Von Anfang an wichtig

10 wichtige Fakten zur Pflege von Kinderzähnen

Das Zähneputzen gehört weder bei Kindern noch bei den unterstützenden Eltern zu Lieblingsbeschäftigung. Dabei ist es so wichtig! Wir erklären, wie Karies entsteht, wie du am besten putzt und was für die Zähne deiner Kinder außerdem wichtig ist.

Autor: Gabriele Möller
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Karies ist eine Infektionskrankheit

Zahnpflege Kinder
Foto: © colourbox

Karies ist die am weitesten verbreitete, ansteckende Infektionskrankheit: Mehr als 95 Prozent aller Erwachsenen sind betroffen. Und auch bei Kindern ist die Infektionsrate hoch. Sie stecken sich oft schon als Baby damit an, und zwar meist über die Eltern: wenn diese mit dem Mund die Temperatur des Fläschchens testen, den heruntergefallenen Schnuller ablecken, bevor sie ihn dem Kind zurückgeben, den Brei fürs Baby vorkosten oder es auf den Mund küssen. Ein Kind, das sich schon sehr früh mit Karieserregern ansteckt, hat ein hohes Risiko, schon mit unter fünf Jahren die ersten Löcher in den Zähnen zu bekommen (89 %).

 

Zucker löst keine Karies aus

Zucker und Süßigkeiten selbst lösen keine Karies aus. Sie dienen lediglich als Futter für die Kariesbakterien, die den Zucker beim Verdauen in Säure umwandeln. Und die ist der Übeltäter, der den Zahnschmelz angreift und "Löcher" verursacht. Geschieht so ein Säureangriff nur selten, kann der Speichel die Säure rechtzeitig wieder neutralisieren. Zahnärzte erklären deshalb: Nicht die Menge des Zuckers ist entscheidend, sondern die Häufigkeit der Zuckeraufnahme. Ein Kind, das ein Mal am Tag einen Schokoriegel bekommt, ist also weniger gefährdet, als eines, das mehrmals täglich einen Butterkeks isst, oder gern ausgiebig an seinem Fläschchen mit gesüßtem Tee nuckelt.

Fluortabletten fürs Baby - eine Streitfrage

Sowohl Zahnärzte als auch Kinderärzte sind sich einig: Fluorid hilft den Zähnen, härtende Mineralien einzulagern und sich so besser vor Karies zu schützen. Uneinig sind sich beide Gruppen aber, ob Säuglinge und Kleinkinder Fluortabletten einnehmen sollten. Zahnarztverbände erklären, die äußerliche Gabe von Fluorid durch Kinderzahncremes reiche völlig aus. Kinderärzte empfehlen dagegen für Säuglinge und Kinder bis drei Jahre eine Fluoridgabe von 0,25 mg täglich in Tablettenform. Nur so sei eine ausreichende Versorgung mit Fluorid gewährleistet. Eltern müssen also (evt. in Absprache mit ihrem Zahn- oder Kinderarzt) selbst entscheiden, welchen Weg sie gehen möchten. Entscheiden sie sich für eine Tablettengabe, müssen sie die Zähne des Kindes mit einer fluoridfreien Zahncreme putzen und dürfen beim Kochen kein fluoridiertes Speisesalz verwenden, um eine Überdosierung zu vermeiden.


Milchzähne brauchen nicht weniger Pflege als bleibende!

Manche Eltern glauben, Milchzahnpflege sei nicht ganz so wichtig, weil die ersten Zähne sowieso nicht bleiben. Doch Milchzähne, die von Karies befallen sind, faulen besonders schnell, weil ihr Schmelz recht weich ist. Es gibt sogar kleine Kinder, die Prothesen tragen müssen, weil ihnen der Zahnarzt alle zerstörten Milchzähne entfernen musste. Außerdem stecken von Karies befallene Milchzähne leicht die nachkommenden bleibenden Zähne an. Deshalb empfehlen Zahnärzte, schon  ab dem allerersten Milchzahn konsequent zu putzen. Im ersten Lebensjahr sollten die Zähne mindestens ein Mal täglich mit einer erbsengroßen Menge Zahncreme gereinigt werden. Die ersten Einzelzähne beim Baby kann man dabei auch mit einem Tuch vorn und hinten abreiben. Ab dem ersten Geburtstag sollte zweimal täglich geputzt werden.

Die richtige Putztechnik: "KAI" macht weiße Zähne!

Um sich die richtige Reihenfolge beim Zähneputzen zu merken, empfehlen Zahnärzte eine Eselsbrücke: die Abkürzung KAI. Sie steht für Kauflächen, Außenflächen, Innenflächen. Beim Putzen der Kinderzähne beginnt man am besten bei den oberen Zähnen, solange die Zahnpasta noch fest ist und daher nicht herunter tropft. Danach werden die unteren Zähne geputzt. Zahnärzte erläutern: Die beste Putzbewegung ist eine auf der Stelle rüttelnde, bei der die Bürste leicht schräg am Zahnfleischrand angesetzt wird. Für Kinder, die schon selbst putzen, wird eine Kreisbewegung empfohlen, sie ist leichter auszuführen. Wichtig ist, mit nur leichtem Druck zu putzen, kräftiges Schrubben reizt das empfindliche Zahnfleisch.

Zähne putzen - bis ins Schulalter nur in Teamwork!

Erste Putzversuche sollte ein Kind machen dürfen, sobald es dies möchte. Denn Selbermachen macht stolz und kann der gefürchteten Zahnputz-Verweigerung der Jüngsten vorbeugen. Kindergartenkinder ab drei können schon die Kauflächen putzen, später schaffen sie auch kreisende Putzbewegungen an den Außenflächen (oben und unten gleichzeitig bei geschlossenem Biss), und erst um das Vorschulalter herum auch die Innenseiten. Bis zum Schulalter sollten Eltern das Reinigungswerk anschließend immer noch selbst vollenden. Zahnärzte geben den Tipp, so lange nachzuputzen, bis das Kind flüssig schreiben kann (etwa im 2. Schuljahr). Denn dann ist seine Motorik ausgereift genug, um auch die Zähne mit der KAI-Technik systematisch zu putzen.

Wenn das Kind nicht Zähne putzen will

Die Zahnputzzeit ist in vielen Familien zuverlässig der Startschuss für Stress mit dem Nachwuchs. Besser als Schimpfen und Zwang hilft Ablenkung: eine Handpuppe überziehen und sie die Zähnchen des Kindes putzen lassen, während sie sich mit verstellter Stimme mit dem Nachwuchs unterhält (kleine Kinder vergessen bei sprechenden Figuren schon nach Augenblicken, das diese nicht echt sind). Auch Ablenkung mit Alltagsgegenständen, die das Kind normalerweise nicht haben darf, funktioniert oft gut (Autoschlüssel, altes Handy zum Knöpfedrücken). Das Kind  sollte sich die Kinderzahnbürste selbst aussuchen dürfen, auch das erhöht die Motivation. Ab etwa vier Jahren kann ein Kind auch eine elektrische Zahnbürste halten, was den meisten Kindern viel mehr Spaß macht als eine Handzahnbürste. Es gibt extra weiche Aufsätze und Modelle mit Kindermotiven.

Offener Biss durch Daumen oder Schnuller

Liebt das Kind seinen Daumen oder Schnuller zu sehr, kann es einen sogenannten "lutschoffenen Biss" entwickeln: obere und untere Schneidezahnreine schließen sich nicht, wenn es zubeißt. Das hat viele Nachteile: Das Kind kann schlecht abbeißen, es entwickelt oft ein Lispeln, weil manche Laute ein Schließen der Schneidezähne erfordern, und es atmet lieber durch den Mund anstatt durch die Nase, was Infekte begünstigt. Hört das Kind bis zum Alter von etwa zwei Jahren mit dem Dauernuckeln auf, kann sich die Kiefer-Fehlstellung oft noch von selbst zurückbilden. Deshalb empfehlen Zahnärzte, Kinder mit zwei Jahren oder früher vom Schnullern zu entwöhnen.

Schon mit Milchzähnen das erste Mal zum Zahnarzt

Es macht Sinn, schon mit Durchbruch der ersten Milchzähne mit dem Kind das erste Mal zum Zahnarzt zu gehen. Er berät zu den jetzt auftretenden Fragen in Sachen Zahnpflege oder Fluoridierung. Spätestens aber, wenn alle Milchzähne da sind, also im Alter von zwei bis drei Jahren, sollten Eltern mit dem Nachwuchs regelmäßig zur Kontrolle gehen. Wem an den Zähnen schon vorher etwas auffällt (z. B. ein weißer Fleck, eine dunkle Stelle), der sollte natürlich sofort einen Termin ausmachen. 

Am besten ist es, wenn der erste Besuch beim Zahnarzt nicht als etwas Besonderes angekündigt wird. So bekommt der Gang in die Praxis etwas Selbstverständliches. Idealerweise war das Kind auch schon ein paarmal dabei, wenn die Eltern selbst zum Zahnarzt gingen. Wer eine in erreichbarer Nähe hat, sollte eine spezielle Kinder-Zahnarztpraxis wählen. Dort hat man Erfahrung mit der Behandlung von Kindern, nimmt sich viel Zeit und kann auch eventuelle Ängste beruhigen.

Bei tiefem Rillen sollten die Zähne versiegelt werden

Wenn der Zahnarzt feststellt, dass ein Kind recht tiefe Rillen (Fissuren) in den bleibenden Backenzähnen hat, sollten diese versiegelt werden. Denn in solche Rillen kommt die Zahnbürste nicht hinein, Bakterien fühlen sich wohl und verursachen schnell Zahnfäule. Man kann mit der Versiegelung beginnen, sobald die ersten bleibenden Backenzähne da sind. Hierbei wird die Kaufläche leicht aufgeraut und mit Kunststoff ausgegossen. Diese Schutzschicht muss nach einigen Jahren erneuert werden, den Zeitpunkt bestimmt der Abnutzungsgrad. Die Kosten für die Versiegelung der bleibenden großen Backenzähne übernehmen die Gesetzlichen Krankenkassen. Wer auch die (davor liegenden) kleinen Backenzähne, oder auch schon die Milch-Backenzähne versiegeln lassen möchte, muss dies selbst bezahlen.


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