Alternative Medizin

Homöopathie: Nutzen ohne Risiko?

Aberglaube oder Heilmittel? Kaum eine naturheilkundliche Therapieform wird so kontrovers und leidenschaftlich diskutiert wie die klassische Homöopathie.

von Gabriele Adolphi-Haas
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Homoeopathie Flaeschchen panther Stefan Lenz
Foto: © Panthermedia, Stefan Lenz

Was genau Homöopathie eigentlich ist

Aberglaube, Scharlatanerie, wissenschaftlich nicht beweisbar, also wirkungslos, so urteilen viele Schulmediziner. Ganzheitliche, sanfte, dauerhafte Heilung ohne schädliche Nebenwirkung versprechen Homöopathen und bestätigen zufriedene Patienten.

Was genau versteht man unter Homöopathie?

Homöopathie, von griechisch homoion = ähnlich und pathos = leiden ist zunächst einmal ein uralter Grundsatz der Medizin, der schon von Hippokrates erwähnt und vor 200 Jahren vom deutschen Arzt und Chemiker Samuel Hahnemann wieder entdeckt und fortentwickelt wurde. Ähnliches soll mit Ähnlichem geheilt werden, so lautet das wichtigste Grundprinzip der Homöopathie!

Das Prinzip der Ähnlichkeit kennen wir alle: Erfrierungen werden am wirkungsvollsten mit kalten Abreibungen, nicht etwa mit Wärme, behandelt und Bewohner heißer Länder trinken zur Löschung ihres Durstes heißen Tee und nicht eiskalte Getränke. In diesem Sinn behandelt ein Homöopath beispielsweise einen fiebernden Patienten mit einem Arzneimittel, das in der Lage ist, bei gesunden Menschen die Körpertemperatur zu erhöhen. Die Schulmedizin dagegen arbeitet nach dem Prinzip der Gegensätzlichkeit. Hier wird Fieber mit fiebersenkenden oder Bluthochdruck mit blutdrucksenkenden Arzneien bekämpft.

Ganzheitliche Heilmethode

Homöopathie ist eine ganzheitliche Heilmethode, denn sie berücksichtigt gleichermaßen die körperlichen, seelischen und geistigen Eigenarten und Ausdrucksformen eines Menschen. Sie heilt kranke Menschen, nicht einzelne Krankheiten. Ein Mensch ist mehr als die Summe einzelner Teile und keine Maschine. Alle Lebensprozesse unterstehen einer Kraft, die materiell nicht messbar ist. Hahnemann nannte sie die Lebenskraft. Der Mensch erkrankt, wenn seine Lebenskraft durch innere Einflüsse, z. B. anhaltende psychische Belastung oder durch äußere Einflüsse, z.B. Unterkühlung, gestört wird. Die individuellen Beschwerden, die er entwickelt, sind ein Versuch des Abwehrmechanismus´ den Organismus bestmöglich zu schützen. Aus homöopathischer Sicht liegt die Ursache einer Krankheit in einer energetischen Störung.

Im Gegensatz zu dieser Auffassung betrachtet die Schulmedizin eine Krankheit als materiell messbare Fehlfunktion eines speziellen Teils des Organismus, die therapiert werden muss. Aber ein Symptom verschwinden zu lassen, so argumentieren die Homöopathen, ist wie das Entfernen einer Warnlampe, die fehlendes Motoröl anzeigt.

Heilung berührt die Lebenskraft

Echte Heilung muss am Zentrum der Störung ansetzen, also die Lebenskraft berühren. Zu diesem Zweck verordnet ein klassisch arbeitender Homöopath immer nur ein Arzneimittel, das genau nach den individuellen Symptomen, Vorlieben und Abneigungen des Patienten ausgesucht wird und somit dem kranken Menschen am ähnlichsten ist. Fünf Patienten mit chronischen Hautausschlägen verlassen die Praxis eines Homöopathen unter Umständen mit jeweils einem anderen, individuell passenden Mittel. Die Schulmedizin verordnet dagegen nach einem festen Schema.

Das Geheimnis homöopathischer Arzneimittel

Homöopathische Arzneimittel stammen aus allen Bereichen der Natur: aus der Pflanzenwelt (z.B. Rittersporn), aus Mineralien (z.B. Eisen) oder aus dem Tierreich (z.B. Biene). Sie werden stufenweise verdünnt und in einer bestimmten Art "verschüttelt" (=potenziert). So entfalten sie ihre energetische Wirkung, mit der sie auf die Lebenskraft einwirken. In einer homöopathischen "Hochpotenz" ist kein einziges Molekül der Ausgangssubstanz mehr enthalten. Spätestens an diesem Punkt wollen Schulmediziner nicht mehr folgen und ziehen die Arbeit eines Homöopathen oft ins Lächerliche. Tatsächlich ist die Wirkung einer Hochpotenz bisher wissenschaftlich nicht beweisbar. Für chronisch kranke Patienten, die nach jahrelanger Odyssee durch Homöopathie geheilt wurden, ist dies ohnehin eine nebensächliche, akademische Frage. Für sie gilt: Wer heilt, hat Recht.

Homöopathische Mittel wirken, indem sie die Selbstheilungskraft eines Menschen aktivieren und stärken. Prinzipiell sind alle Erkrankungen homöopathisch heilbar, die der Selbstheilungskraft zugänglich sind. Die Grenzen der Homöopathie sind dort erreicht, wo organische Veränderungen zu weit fortgeschritten sind. Bei akuten Erkrankungen wirkt Homöopathie oft verblüffend schnell. Kleinere Infekte oder Verletzungen können nach Anleitung auch vom Laien behandelt werden.

Homöopathie ist aber keine Wundermedizin. Eine wichtige Voraussetzung für eine erfolgreiche Behandlung vor allem von chronischen Krankheiten ist die Bereitschaft des Patienten, an seiner Heilung mitzuarbeiten, sich genau zu beobachten und gegebenenfalls auch bestimmte Beschwerden zu durchleben, ohne gleich alles "weghaben" zu wollen. Nach einem gelungenen Heilungsprozess sind nicht nur die vordergründigen Beschwerden verschwunden, sondern der Mensch wird sein Leben ausgeglichener und voller Energie meistern können.

Weitere Informationen gibt es außerdem beim Deutschen Zentralverein homöopathischer Ärzte unter www.welt-der-homoeopathie.de.