Ursache von Schmerzen und Unfruchtbarkeit
Endometriose erkennen und behandeln
Wohl jede zehnte Frau im gebärfähigen Alter ist betroffen, gut die Hälfte von ihnen leidet unter Regel- und anderen Schmerzen, bei bis zu 50 Prozent der unerfüllten Kinderwünsche soll sie dahinter stecken: Endometriose. Was ist das für eine Erkrankung und was kann man dagegen tun?
Klassisches Kernmerkmal: starke, schmerzhafte Menstruation
Maries* Familienplanung war nach zwei Wunschkindern abgeschlossen, ihr Mann hatte sich sterilisieren lassen, damit sie keine Hormone mehr nehmen musste. Mit dem Absetzen der Pille aber kamen die Schmerzen. „Ich hatte Krämpfe im Unterleib, starke Regelblutungen, Probleme mit dem Stuhlgang und zum Teil konnte ich nicht stehen oder sitzen, weil ich so starken Druck im Unterleib hatte“, erzählt sie. „Immer, wenn die Blutung angefangen hat. Manchmal musste ich mich sogar krankschreiben lassen. Es war die Hölle.“ Carola hatte schon als Teenager starke Menstruationsschmerzen, Dana so schlimm, dass sie ohne Schmerzmittel nicht aufstehen konnte, dazu kamen Durchfälle und Krämpfe nach dem Wasserlassen. Ihr aller Problem: Endometriose.
Was ist Endometriose?
Hinter dem seltsamen Wort steckt ein nahezu mysteriöses Frauenleiden. Es entsteht, wenn sich Zellen der Gebärmutterschleimhaut (= Endometrium) in anderen Organen ansiedeln, gewöhnlich im Unterleib, selten weiter entfernt. Warum und wie die Zellen wandern, weiß man nicht, es gibt nur Theorien und die hohe Wahrscheinlichkeit einer genetischen Veranlagung. Was man aber weiß ist, dass die Zellen an ihrer neuen Stätte weiter ihrer ursprünglichen Aufgabe nachgehen: Zyklusgerecht verdicken sie unter Östrogeneinfluss vor dem Eisprung, bauen dann unter der Wirkung des Gelbkörperhormons wieder ab und bluten schließlich während der Menstruation. Nur dass Blut und Reste hier nicht abgestoßen werden, sondern sich stauen. Daraus entstehen Entzündungen und Verwachsungen. Und die verursachen – nicht zwingend, aber häufig – Schmerzen, regelmäßig mit der Monatsblutung oder sogar permanent, beim Stuhlgang, beim Sex, selbst in Rücken oder Beinen.
Symptome werden oft verkannt
Obwohl gutartig, mindern aktive Endometriosen Gesundheit und Wohlbefinden damit erheblich. Sind Fortpflanzungsorgane befallen, leidet überdies die Fruchtbarkeit.Nicht selten ist es deshalb ein unerfüllter Kinderwunsch, der überhaupt zur Diagnose führt. „Bei ausbleibender Schwangerschaft dauert es durchschnittlich zwei bis drei Jahre, bis Endometriose als Grund erkannt wird“, sagt Dr. Julia Bartley, Oberärztin und Leiterin des Endometriose-Zentrums an der Berliner Charité. „Gehen Frauen ‚nur’ wegen Regelschmerzen zum Arzt, sind es sechs Jahre. Schlicht, weil die Schmerzen nicht ernst genommen werden.“ Zwar ist Endometriose weder neu noch selten: Jährlich sollen 40.000 Fälle dazu kommen und bis zu 80 Prozent aller chronischen Unterbauchschmerzen damit zu erklären sein. Trotzdem (er)kennen viele Ärzte das Krankheitsbild nicht. Etliche Diagnosen werden nur zufällig bei anderen Operationen oder Bauchspiegelungen gestellt.
„Es hat sich niemand für meine Beschwerden interessiert, bis eine Zyste operiert werden musste“, erzählt Dana. „Dabei fand man Endometrioseherde in Darm und Becken, an Muttermund, Eierstöcken und Eileitern.“ Carola war 28, als Schmerzen außerhalb der Menstruation endlich den Befund brachten: „Ein Ultraschall zeigte im Bauchraum Flüssigkeit, die sich als Blut herausstellte. Bei einer Bauchspiegelung wurde eine Wucherung in Golfballgröße zwischen Gebärmutter und Blase entfernt.“







