Schon Babys betroffen
Neurodermitis bei Kindern
Etwa jedes zehnte Kind in Deutschland erkrankt, oft schon im Baby-Alter, an Neurodermitis, heute meist Atopisches Ekzem genannt. Für Familien eine große Herausforderung, denn die geeignete Therapie muss oft mühsam gefunden werden.
Ursachen und Symptome von Neurodermitis
Etwa zehn Prozent aller Kinder erkranken in Deutschland an Neurodermitis, die meisten bereits im Baby-Alter oder spätestens bis zum Ende des zweiten Lebensjahrs. Die gute Nachricht ist allerdings, dass von den Betroffenen über zwei Drittel als Erwachsene beschwerdefrei sind. Trotzdem führt die Diagnose „Neurodermitis“ erst einmal zu großer Verunsicherung der Eltern.
Was genau ist Neurodermitis?
Obwohl der Begriff Neurodermitis in aller Munde ist, dürfte er so eigentlich gar nicht mehr verwendet werden. Denn mit dem im 19. Jahrhundert vermuteten Zusammenhang zwischen der Haut (Derma) und einer Entzündung (itis) der Nerven (Neuron) hat diese Krankheit, das weiß man inzwischen, nichts zu tun.
Medizinisch wird deshalb heute von einem ‚atopischen Ekzem’ oder ‚atopischer Dermatitis’ gesprochen. Um bei der Benennung zu bleiben: ‚atopisch’ bedeutet so viel wie „nicht zuzuordnen“. Denn das Hauptmerkmal dieser chronischen Krankheit ist eine Reaktion der Haut auf eigentlich harmlose Substanzen oder psychische Zustände. Vielleicht spiegelt die Schwierigkeit einer korrekten Benennung aber auch das komplexe Bild dieser Krankheit wider. Ihre Erscheinungsform und damit auch die Behandlung ist fast so individuell wie die Betroffenen.
Der Einfachheit halber wird hier aber weiter der allgemein gebräuchliche Begriff Neurodermitis verwendet.
Ursachen für die Erkrankung
Warum Kinder an Neurodermitis erkranken, ist noch nicht geklärt. Da der Krankheitsverlauf so individuell ist, vermutet man eine Kombination aus Umwelteinflüssen, genetische Faktoren und Veränderungen der körpereigenen Abwehr. Die Krankheit ausschließlich mit allergischen Reaktionen zu erklären, greift zu kurz.
Ein besonders wichtiger Faktor scheint die Barrierefunktion der Haut zu sein, die gestört ist. Die Schutzfunktion der Haut ist nicht vollständig, d.h. die Haut kann den Körper nicht vor äußeren Einflüssen schützen und reagiert mit Entzündungen darauf. Als Ursachen dafür wird in Studien ein Gendefekt genannt und es wird außerdem vermutet, dass Neurodermitiker nicht genügend Hautfett produzieren können, da bei ihnen ein Enzym im Darm nicht richtig arbeitet.
Wie äußert sich Neurodermitis?
Neurodermitiker leiden an besonders empfindlicher, trockener Haut, die sich rötet und juckt. Die Haut ist auf Grund der gestörten Barrierefunktion sehr leicht durch äußere Einflüsse reizbar, besonders in den Arm- und Kniebeugen und am Hals. Während akuter Schübe kann die Haut nässen und schuppen.
Die Haut reagiert auf verschiedene Faktoren mit Rötungen und Entzündungen.
- Irritierende Faktoren wie Schweiß, Kleidung oder die Wasserhärte.
- Reaktionen auf Nahrungsmittel, Textilien, die auch allergisch sein können.
- Mikrobielle Faktoren wie Bakterien oder Pilze, die sich auf der rissigen wunden Haut ansiedeln.
- Psychische Faktoren wie Stress, sei er positiv oder negativ.
- Zusätzliche Faktoren wie Klima, UV-Licht, Hormone oder akute Infekte.
Das typische Symptom: angegriffene Haut
Bei Säuglingen ist Milchschorf eine frühe Form des atopischen Ekzems, darf aber nicht mit dem harmlosen Kopfgneis verwechselt werden, der meist umgangssprachlich als Milchschorf bezeichnet wird. Klären Sie das im Zweifelsfall mit Ihrem Kinderarzt bzw. einem Allergologen. Ein Hauptunterscheidungspunkt ist der Zeitpunkt des Auftretens: Kopfgneis entsteht bereits nach wenigen Tagen, Milchschorf meist erst nach drei Monaten auf dem Kopf der Kinder. Auch an Bauch und Armen kann das Ekzem auftreten. Da sich die Kleinsten noch nicht mit den Händen kratzen können, reiben sie sich statt dessen an Kleidungsstücken oder ihrem Bett.
Ab etwa dem zweiten Lebensjahr treten die für Neurodermitis so typischen roten, trockenen und juckenden Stellen an Gelenkbeugen, Nacken und Gesicht auf. In der Pubertät dann sind meist Augenlider, Stirn, Gelenkbeugen und Handrücken betroffen.
Besonders unangenehm: der Juckreiz
Durch den Juckreiz und das damit ausgelöste Kratzen wird die Haut oft noch reizbarer, blutig, offen und entzündet sich. Ein Teufelskreis beginnt: Durch das Kratzen verstärken sich die Irritationen, es kommt zu Schlafmangel, Übermüdung und Stress, der sich wiederum in Hautreaktionen niederschlägt. Bei Kindern können unruhige Nächte durch den Juckreiz zu Stress bei den Eltern führen, der sich dann wieder auf die Kinder überträgt. Durch das Kratzen und Wundsein verdickt sich die Haut und wird dunkler.
Das veränderte Hautbild kann auch eine psychische Belastung sein. Die Krankheit schränkt dann nicht nur das körperliche Wohlbefinden ein. Auch der Alltag ist erschwert. Die Betroffenen ziehen sich zurück, vermeiden soziale Kontakte und geraten dadurch unter Umständen in psychischen Stress, der die Krankheit wiederum verstärken kann. Ein Teufelskreis.
Bei Kindern kann sich die psychische Komponente noch anders äußern. Das Kratzen der Haut bringt Erleichterung beim Juckreiz, kann sich aber auch als allgemeines Stressverhalten verfestigen, d.h. die Kinder kratzen sich, wenn sie sich gestresst fühlen, selbst wenn es der Haut gut geht.
Meist tritt Neurodermitis in Schüben auf. Da nicht immer ein Zusammenhang zur aktuellen Behandlung festgestellt werden kann, ist es besonders schwierig, eine geeignete Therapie zu finden.







