Nicht immer ganz harmlos

Kinderkrankheiten: Masern, Scharlach, Röteln und Co

Kinderkrankheiten – das klingt nach ein bisschen Schnupfen, roten Pusteln, leichtem Fieber. Also ziemlich harmlos. Ganz so einfach ist es aber nicht. Infektionen wie Masern und Röteln, aber auch Scharlach und Hib bringen manchmal ernste Komplikationen mit sich. Lesen Sie hier, was Sie über die wichtigsten Kinderkrankheiten wissen sollten.

von Sabine Ostmann
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Kinderkrankheiten
Foto: © iStockphoto.com/ LeventKonuk

Klassische Kinderkrankheiten sind hochansteckend

Dicke Backen, Hautausschläge, hohes Fieber – klarer Fall: Das können nur Röteln, Masern, Mumps oder Windpocken sein – die klassischen Kinderkrankheiten. Ihre Kennzeichen: Sie werden durch Viren verbreitet. Sie sind hochansteckend. Und sie treten überwiegend im Kindesalter auf. Letzteres gilt auch für einige Kinderkrankheiten wie Hib, Keuchhusten oder Scharlach, die nicht durch Viren, sondern durch Bakterien übertragen werden.

Infektionen mit Risiken

Um gleich mit ein paar verbreiteten Mythen aufzuräumen: Dass Kinderkrankheiten harmlos seien, ist ebenso falsch wie die Behauptung, dass Erwachsene sie nicht bekommen könnten. Bei ihnen nehmen die Erkrankungen oft sogar einen schwereren Verlauf. Noch ein Mythos, der nicht haltbar ist: Kinderkrankheiten stärken das Immunsystem, deshalb sei es gut, wenn der Nachwuchs sie durchmacht. Das glauben einer aktuellen Studie der Bundeszentrale für Gesundheitliche Aufklärung zufolge immer noch 68 Prozent aller Eltern. „Es stimmt zwar, dass Infekte generell das Immunsystem aufbauen“, meint dazu der Augsburger Kinderarzt Dr. Martin Lang. „Doch das leisten auch Impfungen und die vielen Erkältungen, die Kinder im Laufe der Jahre bekommen. Niemand sollte sein Kind den hohen Risiken einer Kinderkrankheit aussetzen.“

Die sind in der Tat beträchtlich: Bei Masern, Mumps und Co. können ernsthafte, mitunter sogar lebensgefährliche Komplikationen auftreten oder Organe dauerhaft geschädigt werden. Besonders gefährdet sind auch Schwangere: Erkrankt eine werdende Mutter an Röteln, besteht ein hohes Risiko, dass Gehirn, Augen und Ohren des ungeborenen Kindes schwer geschädigt werden. Auch Masern können Fehlgeburten auslösen.

Impfskepsis lässt manche Krankheiten zurückkehren

Aufgrund dieser Risiken haben sich Impfungen heute weitgehend durchgesetzt. Mit der Folge, dass viele Kinderkrankheiten, etwa die früher berüchtigten Masern-Epidemien, heute deutlich seltener auftreten. Aber besiegt sind sie nicht. Jedenfalls nicht überall. „Das ist zum Teil eine Folge von Impfmüdigkeit und Impfskepsis“, erklärt Dr. Lang. „Damit eine Krankheit ausgerottet wird, müssen 95 Prozent der Gefährdeten geimpft sein. In Deutschland besitzen lediglich 85 Prozent ausreichenden Impfschutz. Deshalb kommt es alle sechs bis sieben Jahre zu einer Infektionswelle. Bei anderen Krankheiten reicht der Impfschutz nicht mehr aus. Gegen Masern zum Beispiel wurde bis vor zehn Jahren nur einmal geimpft. Die Folge: Etwa 30 Prozent der jüngeren Erwachsenen – darunter auch Frauen im gebärfähigen Alter – sind nicht ausreichend geschützt. Wieder andere Krankheiten, Diphterie zum Beispiel, die bei uns eigentlich schon als ausgerottet galten, werden aus Osteuropa eingeschleppt.“

Bettruhe und ganz viel Liebe – so können Eltern helfen

Gegen die klassischen Virusinfektionen wie Masern, Mumps, Röteln und Windpocken gibt es keine spezifischen Gegenmittel. Antibiotika können nur gegen zusätzliche bakterielle Infekte eingesetzt werden. „Da Kinderkrankheiten den Organismus extrem schwächen“, so Kinderarzt Dr. Lang, „sind liebevolle elterliche Pflege und Beistand für das kranke Kind ganz besonders wichtig. Und natürlich Bettruhe, reichlich Getränke und leichte Kost – eben alles, was dem Kind hilft, Kraft gegen die Krankheit zu sammeln.“ Anlass zur Sorge besteht, wenn Fieber plötzlich hochschnellt, wenn die natürlichen Vitalfunktionen schwer gestört sind, das Kind also nicht trinkt oder isst oder wenn es apathisch wirkt. Bei diesen Alarmzeichen sollten Eltern unbedingt einen Arzt rufen.

Unbedingt die Kita informieren

Wann darf mein Kind wieder in die Schule oder in den Kindergarten? Und benötige ich ein Attest dafür? Diese Frage, die viele Eltern umtreibt, ist je nach Bundesland unterschiedlich zu beantworten. „Grundsätzlich müssen Eltern die Kita informieren, wenn ihr Kind unter einer ansteckenden Krankheit leidet oder der Verdacht besteht. Auch sind sie verpflichtet, ihr Kind zu Hause zu lassen, so lange Ansteckungsgefahr besteht“, erklärt die Leiterin einer Kindertagesstätte in der Nähe von Köln. „Das gilt übrigens auch für infektiöse Durchfallerkrankungen.“ Nur bei wenigen Erkrankungen, in der Regel Masern, in manchen Bundesländern auch Mumps, ist ein Attest erforderlich, damit das Kind den Unterricht oder den Kindergarten wieder besuchen darf. Im Zweifelsfall sollten Eltern bei der Einrichtung oder beim Gesundheitsamt nachfragen.