Kinderkrankheiten

Atemlose Kinder: Asthma

Immer mehr Kinder leiden an Asthma, doch über die Ursache gibt es bisher nur Vermutungen. Aber die moderne Medizin bietet gute Therapiemöglichkeiten an.

Autor: Andrea Lützenkirchen
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Asthma: Wenn die Kuscheltiere ins Gefrierfach müssen

Maedchen Asthmaspray
Foto: © iStockphoto.com/ aphrodite74

Das große Vorbild des siebenjährigen Leon ist Jan Ullrich. Denn wie Leon ist der siegreiche Rennradfahrer Asthmatiker. Als Leon vier Jahre alt war, diagnostizierte der Kinderarzt die Krankheit bei ihm. Allergisches Asthma bronchiale – das bedeutete mehrmaliges zehnminütiges Inhalieren am Tag. Das bedeutete besondere Matratzenüberzüge und Spezialstaubsauger und für die Kuscheltiere jeden Monat einen Aufenthalt im Gefrierschrank. So krempelte Leons Krankheit das Familienleben der Lotter-Schäfers erst einmal tüchtig um. Für seine Mutter Astrid und Leon begann außerdem eine Odyssee durch die Kölner Arztpraxen. Denn nicht jeder Kinderarzt ist vertraut mit der Behandlung von Lungenkrankheiten. Und ein Lungenfacharzt kennt sich nicht unbedingt mit den für Kinder geeigneten Medikamenten und ihrer Dosierung aus. Erst seitdem Leon in der Allergologischen Ambulanz des Kölner Kinderkrankenhauses behandelt wird, fühlen sich die Lotters gut aufgehoben. Zum Behandlungsplan gehört die gründliche Information der Familie über Leons Krankheit.

Was ist Asthma?

Die feinen Äste der Bronchien transportieren die Atemluft von der Luftröhre zur Lunge. Beim Asthma bronchiale verengen sich die Bronchien anfallsartig, die Bronchial-schleimhäute schwellen an und es wird zäher Schleim gebildet. Die freie Atmung ist behindert und beim Ausatmen entstehen pfeifende Geräusche. Hervorgerufen werden diese Symptome durch eine chronische Entzündung der Bronchialwand.

In schlimmen Fällen kommt es zu einem Asthmaanfall und großer Atemnot. Wer schon einmal einen Asthmaanfall hatte, weiß welche Todesängste aufsteigen, wenn man kaum noch Luft bekommt. Starke Asthmaanfälle können nur mit Hilfe von Medikamenten wieder abklingen, so dass jeder Asthmakranke stets ein Notfallspray dabei hat, dass er bei einem Anfall sofort inhalieren muss.

Die Mediziner unterscheiden zwischen Anstrengungsasthma, das bei körperlichen Belastungen auftritt und allergischem Asthma. Hierbei können Hausstaubmilben, Tierhaare, Schimmelpilze, Pollen und bestimmte Nahrungsmittel Asthma-Symptome auslösen. Nicht selten leiden Kinder sowohl an Anstrengungs- als auch an allergischem Asthma.

Häufigkeit der Krankheit nimmt stark zu

Die Zahl der an Asthma erkrankten Menschen hat in den letzten zwanzig Jahren weltweit stark zugenommen. Dabei ist die Asthma-Rate von Land zu Land sehr unterschiedlich. Eine Studie, bei der 460 000 Kinder zwischen 13 und 14 Jahren aus 56 Ländern befragt wurden, ergab, dass in Albanien und Griechenland (zwei bis 3,5 Prozent) die wenigsten Asthmafälle auftreten. Mit über 30 Prozent lagen Großbritannien, Neuseeland und Australien an der Spitze. In Deutschland klagten knapp 15 Prozent der befragten Kinder über Symptome.

1995 litt bei uns jedes zehnte sechsjährige Kind an Asthma, heute ist schon jeder achte Schulanfänger betroffen. Jungen erkranken doppelt so häufig wie Mädchen an Asthma, doch zwischen vierzehn und achtzehn Jahren verschwinden die Symptome bei der Hälfte der jungen Patienten.

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Übrigens: Hier gibt es eine Checkliste für Eltern von Kindern mit Asthma zur Vorbereitung auf den Kinderarztbesuch.

Keiner kennt die genaue Ursache

Moderner Lebensstil spielt eine wichtige Rolle

Bisher weiß niemand genau, weshalb immer mehr Menschen an Asthma erkranken. Studien ergaben aber, dass "nicht nur Umweltfaktoren wie Luftschadstoffe, sondern vor allem unsere veränderten Lebensgewohnheiten ursächlich sind", sagt Dr. Roland Wönne, Chefarzt am Clementin-Kinderhospital Frankfurt/Main. "Kinder spielen heute viel weniger in Dreck und Schlamm, stattdessen halten sie sich häufiger in geschlossenen Räumen auf."

Auch die Entwicklung von Allergien in den ostdeutschen Bundesländern vor und nach der Wende gibt zu denken. In der ehemaligen DDR litten deutlich weniger Menschen an Allergien als in Westdeutschland. Seit der Wende jedoch steigt die Allergierate überproportional und nähert sich den westlichen Zahlen an. Dies hängt vermutlich damit zusammen, dass Kinderkrippen im Osten seit 1989 an Bedeutung verloren haben. Denn Kinder, die schon früh in Krippen betreut werden, bekommen seltener Allergien als andere Kinder (Ärzte-Zeitung 5/2000). Auch Kinder mit vielen Geschwistern haben eine niedrigere Allergierate.

Die "Infektionshypothese"

Spielen im Dreck und der frühe Kontakt zu anderen Kindern und deren Infektionskrankheiten führen dazu, dass sich das Immunsystem mit zahlreichen Erregern auseinander setzen muss. Dieses "Training" beugt Allergien möglicherweise vor. Wissenschaftlich erwiesen ist die sogenannte "Infektionshypothese" allerdings noch nicht.
Erwiesen ist jedoch, dass Kinder, die auf einem Bauernhof aufwachsen, wesentlich seltener an Heuschnupfen oder Asthma erkranken. Dies ergab eine Studie, die Dr. Erika von Mutius vom Haunerschen Kinderspital in München bei 10.000 Schülern in der Oberpfalz und in Bayern durchführte.

Bausteine der Asthma-Therapie

Wird bei einem Kind allergisches Asthma festgestellt, sind zunächst Maßnahmen nötig, um eine allergen- und reizarme Umgebung zu schaffen.

  • In der Wohnung sollte nicht mehr geraucht werden.
  • Entfernen Sie möglichst alle Teppiche.
  • Schaffen Sie für Ihr Kind synthetische, allergikergerechte Bettwaren sowie eine Schaumstoffmatratze an.
  • Haustiere sind außer Fischen und Schildkröten nicht erlaubt (Meerschweinchen sind übrigens besonders allergieauslösend).
  • Erwarten Sie ein weiteres Kind, sollten Sie versuchen, es vier bis sechs Monate zu stillen.

Weitere wichtige Hinweise erhalten Sie bei der Elternselbsthilfegruppe Arbeitsgemeinschaft Allergiekrankes Kind.

Medikamente

"Anders als vor zwanzig Jahren stehen heute gute Medikamente für die Asthmatherapie zur Verfügung", meint Dr. Wönne. Bei leichtem bis mittleren Asthma werden vorbeugende, entzündungshemmende und bronchialerweiternde Medikamente verwandt. In schwereren Fällen müssen die Patienten Cortison inhalieren. Cortison wird relativ ungern verschrieben, denn bisher sind die Nebenwirkungen auf den kindlichen und noch wachsenden Organismus nicht ausreichend untersucht worden. So sollte die Dosierung gut abgestimmt sein auf den kleinen Patienten. "Bei den Medikamenten gilt: "So viel wie nötig, aber so wenig wie möglich", erklärt Dr. Wönne. Die Inhalation der Medikamente bietet den Vorteil, dass weniger Nebenwirkungen auftreten wie bei der Gabe von Spritzen oder Tabletten. Außerdem gelangen die Wirkstoffe direkt in die Bronchien, wo sie ja auch benötigt werden.

Asthma-Schulungen

Dritter Baustein der Asthma-Therapie ist die Asthmaschulung (Adressen durch den behandelnden Arzt und bei www.Asthmaschulung.de. Sie findet stationär in manchen Kliniken oder auch ambulant bei speziell ausgebildeten Asthmaberatern, Ärzten und Arzthelferinnen statt. In kleinen Gruppen lernen die Kinder in der Schulung mit ihrem Asthma bronchiale selbstbewußt und selbstständig umzugehen. Dazu gehören Informationen über die Krankheit, den Umgang mit den Medikamenten und das Verhalten im Notfall. Die Kinder erhalten Unterstützung bei der psychischen Bewältigung ihres Asthmas und lernen, ihren Körper verfeinert wahrzunehmen. Außerdem werden sie mit Entspannungsmethoden wie zum Beispiel dem Autogenen Training vertraut gemacht. Denn Kinder, die sich selbst aktiv entspannen können, benötigen eine geringere Medikamentendosis.
Auch eine Atemtherapie kann in Anspruch genommen werden, die die Beschwerden erleichtern hilft.


Asthma und Sport

Auf Sport sollte nicht verzichtet werden

Ein Ziel der Asthmatherapie ist es, dass die Kinder und Jugendlichen wie ihre gesunden Altersgenossen ganz normal an Spiel und Sport teilnehmen können. Bewegung und Sport sind gerade für asthmakranke Kinder sehr wichtig, damit sie sich normal entwickeln und ihre Ausdauer und Belastungsfähigkeit trainieren.
Doch welche Sportart ist die richtige für ein Kind, das Atemprobleme hat? "Geeignet sind alle Sportarten, die keinen Wettkampfcharakter haben", meint Dr. Wönne. "Besonders förderlich sind Ausdauersportarten wie Schwimmen, Radfahren, Rudern, Joggen und Skilanglauf. Schwimmen ist besonders günstig für Kinder, die vom Belastungsasthma betroffen sind." Wohl wegen der hohen Luftfeuchtigkeit besteht hierbei die geringste Gefahr eines Asthmaanfalls.

"Wenn Leon vom Schwimmen kommt, geht es ihm richtig gut", sagt auch Astrid Lotter. Außer der Bewegung im Wasser fährt er viel Fahrrad und neuerdings spielt er auch Tennis.
Dass Leon so aktiv sein kann hat viel dazu beigetragen, dass sich das Familienleben der Lotters trotz der chronischen Krankheit ihres Ältesten gut eingespielt hat. Leon atmet zweimal täglich ein Kortisonspray ein und überprüft morgens und abends seine Lungenfunktion mit einem kleinen Gerät. Das Notfall-Spray steckt er sich schon automatisch in die Tasche. "Man kann ganz gut damit leben", sagt Astrid Lotter.

Empfehlenswert:

Luftikids.de ist eine therapiebegleitende Online-Nachschulung für Kinder und Jugendliche mit Asthma bronchiale.

Sie planen mit Ihrem Kind einen Kinderarztbesuch wegen des Verdachts auf Asthma? Hier finden Sie eine Checkliste zur Vorbereitung.


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