ADHS

ADHS – der Zappelphilipp und der Träumer

Toben, necken, lachen, schreien – das gehört zum Kindsein einfach dazu. Einige Kinder gehen dabei mit weit mehr Energie durch den Alltag als ihre Altersgenossen. Manchmal bilden Konzentrationsschwäche, unkontrollierbarer Bewegungsdrang und Impulsivität eine starke Symbiose. Früher sprach man im medizinischen Sinne von der Hyperkinetischen Störung. Heute verwendet man die Bezeichnung Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitäts-Syndrom – kurz ADHS. Welche Erscheinungsformen der sogenannte Flummi-Modus bei Kindern annimmt, welche Ursachen für ADHS verantwortlich sind und wie man es am effektivsten behandelt, erfahren Sie an dieser Stelle. urbia gibt Ihnen einen Überblick.

Ein allzu sprunghaftes Verhalten belastet sowohl das Kind selbst als auch seine Umgebung auf Dauer. Man schreibt ADHS drei wesentliche Hauptsymptome zu, von denen meist eines überwiegt: Unaufmerksamkeit, Hyperaktivität oder Impulsivität. Bei einem Großteil der Betroffenen besteht die Erkrankung im Kern aus einer ausgeprägten Konzentrationsschwäche, welche sich durch auffälligen Leistungsabfall in der Schule bemerkbar macht. Dieser wirkt sich fast immer auf die wichtigsten Lebensbereiche aus: Familie, Schule und Freunde. Das sprichwörtliche Wechselbad der Gefühle gehört für die Mehrheit der Kinder mit ADHS zum Alltag. Sie sind oftmals sehr empfindlich und in ihrer emotionalen Befindlichkeit stark eingeschränkt. Dies kann wiederum zusätzliche Probleme wie ein beeinträchtigtes Selbstwertgefühl, innere Unsicherheit oder erschwerte soziale Integrität verursachen. Ein häufiges Phänomen sehen Wissenschaftler in der Ausprägung von  Angststörungen und Depressionen in Folge von ADHS. Träumerisches Verhalten ist dabei manchmal ein typischer Nebeneffekt. Das Kind ist schwer ansprechbar und verliert sich in der eigenen Welt. Es führt bisweilen dazu, dass Eltern und Lehrer die ADHS-Störung erst lange nach Ausbruch wahrnehmen.

Wie entsteht ADHS?

Die Ursachen der Erkrankung liegen zum Teil noch immer im Dunkeln. Mittlerweile weiß man, dass reizoffene und impulsgesteuerte Menschen aus sehr verschiedenen Gründen an ADHS leiden. Bis vor zehn Jahren ging die Wissenschaft davon aus, es handele sich bei ADHS um eine Hirnschädigung. Man vermutete die Entstehung entweder durch Schwierigkeiten im Mutterleib während der Geburt oder einer Erkrankung der Mutter während der Schwangerschaft. Bei  Schreibabys vermutete man zudem ein erhöhtes Risiko für die spätere Ausprägung von ADHS.

 Seit einigen Jahren herrscht unter Ärzten überwiegend die Ansicht, dass die Ursache eher in einer herabgesetzten Hirndurchblutung zu finden ist. Eine gestörte Signalübermittlung in einzelnen Hirnarealen soll Schuld an der Konzentrationsschwäche sein. Vieles spricht demnach dafür, dass hier genetische Ursachen im Spiel sind. Bei einer beträchtlichen Zahl der Erkrankten zeigte mindestens ein Elternteil im eigenen Kindesalter ähnliche Symptome von Aufmerksamkeitsschwäche. Manche Ärzte gehen zudem von einer  veränderten Zeitwahrnehmung betroffener Kinder aus. In der Medizin hat sich die Ansicht etabliert, ADHS sei eine größtenteils neurologisch bedingte Erkrankung. Der Mangel an bestimmten Neurotransmittern, vorrangig Dopamin, bewirke einzelne Beeinträchtigungen.

Häufigkeit von ADHS

Experten korrigieren die Zahlen der als hyperaktiv diagnostizierten Menschen Jahr für Jahr nach oben. Mittlerweile hat man einen prozentualen Richtwert der Erkrankten ermittelt. Etwa fünf Prozent der Kinder und Jugendlichen sollen weltweit mit den Auswirkungen von ADHS zu kämpfen haben. Forscher nehmen an, dass Jungen etwa zwei bis viermal häufiger als Mädchen betroffen sind. Dabei fällt auf, dass bei bis zu 60 Prozent von ihnen die belastenden ADHS-Symptome im Erwachsenenalter fortbestehen. Etwa drei Prozent aller Erwachsenen sollen unter der Störung leiden.

ADHS – Beratung, Therapieansätze, Medizin

Ob Ihr Kind an ADHS leidet, klärt mit einem ADHS-Test im ersten Schritt der Experte. Ärzte sind sich uneinig, wenn es darum geht, die richtige Methode zu finden und ADHS gezielt zu bekämpfen. Ab wann eine Störung vorliegt, darüber streiten Mediziner und Fachleute bis heute. Die Erkrankung gilt zwar gemeinhin als unheilbar, aber die Aussichten, sie erfolgreich in den Griff zu bekommen, sind vielversprechend. Geeignete Beratungen und Therapiemöglichkeiten verbessern das Wohlbefinden des betroffenen Kindes erheblich und nachhaltig. Welche die geeignetste Methode ist, entscheidet das im Einzelfall ausgearbeitete Therapiekonzept. Der erste sinnvolle Schritt ist der Besuch beim Kinderarzt. Er kann am ehesten abschätzen, mit welcher Behandlung Sie und Ihr Kind gut beraten sind.

 Oft gehören zu einer heilsamen Methode zahlreiche Gespräche mit Eltern oder anderen wichtigen Bezugspersonen. Mitunter eignen sich für den Anfang Entspannungsübungen für das Kind. In Frage kommt darüber hinaus eine Verhaltenstherapie des Kindes oder der ganzen Familie. Sie kann aus einem sozialen Kompetenztraining bestehen. Das Kind lernt dabei vor allem, in der Gruppe besser zu agieren. Hilfreich ist genauso ein Selbstinstruktionstraining. Damit lernt es, das eigene Verhalten gezielter zu steuern – indem es sich selbst wichtige Regeln und Wünsche aufsagt.

 Eine Behandlung mithilfe von Medikamenten sollte erst am Schluss stehen, rät das Bundesministerium für Gesundheit. Mitunter ist sie jedoch unerlässlich. Wird ein zuständiger Facharzt aufgesucht, kann dieser Eltern und Kind im Fall der Fälle weiterhelfen. Wenn der Zugang zu anderen Konzepten der Behandlung unmöglich erscheint, steht diese Tür offen. Methylphenidat kennen viele Menschen in Deutschland unter dem Namen Ritalin. Laut der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) zeigt sich bei mehr als 80 Prozent der Kinder unter Einnahme der kleinen Tabletten oder Kapseln eine starke Verbesserung der Symptome. Allerdings ist die Einnahme von Ritalin auch umstritten. Ein Blick auf den Beipackzettel macht schnell deutlich, warum: Bei falscher Anwendung kann Ritalin Depressionen, Unruhe oder Aggressivität noch verstärken oder gar auslösen. Nicht umsonst unterliegt der Wirkstoff Methylphenidat dem Betäubungsmittelgesetz. Eine aufmerksame medizinische Begleitung ist daher Grundvoraussetzung für eine medikamentöse Behandlung.

Woher nimmst du all die Ideen? ADHS als Stärke

Manche Menschen glänzen durch viel Phantasie und punkten in der richtigen Situation durch rasche Auffassungsgabe. Einmal motiviert, erfassen sie komplexe Sachverhalte in Windeseile. Wenn sie eine Aufgabe spannend finden und viel Freude daran entwickeln, können sie wahre Höchstleistungen erbringen. Hyperaktive Kinder zeichnen sich häufig durch große Kreativität aus. Lassen Sie Ihr Kind die eigenen Stärken entdecken. Vielen Eltern hilft es, sich vor Augen zu führen, dass ihr Sohn oder ihre Tochter eine Reihe an Beeinträchtigungen hat – aber ebenso eine Menge an Potenzial.


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