Saft, Zäpfchen und Tropfen

Krankes Kind: Medikamente richtig geben

Wenn Ihr Kind krank ist und es ihm ohnehin schon nicht gut geht, stoßen Augentropfen oder Fieberzäpfchen schnell auf heftigen kindlichen Widerstand. Wie Sie Ihrem Kleinen Medikamente richtig und ohne größeres Theater verabreichen, erfahren Sie hier.

Autor: Dr. Andrea Schmelz
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Immer hilfreich: Rücksprache beim Kinderarzt

Junge Medizin Löffel
Foto: © fotolia.com/ photophonie

Gezicke bei Augentropfen und Theater bei Zäpfchen ist bei so manchem (Klein-)Kind eher die Regel als die Ausnahme. Scheuen Sie sich daher nicht, Ihren Kinderarzt darauf anzusprechen. Wenn Ihr Kind z.B. mit Zäpfchen auf dem Kriegsfuß steht, kann Ihr Arzt das Medikament auch in Form von Saft verordnen. Bei Augen- oder Ohrentropfen kann er Ihnen zeigen, wie Sie sie am besten verabreichen.

Die Dosierung ist das A und O

Sicher ist Ihnen schon aufgefallen, dass es Arzneimittel für Kinder selten als Tablette, dafür sehr häufig als Saft gibt. So kann die Dosierung genau an das Körpergewicht Ihres Kindes angepasst werden, was wesentlich sinnvoller ist als die Dosierung nach dem Alter (obwohl die Angaben für die meisten Kinder übereinstimmen).

Benutzen Sie zum Dosieren von Säften immer den beiliegenden Messlöffel. Das Abmessen mit einem normalen Tee- oder Esslöffel ist zu ungenau. Häufig sind Kindermedikamenten auch spezielle Dosierpipetten beigelegt, mit denen das Dosieren am genauesten klappt. Falls das nicht der Fall ist, können Sie beim Kinderarzt um eine Spritze (natürlich ohne Nadel!) zum Abmessen der richtigen Menge bitten.

Medizin bitte nie in den Brei!

Immer wieder gerne empfohlen, aber trotzdem falsch: Medikamente gehören weder ins Milchfläschchen noch in den  Babybrei! Viele Kinder durchschauen den Trick, weil Milch oder Brei dann plötzlich anders schmecken und verweigern die komplette Mahlzeit. Wird nicht die ganze Portion verzehrt, stimmt die Dosierung nicht mehr. Zu bedenken ist auch, dass sich manche Wirkstoffe mit der Nahrung gar nicht vertragen. Eisen- und Fluorpräparate sowie manche Antibiotika verlieren z.B. an Wirkung, wenn sie zusammen mit Milch oder Milchprodukten eingenommen werden. Schauen Sie sicherheitshalber in die Packungsbeilage oder fragen Sie Ihren Arzt oder Apotheker.

Leckerer Saft? Von wegen!

Viele Arzneisäfte für Kinder sind überaromatisiert und übersüßt, um den bitteren Nachgeschmack zu überdecken, was häufig nicht wirklich gelingt. Wenn Ihr Kind also klagt, dass der Saft nicht schmeckt, sollten Sie nicht versuchen ihm einzureden, er wäre lecker. Bleiben Sie aber in der Sache konsequent und diskutieren Sie nicht mit Ihrem Kind. Kündigen Sie nur kurz und entschieden an: „Du bekommst jetzt diese Medizin. Die ist ganz wichtig, damit es dir bald wieder besser geht.“

Antibiotische Säfte müssen meist im Kühlschrank aufbewahrt werden. Das ist auch geschmacklich günstig, denn gut gekühlter Saft schmeckt weniger intensiv. Oft hilft es auch, den Saft mit einer Pipette hinter die Backenzähne träufeln. So kommt er mit der Zunge und den darauf befindlichen Geschmacksrezeptoren kaum in Berührung und zudem wird schnell der Schluckreflex ausgelöst. Dadurch wird selbst ein bitterer Geschmack weniger wahrgenommen. Lassen Sie Ihr Kind nach einer unangenehm schmeckenden Arznei immer etwas Angenehmes nachtrinken, z.B. gesüßten Tee oder auch Limonade. Sie können ihm auch etwas Süßes zu essen geben (Apfelmus, einen Keks, ein Bonbon…)

Tabletten, Zäpfchen, Tropfen: So klappt's

Wie Tablette & Co. besser rutschen

Bekommt Ihr Kind Kapseln oder Tabletten beim besten Willen nicht runter, helfen die folgenden Tricks:

  • Kapseln lassen sich häufig auseinander ziehen bzw. aufstechen, sodass Sie Ihrem Kind den Inhalt vom Löffel mit etwas Nahrung geben können. Doch Achtung! Dieses Vorgehen ist nicht für jede Kapsel geeignet. Bitte vorher beim Arzt oder Apotheker nachfragen.
  • Tabletten lassen sich oft im Mörser zerkleinern oder mit etwas Wasser auflösen. Auch hier gilt wieder, dass Sie vorher beim Arzt oder Apotheker nachfragen sollten, ob dies bei Ihrem Präparat erlaubt ist. Dragees (Tabletten mit Überzug) oder Filmtabletten sollten bzw. dürfen nicht zerkleinert werden, da es hierbei zu Wirkverlusten kommen kann. So gibt es z.B. Tabletten mit einem speziellen Überzug, der den Wirkstoff vor der Magensäure schützen soll. Dieser Schutz geht beim Zerkleinern verloren.
  • Ihr Kind sollte Medikamente nie im Liegen einnehmen! In aufrechter Körperhaltung (stehend, sitzend) rutscht die Tablette besser. Geben Sie Ihrem Kind das Medikament auf die Zunge und lassen Sie es einen großen Schluck nachtrinken. Dabei sollte es den Kopf aber nicht in den Nacken legen, sondern bei leicht nach vorn geneigtem Kopf schlucken. So kann die Tablette quasi auf der Flüssigkeit schwimmen und rutscht automatisch in Richtung Rachen.
  • Lassen Sie Ihr Kind immer viel nachtrinken (ca. ein halbes Glas voll, am besten Wasser), damit Tabletten oder Kapseln wirklich im Magen ankommen und nicht in der Speiseröhre „hängen bleiben“.
  • Der Geheimtipp für alle Kinder, bei denen die Tablette oder Kapsel trotzdem nicht rutschen will: Geben Sie Ihrem Kind das Medikament in einem Löffel Apfelmus oder Kartoffelbrei ein. Sie können auch eine handelsübliche Backoblate (oder eine Hälfte davon) anfeuchten und um die Tablette wickeln, auch das erleichtert das Schlucken.

Wie Zäpfchen am besten „flutschen“

Die beste Position zum Einführen eines Zäpfchens ist ab dem Kleinkindalter die Seitenlage mit angewinkelten Beinen. Babys sollten auf dem Rücken liegen, Sie halten mit einer Hand beide Beinchen und mit der zweiten führen Sie das Zäpfchen ein. Wärmen Sie das Zäpfchen vor dem Einführen an, damit es besser „flutscht“ – entweder, indem Sie es kurz in der Hand halten oder ins warme Wasser tauchen.

Damit es nicht gleich wieder herausrutscht, drücken Sie die Pobacken Ihres Kindes für kurze Zeit leicht zusammen. Erstaunlich, aber wahr: Es kann auch helfen, wenn Sie das Zäpfchen „verkehrt herum“ einführen. Normalerweise führt man Zäpfchen mit der Spitze voran in den After ein. Eine Studie an 60 Erwachsenen und 40 Kindern ergab, dass Zäpfchen besser im Enddarm bleiben, wenn sie mit der Basis voran eingeführt werden. Selbst das Nachschieben mit dem Finger kann man sich dann fast immer sparen. 

Tipps vom Kinderarzt: Schmerzmittel bei Kindern

Warme Ohrentropfen sind angenehmer

Macht Ihr Kind bei Ohrentropfen immer Theater, kann es daran liegen, dass diese zu kalt sind. Dann können sie nämlich zu Schwindel und Schmerzen führen. Wärmen Sie das Fläschchen mit den Ohrentropfen zuvor in der Hand oder im warmen Wasser etwa auf Körpertemperatur an. Setzen Sie sich zur Verabreichung hin, z.B. aufs Bett, sodass Ihr Kind sich seitlich neben Sie legen kann. Sein Kopf sollte auf Ihrem Schoß liegen und das Ohr, in das die Tropfen sollen, liegt oben. Ziehen Sie dann ganz vorsichtig die Ohrmuschel nach oben-hinten. Dabei wird der Gehörgang gestreckt und die Tropfen kommen besser ans Ziel. Bitte nicht zu fest ziehen, das kann bei Ohrenentzündung Schmerzen verursachen! Auch ganz wichtig: Hat Ihr Kind eine Loch im Trommelfell oder hat es Paukenröhrchen liegen, dürfen Sie ihm keine Ohrentropfen geben, es sei denn, der Arzt hätte sie verordnet.

Augentropfen am besten im Schlaf geben

Augentropfen sind bei Kindern besonders unbeliebt. Die einfachste Lösung: Geben Sie sie, wenn Ihr Kind noch schläft. Das funktioniert am besten, wenn Ihr Kind auf dem Hinterkopf liegt, klappt aber notfalls auch in Seitenlage. Die kleine Prozedur ist dann schnell vorbei, noch bevor Ihr Kind realisiert, was überhaupt passiert ist. Ziehen Sie das Unterlid Ihres Kindes vorsichtig seitlich oder nach unten vom Auge weg, halten Sie die Flasche direkt über das Auge und lassen Sie den Tropfen zwischen Auge und Unterlid fallen. Wenn Sie dabei versuchen, das „Weiße“ im Auge zu treffen, spürt Ihr Kind am wenigsten, denn dort ist das Auge nicht so empfindlich.

Klappt die Gabe im  Schlaf nicht, brauchen Sie bei kleineren Kindern Hilfe durch eine zweite Person, die den Kopf des kleinen Patienten festhält. Ihr Kind sollte zum Eintropfen auf dem Rücken liegen oder so auf dem Schoß der Hilfsperson sitzen, dass es den Kopf nach hinten beugen („Schau mal an die Decke.“) und sich an ihr anlehnen kann.

Wenn Ihr Kind sich beklagt, dass die Augentropfen brennen, ist häufig die Konservierung (meist Benzalkoniumchlorid) schuld. Lassen Sie sich vom Arzt ein Präparat ohne Konservierungsstoffe in Eindosisbehältern verschreiben. Sie können Eindosisbehälter nach dem Öffnen 24 Stunden lang verwenden, sofern der geöffnete Behälter mit der Spitze nach oben z.B. in einem sauberen Schnapsglas steht und keine anderen Gegenstände berührt.

Bei Theater nicht diskutieren!

Wenn Ihr Kind sich bei der Medikamenteneingabe weigert, sollten Sie versuchen, ihm altersgerecht zu erklären, warum es die Medizin braucht (z.B. „Davon gehen die Schmerzen weg.“ oder „Das hilft gegen deinen Husten.“). Stellen Sie Ihrem Kind eine Belohnung in Aussicht. Hilft auch das nicht, dürfen Sie ihm wichtige Medikamente notfalls mit „sanfter Gewalt“ eingeben, denn in diesen Fällen wird sich Ihr Kind auch durch längere Diskussionen nicht überzeugen lassen. Bitten Sie bei Babys und Kleinkindern am besten eine zweite Person um Hilfe, die Ihr Kind festhält. Ein strampelndes Baby können Sie fest in eine Decke einwickeln, um es ein wenig zur Ruhe zu bringen. Ist die Medizin dann eingegeben, loben Sie Ihr Kind, dass es jetzt doch geklappt hat und betonen Sie, dass Sie zwar verstehen können, dass Ihr Kind das Festhalten nicht mag, dass man solche Sachen jedoch am besten schnell hinter sich bringen sollte.

Richtige Handhabung, damit Medikamente nicht verderben

Bei flüssigen Arzneimitteln wie Säften, Augen-, Nasen- oder Ohrentropfen sollten Sie das Datum auf der Packung notieren. Augentropfen dürfen nach Anbruch grundsätzlich nicht länger als sechs Wochen verwendet werden. Andere Säfte oder Tropfen sind nach Anbruch im Kühlschrank maximal sechs Monate haltbar, sofern in der Packungsbeilage nichts anderes steht. Reste eines Antibiotikums sollten Sie grundsätzlich entsorgen.

Wichtig bei allen Tropfen: Berühren Sie mit der Tropfspitze nie das kranke Auge/Ohr und berühren Sie diese auch nicht mit den Fingern, sonst kann es zu Verunreinigungen kommen.



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