Schon Babys betroffen

Neurodermitis bei Kindern

Etwa jedes zehnte Kind in Deutschland erkrankt, oft schon im Baby-Alter, an Neurodermitis, heute meist Atopisches Ekzem genannt. Für Familien eine große Herausforderung, denn die geeignete Therapie muss oft mühsam gefunden werden.

Autor: Monika Maruschka
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Ursachen und Symptome von Neurodermitis

Neurodermitis Baby

Etwa zehn Prozent aller Kinder erkranken in Deutschland an Neurodermitis, die meisten bereits im Baby-Alter oder spätestens bis zum Ende des zweiten Lebensjahrs. Die gute Nachricht ist allerdings, dass von den Betroffenen über zwei Drittel als Erwachsene beschwerdefrei sind. Trotzdem führt die Diagnose „Neurodermitis“ erst einmal zu großer Verunsicherung der Eltern.

Was genau ist Neurodermitis?

Obwohl der Begriff Neurodermitis in aller Munde ist, dürfte er so eigentlich gar nicht mehr verwendet werden. Denn mit dem im 19. Jahrhundert vermuteten Zusammenhang zwischen der Haut (Derma) und einer Entzündung (itis) der Nerven (Neuron) hat diese Krankheit, das weiß man inzwischen, nichts zu tun.

Medizinisch wird deshalb heute von einem ‚atopischen Ekzem’ oder ‚atopischer Dermatitis’ gesprochen. Um bei der Benennung zu bleiben: ‚atopisch’ bedeutet so viel wie „nicht zuzuordnen“. Denn das Hauptmerkmal dieser chronischen Krankheit ist eine Reaktion der Haut auf eigentlich harmlose Substanzen oder psychische Zustände. Vielleicht spiegelt die Schwierigkeit einer korrekten Benennung aber auch das komplexe Bild dieser Krankheit wider. Ihre Erscheinungsform und damit auch die Behandlung ist fast so individuell wie die Betroffenen.

Der Einfachheit halber wird hier aber weiter der allgemein gebräuchliche Begriff Neurodermitis verwendet.

Ursachen für die Erkrankung

Warum Kinder an Neurodermitis erkranken, ist noch nicht geklärt. Da der Krankheitsverlauf so individuell ist, vermutet man eine Kombination aus Umwelteinflüssen, genetische Faktoren und Veränderungen der körpereigenen Abwehr. Die Krankheit ausschließlich mit allergischen Reaktionen zu erklären, greift zu kurz.

Ein besonders wichtiger Faktor scheint die Barrierefunktion der Haut zu sein, die gestört ist. Die Schutzfunktion der Haut ist nicht vollständig, d.h. die Haut kann den Körper nicht vor äußeren Einflüssen schützen und reagiert mit Entzündungen darauf. Als Ursachen dafür wird in Studien ein Gendefekt genannt und es wird außerdem vermutet, dass Neurodermitiker nicht genügend Hautfett produzieren können, da bei ihnen ein Enzym im Darm nicht richtig arbeitet.

Wie äußert sich Neurodermitis?

Neurodermitiker leiden an besonders empfindlicher, trockener Haut, die sich rötet und juckt. Die Haut ist auf Grund der gestörten Barrierefunktion sehr leicht durch äußere Einflüsse reizbar, besonders in den Arm- und Kniebeugen und am Hals. Während akuter Schübe kann die Haut nässen und schuppen.

Die Haut reagiert auf verschiedene Faktoren mit Rötungen und Entzündungen.

  • Irritierende Faktoren wie Schweiß, Kleidung oder die Wasserhärte.
  • Reaktionen auf Nahrungsmittel, Textilien, die auch allergisch sein können.
  • Mikrobielle Faktoren wie Bakterien oder Pilze, die sich auf der rissigen wunden Haut ansiedeln.
  • Psychische Faktoren wie Stress, sei er positiv oder negativ.
  • Zusätzliche Faktoren wie Klima, UV-Licht, Hormone oder akute Infekte.

Das typische Symptom: angegriffene Haut

Bei Säuglingen ist Milchschorf eine frühe Form des atopischen Ekzems, darf aber nicht mit dem harmlosen Kopfgneis verwechselt werden, der meist umgangssprachlich als Milchschorf bezeichnet wird. Kläre das im Zweifelsfall mit deinem Kinderarzt bzw. einem Allergologen. Ein Hauptunterscheidungspunkt ist der Zeitpunkt des Auftretens: Kopfgneis entsteht bereits nach wenigen Tagen, Milchschorf meist erst nach drei Monaten auf dem Kopf der Kinder. Auch an Bauch und Armen kann das Ekzem auftreten. Da sich die Kleinsten noch nicht mit den Händen kratzen können, reiben sie sich statt dessen an Kleidungsstücken oder ihrem Bett.

Ab etwa dem zweiten Lebensjahr treten die für Neurodermitis so typischen roten, trockenen und juckenden Stellen an Gelenkbeugen, Nacken und Gesicht auf. In der Pubertät dann sind meist Augenlider, Stirn, Gelenkbeugen und Handrücken betroffen.

Besonders unangenehm: der Juckreiz

Durch den Juckreiz und das damit ausgelöste Kratzen wird die Haut oft noch reizbarer, blutig, offen und entzündet sich. Ein Teufelskreis beginnt: Durch das Kratzen verstärken sich die Irritationen, es kommt zu Schlafmangel, Übermüdung und Stress, der sich wiederum in Hautreaktionen niederschlägt. Bei Kindern können unruhige Nächte durch den Juckreiz zu Stress bei den Eltern führen, der sich dann wieder auf die Kinder überträgt. Durch das Kratzen und Wundsein verdickt sich die Haut und wird dunkler.

Das veränderte Hautbild kann auch eine psychische Belastung sein. Die Krankheit schränkt dann nicht nur das körperliche Wohlbefinden ein. Auch der Alltag ist erschwert. Die Betroffenen ziehen sich zurück, vermeiden soziale Kontakte und geraten dadurch unter Umständen in psychischen Stress, der die Krankheit wiederum verstärken kann. Ein Teufelskreis.

Bei Kindern kann sich die psychische Komponente noch anders äußern. Das Kratzen der Haut bringt Erleichterung beim Juckreiz, kann sich aber auch als allgemeines Stressverhalten verfestigen, d.h. die Kinder kratzen sich, wenn sie sich gestresst fühlen, selbst wenn es der Haut gut geht.

Meist tritt Neurodermitis in Schüben auf. Da nicht immer ein Zusammenhang zur aktuellen Behandlung festgestellt werden kann, ist es besonders schwierig, eine geeignete Therapie zu finden.

Tipps vom Kinderarzt: Linderung der Neurodermitis

Diagnose und Behandlung von Neurodermitis

Mit dem Verdacht auf Neurodermitis sind Eltern mit ihren Kindern beim Kinderarzt gut aufgehoben, betont Dr. Ulrich Fegeler vom Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte. Dort können Diagnose und weitere Tests durchgeführt werden. Erst wenn Zusatzfragen auftauchen, sei unter Umständen eine Überweisung an eine kinderärztliche Fachinstitution nötig.

Diagnostiziert wird Neurodermitis anhand des typischen Hautbildes und des Juckreizes, ergänzt durch Angaben des Patienten zu seinen Symptomen und Erkrankungen in der Familie. Einen "Neurodermitis-Test" gibt es nicht. Einige äußere Merkmale, wie allgemein trockene Haut oder eine doppelte Lidfalte können auf Neurodermitis hinweisen, müssen es aber nicht. Allergietests werden zur Abklärung von zusätzlichen Auslösefaktoren durchgeführt.

Je nach Schweregrad der Ekzeme gibt es verschiedene Methoden zur Behandlung der Haut. Da diese aber durch unterschiedliche Faktoren beeinflusst wird, sollten parallel verschiedene Maßnahmen angewandt werden.

Die Behandlungsform hängt vom Schweregrad ab

Bei trockener und juckender Haut kann eine Basispflege der Haut mit Cremes und Lotionen schon ausreichen, diese unterstützen die gestörte Barrierefunktion der Haut und helfen bei der Rückfettung.

Bei leichten Ekzemen sind Cremes mit Harnstoff, Zink oder Nachtkerzenöl oft hilfreich. Die Haut heilt schneller und behält ihre Feuchtigkeit. Bei Bakterien- oder Pilzbefall der Haut sind weitere Medikamente erforderlich.

Bei stärkeren Ekzemen kann es nötig werden, auf Hydrocortisonpräparate zurückzugreifen, die die Entzündung lindern. Neuere Medikamente unterdrücken das Immunsystem der Haut und verhindern so weitere Reaktionen und Entzündungen. Der Juckreiz kann mit so genannten Antihistaminika eingedämmt werden, die sehr müde machen und geplagten Kindern zu nötigem Schlaf verhelfen.

Bei sehr starken Schüben und Entzündungen versprechen Salben mit Glucocorticoiden Besserung, die allerdings bei längerer Anwendung starke Nebenwirkungen haben. Breitet sich das Ekzem stark aus, muss auf eine innere Anwendung von Kortison zurückgegriffen werden.

Nicht nur Cremes helfen

Neben der Behandlung der Haut mit den genannten Wirkstoffen gibt es auch Therapien mit hochdosiertem UV-Licht, die für Kinder wegen der Beschleunigung der Hautalterung nicht gut geeignet sind. Als wirksam haben sich auch Kuren am Meer oder im Gebirge erwiesen. Alternative Heilmethoden setzen oft bei einer Sanierung des Darms an.

Manchen Neurodermitikern hilft das Tragen von Wäsche mit Silberfasern. Ergänzend zur medikamentösen Behandlung helfen auch Entspannungstechniken. (Für beides gibt es teilweise eine Kostenübernahme der Krankenkassen.)

Die Krankheit selbst in die Hand nehmen

Einmal von Fachärzten mit der Diagnose „atopisches Ekzem“ entlassen, dreht sich für die Betroffenen aber meist alles darum, die auslösenden Faktoren für die Reaktion der Haut zu finden. Das erfordert viel Geduld.

In vielen Forenbeiträgen im Internet und auf eigenen Seiten beschreiben Betroffene ihren Leidensweg und was ihnen geholfen hat. Thema Nummer eins ist dabei immer die Ernährung. Gerade bei Kindern besteht jedoch durch verallgemeinerte Ernährungsratschläge (z.B. keine Milchprodukte) die Gefahr einer Mangelernährung.

Der Deutsche Allergie und Asthma Bund weist auf seiner Internetseite darauf hin, dass es die „Neurodermitis-Diät“ nicht gibt. Nur durch Beobachtung und die Zusammenarbeit mit einem Allergologen und einer allergologisch geschulten Ernährungsfachkraft solle der individuelle Ernährungsplan angepasst werden.

Wichtig bei allen Behandlungsmethoden von der Salbe bis zur Ernährung ist die Selbstbeobachtung und die damit auch übernommene Selbstverantwortung für die Krankheit. Hier liegt die Chance, den Alltag für die betroffenen Familien wieder leichter zu machen und sich weniger ausgeliefert zu fühlen. In ganz Deutschland gibt es inzwischen Neurodermitis-Schulungen für Eltern und Kinder, die teilweise sogar von den Krankenkassen übernommen werden.

Auch wenn viele Kinder im Laufe der Zeit wieder symptomfrei werden, bleibt doch oft eine Neigung zu trockener Haut und eine erhöhte Allergiebereitschaft. Zur weiteren Vorbeugung sollte auf Haustiere mit Fell oder Federn verzichtet werden, die Kinder sollten keinem Zigarettenrauch in der Luft ausgesetzt sein und in einer möglichst staub- also milbenfreien Umgebung aufwachsen. Auch wenn es bei kleinen Kindern etwas weit hergeholt scheint, aber auch für die spätere Berufswahl ist es sinnvoll, die Neigung zu (allergischen) Hautreaktionen zu berücksichtigen.

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