Nicht immer ganz harmlos

Kinderkrankheiten: Masern, Scharlach, Röteln und Co

Kinderkrankheiten – das klingt nach ein bisschen Schnupfen, roten Pusteln, leichtem Fieber. Also ziemlich harmlos. Ganz so einfach ist es aber nicht. Infektionen wie Masern und Röteln, aber auch Scharlach und Hib bringen manchmal ernste Komplikationen mit sich. Lies hier, was du über die wichtigsten Kinderkrankheiten wissen sollten.

Autor: Sabine Ostmann
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Klassische Kinderkrankheiten sind hochansteckend

Kinderkrankheiten
Foto: © iStockphoto.com/ LeventKonuk

Dicke Backen, Hautausschläge, hohes Fieber – klarer Fall: Das können nur Röteln, Masern, Mumps oder Windpocken sein – die klassischen Kinderkrankheiten. Ihre Kennzeichen: Sie werden durch Viren verbreitet. Sie sind hochansteckend. Und sie treten überwiegend im Kindesalter auf. Letzteres gilt auch für einige Kinderkrankheiten wie Hib, Keuchhusten oder Scharlach, die nicht durch Viren, sondern durch Bakterien übertragen werden.

Infektionen mit Risiken

Um gleich mit ein paar verbreiteten Mythen aufzuräumen: Dass Kinderkrankheiten harmlos seien, ist ebenso falsch wie die Behauptung, dass Erwachsene sie nicht bekommen könnten. Bei ihnen nehmen die Erkrankungen oft sogar einen schwereren Verlauf. Noch ein Mythos, der nicht haltbar ist: Kinderkrankheiten stärken das Immunsystem, deshalb sei es gut, wenn der Nachwuchs sie durchmacht. Das glauben einer aktuellen Studie der Bundeszentrale für Gesundheitliche Aufklärung zufolge immer noch 68 Prozent aller Eltern. „Es stimmt zwar, dass Infekte generell das Immunsystem aufbauen“, meint dazu der Augsburger Kinderarzt Dr. Martin Lang. „Doch das leisten auch Impfungen und die vielen Erkältungen, die Kinder im Laufe der Jahre bekommen. Niemand sollte sein Kind den hohen Risiken einer Kinderkrankheit aussetzen.“

Die sind in der Tat beträchtlich: Bei Masern, Mumps und Co. können ernsthafte, mitunter sogar lebensgefährliche Komplikationen auftreten oder Organe dauerhaft geschädigt werden. Besonders gefährdet sind auch Schwangere: Erkrankt eine werdende Mutter an Röteln, besteht ein hohes Risiko, dass Gehirn, Augen und Ohren des ungeborenen Kindes schwer geschädigt werden. Auch Masern können Fehlgeburten auslösen.

Impfskepsis lässt manche Krankheiten zurückkehren

Aufgrund dieser Risiken haben sich Impfungen heute weitgehend durchgesetzt. Mit der Folge, dass viele Kinderkrankheiten, etwa die früher berüchtigten Masern-Epidemien, heute deutlich seltener auftreten. Aber besiegt sind sie nicht. Jedenfalls nicht überall. „Das ist zum Teil eine Folge von Impfmüdigkeit und Impfskepsis“, erklärt Dr. Lang. „Damit eine Krankheit ausgerottet wird, müssen 95 Prozent der Gefährdeten geimpft sein. In Deutschland besitzen lediglich 85 Prozent ausreichenden Impfschutz. Deshalb kommt es alle sechs bis sieben Jahre zu einer Infektionswelle. Bei anderen Krankheiten reicht der Impfschutz nicht mehr aus. Gegen Masern zum Beispiel wurde bis vor zehn Jahren nur einmal geimpft. Die Folge: Etwa 30 Prozent der jüngeren Erwachsenen – darunter auch Frauen im gebärfähigen Alter – sind nicht ausreichend geschützt. Wieder andere Krankheiten, Diphterie zum Beispiel, die bei uns eigentlich schon als ausgerottet galten, werden aus Osteuropa eingeschleppt.“

Bettruhe und ganz viel Liebe – so können Eltern helfen

Gegen die klassischen Virusinfektionen wie Masern, Mumps, Röteln und Windpocken gibt es keine spezifischen Gegenmittel. Antibiotika können nur gegen zusätzliche bakterielle Infekte eingesetzt werden. „Da Kinderkrankheiten den Organismus extrem schwächen“, so Kinderarzt Dr. Lang, „sind liebevolle elterliche Pflege und Beistand für das kranke Kind ganz besonders wichtig. Und natürlich Bettruhe, reichlich Getränke und leichte Kost – eben alles, was dem Kind hilft, Kraft gegen die Krankheit zu sammeln.“ Anlass zur Sorge besteht, wenn Fieber plötzlich hochschnellt, wenn die natürlichen Vitalfunktionen schwer gestört sind, das Kind also nicht trinkt oder isst oder wenn es apathisch wirkt. Bei diesen Alarmzeichen sollten Eltern unbedingt einen Arzt rufen.

Tipps vom Kinderarzt: So erkennen du Röteln

Unbedingt die Kita informieren

Wann darf mein Kind wieder in die Schule oder in den Kindergarten? Und benötige ich ein Attest dafür? Diese Frage, die viele Eltern umtreibt, ist je nach Bundesland unterschiedlich zu beantworten. „Grundsätzlich müssen Eltern die Kita informieren, wenn ihr Kind unter einer ansteckenden Krankheit leidet oder der Verdacht besteht. Auch sind Sie verpflichtet, Ihr Kind zu Hause zu lassen, so lange Ansteckungsgefahr besteht“, erklärt die Leiterin einer Kindertagesstätte in der Nähe von Köln. „Das gilt übrigens auch für infektiöse Durchfallerkrankungen.“ Nur bei wenigen Erkrankungen, in der Regel Masern, in manchen Bundesländern auch Mumps, ist ein Attest erforderlich, damit das Kind den Unterricht oder den Kindergarten wieder besuchen darf. Im Zweifelsfall sollten Eltern bei der Einrichtung oder beim Gesundheitsamt nachfragen.

Kinderkrankheiten auf einen Blick: Hib, Keuchhusten, Masern

 

Hib (Haemophilus influenzae Typ b)

Krankheitsbild, Dauer

Hib zählt zu den gefährlichsten Infektionskrankheiten für Kinder in den ersten Lebensjahren. Meist beginnt die Infektion mit Fieber und Entzündungen im Rachenraum. Trotz des Namens hat Hib nichts mit Grippe (Influenza) zu tun. Auslöser ist ein Bakterium, das durch Tröpfcheninfektion übertragen wird, also durch Husten und Niesen, aber auch über Gegenstände. Erkrankte leiden unter schweren Hals-Nasen-Ohren-Entzündungen. Lebensgefährliche Komplikationen wie eine besonders schwere Form der Hirnhautentzündung sind häufig. Ohne Behandlung verläuft Hib in mehr als der Hälfte aller Fälle tödlich oder hinterlässt schwere dauerhafte Schäden. Auch bei rechtzeitiger Behandlung mit Antibiotika liegt die Todesrate immer noch bei mehr als fünf Prozent.

Inkubationszeit / Ansteckungszeitraum

1 bis 8 Tage

Ansteckungsgefahr besteht solange Hib-Bakterien beim Abstrich nachweisbar sind. Viele Infizierte erkranken selbst nicht, können aber andere Menschen anstecken.

Komplikationen / Risiken

Besonders gefährliche Komplikationen bei Hib sind eine Kehldeckelentzündung, die bei Säuglingen zum Ersticken führen kann, und vor allem die eitrige Hirnhautentzündung. Sie trifft etwa 50 Prozent aller Säuglinge, die mit Hib infiziert sind. Selbst nach einer Antibiotika-Behandlung können Hörschäden und Entwicklungsstörungen zurückbleiben. Etwa 5 Prozent der Kinder sind nach einer Hib-Hirnhautentzündung körperlich und geistig schwerstbehindert.

 

Behandlung

Hib muss mit Antibiotika behandelt werden. Wegen der hohen Risiken ist ein Krankenhausaufenthalt unumgänglich.

Was können Eltern tun?

Bei Alarmzeichen sofort den Arzt alarmieren. Erbrechen, hohes Fieber und Krämpfe können auf eine Hirnhautentzündung hinweisen. Eine Kehldeckelentzündung kann sich innerhalb weniger Stunden entwickeln. Symptome sind hohes Fieber, Schluckbeschwerden und Atemnot.

Immunität / Impfschutz

Angesichts der Gefährlichkeit von Hib ist ein wirksamer Impfschutz dringend angeraten. Die Impfung erfolgt in der Regel als Kombinationsimpfung gegen Tetanus, Keuchhusten, Polio, Hepatitis B und Hib im 3., 4., 5. und 12. Lebensmonat – dann ist die Grundimmunisierung abgeschlossen; aufgefrischt wird der Impfschutz vor der Einschulung sowie noch einmal zwischen 9 und 17 Jahren.

Keuchhusten (Pertussis)

Krankheitsbild

Keuchhusten wird durch das Bakterium Bordetella pertussis ausgelöst. Die Übertragung erfolgt per Tröpfcheninfektion. Die Symptome – Schnupfen, Heiserkeit, leichter Husten und Fieber – ähneln anfänglich einer Erkältung. Die typischen schweren Hustenanfälle mit zähem durchsichtigem Auswurf und oft auch Erbrechen treten erst nach 1 bis 2 Wochen auf. Bei vielen Kindern stellt sich nach den Hustenanfällen, die sie besonders nachts quälen, eine keuchende Atmung ein – daher hat die Krankheit ihren Namen. Bis Keuchhusten abgeklungen ist, können mehrere Wochen oder gar Monate vergehen.

Etwa 90 Prozent der Kinder sind heute gegen Keuchhusten geimpft; allerdings wird oft die Auffrischung im Jugendalter vergessen – damit besteht kein Schutz vor Ansteckung mehr. Aus diesem Grund befällt die Atemwegserkrankung zunehmend Jugendliche und Erwachsene, allerdings mit deutlich weniger ausgeprägten Beschwerden.

 

Inkubationszeit / Ansteckungszeitraum

7 bis 21 Tage

Vom Auftreten erster Symptome an ca. 5 Wochen; nach Gabe von Antibiotika nur noch 2 Wochen

Komplikationen / Risiken

Kranke Säuglinge müssen unbedingt ins Krankenhaus. Zwar sind die Hustenanfälle bei ihnen meist weniger stark ausgeprägt, aber sie können Schleim nicht selbstständig abhusten. Außerdem kann es bei den Kleinsten zu Atemstillständen oder anderen schwerwiegenden Komplikationen kommen, wie Lungen-, Mittelohr- oder Gehirnentzündungen. Auch Asthma ist als Spätfolge möglich.

Behandlung

Bei Keuchhusten sollte so bald wie möglich ein Antibiotikum gegeben werden. Das mildert die Symptome zwar nur wenig, wirkt aber gegen die Ansteckungsgefahr und führt zu einer schnelleren Heilung.

Was können Eltern tun?

Leider helfen bei Keuchhusten keine Hustenstiller, deshalb ist es enorm wichtig, dass die Eltern ihre Kinder nachts bei den Hustenanfällen beruhigen und für eine kühle Luft im Raum sorgen. Auch mit einer ruhigen Umgebung, warmen Brustwickeln und reichlich Getränken können sie den kleinen Patienten durch die Krankheit helfen. Wenn das Schlimmste überstanden ist, fördern Spaziergänge an der frischen Luft den Heilungsprozess.

Immunität / Impfschutz

ca. 4 bis 20 Jahre (individuell unterschiedlich)

Eine Impfung erfolgt heute in der Regel als Kombinationsimpfung gegen Tetanus, Keuchhusten, Polio, Hepatitis B und Hib im 3., 4., 5. und 12. Lebensmonat – dann ist die Grundimmunisierung abgeschlossen; aufgefrischt wird der Impfschutz vor der Einschulung sowie noch einmal zwischen 9 und 17 Jahren.

Masern

Krankheitsbild

Masern werden durch das Morbilli-Virus hervorgerufen und sind extrem ansteckend. Während des Vorstadiums treten grippeähnliche Symptome, Bindehautentzündungen sowie Lichtempfindlichkeit auf. 2 bis 3 Tage später erscheinen weiße, punktförmige Flecken im Mund, die von einem roten Hof umgeben sind. Die typischen roten Punkte auf der Haut treten meist nach 3 bis 5 Tagen auf, oft zusammen mit einem weiteren Fieberschub. Von den Ohren breiten sie sich über den ganzen Körper aus. Nach einigen Tagen verblassen sie und bilden sich zurück; die Haut wird dabei oft schuppig.

 

Inkubationszeit / Ansteckungszeitraum

9 bis 12 Tage

Ab 3 Tage vor Auftreten der ersten Symptome bis zum Verschwinden des Hautausschlags

Komplikationen

Masern schwächen das Immunsystem, daher können zusätzlich bakterielle Infektionen auftreten (Bronchitis, Mittelohr- oder Lungenentzündung).

Besonders gefährlich ist eine Gehirnentzündung, die bei 10 bis 20 Prozent aller Masernerkrankungen nach 1 bis 2 Wochen auftreten kann. Sie kann schwere Behinderungen verursachen und verläuft in 10 bis 20 Prozent aller Fälle tödlich.

Bei Erwachsenen nehmen Masern meist einen schweren Verlauf.

Behandlung

Strenge Bettruhe und absolute Schonung in einem abgedunkelten Raum; ggf. fiebersenkende Mittel; Antibiotika werden verabreicht, wenn zusätzlich bakterielle Infektionen auftreten.

Was können Eltern tun?

Unbedingt darauf achten, dass das Kind absolute Ruhe hat und viel trinkt (Wasser, zuckerfreie Saftmixgetränke, Kräutertees); Wickel und Umschläge lindern das Fieber Fieber. Da Masern das Immunsystem schwächen, brauchen die Kinder leichte Mahlzeiten mit viel Vitamin C und A.

Immunität / Impfschutz

lebenslang

Impfung mit 12 bis 15 Monaten, Wiederholung im Alter von

10 bis 14 Jahren; meist kombiniert mit einer Impfung gegen Mumps und Röteln (MMR-Impfung).

 

Kinderkrankheit: Röteln, Mumps, Scharlach, Windpocken

Mumps (Paroditis Epidemica)

Krankheitsbild

Mumps, auch Ziegenpeter genannt, wird durch den Paramoxyvirus verursacht und durch Tröpfcheninfektion übertragen. Die Erkrankung kann sehr unterschiedlich verlaufen – bei etwa 40 Prozent der Infizierten treten gar keine Symptome auf. Ansonsten beginnt Mumps mit der typischen dicken Backe: einer einseitigen, sehr schmerzhaften Schwellung der Speicheldrüsen im Kieferwinkel, die auch Probleme beim Kauen, Schlucken und bei Kopfbewegungen bereitet. Einige Tage später ist dann auch die andere Backe betroffen. Oft begleitet hohes Fieber die Schwellungen.

Inkubationszeit / Ansteckungszeitraum

12 bis 25 Tage

3 Tage vor bis 9 Tage nach Auftreten der ersten Symptome

Komplikationen

Bei etwa 15 Prozent aller erkrankten Kinder kann eine Hirnhautentzündung auftreten – mitunter schon bevor sich die Mumps-Symptome zeigen. Anzeichen: Kopfschmerzen, Nackensteifheit.

Tritt Mumps bei älteren Kindern, während oder nach der Pubertät auf, kann die Krankheit die Keimdrüsen befallen. Vor allem Jungs sind davon betroffen. Bei etwa 20 bis 50 Prozent kann sich eine sogenannte „Mumpsorchitis“ entwickeln, eine schmerzhaften Hodenentzündung, die zur Unfruchtbarkeit führen kann.

Bei 2 bis 5 Prozent der Erkrankten kann es zu einer Entzündung der Bauchspeicheldrüse kommen. Die Kinder leiden dann unter heftigen Bauchschmerzen, Erbrechen und fettigem Durchfall.

Mumps ist überdies die häufigste Ursache für die Ertaubung von Kindern.

Infiziert sich eine Schwangere mit Mumps, erhöht sich die Gefahr einer Fehlgeburt in den ersten drei Monaten. Schädigungen des Ungeborenen sind aber nicht zu befürchten.

Behandlung

Strenge Bettruhe, Schmerzmittel bei starken Schmerzen; bei schweren Verläufen mit Hinhautentzündung und Orchitis Behandlung mit stark entzündungshemmenden Corticosteroiden

Was können Eltern tun?

Kühlende Gele oder Salben gegen die Schmerzen anwenden und reichlich Getränke reichen, aber keine Fruchtsäfte, da diese den Speichelfluss anregen und die Beschwerden verschlimmern. Wegen der Kauprobleme sollten die Kinder nur weiche, fettarme Speisen essen. Bei zusätzlichen Beschwerden wie starken Kopfschmerzen, Lichtempfindlichkeit oder heftigen Bauchschmerzen unbedingt den Arzt konsultieren.

Immunität / Impfschutz

Lebenslang

Impfung mit 12 bis 15 Monaten, Wiederholung im Alter von

10 bis 14 Jahren; meist kombiniert mit einer Impfung gegen Masern und Röteln (MMR-Impfung).

Röteln (Rubella)

Krankheitsbild

Verursacher ist das sogenannte Rubeola-Virus, das durch Tröpfcheninfektion übertragen wird und ausschließlich bei Menschen auftritt. Charakteristisch für Röteln sind schmetterlingsförmige Rötungen, die sich vom Gesicht aus über den ganzen Körper ausbreiten und nach ca. 3 Tagen wieder abklingen. Begleitet werden sie meist von Fieber und Schwellungen der Lymphknoten. Etwa die Hälfte der infizierten Kinder zeigen gar keine Symptome.

Inkubationszeit / Ansteckungszeitraum

14 bis 21 Tage

7 Tage vor Auftreten der Symptome bis 10 Tage nach ihrem Abklingen

Komplikationen

Bei Kindern verlaufen die Röteln meist ohne Probleme. Komplikationen wie Mittelohr- oder Hinhautentzündungen sind sehr selten. Allerdings kann die Infektionskrankheit auch Erwachsene befallen. Gefährlich sind Röteln in der Schwangerschaft. In den ersten drei Monaten führen sie in 90 Prozent der Fälle zu schweren Fehlbildungen beim Embryo (Herzfehler, Erblindung, Innenohrschwerhörigkeit). Mit fortschreitender Schwangerschaft sinkt das Risiko auf 25 bis 30 Prozent zwischen dem 4. und 6. Monat. Wegen dieses Risikos werden heute die meisten jungen Mädchen auf Röteln getestet und ggf. geimpft. Auch gehört der Röteln-Test zur Schwangerschaftsvorsorge.

Behandlung

Bei normalem Verlauf ist bei Kindern keine Behandlung nötig. Allerdings ist Bettruhe zu empfehlen.

Was können Eltern tun?

Wie bei allen Kinderkrankheiten viel zu trinken geben, wenn nötig fiebersenkende Umschläge anwenden. Und natürlich bei evtl. Komplikationen den Arzt konsultieren.

Immunität / Impfschutz

Lebenslang

Impfung mit 12 bis 15 Monaten, Wiederholung im Alter von 10 bis 14 Jahren; meist kombiniert mit einer Impfung gegen Masern und Röteln (MMR-Impung).

Scharlach

Krankheitsbild

Scharlach wird durch Streptokokken- Bakterien hervorgerufen. Die Übertragung erfolgt durch Tröpfcheninfektion oder infizierte Gegenstände. Zwar produzieren die Streptokokken ein Gift, das zur Bildung von Antikörpern führt, dennoch ist eine lebenslange Immunität selten. Scharlach kann man also mehrmals bekommen.

Die ersten Symptome von Scharlach sind oft wenig eindeutig: Häufig tritt Fieber auf, das Kind leidet unter einer Hals- oder Mandelentzündung mit starken Hals-, Kopf- und Bauchschmerzen. Dann zeigt sich ein weißer Belag auf der Zunge und der Rachen färbt sich feuerrot. Nach 2 bis 4 Tagen erscheinen die charakteristischen samtartigen, nicht juckenden Rötungen, die sich von den Innenseiten der Oberschenkel sowie den Leisten und Armbeugen über den ganzen Körper ausdehnen, außer auf Mund und Kinn. Der Ausschlag klingt nach 3 bis 5 Tagen ab. 1 bis 2 Wochen später schält sich die Haut und wird schuppig. Es kann bis zu 8 Wochen dauern, bis sich die Haut regeneriert hat.

 

Inkubationszeit / Ansteckungszeitraum

2 bis 4 Tage

Ab Auftreten der ersten Symptome bis 2 Tage nach Beginn der Penicillin-Behandlung

Komplikationen

Scharlach ist sehr unangenehm, verläuft aber meist unproblematisch. Allerdings kann das von den Streptokokken produzierte Gift zu extrem hohem Fieber, zu Krämpfen, zum Kreislauflaufkollaps und schließlich zum Tod führen. Zudem können auch Wochen nach der Erkrankung noch Komplikationen wie Mittelohr-, Nieren- oder Herzmuskelentzündungen auftreten.

Behandlung

Da es sich bei Scharlach um eine bakterielle Infektion handelt, lässt sich die Ursache mit Antibiotika (insbesondere mit Penicillin) bekämpfen, das über 10 Tage gegeben wird. Bettruhe ist während dieser Zeit sinnvoll.

Was können Eltern tun?

Mit Halswickeln und reichlich warmen Getränken die Halsbeschwerden lindern und mit Wadenwickeln und Umschlägen das Fieber senken.

Immunität / Impfschutz

Unklar

Scharlach kann man mehrmals bekommen. Eine Impfung gegen Scharlach gibt es nicht.

Windpocken (Varizellen)

Krankheitsbild

Windpocken sind eine der häufigsten Kinderkrankheiten; die Infektion tritt meist zwischen dem 4. und 8. Lebensjahr auf. Übeltäter ist hier das Varizella-Zoster-Virus (ein Erreger aus der Familie der Herpes-Viren), das sich durch Tröpfcheninfektion, aber auch durch die Luft verbreitet. Besonders häufig treten die Windpocken im Winter und im Frühjahr auf. Erste Anzeichen für eine Infektion sind Fieber und Mattigkeit. Nach 1 bis 2 Tagen zeigen sich am ganzen Körper rote Flecken, die sich zu kleinen Knötchen und schließlich zu juckenden und nässenden Bläschen entwickeln, die aufplatzen und eine hellbraune Kruste bilden.

 

Inkubationszeit / Ansteckungszeitraum

10 bis 16 Tage

2 Tage vor bis 6 Tage nach Auftreten der ersten Symptome

Komplikationen

Bei Kindern verlaufen die Windpocken meist unproblematisch, Komplikationen wie Hirn- oder Lungenentzündung oder bakterielle Infektionen der Haut treten eher bei Erwachsenen und Menschen mit Immunschwächen auf.

Gefährlich können Windpocken für Schwangere sein. Insbesondere während der 8. bis 21. Schwangerschaftswoche besteht die Gefahr einer Fehlgeburt. Auch Missbildungen der Haut oder der Gliedmaßen können die Folge sein. Eine Erkrankung zwischen dem 7. Tag vor und dem 2. Tag nach der Geburt kann für Mutter und Kind lebensgefährlich werden.

Windpocken-Erreger bleiben auch nach einer überstandenen Infektion im Körper und können später, insbesondere nach dem 40. Lebensjahr, zu einer Gürtelrose führen. Hiervon sind etwa 20 Prozent aller ehemaligen Windpocken-Patienten betroffen.

 

Behandlung

In der Regel nur Behandlung der Symptome, vor allem Salben gegen den Juckreiz.

Was können Eltern tun?

Ruhe, Schonung und reichlich Getränke (vor allem Wasser und Kräutertees) helfen dem Kind, wieder gesund zu werden. Die größte Herausforderung für Eltern liegt darin, das Kind vom Kratzen abzuhalten, damit keine Hautinfektion entsteht und keine Narben zurückbleiben. Hierbei helfen juckreizstillende Salben, die der Arzt verordnet.

Immunität / Impfschutz möglich?

Lebenslang

Impfung mit 11 bis 14 Monaten, Auffrischung zwischen dem 15. und 23. Lebensmonat (mindestens 6 Wochen Abstand zwischen zwei Impfungen). Möglich ist auch eine Kombi-Impfung gegen Windpocken, Masern, Mumps und Röteln (auch hier sind zwei Impfdosen notwendig).

Mein Kind hat Scharlach, wie kann ich helfen?

 


Zum Weiterlesen: Buchtipps und Links

Dr. med. Nicole Menche und Dr. med. Arne Schäffler: Gesundheit für Kinder: Kinderkrankheiten verhüten, erkennen, behandeln: Moderne Medizin - Naturheilverfahren - Selbsthilfe - Aktualisierte und überarbeitete Neuauflage. Kösel-Verlag 2010,  29,95 Euro

Isabella Schellenberg, Christian Schellenberg, Dagmar Reiche und Nathalie Blanck: Kinderkrankheiten von A-Z. Das Handbuch: Symptome richtig einschätzen und behandeln. Wo Naturheilverfahren wirken – wann Schulmedizin nötig ist. Haug Sachbuch 2008, 24,95 Euro

Helmut Keudel: Kinderkrankheiten. Gräfe und Unzer, 2009, 12,99 Euro

Cornelia Nitsch und Janosch: Dr. Mama!: Das andere Buch der Kinderkrankheiten. Bassermann Verlag, 2009, 7,99 Euro.

www.jugendmedizin.de: – Website von Kinderarzt Dr. Lang mit umfangreichen medizinische Informationen und Behandlungstipps.

www.kinderaerzte-im-netz.de – die Website des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte e. V. (BVKJ) enthält umfassende Informationen über Kinderkrankheiten für Eltern.

www.meine-gesundheit.de – umfangreicher Gesundheitsratgeber mit Erläuterungen zu den wichtigsten Kinderkrankheiten

Für App-Liebhaber: App "Gesundes Kind" von GEO WISSEN mit Informationen zu den häufigsten Krankheiten im Kindesalter, Notfallmaßnahmen und Gesundheitsförderung (für Tablets: Android und iOS), 4,99 Euro (Stand 23.03.2016).


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