'Moby Dick' macht Kinder schlank

Hier kriegen Kids ihr Fett weg

Eine Ärztin schlägt Alarm und entwickelt auch gleich ein Progamm für übergewichtige Kinder: mit "Moby Dick" lernen Kinder, sich gesund zu ernähren.

Autor: Gabriele Möller
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Kinder werden immer dicker

Junge Uebergewicht Obst iStock Thomas EyeDesign
Foto: © iStockphoto.com/ Thomas_EyeDesign

Der wird immer größer. Als die Schulärztin Dr. Christiane Petersen dies feststellte, verharrte sie nicht in erschrecktem Entsetzen, sondern beschloss, daran etwas zu ändern. In Zusammenarbeit mit Behörden, Schulen, Ärztekollegen und Sportvereinen entwickelte sie kurzerhand ein Hilfsprogramm für übergewichtige Kinder, dem sie den frechen Namen Moby Dick verlieh. Das Konzept der Hamburger Ärztin, die seit 15 Jahren Schulkinder auf Herz und Nieren untersucht, setzt dabei nicht so sehr auf rasches Abnehmen, als vielmehr auf den Langzeiterfolg. Denn Diäten oder Abmagerungskuren, die ja das Essverhalten der Familie, die Lebensweise und andere Ursachen für das Übergewicht nicht einbeziehen, haben keine Wirkung: Anschließend kocht Mutti oft genauso weiter, wie zuvor, die Probleme sind noch da, die Antriebslosigkeit bleibt und das Kind wird sogar oft noch dicker als vorher. „Der Teufelskreis Frust, Essen aus Frust, Gewichtszunahme, soziale Isolation, Frust usw. ist wieder in Gang“, so Petersen.
Bei Moby Dick ist alles anders. Ein ganzes Jahr lang werden Kinder zwischen drei und 17 Jahren in allen entscheidenden Lebensbereichen begleitet, und auch die Eltern müssen ihre Hausaufgaben machen.
Dabei kommt dem Projekt zugute, dass übergewichtige Kinder in mancher Hinsicht leichter zu behandeln sind als dicke Erwachsene. Sie sind nicht nur weniger festgefahren in ihren Haltungen und Gewohnheiten. Sie haben noch einen ganz entscheidenden Vorteil: „Ich sage zu den Kindern immer, dass sie es viel besser haben, als die Großen. Denn sie brauchen nicht abnehmen, sondern nur ihr Gewicht halten. Den Rest erledigt das natürliche Körperwachstum“, berichtet Christiane Petersen. So gilt es denn bei Moby Dick auch als prima Erfolg und Grund für berechtigten Stolz, wenn ein Kind während der einjährigen Projektdauer nicht weiter zunimmt.

Fröhliches Toben ohne Hohn und Spott

Bei Moby Dick geht’s fröhlich zu. Fußball, Handball, Volley- oder Basketball – unter Anleitung eines erfahrenen Sportlehrers kommen die Kinder in zurzeit elf überschaubaren Gruppen mit zwölf bis 15 Gleichaltrigen wöchentlich anderthalb Stunden ins kontrollierte Schwitzen. Denn die Kids sollen weg von der Flimmerkiste und rein in Spiel und Sport gelockt werden. „Dabei ist es für viele das erste Mal, dass sie sich ohne die spöttischen Blicke und bösen Kommentare ihrer schlanken Mitschüler frei und ungezwungen bewegen können“, betont Dr. Petersen. Eine große Erleichterung, die Hemmungen auflöst und der Freude Platz macht. Und ein Faktor, der oft unterschätzt wird, wenn übergewichtigen Kindern allzu schnell der lapidare und wenig einfühlsame Rat gegeben wird, „dann beweg’ dich halt im Sportunterricht mehr“. Nach ausgiebigem Sport und Spiel geht’s dann raus aus den Turnklamotten, rein in die Schulküche und ran an die Töpfe. Gelernte Ernährungsspezialisten (Diplom-Ökotrophologen) probieren hier anderthalb Stunden lang zusammen mit den Kindern einfache Rezepte aus, die ebenso lecker wie kalorienarm sind. Und last but not least dient das wöchentliche Treffen auch, um das zum Teil verschüttete Selbstwertgefühl zu stärken, die eigene Kraft und Kreativität (wieder) zu entdecken und neue Freunde zu treffen.

Auch Eltern müssen umlernen

Alle vier bis sechs Wochen sind dann auch die Eltern dran: Körperfettmessungen, Ernährungsberatung und Tipps für geeignete Bewegungsmöglichkeiten auch für sie stehen dabei auf dem Programm. „Wichtig für den Erfolg ist, dass die ganze Familie ihre Ernährungsgewohnheiten umstellt“, so Petersen. Und so ist denn die regelmäßige Teilnahme der Erwachsenen an den Elternabenden zu Recht Voraussetzung für die Kostenerstattung (103 Euro monatlich), die immer mehr Krankenkassen für Moby Dick Teilnehmer anbieten. Da Übergewicht in manchen Fällen auch psychische oder familiäre Ursachen hat, arbeitet Moby Dick jedoch nicht nur mit Sporttrainern und Ökotrophologen, sondern auch mit einem Psychologen und einer Familienberaterin / Sozialpädagogin zusammen.
Der Erfolg gibt dem jungen Projekt Moby Dick schon zwei Jahre nach seiner Gründung Recht: In den drei Gruppen, die bisher das einjährige Programm komplett abgeschlossen haben, ist fast jedes Kind schlanker geworden – mit der guten Chance, dass dies auch so bleibt. Dr. Petersen und die Mitarbeiter haben ein Auge darauf, dass die Kinder auch nach Abschluss des Projekts in Sportvereinen fittnessmäßig am Ball bleiben. Um sie darin zu unterstützen, ist im Moment auch ein Moby Dick Club im Aufbau, in dem die ehemaligen Teilnehmer – Eltern und Kinder – sich in größeren Abständen treffen, um Erfahrungen auszutauschen und Gelerntes aufzufrischen.

Informationen
Das Projekt Moby Dick ist abgestimmt mit dem Deutschen Kinderärzteverband (Dr. Zinke), der Deutschen Adipositasgesellschaft und der AG Adipositas im Kinder- und Jugendalter (P.D. Dr. Wabitsch, Uniklinik Ulm). Daneben gibt es eine enge Kooperation mit niedergelassenen Kinderärzten, dem Sportinstitut der Uni Hamburg, dem Schulärztlichen Dienst, der Fachhochschule Hamburg sowie Sportvereinen.
Bisher gibt es Moby Dick nur in Hamburg. Im Raum Lübeck / Travemünde werden nach den Sommerferien mehrere Gruppen eröffnet. Kontakt: Dagmar Ulbricht, Telefon: 04502 / 777 333.

Behörden, Stiftungen, Vereine, Organisationen oder andere Interessenten, die das Konzept von Moby Dick auch in ihrer Heimatstadt umsetzen möchten, können das Projekt per Franchising-Vertrag auch in ihrer Nähe realisieren. Informationen gibt es bei Dr. Christiane Petersen, Präventionszentrum Hamburg, Lilienstraße 36, 20095 Hamburg, Telefon/Fax: 040-32 52 52 38.


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