Eileiterschwangerschaft

Mit einer Eileiterschwangerschaft umgehen

Eine Eileiterschwangerschaft (Tubargravidität) stellt mit 98 Prozent die häufigste Form einer Schwangerschaft außerhalb der Gebärmutter dar. Dabei nistet sich die befruchtete Eizelle in der Schleimhaut des Eileiters ein, da es ihr nicht gelingt, den Eileiter zu durchwandern. In den restlichen zwei Prozent der Fälle nistet sie sich im Gebärmutterhals, in der Bauchhöhle oder auf einem Eierstock ein. Das Risiko für eine Eileiterschwangerschaft liegt Schätzungen zufolge bei ein bis zwei Prozent. Mögliche Ursachen sind mechanische Hindernisse und funktionelle Störungen, die die Wanderung der Eizelle zur Gebärmutter beeinträchtigen, sowie bestimmte Vorerkrankungen.

Eine Eileiterschwangerschaft ist eine akute Erkrankung, die unbehandelt lebensbedrohend werden kann. Viele Betroffene fürchten die Folgen, die in der Vergangenheit oft lauteten: Operation und Unfruchtbarkeit. Bereits im frühen Mittelalter war die Eileiterschwangerschaft bekannt und gefürchtet und am Ende des 19. Jahrhunderts war sie eine der häufigsten Todesursachen für junge schwangere Frauen. Doch die Lage hat sich geändert: Mithilfe moderner Untersuchungsmethoden lässt sich die Eileiterschwangerschaft bereits in einem frühen, noch ungefährlichen Stadium diagnostizieren. Mit den aktuellen Therapiemöglichkeiten können betroffene Frauen nicht nur auf eine Operation verzichten, sondern in der Zukunft auch Kinder bekommen. urbia klärt auf.

Illustration Eileiterschwangerschaft
Foto: © Henrie - Fotolia.com

Wie entsteht eine Eileiterschwangerschaft?

Normalerweise gelangt die Eizelle nach dem Eisprung in den Eileiter. Dort wird sie befruchtet und von feinen, beweglichen Härchen in die Gebärmutter befördert. Doch auf dieser Reise kann es zu Komplikationen kommen: Das Ei verhakt sich, weil die Flimmerhärchen im Eileiter beschädigt sind, und verbleibt im Eileiter oder es verirrt sich in den Gebärmutterhals oder die Bauchhöhle. Im schlimmsten Fall kann eine solche Schwangerschaft lebensgefährlich werden. Verschiedene Ursachen können verantwortlich sein. Einige Frauen werden zum Beispiel mit verlängerten Eileitern geboren, die Eileiterschwangerschaften begünstigen, da sich die Eizelle immer dort einnistet, wo sie sich am sechsten oder siebten Tag nach der Befruchtung befindet. Eine Eileiterschwangerschaft kann aber auch die Folge vorangegangener Eileiterentzündungen sein, die von Bakterien wie Chlamydien hervorgerufen werden. Diese können die Eileiter verkleben und so die befruchtete Eizelle in ihrer Wanderung behindern. Auch die  Spirale kann solche Entzündungen verursachen.

Außerdem können vorherige Operationen an den Eileitern Vernarbungen zurücklassen, welche die Eileiterdurchlässigkeit beeinträchtigen. Ebenso stellen Frauen nach einer künstlichen Befruchtung, einer Sterilisation oder einer Operation am Unterbauch eine Risikogruppe dar. Grundsätzlich steigt die Wahrscheinlichkeit für eine Eileiterschwangerschaft nach jeder vorausgegangenen Eileiterschwangerschaft weiter an und auch vorherige  Schwangerschaftsabbrüche erhöhen das Risiko.

Warnsignale für eine Eileiterschwangerschaft

Zu Beginn zeigt eine Eileiterschwangerschaft dieselben Symptome wie eine normale Schwangerschaft: Die Regel bleibt aus und der Schwangerschaftstest zeigt ein positives Ergebnis an. Zwischen der sechsten und der neunten Schwangerschaftswoche treten dann aber häufig Blutungen sowie starke  Unterleibsschmerzen auf, die meist einseitig sind. Die Blutungen sind entweder heller und schwächer oder sehr dunkel, manchmal auch wässrig. Manche Frauen vergleichen sie mit Pflaumensaft. Auch leichtes Fieber, eine berührungsempfindliche Bauchdecke oder Schmerzen im Schulterbereich sind mögliche Warnzeichen. Wird die Eileiterschwangerschaft nicht im Frühstadium erkannt, besteht die Gefahr, dass sich der Eileiter durch den wachsenden  Embryo stark spannt und schließlich reißt, was zu lebensgefährlichen inneren Blutungen führt. In diesem Fall macht sich eine Eileiterschwangerschaft durch folgende Symptome bemerkbar:

  • Plötzliche starke Schmerzen im gesamten Unterleib
  • Schweißausbrüche, Schwächegefühle oder Schwindel
  • Zusammenbruch oder Schock als Auswirkung der schweren inneren Blutungen
  • Schmerzhafter Stuhlgang oder Durchfall
  • Schulterschmerzen als Folge einer Reizung des Zwerchfells – der Schmerz verschlimmert sich, wenn die Betroffene sich hinlegt

Stellt eine schwangere Frau diese Symptome bei sich fest, sollte sie so schnell wie möglich in ein Krankenhaus gebracht werden.

Wie stellt der Arzt eine Eileiterschwangerschaft fest?

Ein Schwangerschaftstest aus der Apotheke gibt keine Hinweise auf den Ort der Schwangerschaft, er weist lediglich das Schwangerschaftshormon HCG im Urin nach. Da bei einer Eileiterschwangerschaft die  Symptome außerdem mit denen einer normalen Schwangerschaft weitgehend übereinstimmen, ergibt sich ein Verdacht häufig erst in der Arztpraxis. Der Eileiter bereitet bei einer Eileiterschwangerschaft gelegentlich Schmerzen und der Arzt stellt an der betroffenen Stelle eine Schwellung fest. Auch der Gebärmutterhals reagiert empfindlich auf Berührungen. Konkrete Hinweise auf eine Tubargravidität liefert der Verlauf der HCG-Konzentration im Blut, die über mehrere Tage gemessen wird – in diesem Fall nimmt sie nur langsam zu, verändert sich oder fällt sogar ab, anstatt wie bei einer normalen Schwangerschaft schnell anzusteigen. Eine  Ultraschalluntersuchung gibt dem Arzt Aufschluss über den genauen Sitz der Eileiterschwangerschaft. Meist ist die Gebärmutter leer, was aber kein sicheres Indiz für eine Tubargravidität ist. Auch bei einer sehr frühen Schwangerschaft ist in der Gebärmutter oft noch nichts erkennbar, ebenso bei einer Fehlgeburt, wenn das befruchtete Ei bereits ausgestoßen wurde. Konnte eine Eileiterschwangerschaft trotz Schmerzen nicht sicher diagnostiziert werden, wird der Arzt eine Bauchspiegelung durchführen, da es sich dann um eine Bauchhöhlenschwangerschaft handeln könnte.

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Behandlung einer Eileiterschwangerschaft

Die Behandlung einer Eileiterschwangerschaft lässt sich grob in drei Bereiche einteilen: Operation, Medikamente oder Abwarten. Die gewählte Methode ist abhängig vom bestehenden Kinderwunsch der Frau, ihrem seelischen Zustand und den Untersuchungsergebnissen. Bei einer Operation wird die falsch eingenistete Frucht entfernt. Besteht ein Kinderwunsch, versucht der Arzt den betroffenen Eileiter zu erhalten und die Eileiterschwangerschaft über einen kleinen Schnitt im Eileiter zu entfernen oder über die Öffnung des Eileiters abzusaugen. Ist der Eileiter jedoch zu stark beschädigt oder schon geplatzt, muss er vollständig entfernt werden.

Verursacht die Eileiterschwangerschaft noch keine Beschwerden, ist manchmal auch eine ausschließlich medikamentöse Therapie möglich. Durch die Verabreichung des Zellgifts Methotrexat (MTX) wird das Fortschreiten der Schwangerschaft verhindert. Es wird als Infusion intravenös oder in die Muskulatur gespritzt. Um bei dieser Therapie möglichen Fehlbildungen bei einer erneuten Schwangerschaft vorzubeugen, wird empfohlen, in den sechs bis zwölf Monaten nach der Therapie zu verhüten. Es gibt auch Fälle, in denen die Eileiterschwangerschaft ohne Eingreifen abgestoßen wird. Bei sehr früher Diagnose kann man unter strenger ärztlicher Kontrolle den natürlichen Abgang abwarten. Diese Therapie wird jedoch selten gewählt, da eine Eileiterschwangerschaft häufig Schmerzen verursacht und die Gefahr zu groß ist, dass Komplikationen für die Frau auftreten.

Wie geht es nach einer Eileiterschwangerschaft weiter?

Die gute Nachricht ist: Etwa sechs von zehn Frauen können nach einer Eileiterschwangerschaft wieder empfangen und haben innerhalb von 18 Monaten eine erneute, diesmal erfolgreiche Schwangerschaft. Bei unbeschädigten Eileitern bleibt die Chance auf eine Schwangerschaft unverändert. Das Risiko für eine erneute Eileiterschwangerschaft kann nicht verallgemeinert werden, da es von den entstandenen Schäden und den individuellen Bedingungen abhängt, es wird aber bei zehn bis fünfzehn Prozent angesetzt.  Gynäkologen raten Frauen, die sich einer Bauchspiegelung unterzogen haben, drei bis vier Monate mit den nächsten Versuchen zu warten. Im Falle einer Bauchoperation sollten etwa sechs Monate vergehen, bis alle Narben verheilt sind. Frauen sollten nach dem positiven Schwangerschaftstest auf frühe Warnsignale achten und regelmäßig ihren Frauenarzt aufsuchen.


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