Hilfe für kleine Patienten
Mein Kind muss ins Krankenhaus
Jedes zweite Kind muss irgendwann einmal ins Krankenhaus. Nicht nur für die kleinen Patienten, für die ganze Familie ist das eine enorme Belastung. Doch mit einer guten Vorbereitung, Zuversicht und liebevoller Zuwendung können Eltern einem Klinikaufenthalt seinen Schrecken nehmen.
Vorbereitung: Offen reden und nichts verschweigen
Fremde Menschen in weißen Kitteln, Furcht einflößende Gerätschaften, Angst vor Schmerzen – die Aussicht, ins Krankenhaus zu müssen und womöglich sogar operiert zu werden, macht vielen Kindern Angst. Zum Beispiel Lara. Die Fünfjährige leidet unter einer seltenen Knochenerkrankung. In wenigen Wochen muss sie in einer orthopädischen Kinderklinik operiert werden. Je näher der Termin rückt, desto bedrückter ist das sonst so fröhliche, aufgeweckte Mädchen. Abends möchte sie nicht schlafen gehen, sondern ganz lange mit Mama kuscheln. Nachts wacht sie oft auf und weint. Tagsüber im Kindergarten reagiert sie immer häufiger trotzig und aggressiv. Und Lara hat tausend Fragen: „Wieso muss ich ins Krankenhaus? Was machen die da mit mir? Wann kann ich denn wieder spielen? Kommt Mama auch mit?“ Ihre größte Sorge: „Ich habe solche Angst, dass es weh tut.“
Kinderängste ernst nehmen
Es muss keine seltene Krankheit sein: Eine Blinddarmentzündung, ein gebrochenes Bein, manchmal auch eine schwere Erkrankung – rund zwei Millionen Kinder kommen jährlich ins Krankenhaus. Einige von ihnen müssen länger dort bleiben – eine enorme Belastung für die Kleinen. Und für ihre Eltern. Wie wird mein Kind das verkraften? Wie kann ich ihm am besten über diese Zeit hinweghelfen. Und wie soll ich es auf Krankenhausaufenthalt oder auf eine Operation vorbereiten? Fragen, die sich auch Laras Mutter Ruth stellt. Sie leidet unter derselben Knochenerkrankung wie ihre Tochter. Auch sie wurde als Kind mehrfach operiert und weiß daher sehr genau, was Lara bevorsteht. „Es hat keinen Sinn, Lara etwas vorzumachen“, bemerkt die 36-Jährige nüchtern. „Kinder merken so etwas sehr genau. Ich versuche möglichst gelassen zu bleiben und offen mit meiner Tochter über den Krankenhausaufenthalt und die Operation zu sprechen. Ich verschweige ihr nicht, dass es wehtun kann, erkläre ihr aber auch, dass sie dann sofort Medikamente gegen die Schmerzen bekommt.“
Eltern können eine Menge dazu beitragen, dass der Klinikaufenthalt für Kinder nicht zum traumatischen Erlebnis wird. Das beginnt schon bei der Vorbereitung. Wenn Mutter und Vater Optimismus und Gelassenheit ausstrahlen, überträgt sich dies auch auf das Kind. „Nehmen Sie die Ängste und Sorgen Ihres Kindes unbedingt ernst. Verharmlosen Sie nichts – auch wenn möglicherweise schmerzhafte Untersuchungen oder eine Operation anstehen“, rät Professor Dr. Frank Riedel, Ärztlicher Direktor des Altonaer Kinderkrankenhauses in Hamburg. „Verzichten Sie auf Versicherungen wie ‚Es tut gar nicht weh’. Solche Versprechen können nicht eingehalten werden und führen nur dazu, dass das Kind sein Vertrauen verliert und sich noch mehr ängstigt. Offenheit ist in jedem Fall besser. Das gilt auch für schwerere Erkrankungen. Kinder werden bei solchen Themen oft unterschätzt. Dabei sind sie viel belastbarer als man denkt, selbst wenn es um ernste oder sogar lebensbedrohliche Krankheiten geht.“
Gute Vorbereitung hilft Ängste abbauen
Je mehr die Eltern über die Erkrankung und eine mögliche Operation wissen, desto mehr Sicherheit gewinnen sie und desto besser können sie ihr Kind auf den Krankenhausaufenthalt vorbereiten und ihm vermitteln, dass dies ein Ort ist, wo man ihm hilft, wieder gesund zu werden. Aus diesem Grund sollten sie sich selbst so früh wie möglich umfassend informieren: Wie sieht die Behandlung aus? Welche Maßnahmen sind geplant? Ist eine Operation unumgänglich? Welche Chancen, welche Risiken bestehen? Und vor allem: Welches Krankenhaus ist überhaupt das richtige für mein Kind?
Die Frage gilt es zunächst, in Abstimmung mit dem behandelnden Haus- oder Kinderarzt, zu klären. Entscheidend sind dabei natürlich die besonderen medizinischen Erfordernisse. Je nach familiärer Situation kann auch die Wohnortnähe ein wichtiges Kriterium sein. Auch die Krankenkasse kann bei der Suche nach der besten Klinik behilflich sein. Sie muss in jedem Fall kontaktiert werden, wenn es darum geht, ob Mehrkosten, etwa für den Transport in ein weiter entferntes Krankenhaus, übernommen werden. Sinnvoll kann es auch sein, bei einer Patientenberatungsstelle oder einer Selbsthilfegruppe um Rat zu fragen.
Welches Krankenhaus ist das richtige?
Da Kinder nicht einfach kleine Erwachsene sind, sollten sie wenn möglich in einer Kinderklinik oder auf einer Kinder- und Jugendstation behandelt werden, die ihren besonderen Bedürfnissen gerecht wird. Hier verfügen die Ärzte über eine spezielle Fachausbildung in der Kinder- und Jugendmedizin; auch Psychologen und das Pflegepersonal sind entsprechend geschult. Die Räumlichkeiten sind meist fröhlich und kindgerecht gestaltet und bieten Möglichkeiten zum Spielen, Basteln oder Lesen.
Manche Krankenhäuser stellen umfangreiche Informationen ins Internet, mitunter auch kindgerecht aufbereitet, oder sie bieten sogar Stationsbesichtigungen für Eltern und Kinder – eine gute Möglichkeit, die Schwestern und die Atmosphäre auf der Station vorab kennen zu lernen. Das hilft oft schon, Ängste abzubauen. Um das Kind spielerisch auf den Krankenhausaufenthalt vorzubereiten, kann man auch Bilderbücher zum Thema lesen oder mit dem Arztkoffer zu Hause Krankenhaus spielen.







