Blick in die Zukunft an Silvester

Tarot: Magie der Karten

Für die einen ist Tarot nichts als Quatsch. Für die anderen ist es ein faszinierendes Kartenspiel, das Aufschluss über eigene Fähigkeiten und Ängste gibt. Gerne wird es zum Beispiel in einer ruhigeren Runde an Silvester gespielt.

Autor: Gabriele Möller
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Kartenlegen kann jeder

Tarotkarten panther Ursula Jacobs
Foto: © panthermedia/ Ursula Jacobs

Beim Stichwort Kartenlegen denkt man unwillkürlich an stark geschminkte Wahrsagerinnen mit schwarz gefärbtem Haar, die mit nachdenklich gerunzelter Stirn und nach undurchschaubaren Regeln Karten vor sich ausbreiten. Um diese dann anschließend mit – natürlich - bedenklicher Miene zu studieren. Klar, dass das Ganze noch im dunklen Hinterzimmer oder einer Jahrmarktbude stattfindet. Dabei haben die Karten, und hier speziell das Tarot, längst die heimischen Wohnzimmer erobert. Denn Kartenlegen kann jeder, für sich oder auch für Verwandte und Freunde. Tarotkarten gibt es in den Esoterik-Abteilungen vieler Buchhandlungen. Und wer bereit ist, sich auf dieses Spiel – und mehr sollte es nicht sein – einzulassen, kann ungeahnte Einblicke und überraschende Erkenntnisse gewinnen. Zwar auch über die Zukunft - zum Beispiel gerne an Silvester -, aber mehr noch über sich selbst und die augenblickliche Lebenssituation. Und ob man nun daran glaubt, oder nicht: Spaß macht es allemal, einen Blick in die uralten Geheimnisse des Tarot zu riskieren.

Eine Reise zu den Urelementen des Lebens

Rund 500 Jahre alt ist der Ursprung des Tarotspiels. Die wichtigsten Karten sind die 22 sogenannten Großen Arkanen (von lat. arcanum = Geheimnis). Sie verkörpern Elemente und Urbilder des Lebens. Psychologisch gesehen sind sie das, was C.G. Jung unter Archetypen verstand: Bilder und Symbole, die im gemeinsamen Unbewussten aller Menschen schlummern und die elementaren Strukturen der Seele verkörpern. Da gibt es den Tod, das Universum, die Liebe, das Glück, die Lust, die Kunst oder den Magier. Jede dieser Karten hat eine bestimmte, machtvolle Bedeutung, die jedoch oft nicht konkret, sondern symbolisch gemeint ist. So braucht nicht erschrecken, wer die Karte "Tod" zieht. Nicht ein lieber Mensch wird hier sterben, sondern eigene Irrtümer, Vorurteile und Ängste segnen das Zeitliche.

Neben den Großen Arkanen gibt es 16 Hofkarten und die 40 Kleinen Arkanen. Die Hofkarten befassen sich besonders mit den Menschen, mit denen wir in irgendeiner Beziehung stehen. Die Kleinen Arkanen betreffen die kleinen Lektionen und Facetten des Lebens und haben nicht solch eine starke Bedeutung wie die Großen Arkanen. Sie sind unterteilt in Stäbe, Kelche, Schwerter und Scheiben unterschiedlicher Anzahl und Bedeutung. Die Stäbe sind dem Element Feuer zugeordnet und verkörpern Energie, Sexualität, Tatkraft, Intuition und Einsicht. Die Kelche sind dem Element Wasser zugeordnet und stehen für das Gefühlsleben. Die Schwerter entsprechen dem Element Luft und beziehen sich auf Geistiges und Gedankliches. Die Scheiben gehören dem Element Erde an und stehen in Beziehung zu allem Äußeren, Materiellen, der Gesundheit, dem Besitz, dem Geld.

Es gibt verschiedene Legesysteme, die in den zahlreichen Handbüchern zum Tarotspiel beschrieben werden (s. Anhang). Je nach Art und Umfang des Problems oder der Frage bieten sich unterschiedliche Legeweisen und -muster an.

Kein Zufall?

Das Tarotspiel geht davon aus, dass es keinen Zufall gibt. Wenn man eine Karte zieht, ist dies daher auf jeden Fall eine Karte, die genau auf die persönliche Situation abgestimmt ist. Sie soll dem Frager etwas nur für ihn Bestimmtes sagen - über die jetzige Lebenssituation vielleicht, über eine verborgene Blockade oder eine bisher ungenutzte Chance. Dabei kann und sollte man natürlich zunächst eine Frage formulieren, bevor man eine oder mehrere Karten zieht und zu einem der Muster legt. Die alten Hasen unter den Tarotspielern betonen, dass man nie bloß aus Neugier oder Langeweile fragen sollte. Solche Fragen bleiben seltsamerweise unbeantwortet (was dann so aussieht, dass man sinnlose Antwortkarten zieht). Nur eine wirklich im eigenen Inneren drängende Frage wird beantwortet – und zwar oft mit so frappierender Treffsicherheit, dass auch eingefleischte Skeptiker sich wundern. Auch das Argument, irgendwie passe jede Karte irgendwie oder könne so hingedeutelt werden, dass sie passt, zieht hier nicht. Nicht selten macht der Benutzer die Erfahrung, dass unter den 78 Karten nur eine einzige wirklich den Nagel auf den Kopf trifft, und genau diese hat man gerade gezogen.

Obwohl man beim Kartenlegen meist an einen Blick in die Zukunft denkt, ist dies nicht der eigentliche Sinn des Tarot. Eigentlich hält das Tarot dem Benutzer einen Spiegel der eigenen Seele vor – so die Überzeugung der Liebhaber dieses Spiels. Man bekommt also auch Dinge zu sehen, die man vielleicht bisher an sich selbst nicht wahrhaben wollte, verleugnet oder verdrängt hat - was nicht selten für überraschende Aha-Effekte sorgt. Tarot ist gedacht als Wegweiser auf der Wanderung zu sich selbst und durchs Leben und hat mit Schaubuden-Effekten und unseriöser Wahrsagerei wenig zu tun. Genau wie das alte chinesische I Ging Orakel ist es gedacht als Hilfe bei der eigenen geistigen Entwicklung.

Liebesbeziehungen werden klarer

Man kann das Tarot jedoch nicht nur über sich selbst befragen, sondern auch über andere Menschen. Jedoch nicht, um diese besser durchschauen oder gar manipulieren zu können. Sondern um beispielsweise besser zu verstehen, warum sich dieser oder jener (Vorgesetzte, Kollege, Nachbar, Freund, Bekannte usw.) in der Beziehung zu uns so schwierig, ablehnend oder sonst wie problematisch verhält. Oft gewinnt man dabei überraschende Einsichten und mehr Verständnis für die Unfreiheiten, Ängste und Konflikte des anderen. Die Beziehung zum Betreffenden verändert sich oft schon am nächsten Tag spürbar und entspannt sich. Zu hoffen, dass man dabei dunkle Geheimnisse über den anderen erfährt, wäre jedoch Unsinn. Man lernt vielmehr etwas über seine Persönlichkeitsstruktur und seine inneren Gegebenheiten.

Auch in Liebesdingen lohnt eine Frage an das Tarot. Wer in seiner jetzigen Beziehung unzufrieden ist, und nicht recht weiß, ob er dieser Liebe noch eine Chance geben sollte, könnte zum Beispiel die Antwortkarte „Fünf Scheiben“ (Quälerei) erhalten. Dies ist ein Hinweis darauf, dass die Beziehung besser beendet werden sollte. Die Karte „Sechs Stäbe“ (Sieg) kann dagegen dazu raten, dass man es mit vereinten Kräften noch einmal versucht, die Beziehung zu retten und ihr neuen Schwung zu verleihen.

Der Blick in die Zukunft

Natürlich juckt es jeden Kartenlegenden in den Fingern, ein paar Karten zu ziehen und nach der Zukunft zu fragen. Dabei wird man auf platte Fragen (wie viele Kinder werde ich haben) keine Antwort erhalten. Das Tarot geht davon aus, dass die Zukunft keineswegs schicksalhaft festgelegt ist, sondern dem Einzelnen Chancen und Möglichkeiten bietet, sich zu entfalten und zu verändern. Auch warnt es vor Fallen, in die das Ego tappen kann. Hilfreich sind daher beim Blick in die Zukunft Fragen, die sich auf solche Aspekte beziehen. Wenn eine wichtige Begegnung mit einem Menschen bevorsteht, kann man zum Beispiel fragen, wie man sich diesem Menschen gegenüber am besten verhalten sollte, um sich gut mit ihm zu verstehen. Bei wichtigen Ereignissen kann man nach der Bedeutung dieses Ereignisse für das eigene zukünftige Leben fragen.

Doch immer sollte man sich dessen bewusst sein, dass das Tarot ein Spiel ist, dass es nur Hinweise geben, nicht aber die eigene Kritikfähigkeit und Entscheidungskraft ersetzen darf. Und wie jedes Spiel verlangt es ein gewisses Maß ein Heiterkeit und kritischer Distanz, Bierernst und absolute Kartengläubigkeit wären Fehl am Platz. Mit der richtigen Einstellung jedoch ist das Tarot für so manch neue Einsicht und Überraschung gut, und kaum jemand, der es ausprobiert, kann sich seiner Magie und erstaunlichen Zuverlässigkeit entziehen.

Buchtipps

Banzhaf, Hajo: Das Arbeitsbuch zum Tarot. Hugendubel Verlag München (ISBN 3880346631).

Dobratz, Gudrun: Basic Tarot. Buch und 78 Karten. Urania Verlag Neuhausen (ISBN 3908646685).

Koehli, Adrian Bernhard und Krefting, Miki: Adrian-Tarot. Die Bedeutung der Karten und wie man sie legt. Urania Verlag Neuhausen (ISBN 3908646561).

Ziegler, Gert: Tarot – Spiegel der Seele. Handbuch zum Crowley-Tarot. Urania Verlags AG Neuhausen (ISBN 3908646111). Daneben weiterführende Bücher zum Tarot vom selben Autor.



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