Süße Verführung

Ernährung: Kinder essen zu viel Zucker

Die Vorliebe für Süßes wird uns in die Wiege gelegt, denn auch die Muttermilch schmeckt leicht süß. Gegen Zucker in Maßen ist nichts einzuwenden, doch verputzen Kinder oft zu viel davon. Lies, hinter welchen Zutaten sich Zucker verbirgt und wie du dein Kind daran gewöhst, weniger Zucker zu essen.

Autor: Dr. Andrea Schmelz
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Zucker = leere Kalorien

Junge Schokolade
Foto: © fotolia.com/ belamy

Wenn dein Kind ein Stück Obst isst, ist dort unbestritten etwas (Frucht-)Zucker drin, jedoch sind auch viele lebenswichtige Nährstoffe wie Vitamine, Mineralstoffe und so genannte sekundäre Pflanzenstoffe (z.B. Polyphenole) enthalten. Weil Obst durch den hohen Wassergehalt kalorienarm und daher figurfreundlich ist, ist es so gesund.

Zucker hingegen liefert außer einer geballten Ladung Energie (= Kalorien) keine wertvollen Inhaltsstoffe. In der heutigen Zeit, in der schon die Kleinsten zu wenig Bewegung haben, schlägt sich dieses Zuviel an Energie schnell auf den Hüften nieder und fördert  Übergewicht. Übergewicht wiederum ist ein bedeutsamer Risikofaktor für  Zuckerkrankheit, also Zucker bei Kindern.

Auch die Zähne reagieren sauer auf Zucker

Dass Zucker auch den Zähnen schadet, ist ja schon lange kein Geheimnis mehr. Aber wodurch kommt das? Zucker wird durch die Bakterien in der Mundhöhle verstoffwechselt und im Rahmen dieser „Verdauung“ zu Säure umgewandelt. Und die wiederum greift den Zahnschmelz an. Zwar können Mineralien aus dem Speichel Defekte im Zahnschmelz „reparieren“. Das funktioniert jedoch nur, wenn ausreichend Zeit zwischen den einzelnen „Säureattacken“ bleibt. Kinder, die ein Bonbon nach dem anderen lutschen oder ständig Säfte oder andere gesüßte Getränke nuckeln (aus Baby- oder auch Radlerflaschen), gönnen ihren Zähnen die dringend nötige Pause nicht und entwickeln schnell Karies.

Fertiglebensmittel: Mehr Zucker als man denkt!

Egal, ob du nun Müsli, Ketchup, irgendeinen „Fix-Beutel“ für eine Soße oder ein Wiener Würstchen kaufst, auf der Zutatenliste wirst du mit hoher Wahrscheinlichkeit Zucker entdecken, wenngleich die Hersteller ihn oft trickreich zu verstecken suchen – doch dazu gleich mehr!

In vielen Lebensmitteln – auch in als gesund geltenden! – ist eine ordentliche Portion Zucker versteckt, die gar nicht weiter auffällt, weil es sich ja nicht direkt um Süßigkeiten handelt. Einen Überblick gibt dir die folgende Tabelle. Besonders übersüßt sind meist Kinderlebensmittel, damit sie den Geschmacksvorlieben der Kleinen möglichst gut entsprechen.

Wie Zucker versteckt wird und wie du ihn vermeiden kannst

Wie Zucker auf der Zutatenliste trickreich versteckt wird

Wenn in einem Lebensmittel Zucker enthalten ist, steht leider nicht immer klar und deutlich Zucker drauf. Oft tauchen auf der Zutatenliste ganz andere Begriffe auf, die sich nicht auf den ersten Blick erkennen lassen. Achte auf alle Zutaten mit der Endung „-ose“! Dahinter verbirgt sich Zucker:

  • Saccharose: Haushaltszucker, Kristallzucker
  • Fructose: Fruchtzucker
  • Invertzuckersirup: Gemisch aus Saccharose und Fructose
  • Dextrose, Glucose: Traubenzucker
  • Glucosesirup: industriell aus Stärke (z.B. Mais-/Kartoffelstärke) hergestellt
  • Lactose: Milchzucker
  • Maltose: Malzzucker
  • Maltodextrin: eine Art vorverdaute (Mais)Stärke, die wenig süß schmeckt, im Körper jedoch rasch und vollständig zu Glucose abgebaut wird

Je weiter vorne der Zucker (in welcher Form auch immer) in der Zutatenliste auftaucht, umso mehr davon ist im Produkt enthalten. Um zu vermeiden, dass der Zucker weit vorne auf dem Etikett steht, süßen Hersteller ihre Produkte oft einfach mit mehreren verschiedenen Zuckerarten. Die verteilen sich dadurch besser und stehen weiter hinten, dann stechen sie weniger ins Auge.

Fruchtzucker keine gute Alternative

Bei Fruchtzucker (Fructose) denkt man gerne, er wäre gesünder und natürlicher als herkömmlicher Zucker. Ein findiger Hersteller von Kinderlebensmitteln umschrieb dies verkaufsfördernd als „gesunde Süße aus Früchten“. Doch gerade das ist Fruchtzucker nicht. Er heißt zwar so, weil er auch im Obst vorkommt, industriell wird jedoch Sirup aus Maisstärke hergestellt und mit Fructose angereichert. Da Fruchtzucker süßer ist als Haushaltszucker, wird er gerne Fertiglebensmitteln und Getränken zugesetzt.

Im Körper verhält sich Fructose ungünstig, weil sie direkt in Fett umgewandelt wird und so speziell bei Kindern schnell zu einer Fettleber führen kann. Die Fettleber ist einer der Wegbereiter für Zuckerkrankheit. Zudem löst der Verzehr von Fruchtzucker ein geringeres Sättigungsgefühl aus als dieselbe Menge herkömmlicher Zucker. So wird nach dem Verzehr Fruchtzucker-gesüßter Speisen und Getränke mehr gegessen, was wiederum Übergewicht fördert. 20 bis 30 Prozent der Bevölkerung bekommen sogar unmittelbare gesundheitliche Probleme durch Fruchtzucker, denn sie leiden unter einer Fruchtzucker-Unverträglichkeit und plagen sich nach dem Verzehr mit Bauchschmerzen, Blähungen und/oder Durchfällen herum.

Fructose in Lebensmitteln erkennst du in der Zutatenliste an den Begriffen: Fructose, Fruktose, Fruchtzucker, Maissirup, Glucose-Fructose-Sirup, Invertzuckersirup. Übrigens: Auch der ganz normale Haushaltszucker (Saccharose) besteht zu 50 Prozent aus Fructose, weil er Glucose und Fructose zu gleichen Teilen enthält!

Wie Süßes den Zähnen nicht schadet

Als Eltern wisst ihr, dass es nicht so einfach ist, kleine Naschkatzen von zu viel Süßem abzuhalten. Hier einige Tipps zum zahnfreundlichen Naschen:

  • Wenn schon Süßes, dann nicht häppchenweise über den Tag verteilt (sonst gibt es ständige Säureattacken auf die Zähne), sondern am besten die gesamte – möglichst moderate – Portion auf einmal. Danach sollte dein Kind gleich Zähne putzen gehen, damit Zuckerreste sofort entfernt werden.
  • Verzichte auf gesüßte Getränke aus der Nuckelflasche (auch bei größeren Kindern, die z.B. gerne aus Radlerflaschen trinken).
  • Du kannst Süßigkeiten mit dem „Zahnmännchen“ (lachender Zahn mit Schirm oben drüber) kaufen. Diese enthalten Zuckeraustauschstoffe, die weder Karies noch Säureschäden an der Zahnoberfläche verursachen. In größeren Mengen verzehrt, können sie allerdings zu  Durchfall führen. Am günstigsten für die Zähne ist übrigens Xylit, weil es Kariesbakterien sogar abtöten kann. Deswegen wird es Zahnpasten und Zahnpflegekaugummis zugesetzt.

So gewöhnst du dein Kind an weniger Süßigkeiten/Zucker

Es wird nicht von heute auf morgen funktionieren, doch akzeptieren Kinder mit der richtigen Strategie auch weniger süße Alternativen und weniger Naschereien:

  • Biete statt Süßem als Zwischenmahlzeit mundgerecht geschnittene Häppchen Obst oder – bei größeren Kindern, die sich nicht mehr so leicht verschlucken – auch Studentenfutter an.
  • Komme deinem Kind entgegen, indem du öfter mal eine süße Hauptmahlzeit mit Obst oder einen süßen Nachtisch (z.B. selbst zubereiteter Obstquark) anbietest.
  • Gehe es langsam an und gewöhne dein Kind schrittweise an einen weniger süßen Geschmack. Verzichte z.B. auf Fertigkuchen, sondern backe selbst und gib im Lauf der Zeit immer etwas weniger Zucker in den Teig. Meist lassen sich bis zu 20 oder 30 Prozent der im Rezept angegebenen Zuckermenge einsparen.
  • Verzichte auf Limonaden und andere industriell hergestellte Getränke. Gib Säfte nur mit mindestens der doppelten Menge Wasser verdünnt. Reduziere kontinuierlich die Menge an Zucker, die du in den Tee gibst.
  • Süße Frühstücksflocken und Müslis kannst du durch Zugabe von Haferflocken oder ungesüßtem, vollwertigem Müsli „entschärfen“.

Übersicht: Wie viel Zucker ist drin?

Angaben in Lebensmittel, Portionsgröße: Zucker in Gramm -  Würfelzucker-Stücken (ca. 3g)*

Frühstücksgetreidenahrungsmittel (Cerealien)

1 Portion gezuckerte Frühstücksflocken/ Knuspermüsli (30 g): bis 14g  - bis 5 Würfelzucker (WZ)
1 Portion Schokomüsli (30 g): 6g – 3 Stück WZ
1 Portion ungezuckerte Cornflakes (30 g): 3g – 1 WZ

Obstkonserven

Ananas aus der Dose, abgetropft (100 g): 20g – 7 WZ 

Pfirsich aus der Dose, abgetropft (100 g): 19g – 6 WZ

Getränke

1 Glas Traubensaft (200 ml):  36g – 12 WZ

1 Glas Apfelsaft (200 ml): 27g – 9 WZ

1 Glas Limonade (200 ml):  24g – 8 WZ

1 Glas fettarme Milch (200 ml) mit 3 Teelöffeln Instantkakao (z. B. Kaba): 22g – 7 WZ

1 Glas Cola (200 ml): 21g – 7 WZ

1 Glas Orangensaft (200 ml): 21g – 7 WZ 

1 Glas Eistee (200 ml): 19g – 6 WZ

Süßer Brotaufstrich

1 Portion Honig (20 g): 16g – 5 WZ

1 Portion Konfitüre (20 g): 14g – 5 WZ 

1 Portion Nuss-Nougat-Creme (20 g): 11g – 4 WZ

Produkte aus dem Kühlregal (vorwiegend Milchprodukte)

1 Becher Fruchtjoghurt (150 g): 24g – 8 WZ 

1 Becher Kinderjoghurt (125 g): 21g – 7 WZ

1 Becher Kinderquark (125 g): 15g – 5 WZ

1 kinder Milchschnitte (28 g): 10g – 3 WZ 

1 Schälchen süße Frischkäsezubereitung (z. B. Fruchtzwerge, 50 g): 8g – 3 WZ 

Süßigkeiten

20 Gummibärchen (ca. 40 g): 30g – 10 WZ

2 Riegel Vollmilchschokolade (ca. 33 g): 19g – 6WZ

1 Kugel Milch-Speiseeis (50 g): 10g – 3 WZ

Sonstiges

1 Müsli-Riegel (25 g): 12g – 4 WZ

1 Esslöffel Tomatenketchup (20 g): 6 g – 2 WZ

 

Anmerkung der Redaktion:

Die Verbraucherzentrale Bayern hat eine kostenlose App herausgebracht, die versteckten Zucker in Lebensmitteln aufdeckt.

Für iPhone und android.

 

 



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