenerde!) auffüllen. Deckel drauf und dann gut und lange schütteln. Wenn alles gut durchmischt ist, das Glas auf eine ebene Fläche ruhig hinstellen. Schon nach einer halben Minute kann man sehen, dass sich am Boden etwas absetzt.

Warum das so ist:
Was sich zuerst am Boden niederlässt, ist der Sandanteil im Erdboden. Die Sandkörnchen sind die größten und schwersten Körnchen und sinken deshalb am schnellsten zu Boden. Die nächste Schicht, die sich absetzt, ist der so genannte Schluff. Doch bis sich die Schluffkörnchen abgesetzt haben, dauert es eine Weile. Wenn man dann noch etwa eine Woche wartet, lagert sich auch noch eine dritte Schicht ab – die Tonschicht. Tonkörnchen sind so klein und leicht, dass sie ziemlich lange brauchen, bis sie im Glas zu Boden sinken. Mit dieser Schüttelprobe kann man also sehen, wie sich die verschiedenen Schichten im Erdboden zusammensetzen.

Winzlinge in der Erde beobachten (draußen/drinnen)

Was du dazu brauchst:
Ein großes Einmachglas, einen Trichter, ein Sieb, etwas Gartenerde, eine Schaufel, eine Schreibtischlampe o.Ä, einen Teller, eine Lupe.

Wie das geht und was dabei passiert:
Stecke den Trichter in das Einmachglas, setze dann das Sieb auf den Trichter und schütte eine kleine Schaufel Erde aus dem Garten in das Sieb. Schalte dann eine Schreibtischlampe ein und richten das Licht genau auf die Erde. Jetzt heißt es, ein paar Minuten zu warten, denn die winzigen Bodenlebewesen flüchten vor dem Licht tief in die Erde hinein. Da sie so klein sind, fallen sie im Gegensatz zur grobkörnigen Erde durch die Löcher im Sieb in den Trichter und dann ins Glas, so dass man sie nun ganz leicht beobachten kann, auch wenn vielleicht ein paar feinere Sandkörnchen mit durchgerutscht sind. Schütte jetzt die Tierchen aus dem Glas auf einen Teller und schaue sie mit einer Lupe genau an. Du wirst staunen, wie viele verschiedene kleine Insekten du findest! Wenn du die Lebewesen erforscht hast, unbedingt wieder zurück in den Garten bringen, damit sie wieder in die Erde kriechen können.

Treibhauseffekt auf der Fensterbank (draußen/drinnen)

Was du dazu brauchst:
Eine kleine, durchsichtige Plastiktüte (z.B. Butterbrottüte oder Gefrierbeutel), zwei Zimmerthermometer.

Wie das geht und was dabei passiert:
Lege ein Thermometer in die Plastiktüte und diese auf ein sonniges Fensterbrett (innen oder außen). Das zweite Thermometer legst du daneben. Lies nach ungefähr 10 Minuten die Temperatur an beiden Thermometern ab. In der Plastiktüte ist es offensichtlich wärmer als außerhalb, denn das Thermometer zeigt hier eine höhere Temperatur an.

Warum das so ist:
Die Sonnenstrahlen dringen durch die Plastiktüte und verwandeln sich dort in Wärme. Weil die Wärme nur teilweise wieder entweichen kann, steigt die Temperatur in der Tüte wie in einem Treibhaus an. Um unsere Erde herum befindet sich natürlich keine Plastiktüte, bestimmte Gase der Atmosphäre absorbieren aber ganz ähnlich wie Plastik oder Glas in einem Treibhaus die Wärmestrahlen, so dass die Wärme nicht ins Weltall entweichen kann. Auto –und Industrieabgase verstärken den natürlichen Treibhauseffekt und tragen damit zur zunehmenden Klima-Erwärmung der Erde bei.

Experimente nur für drinnen

Durstige Pflanzen mit langer Leitung (drinnen)

Was du dazu brauchst:
Rote Lebensmittelfarbe oder Tinte, eine Selleriestange, ein Glas.

Wie das geht und was dabei passiert:
Fülle das Glas mit Wasser und färbe es mit Lebensmittelfarbe oder Tinte ein. Stelle dann die Selleriestange hinein und schauen nach ein paar Stunden nach, was passiert ist. Schneide dann den Stängel quer durch: Man sieht deutlich „rote Farbflecken“ im Stängel.

Warum das so ist:
Pflanzen brauchen Wasser und Nährstoffe zum Leben. Das Wasser saugen sie aus der Erde nach oben. Dabei helfen ihnen feine Gefäße, ähnlich unseren Blutgefäßen. Zwar bewegt sich Wasser normalerweise durch die Schwerkraft nach unten, kann aber in Kapillaren – also ganz feinen Gefäßleitungen – auch nach oben steigen.

Kristalle züchten (drinnen)
Für ältere Kinder – und immer mit Erwachsenen-Hilfe!

Was du dazu brauchst:
Zwei große Gläser, kochendes Wasser, Salz, einen Wollfaden oder Pfeifenreiniger, einen Bleistift.

Wie das geht und was dabei passiert:
Gib zuerst kochend heißes Wasser in eines der beiden Gläser. Dann nach und nach so viele Löffel Salz hineingeben und immer wieder umrühren, bis das Wasser kein Salz mehr aufnehmen kann. Du merkst das daran, dass das Salz beginnt, sich am Glasboden abzusetzen. Jetzt nimm das andere Glas und gieße das Salzwasser hinein. Vorsicht! Dabei nicht den Salz-Bodensatz mit umfüllen, denn der soll beim Umgießen unbedingt zurückbleiben. In das Glas mit dem Salzwasser jetzt einen Wollfaden oder Pfeifenreiniger hineinhängen. Am besten befestige dazu den Faden oder Reiniger an einem Stift und legen diesen über das Glas, so dass der Faden oder Reiniger ins Wasser hängt. Dann das Ganze an ein ruhiges, sonniges Plätzchen stellen – zum Beispiel eine Fensterbank. Jetzt heißt es, solange zu warten, bis schöne, große Kristalle gewachsen sind. Das kann aber zwei, drei Monaten dauern. Während dieser Zeit das Glas und seinen Inhalt nicht bewegen! Kristalle brauchen viel Ruhe und Zeit zum Wachsen.

Warum das so ist:
Warmes Wasser kann mehr Salz aufnehmen als kaltes, deshalb ist es auch so wichtig, dass das Wasser im Experiment möglichst heiß ist. Kühlt das Wasser dann ab, lagert sich das vorher im Wasser aufgelöste Salz in Form von Kristallen am Faden oder Pfeifenreiniger ab. Lässt man das Salzwasser eine Zeitlang stehen, verdunstet es zusätzlich noch. Je mehr Wasser verdunstet, desto größer und zahlreicher werden die Kristalle. Das Ganze funktioniert auch mit Zucker oder Natronpulver!

Spiel mit der Luft – in Flaschen (drinnen)

Was du dazu brauchst:
Eine leere Flasche, eine Schüssel mit heißem und eine mit kaltem Wasser, einen leeren Luftballon.

Wie das geht und was dabei passiert:
Stelle eine leere Flasche sowie die beiden Schüsseln mit dem heißen und kalten Wasser auf eine ebene Fläche. Über den Flaschenhals stülpst du den nicht aufgeblasenen Luftballon und stellst die Flasche in die Schüssel mit heißem Wasser: Der schlaffe Luftballon richtet sich daraufhin langsam auf.

Warum das so ist:
Luft dehnt sich bei Erwärmung aus. Hier bewirkt die heiße Luft, die sich durch das warme Wasser in der Flasche bildet, dass sich der Luftballon aufrichtet. Sobald du die Flasche aber in das kalte Wasser stellst, wird der Luftballon wieder schlaff.

Regenbogen leicht gemacht! (drinnen)

Was du dazu brauchst:
Eine Taschenlampe, eine flache rechteckige Schale mit Wasser gefüllt, einen Spiegel, weißes Papier, Wasser.

Wie das geht und was dabei passiert:
Stelle den Spiegel in die mit Wasser gefüllte Schale und lehne ihn schräg an eine Seite des Gefäßes. Leuchte dann mit der Taschenlampe so auf das Wasser, dass der Lichtstrahl den Teil des Spiegels trifft, der unter Wasser ist. Halte ein Blatt weißes Papier vor den Spiegel, um das vom Spiegel reflektierte Licht einzufangen. Auf dem Papier erscheinen die Farben des Regenbogens.

Warum das so ist:
Wassertropfen brechen das Licht der Sonne und zersetzen es in die sieben Farben des Spektrums. Das vom Spiegel reflektierte weiße Licht wird beim Austritt aus dem Wasser gebrochen. Da die Farben, aus denen sich weißes Licht zusammensetzt, nicht im gleichen Winkel gebrochen werden, treten sie an verschiedenen Stellen aus und werden sichtbar.

Verkehrte Welt im Löffel (drinnen)

Was du dazu brauchst:
Einen Suppenlöffel, blank poliert.

Wie das geht und was dabei passiert:
Halte den Löffel mit der Innenwölbung so vor dich, dass du deinen Kopf als Spiegelbild darin erkennen kannst: Dein Spiegelbild ist verkleinert und steht auf dem Kopf.

Warum das so ist:
Die Lichtstrahlen, die von deinem Kopf ausgehen, treffen auf eine innen gewölbte Fläche. Dadurch werden sie so reflektiert, dass alles was oben ist, unten erscheint und umgekehrt. Der Löffel ist ein Konkavspiegel, der das Licht nach innen reflektiert.

Lavalampe für Anfänger (drinnen)

Was du dazu brauchst:
Ein hohes Glas mit dickem Boden, Salat-Öl, gefärbtes Wasser, Vitamin-Brausetabletten, eine Lampe.

Wie das geht und was dabei passiert:
Ein Glas zu einem Drittel mit kräftig gefärbtem Wasser (mit Wasserfarben oder Lebensmittelfarbe) füllen und das Ganze vorsichtig mit einer fingerbreiten Salatölschicht auffüllen. Auf ein Stövchen mit Teelicht stellen oder eine Lampe mit geschlossener Öffnung – Hauptsache, das Glas wird von unten erleuchtet und damit erwärmt. Jetzt eine Brausetablette zerbrechen und in das Wasser werfen. Die Tablette löst sich im Wasser auf. Dabei bilden sich Blasen, die nach oben steigen wollen.

Warum das so ist:'
Die aufsteigenden Blasen sind mit Kohlendioxid gefüllt. Auf ihrem Weg nach oben müssen sie durch das Öl hindurch. Weil die Luftblasen durch eine Wasserhaut gebildet werden, steigt eine farbige Blase noch oben – ähnlich wie bei einer Lava-Lampe.

Der Hefe-Streichholz-Test (drinnen)
Nur für ältere Kinder und immer mit Erwachsenen-Hilfe!

Was du dazu brauchst:
Leeres Gurken- oder Marmeladenglas mit Schraubdeckel, Wasser, Zucker, Hefewürfel oder Trockenhefe, langes Streichholz.

Wie das geht und was dabei passiert:
Fülle ein Gurken- oder Marmeladenglas mit Schraubdeckel zu drei Vierteln mit Wasser und gib einen Teelöffel Zucker hinzu. Löse dann einen halben Hefewürfel (frisch oder entsprechende Menge getrockneter Hefe) in der Wasser-Zucker-Mischung auf. Verschließe das Glas mit dem Deckel und lasse es dann einen halben Tag lang stehen. Danach zündest du das Streichholz an, während das Kind gleichzeitig schnell den Deckel vom Glas nimmt. Halte das brennende Streichholz in das offene Glas hinein. Die Flamme erlöscht direkt.

Warum das so ist:
Bei der Reaktion zwischen Hefe, Zucker und Wasser entsteht Kohlendioxid, das den Sauerstoff verdrängt. Den braucht die Flamme aber, um weiter zu brennen. Somit kann sie nicht mehr „atmen“ und erlischt.

Kraftvolle Super-Eier (drinnen)

Was du dazu brauchst:
Mehrere halbe Eierschalen, einige Bücher.

Wie das geht und was dabei passiert:
Säubere die Eierschalen so, dass der Rand möglichst glatt ist und lege die Eier mit dem Rand nach unten auf eine glatte Oberfläche. Dann stapel gleichmäßig nach und nach immer mehr Bücher auf die Eierschalen. Wie viele sind es, bevor die Schalen zerbrechen? Es sind garantiert mehr, als du denkst. Piekse anschließend eine noch erhaltene Eierschale von innen mit einem spitzen Gegenstand an – sie zerbricht gleich nach dem ersten Versuch.

Wie das geht und was dabei passiert:
Wenn Hühner ihre Eier ausbrüten, ist es wichtig, dass die Eier nicht so schnell kaputtgehen. Schließlich müssen sie das Gewicht der Henne aushalten. Sobald die Küken aber ausschlüpfen wollen, muss das leicht und schnell gehen – von innen lassen sich Eierschalen deshalb auch schnell zerbrechen.


Service

Buchtipps

  • Anita van Saan (Hrsg./Text), Dorothea Tust (Illu.):
    365 Experimente für jeden Tag.
    Moses Verlag 2009, 248 S., 9,95 €, ISBN 978-3-8977-7473-5
  • Sonja Stuchtey (Text), Sonja Egger, Sebastian Coenen (Illu.):
    Das große Forscherbuch für Kinder. Experimente und Spiele zum Entdecken der Naturwissenschaften.
    Arena 2008, 95 S., 12,95 €, ISBN 978-3-4010-9097-9 

Tipp

Wer sich bei Experimente für Kindern lieber an die Hand nehmen lässt oder Kinder dabei ohne Gefahr alleine werkeln lassen möchte, kann auf eine Fülle von Experimentierkästen auch für kleine Kinder zurückgreifen. Z.B.:

  • Mein erstes Gewächshaus. Farbige Anleitung in Bildern – Experimentieren ohne Lesekenntnisse.
    Kosmos Verlag, 19,99 €, ab 5 Jahren, EAN 4002051634919,  Art.-Nr. 6349
  • Wetter. Erste Experimente.
    Kosmos Verlag, 9,99 €, ab 5 Jahren, EAN 4002051602208, Art.-Nr. 60220
  • Mein erster Experimentierkasten. Naturgesetze ganz einfach.
    Kosmos Verlag, 19,99 €, ab 5 Jahren, EAN 4002051602079, Art.-Nr. 60207 


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